27. Juli 2014

Kinder haben auf dem Radweg nichts zu suchen

Kinder bis 8 Jahre müssen auf dem Gehweg radeln. Sie dürfen auch den Radweg nicht benutzen. Auch dann nicht, wenn sie in Begleitung von Erwachsenen sind. Bis 10 Jahre dürfen Kinder übrigens noch auf dem Gehweg fahren und sollten es auch tun.

Vermutlich werden Kinder unter 8 eher nicht alleine mit dem Rad unterwegs sein, außer in Spielstraßen oder Straßen und Grünanlagen, wo sie spielerisch radeln können. Echt problematisch wird das, wenn Erwachsene mit Kindern auf Rädern unterwegs sind, gern am Wochenende.
Auf dem Foto oben sieht man ein Kind hinter einem Erwachsenen. Allerdings sitzt das Kind nicht auf einem eigenen Rad, sondern auf einem, das dem Erwachsenenrad angehängt ist. So geht das.

Links  sieht man eine Mutter mit Kind auf dem Gehweg radeln. Vorbildlich, dass beide eine funktionierende Beleuchtung haben. Leider ist der Gehweg für Radler nicht freigegeben, die Mutter dürfte hier also nicht fahren. Aber lieber so, als mit Kind auf einem Radweg oder gar einer Radspur.

Ich habe nie ein Foto machen können, wenn ich bremsen musste, weil der Papa ein 5-jähriges Kind auf seinem Kinderrädchen über die Radwegfurt trieb oder Kinder zwischen Papa und Mama auf einer Radspur entlangschlingerten. Aber es kommt vor, vor allem am Wochenende.

Ich verstehe, dass die Eltern von ihren Rädern nicht absteigen wollen, wenn sie mit Kindern den Gehweg (oder den für Radler freigegebenen Gehweg, beispielsweise auf dem Neckardamm) verlassen müssen. Aber auf Radwegen, auf Radspuren und Ampelüberquerungen nur für Radler ist es für Kinder wirklich gefährlich. Denn alle anderen Radfahrer sind viel zu schnell und rechnen nicht mit plötzlich seitlich quer schlingernden Kindern. Außerdem ist es verboten.

Eltern dürfen aber ja nun auch nicht auf dem Gehweg oder in reinen Fußgängerbereichen radeln. Sie müssen ihre Kinder also eigentlich gelegentlich mehrere Meter neben sich (mit geparkten Autos dazwischen) auf dem Gehweg schlingern lassen, während sie selbst die Radspur oder die Fahrbahn nehmen müssen. Das ist auch nicht das Wahre. Besser ist es, wenn Eltern bei ihren Kindern bleiben, also auf dem Gehweg, auch wenn das ein Polizist im blödesten Fall mit einem Bußgeld ahnden könnte. In keinem Fall aber sollten Kinder tatsächlich auf der Fahrbahn oder auf Radwegen fahren. Die Gefahr, dass sie wegen eines ungewollten Schlenkers unter die Räder kommen, ist enorm. 

Ich verstehe auch, dass Eltern gern mit ihren Kindern mal eine Radtour unternehmen wollen, vor allem jetzt im Sommer. Aber Stuttgart ist dafür nicht wirklich geeignet. Als ich selber Kind war, ist mein Vater mit uns über die Felder (also auf Feldwegen) geradelt. Da konnten wir Kinder alle Fehler machen, die man als Kind macht, hinfallen, uns versteuern, rasen, bremsen, plötzlich anhalten.

In Stuttgart erscheint mir für Radfahrübungen schon der Schlossgarten zu gefährlich, obgleich er ja eben auch Fußgängerbereich ist und Radfahrer (er ist ja auch Radfahrerbereich) eigentlich langsam tun müssten.

Ich war mal mit dem Rad unterwegs, als mir ein Fünfjähriger entgegenkam. Er schlingerte auf seinem Rad über den ganzen Weg. Ich konnte nicht abschätzen, wo er landen würde, und habe bis zum Stillstand abgebremst. Der Junge guckte mich mit großen Augen an und fuhr ungebremst in mich und mein stehendes Fahrrad hinein.

Kinder können nichts abschätzen und oft nicht richtig reagieren. Sie fahren dahin, wo sie hingucken, und wenn sie mich anguckten, fahren sie in mich hinein, wenn sie zur Seite schauen, dann fahren sie auch zur Seite. Und wenn sie sich nach Papa umdrehen, dann fallen sie um.

Ich würde hier gern - nur mal so unter uns - Eltern dringend davon abraten, mit ihren Kindern zusammen (die Kinder auf eigenen Rädern) durch die Straßen und über die typischen Radausflugswege von Stuttgart zu radeln. Suchen Sie sich stattdessen ein Feld mit wenig befahrenen Feldwegen aus und schauen Sie, dass ihre Kinder auf dem Rad immer zwischen Ihnen und dem Wegrand radeln, nicht vorneweg oder auf der offenen Seite des Wegs. Fahren Sie zur Not einem entgegenkommenden Radler, der Ihnen zu schnell vorkommt, vorausschauend in den Weg, damit er abbremsen muss. Rufen Sie ruhig auch mal: "Achtung!"

Kommentare:

  1. Nana, das klingt für mich als Vater wie "Kinder unter 8 Jahren sollen das Rad fahren bleiben lassen". Wiewohl das für die Stuttgarter Radwege doch gilt, wo man hin und her geleitet wird und doch keinen Platz mit Kindern auf dem Gehweg hat

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  2. Ich liebe diesen Blog, aber bei diesem Thema liegt die (sehr geschätze) Autorin sehr daneben.
    Als Vater von zwei Kindern die fast täglich zum Kindergarten und zur Schule radeln (Cannstatt über den Neckar) sehe ich das ganz anders. Je früher man mit dem Radfahren anfängt desto besser. Die Eltern sollten je nach Situation entscheiden wie gut die Kinder fahren können und auswählen was die beste Variante ist, Gehweg, Radweg oder Straße. Die Regeln der StVO sind ein Sch..... Da gibt es sogar Gerichtsurteile die sich genseitig wiedersprechen: Mal wurden Eltern zu Schadensersatz verurteilt weil sie neben der Kindern auf der Straße gefahren sind (legal aber vernachlässigen der Aufsichtspflicht) mal weil sie mit auf dem Gehweg gefahren sind (klar ist das illegal).
    Ich riskiere da wirlich lieber einige Bußgelder als das ich meine Kinder wie alle anderen Gestörten mit dem Panzer zur Schule bringe oder sie alleine auf dem (zugeparkten) Gehweg fahren lasse.
    Und ja leider ist es so das man das auch kleinen Kindern schon beibringen muss Vehrkehrsregeln zu "mißachten" weil die Regeln nicht ganz fehlerfrei sind. Lieben Gruß aus Cannstatt.

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  3. Liebe Chrsitine

    Zu deiner Aussage:Fahren Sie zur Not einem entgegenkommenden Radler, der Ihnen zu schnell vorkommt, vorausschauend in den Weg, damit er abbremsen muss........

    Phuuu eine sehr sehr leichtsinnige Aufforderung andere Radfahrer zu gefährden.Meinte Güte. Eigentlich sollten Eltern ihren Kindern ein gutes Beispiel sein und ihnen keinen solchen Mist beibringen. Wenn der sich dann verbremst und auf der Nase landet. Wer da dann wohl Schuld Hat???? Da ist ja schon ne Menge Vorsatz zur Gefärdund andere Verkehrsteilnehmer drin......Den satz solltest du schnellstmöglich rauslöschen.

    Gruß Thomas

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  4. Die gesetzlichen Grundlagen kenne ich, und halte sie für falsch. Aber sonst kann ich mich an keine gefährliche oder auch nur problematische Situation erinnern, bei deinen ein Kind die Ursache war. Wenn ich kleine Kinder auf Lauf- oder Fahrrädern sehe bremse ich ab. Und die Kleinen sehen mich in der Regel, da ich fast immer mit einem Liegerad unterwegs bin (ein "Faulrad", wie man ein Junge zu seinem Vater rief *g*)

    Das dorthin gefahren wird wohin geschaut wird ist normal. Nicht nur bei Kindern, auch Erwachsene machen das. Leider merken das die wenigsten und handeln entsprechend.

    Meiner Meinung nach sollte man das Thema Kinder auf Fahrrädern nicht so gefährlich reden. Weder ist eine statistische Häufung bekannt, noch eine Vielzahl von Anekdoten wie obige mit dem Fünfjährigen. Natürlich sollten erste Erfahrungen mti Rädern abseits vom sonstigen Verkehrs gemacht werden. Aber ich denke, die meisten Eltern handeln sowieso so.

    Nur wenn ich sehe wie auf dem Verkehrsübungsplatz im Schloßgarten die Kleinen Warnwesten tragen müssen auf dem abgesperrten Gelände denke ich mir meinen Teil.

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  5. Altmünsteraner28. Juli 2014 um 13:15

    also liebe kinderlose Autorin: bitte dann auch demnächst einen Artikel über trottelige Rentner auf Pedelecs....
    ich dachte immer, Grüne seien tolerant, aber wahrscheinlich nur bei kinderlosen anderen Grünen mit derselben Einstellung, oder!?

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  6. Ich habe im Grundschulalter das Fahrradfahren auf Stuttgarts Straßen und Gehwegen gelernt (meistens in Gablenberg), das war Ende der 70er. Da habe ich das Radfahren gut gelernt und fahre seit dem und seit einigen Jahren wieder täglich über Stock und Stein, ganz ohne Elektroantrieb.
    Kinder müssen den Verkehr kennen lernen und üben, eigentlich machen das viele Eltern ganz richtig. Das Foto oben finde ich vorbildlich, scheiß auf die Stvo, wenn die Gesetze so behämmert sind, muss man sich nicht dran halten.
    Und wenn mir Kinder entgegen kommen, fahre ich auch extrem langsam oder halte ganz an (übrigens oft auch bei Hunden). Dafür sind wir ja Erwachsene, wir müssen auf die Kleinen halt alle ein bisschen mit aufpassen.

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  7. Ich weiß ja nicht, ob die Kinder in Stuttgart anders sind, als hier bei uns in OWL, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass mein Sohn mit 5, 6 oder 7 Jahren "herum schlingerte". Der war garantiert nicht sicher was die Verkehrsregeln anging, aber er konnte geradeaus fahren. Wahrscheinlich gerader und berechenbarer, als so mancher Senior auf seinem Pedelec. Und schon mal vernünftiger, als jeder Heute-fahr-ich-mal-Rad-Autofahrer ... denn der Nachwuchs hört noch, wenn ich ihm sage "So ... und nicht so."

    Ich hatte den Blogpost noch in Pocket gespeichert, weil ich unbedingt etwas dazu schreiben musste. Aufgrund dieser Einstellung, die aus dem ganzen Artikel spricht, fahren inzwischen die Kinder in der Fußgängerzone nur noch behelmt mit dem Bobbycar. Demnächst auch noch mit Warnwesten an.

    Wie gesagt, in der Großstadt Stuttgart scheint es ja anders zu sein. Hier habe ich jedenfalls keine Angst um mein Kind gehabt, wenn ich mit ihm auch mal auf Straßen unterwegs war, die schlicht weder Geh- noch Radweg haben.

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    1. Nachtrag: Und das "in den Weg fahren" ist ja wohl unter aller Kanone! Das ist ein Aufruf zur Verkehrsgefährdung. Völliger Blödsinn.

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