12. Juni 2013

Vertragt euch!

Der Mischverkehrsweg oder auch shared space ist ein Kreuz für Radfahrer.

Hier müssen sich Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer den Verkehrsweg teilen. Regeln gibt es keine. Man sollte sich halt nicht über den Haufen fahren oder rennen. Vorrang hat keiner, aber sowohl Fußgänger als auch Radler erwarten von Autofahrern ein äußerst defensives Verhalten. Der letzte in der Hackordnung ist auf solchen Straßen der Radler. Er ergrimmt Fußgänger, wenn er hurtig unterwegs ist und klingelt, und er muss Autofahrern oft schnell ausweichen, die vor lauter Ausschau nach Parkplätzen den Radler nicht sehen. (Parken dürfen sie hier allerdings nicht.)

Stuttgart hat in der Tübinger Straße das Experiment begonnen.
Der Abschnitt ist Teil des Längstal-Radwegs, der von Vaihingen durch die Innenstadt nach Cannstatt führt. Radfahrer werden hier ausgebremst. Eine Alternativroute ist wegen der Einbahnstraßen rund herum nicht möglich. Vor allem im Sommer kreuzen Fußgänger mit Einkaufstaschen und Handy am Ohr nahezu blicklos die Fahrbahn. Und vor allem die Fahrer großer und teurer Autos nutzen die Flächen als Parkfläche. Gerne ab Freitagabend. Falls kontrolliert wird, sind die anfallenden Bußgelder offenbar verschmerzbar, wenn man kein Parkhaus suchen muss.

Ein Mischverkehrsweg gehört zu denen Wegen, auf denen keine Regeln gelten. Sie verstärken beim Radfahrer das Grundgefühl, dass er sich seinen Weg durch einen Dschungel selber suchen muss. Das führt dazu, dass er /sie sich auf geregelten Verkehrsflächen auch nicht an die Regeln hält. (Siehe: Warum hält ein Radfahrer nicht bei Rot?)



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