13. August 2014

Gehwege sind Gehwege


Gehwege heißen so, weil man auf ihnen geht. Sie heißen auch manchmal Fußwege, weil man sich auf den eigenen Füßen über sie bewegt. Nicht auf Rädern. 

Völlig klar ist, dass Autos auf Gehwegen nichts verloren haben. Aber auch Radfahrer haben auf Gehwegen nichts zu suchen.

Gehwege sind überhaupt nie für Radfahrer frei. Es sei denn, es steht extra ein Schild dort, das sie für Radfahrer freigibt. Und dieses Schild muss nach jeder Querstraße wiederum an der Fußwegecke stehen.

Es gibt erstaunlich viele Radfahrer/innen mit Fußgängerseele: Sie verstehen sich nicht als Radfahrer, sonder nehmen halt mal das Fahrrad, weil sie irgendwohin müssen, wo sie nicht hinlaufen wollen. Sie fahren dann mit dem Rad wie sie als Fußgänger den Weg gehen würden. Vor allem dann, wenn sie auf der linken Straßenseite irgendwohin wollen und nicht auf der rechten Straßenseite dorthin fahren und dann abbiegen möchten.


Ich habe Dutzende von Bildern, wo Radfahrer über Gehwege fahren, die für sie nicht freigegeben sind.

Besonders kurios ist dieses hier: Obgleich man auf der Fahrbahn als Radler mehr als genug Platz hätte und von keinem Auto bedrängt wird, wackelt diese Radlerin auf einem schmalen von einer Baustelle beengtem Fußweg entlang. Der Bordstein wäre sogar niedrig genug, um hinunterzufahren. Aber auf der Straße scheint der Teufel zu lauern.


Beliebt ist auch die Ampelflucht. Der Autofahrer hat rot, der Radler hätte es auch, müsste also warten. Doch da fällt ihm ein, dass es ja noch den Gehweg gibt und er doch jetzt lieber Fußgänger wäre.









Der hier will eigentlich rechts abbiegen, hat aber auch keine Lust, an der Ampel zu warten. Also kürzt er die Ecke über den Gehweg ab. Auch das ist beliebt, aber erlaubt ist es nicht. Denn Radler gehören nicht auf den Gehweg. Der ist für Fußgänger.









Auch an Ampelanlagen fühlt sich der Radler oder die Radlerin gern wieder als Fußgänger. Sehr viele stellen sich lieber an Fußgängerampeln auf und biegen dann drüben auf die Fahrbahn, als sich dorthin zu stellen, wo Autos warten. Hier darf die Radlerin weder auf dem Gehweg fahren (tut sie auch nicht, sie steht), noch dann über die Fußgängerfurt radeln (was sie aber tun wird).







Und der hier hat gemerkt, dass er hinter dem Auto warten müsste, das sich hinter weiteren Autos durch die Straße zuckelt, und entschließt sich, an dem Stau auf dem Gehweg vorbeizufahren. Auch nicht erlaubt.







Auch Radler werden nicht gern nass, wenn es regnet. Aber der Österreichische Platz ist auch ein schönes Beispiel dafür, welche Umwege ein Radler fahren muss, der aus der Stadtmitte kommend nach links (über den Kreisverkehr) in die Immenhofer Straße einbiegen will. Radler nehmen, wenn sie aus dem Gerberviertel kommen, die Fußgängerüberweg. Und dann sind sie auf er linken Straßenseite in Fahrtrichtung bergauf, fahren also auf dem Gehweg. Um auf die richtige, die rechte Straßenseite zu kommen, müssten sie noch eine Fußgängerampel überqueren und aus dem Überweg in die Steigung schwenken.


Bei diesem Radler ist es nicht ganz ersichtlich, warum er den Gehweg nimmt. Vielleicht findet er es praktischer, über die Fußgängerampel zu fahren, statt den Sicherheitsstreifen zu nehmen und sich an der Autoampel aufzustellen.

Das ist zu Hundertprozent ein Radler mit Fußgängerseele.

Liebe Radler: Nehmt euch als Radler ernst und probiert es mal auf der Fahrbahn. Das ist auch weniger gefährlich, als den Autos vom Gehweg runter vor den Kühler zu sausen.

Fußgänger haben nämlich auch ein Recht, sich ungefährdet auf Gehwegen zu bewegen. Fußwege gehören Fußgängern.

Kommentare:

  1. Wenn man den Leuten Jahrelang eintrichtert, dass Radfahren auf der Fahrbahn ja sooooo gefährlich ist, dann braucht man sich über dieses Verhalten nicht wundern. Diverse Radwegführungen und auch die angesprochenen "Radfahrer frei" Schilder tun den Rest.

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  2. Das stimmt zweifellos. Wenn ich mich an manche Beiträge hier im Blog richtig erinnere rennst du damit bei Christine offene Türen ein.

    Besonders dieses "Radfahren ist ja so gefährlich"-Gerede ärgert mich auch immer maßlos. Die immer wieder hochkochende Helmdebatte gehört da auch dazu.

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  3. Hier muss man sicher mit 2 Blickrichtungen betrachten.

    Es ist für unsichere Radfahrer auf der Strasse sicher gefährlicher als auf einem Radweg oder freigegebenen Fußgängerweg. Die "Schreckmomente" wenn wieder ein Autofahrer sehr schnell und nah an einem vorbeifährt können schon enorm sein.
    Kinder werden hier auch gerne noch vom Sog aus dem Tritt gebracht.

    Das es Verkehrsführungen gibt die es viel sinnvoller machen auf der Strasse zu fahren ist auch unbestritten. Und hier sollte man vor allem die Radfahrer ansprechen, welche täglich und nicht nur alle 2 Wochen unterwegs sind. Diese brauchen sicher nicht die Gehwege als Abkürzung und Bequemlichkeit nutzen.

    Ein Radfahrer der sich den Weg so hinbiegt (auf dem Fußweg schnell umfahren, Fußgängerampeln nutzen...) das er nie an einer Ampel warten muss, ist auch nicht besser als der Autofahrer der drängelt und bei Rot mal eben noch schnell durchfährt.
    Und wenn der Zeitdruck so gross ist, dann eher losfahren.

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  4. Ob unsichere Radfahrer auf der Fahrbahn nicht auch sicherer sind als auf dem Gehweg ist nicht unumstritten. Schließlich sind sie auf der Fahrbahn im Blickfeld. Und gerade unsichere Radfahrer werden mit mehr Seitenabstand überholt. Welcher Autofahrer will schon Lackschäden.

    Auf dem Gehweg wie auf dem Radweg ist dagegen die Gefahr des Angefahren werdens viel höher. Zusätzlich sind Gehwege i.d.R. direkt an den Hauseingängen vorbei. Merke ich jeden Tag bei mir daheim. Breite Fahrbahn, wenig Verkehr, trotzdem fahren hier jede Menge Radfahrer auf dem Gehweg.

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  5. Stuttgart drängt die Radler auf die Gehwege ab, damit der Autoverkehr nicht gestört wird. Die Folge ist, dass Radler dann auch die Gehwege benutzen, die für sie nicht freigegeben sind. Und wenn ein Radler ein Unfall auf der Fahrbahn erleidet, dann wird ihm eine Mitverantwortung gegeben indem man beklagt, er habe ja keinen Helm getragen. Helme helfen nicht, Unfälle zu vermeiden. Und Geh- und Radwege sind für Radler gefährlichr als die Fahrbahn. Denn auf der Fahrbahn sehen die Autofahrer den Radler immer vor sich fahren. Es ist nur für den Radler stressiger, weil er die Autos hinter sich nicht sieht, sondern nur schnaufen hört. (Ungefähr so fühlt sich ein Fußgänger, der von hinten vorn Radlern überholt wird, die er oftmals nicht einmal hört.) Also: Radler gehören runter vom Gehweg auf die Fahrbahn. Das müssen wir den Autofahrern jetzt endlich mal zumuten. Packen wir's an.

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  6. Man kann das Radfahren auf dem Gehweg nicht generell verurteilen. Das verkehrspolitsche Programm des ADFC bringt es auf den Punkt: es gibt viele Radverkehre. Es gibt das eine "Extrem", zum Beispiel Rennradler, die am liebsten auf der Straße mit einem 30er Schnitt fahren und auf der anderen Seite kleine Kinder, die auf dem Gehweg fahren müssen. Als Elternteil begleite ich diese Kinder radelnd auf dem Gehweg, da ich nicht auf der gegenüberliegenden Straßenseite radfahre nur weil es so Vorschrift ist, während mein 5- oder 6-jähriges Kind allein zig Straßeneinmündungen auf dem Gehweg kreuzt. Trotzdem stimme ich zu: Radler gehören nicht auf den Gehweg, es sei denn, ...

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  7. "Und wenn ein Radler ein Unfall auf der Fahrbahn erleidet, dann wird ihm eine Mitverantwortung gegeben indem man beklagt, er habe ja keinen Helm getragen..."

    Also das habe ich jetzt noch nicht mitbekommen. Aber sicher, es wird in den Medien immer wieder breit getreten. Rechtlich ist da ja nichts entschieden.

    Ob unsichere Radfahrer auf der Strasse mehr geschont werden glaube ich nicht. Der Radfahrer wird ja nicht immer von den Autofahrern als solcher erkannt. Und der Abstand ist selbst bei Kindern fragwürdig in Stuttgart.

    Ich bin aber bei euch, generell gehört der Radler auf den Radweg (bitte keine Diskussion darüber ob ihr das sinnig findet) oder die Straße.

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  8. Kinder dürfen überhaupt nicht auf der Fahrbahn oder auf Radwegen fahren (Kinder bis 8 Jahre). Ich stelle in Stuttgart schon fest, dass ich als Radlerin von Autofahrern beachtet werde. Nur selten benimmt sich jemand aggressiv und schneidet mich. Und ich bin überzeugt, dass kein Autofahrer einen Radfahrer anfahren und verletzen will. Sie schätzen uns manchmal nur falsch ein. Auf Fahrbahnen werden Radler wesentlich besser gesehen als auf Radwegen (das sind die, die von der Fahrbahn abgesetzt sind und oft auch auf Gehwegen verlaufen) oder auf Gehwegen. Da schießen sie nämlich dem Autofahrer, der abbiegen will, unvermutet vor den Kühler. Am sichersten sind Radler, die zwischen den Autos fahren (eines davor, das andere dahinter) und sich nicht an den Bordstein drängen lassen. In Tempo-30-Zonen fahren die meisten Radler so. Sie müssen dann nur Nerven behalten, wenn ein Auto hinter ihnen röhrt. Und das ist momentan noch das Problem. Zumindest beobachte ich das so.

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    1. Also ich habe auf meiner Strecke durch Cannstatt oft genug waghalsige Überholmanöver erlebt die mich an den Rand gedrängt haben. Veielbrunnen Richtung Carre, als Beispiel.

      Ich sage ja nicht das sie einen verletzen wollen, und rede auch nicht immer nur vom Abbiegen, was so gerne als Argument angeführt wird, aber gerade im Berufsverkehr oder abends nach dem Bierchen sind sie eben "ungehemmter" und egoistischer. Da sehe ich dann schon meine Sorgen bestätigt.

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  9. @Sven: Welche Strecke meinst du denn? Ich hatte da nur in einer Straße Richtung Carrée Probleme, das war in der Daimlerstraße zwischen Carrée und Mercedestraße. Und zwar wegen dem Schutzstreifen, der zum dicht überholen einlädt. Andere Straßen im Gebiet Veielbrunnen sind vom Verkehr eher harmlos, da sind wenig Autos unterwegs.

    Die Mitverantwortung in Sachen Helm ist weniger vor Gericht, sondern wird von der Presse nur zu gern aus Polizeimeldungen abgeschrieben, oder dazu erfunden.

    Unsichere Radfahrer fahren eher langsamer als sichere, und wegen der Physik fahren sie damit auch nicht so stabil. Anders ausgedrückt: sie schwanken eher hin und her. Und werden deswegen tatsächlich mit mehr Abstand überholt.
    @Anonym: Der Fall, daß ein Erwachsener sein Kind auf dem Rad begleiten will, ist tatsächlich der einzige Fall, in dem ich das Rad fahren auf dem Gehweg toleriere. Sonst ist es nur eine unverschämte Rücksichtslosigkeit und Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer, schlimmer als falsch geparkte Autos.

    Das hat auch nichts mit unterschiedlichen Fahrertypen zu tun. In der Frage der Sicherheit ist für alle (außer kleinen Kindern) die Fahrbahn sicherer. Das gibt es mittlerweile viele Studien und Untersuchungen darüber.

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  10. @Martin
    Genau die Strecke meine ich. Und auch die Deckerstrasse am Carre vorbei Richtigung Gnesener Strasse.
    Der Schutzstreifen in der Ausgsburger/GnesenerStrasse wird gut eingehalten.

    Meine Beobachtung bezieht sich auch eher auf den Berufsverkehr, denn hier wird eher gedrängelt und geschoben.

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  11. Daimlerstraße ist eigentlich immer dicht. Das Problem ist dort meiner Meinung der Schutzstreifen. Viel zu eng und immer zugeparkt. In der Fahrspur wär's zwar langsamer, aber sicherer.

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  12. Hier in meinem verkehrsberuhigten Wohngebiet (nicht in Stuttgart, sondern in Berlin), in der auf der Straße sehr viel Platz zum ruhigen und sicheren Radfahren ist, erlebe ich es permanent, dass erwachsene Radfahrer durchgängig auf dem Gehweg fahren. Geschätzte 2/3 des Radverkehrs wird hier über die Gehwege abgewickelt. Dabei wird auch immer wieder geklingelt, also erwartet, dass ich als Fußgänger zur Seite springe, oder aber erst in letzter Sekunde beim Entgegenkommen ausgewichen - ein Verhalten, das ich als Nötigung bezeichne.

    Die Diskussion wird häufig so geführt, als gäbe es nur reine Radfahrer oder reine Fußgänger oder reine PKW-Fahrer oderoderoder. Das ist natürlich Quatsch. Viele Verkehrsteilnehmer benutzen mehrere Verkehrsmittel abwechselnd, so auch ich. Die Diskussion muss daher vielmehr so geführt werden, dass es Rücksichtslose und Rücksichtsvolle gibt. Wer rücksichtslos Fahrrad fährt, fährt sicher auch rücksichtslos PKW oder Motorrad. Dies gilt es zu benennen und zu verurteilen.

    Neben der rein rechtlichen Beurteilung, die sagt, dass Radfahrer älter als 10 Jahre auf dem Gehweg nichts verloren haben, gibt es ja auch noch den gesunden Menschenverstand. Auch dieser sollte Verkehrsteilnehmern in ihrer Rolle als Radfahrer gegeben sein und ihnen sagen: hey, runter vom Gehweg, hier laufen Kinder, Hunde, Senioren oder einfach Leute, die sich frei und ungezwungen bewegen und auf allgemeinen Fahrradverkehr hier nicht vorbereitet sind. Nicht zu reden von Hauseingängen, aus denen jederzeit Passanten heraus kommen können.

    Ich halte es für unverschämt und dreist, dass die Mehrheit der Radfahrenden hier die Zufußgehenden selbst in der verkehrsberuhigten Zone noch Gefahren durch ihren eigenen Egoismus aussetzt. Dabei teilweise mit überhöhter Geschwindigkeit fährt. Und selber "aus Sicherheitsgründen" dabei dann einen Fahrradhelm trägt. Übrigens teilweise in der Dunkelheit ohne Licht unterwegs ist, was ihrer eigenen Sicherheit und der der an den Rand gedrängten Fußgänger nicht unbedingt zuträglich ist...

    Als Fußgänger sollte man es Radfahrenden schlicht nicht durchgehen lassen, die Gehwege als Radwege zu missbrauchen, sprich, aktiv auf die sich ordnungswidrig Verhaltenden zugehen und sie zur Rede stellen. Auf unverschämte Antworten und alle möglichen Ausreden sollte man allerdings vorbereitet sein.

    Mich kotzt diese Pseudo-Opfermentalität an, die so geht: auf der Straße sei es zu gefährlich oder die Straße sei zu uneben, darum müsse man mit dem Rad eben auf den Gehweg ausweichen. Das ist natürlich generell und in der Spielstraße erst recht völliger Quark. Wer sich dem Verkehr so wenig gewachsen fühlt, der dürfte eigentlich überhaupt kein Fahrzeug im öffentlichen Raum bewegen.

    Ich denke, dass die Einführung eines obligatorischen (sehr preisgünstigen) Führerscheins für Radfahrer ab dem 10. Lebensjahr zu überlegen ist, alleine schon im eigenen Interesse der Bikepiloten, da hier scheinbar oft grundlegendste Regelkenntnisse fehlen, z.B.
    -) Rechts-vor-Links-Vorfahrt,
    -) Haltepflicht an roter Ampel,
    -) der bei uns implementierte Rechtsverkehr,
    -) sowie §1 der StVO, der allgemeine Rücksichtnahme im Straßenverkehr fordert.

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    1. ... und bevor ich diese Regel vergesse:
      -) Verbot des Überholens auf der rechten Seite (z.B. von PKW).
      Die Einhaltung sollte im ureigensten Interesse aller Radfahrer liegen, weil Unfälle beim Rechtsabbiegen von PKW mit Radfahrern ja eine Hauptunfallursache für schwere und auch tödliche Unfälle darstellen.

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