9. März 2014

Stopp - Radwege nicht in Gegenrichtung befahren

Wie verhindert man, dass Radfahrer den Radweg auf der falschen Straßenseite benutzen. Plochingen zeigt es. So macht man allen Radfahrern zumindest klar, dass sie als Geisterfahrer unterwegs sind. 

Auf Radwegen in Gegenrichtung zu fahren ist saugefährlich. Autofahrer rechnen nicht damit, dass ein Radfahrer aus der falschen Richtung kommt. Radfahrer rechnen nicht damit, plötzlich Gegenverkehr zu haben. Und auch Fußgänger, die den Radweg kreuzen müssen, gucken in die falsche Richtung.

Wenn Radler es gewohnt sind - so wie in Stuttgart - auf den Gehweg geschickt zu werden (Radfreigabe auf dem Gehweg), dann sind sie es nicht gewohnt, bei echten Radwegen die Regeln des Autoverkehrs einzuhalten, also immer nur auf der richtigen Straßenseite zu fahren. Ich kann mir vorstellen, dass die Stadt Plochingen an der Esslinger Straße hier einiges unternehmen musste, um die Falschfahrerei zu unterbinden.

Entlang der Esslinger Straße verläuft ansonsten ein Radschutzstreifen. Das sind die Streifen, die wie Fahrradwege aussehen, aber keine sind. Sie sind zu schmal und sie haben keine durchgezogene Linie.  Autos dürfen auf ihnen fahren und sogar halten. Radschutzstreifen sind nicht mehr als Malerarbeiten auf der Fahrbahn an der Stelle, wo man mit dem Rad fahren muss, nämlich rechts.

Radschutzstreifen sind gar nichts. Sie sind nur ein optisches Signal, dass Radfahrer auch das Recht haben auf Fahrbahnen zu fahren. Sie erweisen sich aber als nützlich, weil sie sowohl Radfahrern als auch Autofahrer klar machen, dass Räder auf die Straße gehören und nicht auf den Gehweg.

Der Autofahrer auf dem Foto macht es übrigens ganz richtig. Er fährt mit den rechten Reifen auf dem Radschutzstreifen. Das darf er, wenn er dabei keinen Radler behindert.

Die Fotos stammen von Blog- und Facebookleserin Isabella. Danke.




Kommentare:

  1. Da ist die Stadt Plochingen doch mit dran schuld, dass es dort Geisterradler hat, wenn es nur auf einer Straßenseite einen Radweg hat, der vorher offenbar auch noch in beide Richtungen befahren werden durfte oder musste. Es ist doch unverständlich, wenn Radfahrer je nach Gutdünken der Autoverkehrsplaner von einer Straßenseite zur anderen hin- und her geschickt werden. Warum gibt es in der Straße nicht auch auf der anderen Seite einen Radweg??? Weil der Autoverkehr Vorrang hat vor dme Radverkehr und die Radfahrer sollen brav an der Straße warten um die Seite zu wechseln - ohne grüne Welle und ohne sog. "intelligente Ampelschaltung", die automatisch für den Straßenseitenwechel Radfahrern Grün signalisiert.
    Kopenhagen hat im Gegensatz zu Plochingen (oder Stuttgart) ganz einfache Regeln: Radfahrer müssen Radwege benutzen (den rechten Radweg, es gibt keine linken Radwege oder einseitige Zweirichtungsradwege) oder aber die Fahrbahn. Gehwegradeln gibt es nicht, also auch keine gemeinsamen Geh- und Radwege. Achja, und Radwege gibt es immer auf beiden Straßenseiten, und sind immer so breit, dass sich Radfahrer überholen können oder nebeneinander fahren können. Schließlich ist es doch viel geselliger nebeneinander zu radeln und sich dabei zu unterhalten. Und wenn deutsche Planer sagen, deutsche Straßen besonders eng, dann heißt das immer: Der Autoverkehr hat in einer deutschen Straße einfach immer Vorrang vor dem Radverkehr - im Gegensatz zu Kopenhagen.

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    1. Ja, das ist hier das Problem. Und in der Tat gibt es derzeit noch keine Übergänge für solche Fälle. Aber es gibt bereits Überlegungen, die ich bei dem Workshop zum Landesradwegeplan gesehen habe. Sind aber auch nicht befriedigend. Es braucht einfach Radspuren (Radwege) auf beiden Straßenseiten.

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  2. "Der Autofahrer auf dem Foto macht es übrigens ganz richtig. Er fährt mit den rechten Reifen auf dem Radschutzstreifen. Das darf er, wenn er dabei keinen Radler behindert."

    Das stimmt so nicht. Der Streifen darf regulär NICHT befahren werden, ausser zum Ausweichen bei Gegenverkehr UND wenn dann dabei kein Radfahrer behindert wird!

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  3. Was IST "Geisterradeln"? (Teil 1)

    Auch nach jahrelanger nicht nur praktischer, sondern auch theoretischer Beschäftigung mit dem Thema Radverkehr weiß ich das immer noch nicht so richtig.
    Das Kopenhagener Konzept klingt sehr überzeugend für mich, trotz aller mir durchaus bekannten Kritik daran: Es ist leicht verständlich und umsetzbar (für mich als Radfahrer, das Problem der Realisierung der Radwege ist das von Behörde und Bauamt und nicht meins und damit PAL). In den Niederlanden ähnlich: Als vollkommen Unkundiger wusste ich IMMER, wo auf der Straße auf welchem Straßenteil und auf welcher Straßenseite ich zu fahren hatte. Ich gebe zu, das mit den Ampeln habe ich nicht so ganz kapiert und immer (wohl unnötig) auf den Mittelinseln gehalten, da ich aus Deutschland ja gewohnt bin, dass Fußgänger-Ampeln für den Radverkehr gelten (ist WIRKLICH so: StVO §37 Abs. 2 Nr. 6 Satz 3).
    Der Vorteil ist in NL und DK die EINHEITLICHKEIT der Radverkehrsführungen.
    Da muss ich selbst als Radweg-Befürworter eingestehen, dass das extrem nervig ist (in D): 3 km Stadt-Strecke setzen sich zusammen aus 200m gemeinsamem Geh- und Radweg links (Schild 240! PFLICHT!!!), 200m unbeschildertem Radweg (Darf ich jetzt zwischen Radweg und Fahrbahn wählen? Viele behaupten das, ich glaube das eher nicht aufgrund des Rechtsfahrgebotes aus §2 Abs. 2 und den Rücksichtsgeboten des §1, beide Absätze. Außerdem hat mir ein Polizist extrem eindringlich erklärt, wie gefährlich das Radfahren auf der (Kfz-)Fahrbahn für mich selbst und alle anderen Verkehrsteilnehmer ist!), 500m beschildertem Radweg rechts, 87m unbeschildertem Radweg links (erlaubt, vorgeschrieben oder verboten? Ich selbst halte es für vorgeschrieben, andere Radfahrer wollen mir jedoch weismachen, dass es verboten wäre), 48m gar kein Radweg (Was jetzt? Auf den Bürgersteig und den Fußverkehr gefährden, oder die eigene Sicherheit aufgeben und sich selbst auf der gefährlichen (Kfz-)Fahrbahn überrollen lassen???), 150m baustellenbedingte Änderung (Jetzt steht das VERPFLICHTENDE!!! Radweg-Schild (VZ Nr. 240) links, ich MUSS also ZWINGEND dort fahren, woanders DARF ICH NICHT, und der entgegenkommende Radverkehr ruft mir trotzdem "Falsche Seite!" zu, weil er die Änderung nicht kennt und aus seiner Fahrtrichtung gar nicht kennen kann), ...
    Tja, und besserwisserisch wie Radfahrer nun mal sind, bleiben sie unbelehrbar und gestern kam der Hammer (nach einer sowieso erhitzten Diskussion mit einem Radfahrer), da schubste mich doch tatsächlich ein (anderer) Radfahrer von meinem (noch fahrenden) Fahrrad auf die LINKE FAHRBAHNSEITE!!!, weil er meinte, ich würde auf der falschen Straßenseite fahren.
    Gut, es mag jeder seine Meinung haben; aber man muss mich doch echt nicht vom Rad runter schubsen!!!
    Meine Meinung jedenfalls war und ist, dass ich zwar auf der linken und ungewöhnlichen Straßenseite gefahren bin, dass aber NICHT falsch war. Denn wo soll ich sonst hin? (Die rechten Radweg und Bürgersteig sind baustellenbedingt abgesperrt!) Laut dem Radfahrer der vorangegangenen ersten Diskussion angeblich auf die "Straße", er wird die Kfz-Spur (Fahrbahn) gemeint haben. Wirklich? Wo ich zwei Straßen weiter für ein Verhalten verwarnt wurde, soll 200m weiter dieses gefährliche Verhalten jetzt plötzlich vorgeschrieben sein?! Nein, das ist 1. nicht logisch und 2. sehe ich nicht ein, dass ich mich selbst gefährden müssen soll. Bleiben also nur noch der Gehweg und Radweg auf der linken Straßenseite. Auf Gehwegen darf man leider immer noch nicht Rad fahren, obwohl das sinnvoll wäre. Damit ist also folglich der linksseitige Radweg der EINZIGE Straßenteil, der dort zum Rad fahren in Frage kam und kommt.

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  4. (Teil 2)

    Ernsthaft, so ist Radfahren absolut nicht entspannt.
    Gut, heute Morgen war auch das Wetter sehr schlecht (Gewitter mit starkem Regen), aber ich hätte auch bei bestem Sonnenschein den Bus zur Uni genommen, und ich werde wohl weiterhin Busfahrgast bleiben statt mich auf den Stress des Radfahrens in Münster (Westf.) noch mal tagsüber einzulassen. Nein, ich fahre jetzt nur noch, wenn überhaupt, nachts Rad, wenn wenig los ist und alle entspannt genug sind, um sich kurz für Fehler zu entschuldigen.

    Ich hoffe, ich konnte Sinnvolles beitragen ...

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