26. August 2013

Pedelec ja, aber welches?

Sommer. Sie sind viel auf dem Rad unterwegs und überlegen, ob Sie das nicht öfter tun sollten. Beispielsweise auf dem Weg zur Arbeit das Rad nehmen. Wenn nur nicht die Berge wären. In Stuttgart bietet sich deshalb  ein Pedelec für Alltagsfahrten an. Für mich ist es seit sieben Jahren der Ersatz für ein Auto in der Stadt. 

Bei der Suche nach dem richtigen Pedelec hilft in Stuttgart Michael Lausterer mit seinem eRadwerk in der Reinsburgstraße. Hier kann man sich informieren und Räder eine Weile testfahren.

Mein erstes Pedelec war 2006  ein Flyer mit Panasonic-Antrieb. Was mich sofort überzeugte: Schon beim Antritt bekommt man einen Schubs. Und dann rollt man mit gepflegtem "Rückenwind" leichte Anstiege hinauf. Bei Steilstrecken musste ich durchaus treten. Die Alte Weinsteige oder die Kerner Straße kam ich aber gut hinauf, denn ich habe durchaus Lust, ein bisschen Kraft aufzuwenden. Die heutigen Flyer sind viel stärker.


Mein zweites Pedelec hat einen Bosch-Antriebssystem. Der Unterschied zum Flyer: Hier gibt es beim Antritt keinen Schubs. Die elektrische Unterstützung des Pedal-Tritts setzt erst ein, wenn der Sensor am Hinterrad bereits eine gewisse, wenn auch sehr kleine, Geschwindigkeit misst. Der Vorteil. Man kann an der Ampel den Fuß auf dem Pedal lassen, ohne dass es immer wieder Schucker gibt. Und der Motor ist bergauf kraftvoller (auch im Vergleich zu heutigen Panasyonic-Systemen).

Alle Pedelecs haben heute mindestens drei Stufen, über die Sie die Stärke der elektrischen Pedalunterstützung wählen können. Die höchste Stufe verwendet man eigentlich nur bei sehr steilen Anstiegen. Die meisten Fahrten macht man in der mittleren (oder den beiden mittleren). Und wenn man gemächlich auf ebener Strecke unterwegs ist, nimmt man die niedrigste. Solche Antriebe können auch in sportliche Räder eingebaut werden, beispielsweise damit Downhill-Radler den Berg erst einmal hochkommen. Ein Downhiller hat mich allerdings darauf aufmerksam gemacht, dass Boschantriebe ein kleines weißes Zahnrad aus Plastik haben, das bei Geländefahrten unter hohem Druck dann auch gern mal bricht. (Soll wohl verbessert werden.)

Wenn Sie sich ein Pedelec kaufen wollen - das ja nie wirklich billig ist - dann testen Sie beide Antriebs-Versionen. Starten Sie mit beiden Rädern an Ampeln, stellen Sie sich mit beiden einfach nur hin und lassen einen Fuß auf dem Pedal, und fahren Sie mit beiden die Alte Weinsteige wenigstens halb hoch. (Ein technischer Vergleich: siehe auch hier) Über den dritten Antrieb, Impulse, kann ich aus eigener Erfahrung nichts sagen. Der Gag dabei, es ist ein Fahrrad mit Rücktrittsbremse.

Ich habe ihre Vor- und Nachteile so erlebt:

Bosch: Kraftvoll, sparsam (lange Reichweite), sehr freudig auf Steilstrecken, aber lauter. Unterstützt den Antritt beim Start nicht.
Ist besonders stark bei schnellerer Trittfrequenz.

Panasonic: Leiser, setzt beim Startantritt schon ein, aber genau das ist gefährlich, wenn man stehen bleibt und den Fuß auf dem Pedal lässt. Weniger freudig am Steilhang. Wirkt weicher und gemütlicher.
Stark eher bei einer langsamen Trittfrequenz.

Wobei Sie bei allen Pedelecs das Gefühl haben werden, dass die Unterstützung dann schwächer wird, wenn Sie sich echt anstrengen und in die Pedale treten. Denn dann ist Ihre eigene Kraft größer als die, die Sie dazu bekommen. Pedelecs entfalten ihren Charme vor allem auf Strecken, die man mit leichtem bis mittlerem Druck zurücklegt. Und wenn sie vom Sport ausgepowert sind, kommen Sie trotzdem noch gut die 10 Kilometer nach Hause.

Alle Pededelecs, mit denen Sie noch auf Radwegen fahren dürfen, drosseln die Energiezugabe bei 25 km/h. Natürlich können Sie schneller damit fahren, dann aber tun Sie das aus eigener Kraft. Es gibt inzwischen auch solche, die bis 45 km/h unterstützen. Die brauchen dann aber Nummernschilder und dürfen nicht mehr auf Radwegen, schon gar nicht freigegeben Gehwegen fahren. (Schlecht für Stuttgart). Solche Räder sind für Alltagsradler sinnvoll, die eine weite Strecke (über 20 km) zur Arbeit fahren und das hauptsächlich über Land und Landstraßen. Und die sich nicht scheuen immer im Stuttgarter Autoverkehr mitzufahren.

Wenn Sie hauptsächlich durch die Stadt kurven, dann brauchen Sie das nicht. Denn innerhalb der Stadt kommt man mit dem Pedelec in der Regel nicht schneller voran als mit durchschnittlich 19 km/h (einschließlich aller Langsamfahrten durch dichtes Fußgängergewühl und schnellen Abfahrten auf Steilstrecken.) Nicht erschrecken: Das ist nicht langsam. Sie sind damit innerhalb von Stuttgart  genauso schnell oder langsam wie als Autofahrer (nicht mitgerechnet Parkplatzsuche und Staus).

Die Reichweite des Akkus ist nur entscheidend, wenn Sie lange Strecken fahren wollen. Wenn Sie das Pedelec haben wollen, um die tägliche Strecke von der Arbeit und zurück zu bewältigen, ist die Reichweite nicht das Entscheidende. Zumal alle Akkus heute mehr als 40 Kilometer (einschließlich einiger Anstiege) abdecken, die meisten aber 60 Kilometer (einschließlich eines ordentlichen Anstiegs.)  Fahren Sie ebene Strecken auf im Eco-Level, dann reichen die bis zu 120 Kilometer.

Die meisten Wege zur Arbeit sind nicht länger als 5 bis 12 Kilometer. Das sind gute Strecken für Pedelecs. Sie fahren drei Mal ins Geschäft und einmal zum Sport und müssen danach den Akku wieder aufladen. Das tun Sie, indem Sie die Batterie herausnehmen und bei sich in der Wohnung in eine Ladestation stecken. Nach knapp vier Stunden ist der Akku komplett wieder aufgeladen. Kosten: ca. 10 Cent. (Zur Ökobilanz: Hier)

Was der adfc dazu sagt

Kommentare:

  1. Hallo Christine,

    danke für diesen ausführlichen Bericht.

    Bin mich gerade am informieren über sportliche E-Bikes, da ich mir auch so eines zulegen möchte. Nach meiner kürzlich überstandenen Knie OP kann ich nicht mehr ganz so kräftig in die Pedale treten, da ist ein bisschen Unterstützung nicht verkehrt. :)

    Vielleicht werde ich ja demnächst fündig, mal sehen.

    Liebe Grüße

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  2. Danke, Bernd, viel Erfolg bei der Suche, und lassen Sie sich nicht zu sehr von meiner Einschätzung beeinflussen. Jeder Radler ist anders. Pedelecs fördern auf jeden Fall die Bewegung, gerade postoperativ, wo es ja besonders notwendig ist.

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  3. Ja, das stimmt, da haben Sie recht.

    Und ich muss zugeben, seit ich bei einem Bekannten das erste mal auf einem gesessen habe, bin ich davon fasziniert. Man bekommt das Grinsen einfach nicht mehr aus dem Gesicht ;)

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  4. So ging es mir auch, als ich für den SWR vor sieben Jahren mal ein Pedelec testen sollte. Ich war sofort fasziniert und habe mir gesagt: Das will ich haben. Das löst mein Problem, dass ich heimwärts immer den Berg rauf muss. Da kann ich ja dann täglich fahren. Da überlege ich mir nicht, ob mir der Heimweg am Abend zu anstrengend sein könnte. Das Pedelec eröffnet für nicht gestählte Rennfahrer und Bergflöhe ganz neue Möglichkeiten, aufs Auto wirklich zu verzichten.

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  5. Hallo ich gibt verschiedene modele ein link
    http://e-bikekaufen.net/

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