21. November 2013

Was wünscht ihr euch als Radler in Stuttgart?

Das habe ich meine Facebook-Leser/innen gefragt.
Die Antworten lauteten:

  • Keine Radwege. Oder sichere, die durchgehen.
  • Mehr Verkehrsfläche für Radler, weniger für Autos.
  • Weniger parkende Autos auf Radwegen.
  • Aus allen Stadtteilen Schnurstrackswege ins Zentrum mit Wegweisern (was besonders für Auswärtige oder Erstfahrer wichtig ist.)
  • Generell Tempo 30 in der Stadt (ausgenommen ein paar Vorbehaltsstaßen.
  • Ein zusammenhängendes Fahrradwegenetz anstelle des derzeitigen Flickenteppichs.
  • Abschaffung der 2-Meter-Regel für Waldwege (Radler dürfen auf schmaleren Waldwegen nicht fahren.) 
  • Trennung von Radfahrern und Fußgängern.

Dazu die Überlegung einer Kommentatorin: Eine Schnurstracksspur aus jedem Stadtteil in den Kessel würde an vielen Stellen bedeuten, dass entweder sämtliche parkenden Pkws an dieser Straße verschwinden oder aber eine schmale Straße komplett für Fahrräder reserviert und für Autos gesperrt wird. Eins von beidem halte ich für unvermeidbar, wenn wir hier in Stuttgart zu einer Lösung kommen wollen. Beides würde vermutlich zu einem Aufruhr in der autofahrenden Bevölkerung führen. Aber Stuttgart ist im Talkessel eben so aufgestellt, dass nur eine radikale Lösung zum Erfolg führen kann. Ich wünsche sie mir sehr! Sonst bekommen wir wie in den letzten Jahren immer nur wieder Stuttgarter Stückwerk, das allenfalls in jeden dritten Fall das schlimmste lindert, aber kein Gesamtkonzept hat.

Vorschlag: Schaffen wir den Fahrradbeauftragten ab und setzen wir einen Autobeauftragen ein. Das bedeutet nämlich, dass wir künftig für Radfahrer planen, nicht mehr für Autos. 

Ich komme immer öfter zu dem Schluss, dass es nichts bringt, hier und dort Radspuren, Radwege oder Sicherheitsstreifen anzulegen, wie das momentan für die über 12 Hauptrouten geplant wird. 

Das Foto (Charlottenplatzquerung über die Planke Richtung Landtag) zeigt, dass es mit unserer üblichen Stuttgarter Bastelei doch nie richtig funktioniert. Radfahrer stehen auf dem Fußgängerteil (Fußgänger noch öfter auf dem Radteil). Ein Kampfradler ignoriert die Radspuren, die hier zu einer dreizügigen Fußgängerampel führen, und überquert den Charlottenplatz doch lieber auf der Fahrbahn,(geht am schnellsten). Was hier übrigens gar nicht vorgesehen ist, abwärts aus der Charlottenstraße Richtung Schlossplatz aber sehr wohl, jedoch kaum genutzt wird. 

Radspuren, wo auch immer sie sind, auf dem Gehweg oder auf der  Fahrbahn, machen das Radeln nicht sicherer. Auf dem Gehweg hat man es mit querenden Fußgängern zu tun und auf Fahrbahnen mit Autos, die auf der Radspur stehen. Unsichere Radfahrer weichen generell auf Gehwege aus, und unerschrockene und sportliche Radfahrer nehmen die Fahrbahnen (was als am sichersten gilt). Autofahrer wissen eigentlich derzeit in Stuttgart gar nicht mehr, von wo ihnen Radler in die Quere kommen können. Und Fußgänger sind genervt. 

Deshalb plädiere ich für Fahrradstraßen-Spuren. Das heißt auf unseren vierspurigen Straßen wird jeweils die rechte Spur mit dem blauen Kreis mit Radzeichen versehen und ist Fahrradstraße. Dort können Autos immer noch fahren, aber Radfahrer haben Vorrang. Zudem werden viele Nebenstraßen als Fahrradstraßen ausgewiesen. Das kostet keine Parkplatze, es verschafft Radlern aber einen Raum, den auch Autofahrer mit der Zeit ernsthaft wahrnehmen und respektieren werden. Es könnte außerdem dazu beitragen, dass ängstlichere Radler von den Gehwegen runter kommen und auf den Fahrbahnen fahren. 

Die geforderten Schnurstrackswege werden übrigens derzeit als Hauptrouten geplant, welche die Stadtteile mit dem Stadtzentrum verbinden sollen. Allerdings ist es doch ein ziemliches Gekurvte auf der Suche nach einem Kompromiss zwischen Autoverkehr, Steilststrecken, Geldmangel und Angst vor dem Aufruhr der Autofahrer. Und geplant werden diese Strecken übrigens hauptsächlich von Rad fahrenden Männern. Die ticken anders als Frauen. Sie haben zum Beispiel keine Sorge, nachts über abgeschiedene Waldwege zu fahren. Und sie nehmen steile Straßen unerschrockener als sportliche Herausforderung in Angriff. 

Ich meine aber, wir brauchen in Stuttgart einfache, nicht zu steile und friedlich anmutende Radwege für Alltagsradler, die nicht die sportliche Herausforderung suchen, sondern von A nach B wollen oder müssen.

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