15. Dezember 2013

Die Fußgängerseele des Radfahrers

Zu Recht beschweren sich Fußgänger oft, dass Radfahrer auf Gehwegen fahren, auch auf denen, die für sie nicht freigegeben sind. Es gibt viele Radfahrer, die haben die Seele eines Fußgängers. 

Sie sehen sich nicht als geräderte Verkehrsteilnehmer wie Autos, sondern fühlen sich bedroht, ungeschützt und schwach, den Autos gegenüber.

Manche erklären mir nachdrücklich, dass sie nie auf Fahrbahnen fahren werden. Es sei denn, es gibt dort Radwege. Auf denen fühlen sie sich sicherer, obgleich sie es nicht sind, weil Autofahrer das, was an ihrer rechten Autoseite passiert, nur schlecht wahrnehmen. Radwege erhöhen die Gefahr, dass ein rechts abbiegender Autofahrer den Radler übersieht, der gerade aus will.

Hier am Ausgang der Fahrradstraße  Eberhardstraße, gibt es eine Ampel nur für Radfahrer. Trotzdem hat dieser Radler keine Lust, an der Ampel zu warten wie ein Auto. Er fährt auf den Gehweg und zum Fußgängerüberweg vor, wo er dann auch warten muss. Als er dort Grün bekommt, radelt er dann wieder zurück auf die Fahrbahn in den Mischverkehrsbereich des Rotebühlplatzes. Eine blödsinnige Aktion. Und warum eigentlich?

Warum fällt es so vielen Radlern so schwer, sich nicht irgendwie durchzuschlängeln und nicht jede Gelegenheit zu ergreifen, irgendwie vorwärts zu kommen. Warum können sie an roten Ampeln nicht warten, auch dann nicht, wenn sie nur für sie eingerichtet wurden? Warum warten sie lieber an Fußgängerampeln.

Auch diese Radlerin nimmt den umgekehrten Weg in die Eberhardstraße nicht über die Ampel, die sie sich mit Autos teilen müsste, sondern über den Fußgängerüberweg.

Oder der hier auf der Neckarstraße. Die Fahrbahn ist doch frei. Warum flüchtet er hier auf den Gehweg, einen schmalen noch dazu, auf dem gerade ein Fußgänger kommt? Was geht in ihm vor.

Ich denke manchmal, viele Radfahrer sehen sich eigentlich als Fußgänger, die nur etwas schneller sind. Das kommt aus der Kindheit, wo man mit dem Rad auf dem Schulweg eben einfach nur etwas schneller war. Diese infantile Fußgängerseele des Radfahrers ist auch schuld daran, dass Radler so gern nachts ohne Licht fahren, und dann auch noch auf dem Gehweg. Fußgänger haben ja auch kein Licht. Und man sieht sie als Autofahrer genausowenig oder erst so spät wie Radfahrer ohne Licht.

Die Stadt fördert diese Mentalität, weil sie in Stuttgart die Radler immer wieder unter die Fußgänger schickt. Und zwar immer dort, wo sie sie von der Fahrbahn weg haben will und eine echte Radweglösung zu teuer wäre und womöglich einen Aufstand der Autofahrer provozieren würde. Radfahrer werden aber erst dann anfangen, sich an die Straßenverkehrsordnung zu halten, wenn sie als Verkehrsteilnehmer ernst genommen werden.

Dennoch, liebe Radlerinnen und Radler: Besinnt euch doch mal auf eure Radlerseele, verhaltet euch berechenbar und seid sichtbar, sowohl für Autos als auch für Fußgänger. 

Kommentare:

  1. Ausgang Eberhardstraße: Diese Radfahrerampel hat eine Schickanierschaltung! Während die Fußgänger schon längst grün kriegen, bleibt die Radfahrerampel so lange rot, bis die Fußgängerampel wieder rot ist und wird erst danach grün.
    Wenn die Stadt hier mitdenken und die Schaltung fahrradfreundlicher machen würde, bräuchte keiner auf den Gehweg ausweichen. Immerhin könnte man (wie an Autoampeln auch) gleichzeitig auf grün schalten und einen gelb blinkenden Rechtsabbiegepfeil hinmachen (der heißt: pass beim Abbiegen auf Fußgänger etc. auf).
    Im übrigen hab ich dort noch so gut wie nie jemanden nach rechts abbiegen sehen mit dem Rad, weil wenn man dort runter will, fährt man schon vorher von der Eberhardstraße eine Kreuzung früher rechts.

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  2. Ich kenn noch andere solcher Schaltungen, wo die Fußgänger vor den Radlern grün kriegen. Aber das ist eigentlich kein Grund, den Fußgängerberweg zu nehmen. Denn irgendwann müssen wir immer mal bei Rot warten.

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