3. Februar 2014

Radfahrer sollen auf die Straße

In den Städten hat der Radweg ausgedient, findet Baden-Württembergs grüner Verkehrsminister Winfried Hermann. Radfahrer sollen auf die Straße. Das lese ich in "Sonntag Akutell".

Der klassische Radweg als separate Fahrspur neben der Straße (oder besser zwischen Gehweg und Straße) ist teuer und braucht Platz. Das Risiko, dass er zu schmal wird, wenn viele Radler unterwegs sind, besteht überdies, meine ich. Die Tendenz geht zum Schutzstreifen. Das sind markierte Bahnen für Radler auf der Fahrbahn, die nicht die durchgestrichene Linie der Radwege haben, sondern gestrichelte Linien. Das bedeutet, Autofahrer dürfen mit den rechten Rädern auch auf diesem Schutzstreifen fahren - wichtig bei schmalen Straßen -, wenn sie keinen Radler behindern. Radler haben auf diesem Streifen Vorrang.


Radfahrer sind übrigens nicht verpflichtet, auf Schutzstreifen zu fahren. Das ist anders als bei Radwegen mit blauem Schild. Hier müssen die Radler fahren, wenn der Weg erkennbar in ihre Richtung führt. (Siehe hier: die Regeln.)

Beide Verkehrsteilnehmer werden sich an Schutzstreifen aber wohl erst gewöhnen müssen. Sie sind ein Kompromiss für alle, die meinen: Radfahrer gehören auf die Straße und nicht auf Radwege oder gar die Gehwege. Denn Radler können immer auf der Straße fahren (wo es nicht ausdrücklich verboten ist).  Sie tun es nur sehr ungern, weil sie sich von Autofahrern bedrängt fühlen. Vielleicht helfen die Streifen, den Radlern auf die Fahrbahn. Besser wäre es aber ohne.

Denn: Die weißen Spuren mit Radsymbolen verführen Autofahrer dazu, zu glauben, Radler müssten gefälligst dort fahren und hätten kein Recht, sich auf ihren Fahrbahnen zu tummeln. Es bedarf da enormer Aufklärungsarbeit. Auch die Journalisten müssen lernen, was der Unterschied zwischen Radweg und Schutzstreifen, und dies erklären.

Das ist ein Radweg: durchgezogene Linie. Autos dürfen da nicht drüber. Sie dürfen auch nicht darauf halten oder gar parken. Radwege müssen eine Mindestbreite haben. Sie liegen oft auch auf Gehwegen, was die Situation für Radler an Kreuzungen gefährlich macht. Autofahrer übersehen Radler beim Rechtsabbiegen.

Und das (Neckarstraße stadtwärts) ist ein Schutzstreifen. Die Linie ist gestrichelt. Hier dürfen Autos drüber fahren. Sie dürfen sogar halten, aber nicht parken. Der Radfahrer muss da nicht drauf fahren, kann aber. Der Schutzstreifen liegt allerdings genau dort, wo Radler ohnehin fahren müssen, nämlich am rechten Straßenrand mit 80 cm Abstand zum Bordstein oder 1 m Abstand zu geparkten Autos.

Keinesfalls darf der Radler hier auf den Gehweg ausweichen.  Gehweg ist immer verboten, es sei denn, er ist per Schild für Radler freigeben. 

UND: 

Der Autofahrer muss sich am Schutzstreifen dem Radfahrer gegenüber hier genauso verhalten, als gäbe es diesen Streifen nicht: Er muss beim Überholen einen Sicherheitsabstand von 1,5 bis 2 Metern halten! 


Und das (Wilhelmstraße) ist etwas, wo die Stadt selber nicht kapiert hat, was der Unterschied ist. Hier steht ein blaues Schild "Radweg", was Radler verpflichtet, genau hier zu radeln. Doch gestaltet ist das Ding wie ein Sicherheitsstreifen.

Auf dem Schutzstreifen dürften die Lieferanten so frech halten. Auf dem Radweg nicht. Da immer Schilder gelten, nicht Fahrbahnbemalung, nehmen wir das hier mal für einen Radweg.  Also weg mit den Autos!

Der Radweg muss bestimmte bauliche Voraussetzungen erfüllen: Er muss mindestens 1,50 Meter breit sein (einschließlich der weißen durchgezogenen Linie) und eine zumutbare Beschaffenheit haben.

Werden Radwege an parkenden Autos entlang geführt, so reicht die Breite nicht aus. Denn von geparkten Fahrzeugen sollte man tunlichst einen Abstand von 1 Meter halten. Wer einmal in eine plötzlich aufgestoßene Fahrertür hineingerasselt ist, wird das tun. Man kann also nicht in der Mitte des Radwegs fahren. Damit kommt man aber dem Autoverkehr, der links vorbei rauscht gefährlich nahe.

Dieser Radweg befindet sich in der Filderstraße. Das blaue Schild ist zwar vorhanden, aber es steht am Gehweg, nicht am Radweg. (Missverständnisse wird es kaum geben, aber im Blickfeld des Radlers befindet sich das Schild nicht.)

1 Kommentar:

  1. Vorab: ein ganz tolles Blog! Danke für die vielen nützlichen Infos und die immer interessanten Kommentare.

    Bei Schutzstreifen könte man meinen, typisch, hier wird mal wieder auf Kosten der Radler gespart, ausgerechnet also derjenigen, die tatsächlich etwas gegen Lärm, Feinstaubbelastung etc. tun.

    Einen positiven Aspekt haben Schutzstreifen aber auch: im Gegensatz zum echten Fahrradweg dürfen Schutzstreifen auch von S-Pedelecs und sonstigen ebikes (Elektromofa etc.) genutzt werden.

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