15. Juni 2013

Von Kampfradlern und Radlerhassern


"Nicht der Kampfradler ist wahnsinnig, sondern das Verkehrssystem, in dem er sich abstrampelt. Und deshalb muss er sich seinen Weg durch den Straßendschungel täglich selbst suchen. Ja, erkämpfen. Wer in Berlin auf dem Sattel sitzt, wird zum Kampfradler – oder er schiebt. (taz, 30.5.13)

Nicht immer geht es friedlich zu. Leider. Radler auf Fußwegen düsen knapp an Menschen an Krücken vorbei (Todsünde, denn Alte, Bekrückte und Rollatorenschieber sind eh schon unsicher auf den Beinen). Radler rasen in Gegenrichtung durch Einbahnstraßen (auch wo es nicht erlaubt ist) und beschimpfen den Autofahrer, der sie "behindert." Autofahrer nehmen Radler auf den Kühler, die erlaubterweise in Gegenrichtung durch die Einbahnstraße fahren. Oder streifen Radler mit dem Außenspiegel. Oder drücken ihn an den Bordstein, wo sich sein Pedal verhakt. Radler fahren auf dem in ihrer Fahrtrichtung linken, also falschen Radweg und erschrecken alle andern.

14. Juni 2013

Labyrinthe - alles easy am Bahnhof

Der Weg per Fahrrad aus dem Westen von Stuttgart in den Stadtpark führt am Hauptbahnhof vorbei. 

Das ist immer wieder ein vergnügliches Pfadfinder-Spiel über Fußgängerampeln, Gehwege, zugeparkte Radstreifen-Schnipsel, ein- und ausparkende Autos und Taxis.


13. Juni 2013

Das Mysterium im Straßenverkehr

Die Fahrradstraße

ist vielen ein Rätsel. Stuttgart hat eine eingerichtet. Sie ist wie der Mischverkehrsweg in der Tübinger Straße Teil des Tallängswegs für Radler. Sie beginnt in der Eberhardstraße am Hegelhaus, geht vor bis zu Breuniger, dann nach links am Marktplatz vorbei und nach rechts bis zur Markthalle.

Fahrradstraße bedeutet, dass andere Fahrzeugführer die Straße nicht benutzen dürfen. Keine Autofahrer, kein Lastverkehr, keine Motorräder, keine Fußgänger. Im Prinzip. Aber meistens regelt ein Zusatzschild die Ausnahmen.

Hier ist die Straße ebenfalls für Anlieger frei, wie man auf beiden Schildern links und Rechts der Einfahrt sieht. 

12. Juni 2013

Vertragt euch!

Der Mischverkehrsweg oder auch shared space ist ein Kreuz für Radfahrer.

Hier müssen sich Autofahrer, Fußgänger und Radfahrer den Verkehrsweg teilen. Regeln gibt es keine. Man sollte sich halt nicht über den Haufen fahren oder rennen. Vorrang hat keiner, aber sowohl Fußgänger als auch Radler erwarten von Autofahrern ein äußerst defensives Verhalten. Der letzte in der Hackordnung ist auf solchen Straßen der Radler. Er ergrimmt Fußgänger, wenn er hurtig unterwegs ist und klingelt, und er muss Autofahrern oft schnell ausweichen, die vor lauter Ausschau nach Parkplätzen den Radler nicht sehen. (Parken dürfen sie hier allerdings nicht.)

Stuttgart hat in der Tübinger Straße das Experiment begonnen.

11. Juni 2013

Doch lieber die Unterführung?

In Stuttgart gibt es ein paar proppere Fahrradwege. Wenn ich aus der Neckarstraße komme und in den Stadtgarten fahren will, muss ich die Kreuzung Neckartor überqueren. Das geht, wenn auch die Grünphase für Radler sehr kurz ist.

Fällt die Ampel aber aus, dann soll mich nach links vor den (nicht per Ampel gestoppten) Autoverkehr werfen und über den Fußüberweg und dann in die Unterführung hinunter (sie ist barrierefrei) fahren ... Oder muss ich schieben?

Der Hinweis steht auf einem Schild an der Verkehrsinsel. Im Bild vergrößert.

Ach ja, und kleine Frage: Warum kann man auf so einem Schild nicht einfach "Ampel" sagen?

"Wenn Ampel ausfällt, Unterführung benutzen" klänge sowieso viel schöner, versteht jeder, und ist auch nicht länger.


10. Juni 2013

Warum halten Radfahrer nicht bei Rot?

Radfahrer bewegen sich durch drei Sphären, ständig müssen sie ihr Verhaltenskonzept ändern. 

Auf der Straße sollen sie sich an die Verkehrsregeln für Autofahrer halten, unter Fußgängern in Parks und Mischverkehrswegen sollen sie sich bewegen wie Fußgänger, und wo ein blaues Schild mir Rad steht, sind sie Fahrer auf (zugeparkten) Radwegen. Die Fahrt eines Radlers durch die Stadt ist ein ständiger Konzeptwechsel. Welchem anderen Verkehrsteilnehmer mutet man das zu? Und so kommt es, das Radler ihr Durchkommen selbst regeln und zuweilen rote Ampeln missachten.