15. Juni 2014

Weilimdorf kennt Radfahrer

Weilimdorf ist ein Stuttgarter Stadtteil, in dem ordentlich Rad gefahren wird, weil er nicht bergig ist. Deshalb ist hier auch etwas für Radfahrer gemacht worden. Die Föhricherstraße, die Weilimdorf mit Feuerbach verbindet, darf man nicht entlang radeln. Sie ist nur für Autos erlaubt. 

Die Radlerverbindung schafft die Weilimdorferstraße. Die hat zwar keine Radwege oder Radspuren, ist aber eine Nebenstrecke und gut befahrbar.


In Weilimdorf beginnen dann Radwege. Für die, die von der Weilimdorfer Straße kommen, führt er zunächst rechts von der Stadtbahnlinie durchs Grüne, bis der dann an die Pfortzheimer Straße heranschwenkt.

Es sind echte Radwege, sie teilen sich den Platz mit Gehwegen, mit allen Problemen, die man dabei hat. Zum Beispiel dem eklatanten Problem, dass Radfahrer sie auf jeder Straßenseite in beide Richtungen befahren, was verboten ist. 

Der Wechsel über die Fahrbahn auf die richtige Seite des Radwegs wird von vielen Radlern als zu kompliziert, gefährlich oder unbequem empfunden. Außerdem sind auch diese Radwege grundsätzlich an allen Übergängen bei Abzweigungen in Nebenstraßen gefährlich. Autofahrer über übersehen Radler, die von Radwegen kommen und geradeaus wollen, regelmäßig. 

Und der Radweg hat auch das typische Tankstellenproblem. Fährt ein Auto aus der Tankstelle raus, wartet er mit dem Kühler auf dem Radweg. Das lässt sich nicht vermeiden, ist aber eine Behinderung der Radler und dem Autofahrer nicht erlaubt. 

(Übrigens kommen auf den meisten Fotos hier zufällig gerade Radler in falscher Richtung)

Und natürlich wird auch dieser Radweg als Abstellplatz für Autos missbraucht. 

Im Ortskern, wo man einkaufen geht, reicht der Platz letztlich für gar nichts mehr. Ein Stückweit geht es äußerst schmal und äußerst gefährlich für Radler zwischen Fußgängerspur und geparkten Autos in den Einkaufskern hinein. Doch das Radwegle endet. Man hat ein Gehwegfreigabe im Fußgängerbereich geschaffen. Blödsinn, denke ich. Es gibt keinen Grund, Radler hier von der Fahrbahn fernzuhalten, es herrscht hauptsächlich Einkaufs- und Parkplatzsuchverkehr, und der rollt langsam. 

Auch Radler kommen hier nicht schnell vorwärts, weder auf dem Radweg, noch auf der Fahrbahn. Ein Durchfahrtsweg ist das nicht.

Ist man dann endlich durch den Ortskern durch und biegt man nach links Richtung Gerlingen ab, findet man entlang der Solitüde-Straße feine breite Radwege, deren Übergang über die Rastatter Straße mit Ampeln sehr ordentlich geregelt ist. Nur das Linksabbiegen in die Rastatter Straße bleibt ein Problem. Hier muss man zweimal über eine Fußgänger-Ampelanlage. 

Wer aus der Rastatter Straße hinaus geradeaus will - und offenbar sind das einige - sieht sich dieser niedlichen, wenn auch äußerst schmalen Sicherheitsspur mit vorgezogener Aufstelllinie gegenüber. Das finde ich schön. Das gibt es nämlich nur sehr selten in Stuttgart. Geradeausradler können sich auf einer eigenen Spur rechts neben den Linksabbiegern aufstellen, und Autofahrer, die nach rechts wollen, können ungehindert fahren. Ich vermute, man hat das hier gemacht, weil sich Autofahrer beschwert haben über Radler, die sich da aufgestellt haben. Diese Autofahrer haben nämlich hier einen Grünen Pfeil, der ihnen das Rechtsabbiegen bei Rot erlaubt. Aufgestellte Radler, die geradeaus wollen, behindern sie dann. 

Meinem ersten Eindruck nach, ist in Weilimdorf das Bemühen erkennbar, Radlern den weg zu ebenen. Nur im engen Zentrum ist das an der Pforzheimer Straße noch gar nicht gut gelöst. Hier sollte man sich entscheiden, Radler auf die Fahrbahn zu lenken. 

 Es gibt sicherlich einige Blogleser/innen, die sich in Weilimdorf gut auskennen und die Ecken kennen, wo man schmunzelt oder den Kopf schüttelt. Hinweise und Fotos nehme ich gerne entgegen.

Kommentare:

  1. Ja stimmt, in Weilimdorf gibt's einige Radwege, viele davon sind gut gemeint, einige sind auch gut gemacht. Bei vielen erkennt man aber, dass sie Zielgruppen orientiert geplant wurden, leider war die Zielgruppe nicht "Radfahrer", sondern z.B. "Einkäufer" erkennbar an der Pforzheimer Straße, hier ist der Radweg in westlicher Richtung direkt darauf angelegt die Radfahrer an die Geschäfte heranzuführen. Dabei fahren diese direkt durch die Fußgänger, wehe wenn es einer eilig hat.
    Beispiel Solitude Straße, angelegt für Schüler von der Glemsgau- zum Spechtweg, ist für den Einsatzzweck gut gemacht, leider fehlt die Anbindung von der Solitude kommend oder aus der Glemsgau Straße. Die Verkehrsanbindung an Korntal, Hausen oder Richtung Gerlingen ist nur für Insider zu finden.
    Der von Dir beschriebene Weg von Feuerbach kommend ist auf der Weilimdorfer Straße gut zu fahren (ohne Radweg). Bis kurz vor der Abzweigung Pforzheimer Straße ein Schutzstreifen für Radfahrer auf die Straße gemahlt ist.
    (wie kann ich denn hier Bilder einfügen?)
    Wird gern als Parkraum für LKW genutzt, die 50 Meter weiter liegenden Parkstreifen an der Straße entlang sind wohl zu weit weg. Übrigens steht der LKW oft da, nicht nur zum Be- & entlanden.
    Auch sind relativ viele Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Radfahrer freigegeben, nur scheinen die Informationen für Autofahrer nicht immer deutlich genug erkennbar zu sein.

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  2. „entlang der Solitüde‐Straße feine breite Radwege […]. Nur das Linksabbiegen in die Rastatter Straße bleibt ein Problem. Hier muss man zweimal über eine Fußgänger-Ampelanlage.“

    Ich ziehe es vor, direkt links abzubiegen. Oder darf man das hier nicht?

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, public2014.fwnsp@spamgourmet.com

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  3. „aus der Rastatter Straße […] äußerst schmale[n] Sicherheitsspur mit vorgezogener Aufstelllinie […] Geradeausradler können sich auf einer eigenen Spur rechts neben den Linksabbiegern aufstellen, und Autofahrer, die nach rechts wollen, können ungehindert fahren.“

    Wer soll darauf wirklich gefahrlos fahren können? Links sind Autos, rechts sind Autos und für Radfahrer zu wenig Platz dazwischen. Wer haftet, wenn Radfahrer verunfallen, weil sie zum Balanceakt seitlich mehr Raum brauchen, als sie hier haben, oder weil ein breiteres Fahrzeug mehr Platz braucht, als vorgesehen? Haftet etwa derjenige persönlich, der den Beschluss, das so zu gestalten, unterschrieben hat? Schön wärs! Sicher geht's nur so, mit dem Fahrrad so zu fahren, dass man über den Geradeauspfeil für Autos fährt.

    „Ich vermute, man hat das hier gemacht, weil sich Autofahrer beschwert haben über Radler, die sich da aufgestellt haben. Diese Autofahrer haben nämlich hier einen Grünen Pfeil, der ihnen das Rechtsabbiegen bei Rot erlaubt. Aufgestellte Radler, die geradeaus wollen, behindern sie dann.“

    Also zum Geradeausfahren auf den Rechtsabbiegefahrstreifen. Das war falsch! Aber das hat sich die Straßenverkehrsbehörde selbst eingebrockt, indem sie Radfahrer so behandelt, als ob die nicht wüssten, sich wie ein Fahrzeugführer den Verkehrsregeln gemäß zu verhalten, und es auch nicht könnten, weil es sie überforderte: An viel zu vielen Stellen heißt es: „Hier ist es für Radfahrer viel zu gefährlich, weil hier viele Kraftfahrzeuge fahren! Wir brauchen unbedingt einen Radweg, der sie von den Autos trennt!“ Dazu kommt, dass jegliche Sonderstreifen das Verkehrsklima vergiften und das Unfallrisiko für Radfahrer erhöhen. Dann braucht sich auch niemand zu wundern, wenn zu viele Radfahrer sich nicht mehr trauen, sich auf den Fahrstreifen für Geradeaus und Links einzuordnen, und statt dessen am rechten Rand der Fahrbahn, also auf dem Rechtsabbiegefahrstreifen, bleiben.

    Das Einzige, was hier helfen könnte, wäre, jeweils an den Fuß des Richtungspfeils für Kraftfahrzeuge, d.h., mittig(!) auf dem Richtungsfahrstreifen, ein Auto‐ und ein Fahrradsymbol zu setzen, um sowohl Rad‐ als auch Autofahrern klar zu machen: Radfahrer sind hier richtig.

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, public2014.fwnsp@spamgourmet.com

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    1. danke, Friedhelm. Wie immer glänzen analysiert. Ich finde allerdings, dass Radspuren die Radler zunächst einmal ermutigen, überhaupt auf der Fahrbahn zu fahren. Sicherheitspur-Unfälle kommen übrigens so gut wie gar nicht vor. Das Problem scheint nicht so groß zu sein. Und im Straßenverkehr müssen ja alle aufeinander achtgeben. Artikel 1 der STVO. Entscheidend für eine Änderung der Radpolitik ist, dass mehr Radler unterwegs sind. Und die kriegen wir in Stuttgart nur auf die Straße, wenn sie zunächst das Gefühl haben, es ist für sie auch eingerichtet. Ein Dilemma.

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    2. Was ich dazu geschrieben habe, wie die Straßenverkehrsbehörde mit Radfahrern umgeht, ist übrigens nicht auf meiner Mischde g'wachse, sondern ist von davon beeinflusst, was von John Forester im Artikel »The Bicycle Transportation Controversy« im Transportation Quarterly, Spring 2001, Vol 55 No 2. dargelegt wurde. Sehr deutlich schreibt er im Abschnitt »Evidence from Cyclist Training«:

      »[…] The reason that American bicycle riders, since 1940 or before, have not obeyed the traffic laws, is that they have been taught that doing so will result in their death. American bike-safety training has been based on the cyclist-inferiority superstition: "The cyclist who rides in traffic will either delay the cars, which is Sin, or, if the cars don't choose to slow down, will be crushed, which is Death, and the Wages of Sin is Death." According to this, the prime duty of cyclists, to prevent them being killed, is to stay out of the way of same-direction motor traffic. Forester has discussed this since 1976. The current discussion is in Effective Cycling (Forester 1993, Chapter 43), and in Bicycle Transportation (Forester 1994, Chapter 12). Devoting all attention to keeping the roadway clear for motorists prevents the cyclist from operating competently and safely, and causes him to commit very dangerous acts, as in turning left from the curb lane without looking behind […] (Forester 1978-82) […]«

      Der Grund dafür, dass Radfahrer in Amerika seit 1940 oder früher die Verkehrsregeln nicht beachten, ist, dass man ihnen beigebracht hat, dass sie umkommen, wenn sie es tun. Dem Radfahr‐Sicherheitstraining in Amerika liegt der Radfahrerminderwertigkeitsaberglaube zu Grunde: „Der Radfahrer, der sich im Verkehr bewegt, hält entweder die Autos auf, was Sünde ist, oder, wird, wenn die Autos nicht langsam tun wollen, zerquetscht, was den Tod bedeutet, und der Sold der Sünde ist der Tod“. Die erste Pflicht der Radfahrer, nämlich zu verhindern, dass sie getötet werden, ist demnach, dem motorisierten Verkehr derselben Richtung aus dem Weg zu bleiben. Forester diskutiert das seit 1976. Die gegenwärtige Auseinandersetzung findet statt in Effective Cycling (Forester 1993, Chapter 43) und Bicycle Transportation (Forester 1994, Chapter 12). Alle Aufmerksamkeit dem zu widmen, die Fahrbahn für Motorisierte freizuhalten, hält den Radfahrer davon ab, sich sachkundig und sicher zu verhalten, und lässt ihn höchst gefährlich handeln wie beim Linksabbiegen vom Hochbord(?)‐Radweg (curb lane), ohne sich nach hinten umzusehen […] (Forester 1978-82) […]

      Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, public2014.fwnsp@spamgourmet.com

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    3. Interessant. Ich denke, in den 80er Jahren hatten wir in Stuttgart so eine Situation. Inzwischen scheint es mir auf Fahrbahnen sicherer als auf Gehwegen. Aber vermutlich steckt die Überzeugung tief im Radler, dass er von Autofahrern gehasst wird und ihnen deshalb aus dem Weg gehen muss. (Deckt sich aber nicht mehr ganz mit meiner Erfahrung.)

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  4. „Im Ortskern, wo man einkaufen geht, reicht der Platz letztlich für gar nichts mehr. Ein Stückweit geht es äußerst schmal und äußerst gefährlich für Radler zwischen Fußgängerspur und geparkten Autos in den Einkaufskern hinein.“

    Wer das verantwortet hat, hat nicht mehr alle Ta[zensiert!]! Doch, hat er. Aber er hat sie dazu gebraucht, seine eigentliche und für Radfahrer gefährliche und behindernde Absicht zu verwirklichen: die Radfahrer von der Fahrbahn weg an den Rand zu schaffen, damit »der Verkehr« (natürlich nur der motorisierte) besser fließt. Ich nenne eine solche Absicht böse.

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, public2014.fwnsp@spamgourmet.com

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    1. Hinter der Kreuzung zur Maikammerstraße, wo der rechtsseitige Radweg in Fahrtrichtung Westen zum Löwenplatz beginnt, ist er weniger als 150 cm breit, obwohl er zwischen Parkplätzen und dem Gehweg verläuft. Autotüren sind typischerweise 1 m breit oder noch breiter und Fahrradlenker 60 cm. Dazu kommt, dass ein Abstand von 80 cm zu den Fußgängern eingehalten werden muss. Also darf dieser Radweg überhaupt nicht befahren werden.

      Wir werden viel Glück brauchen dabei, diesen Sachverhalt Polizeibeamten zu erklären!

      Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, public2014.fwnsp@spamgourmet.com

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    2. Ja, zulässig ist das nicht. Ich würde da auch nie fahren! Und den Disput mit dem Polizeibeamten würde ich freudig aufnehmen. Allerdings interessiert sich die Polizei nur minimal für uns Radler. Wenn es da zu einem Unfall kommt, wird das die Gerichte bis in die obersten Instanzen beschäftigen, falls es eine der Parteien darauf anlegt.

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