11. August 2014

Lebenswerte Straßen - wenig Autos, viele Freunde

Eine Untersuchung in den USA zeigt: In Straßen mit weniger Autoverkehr kennen sich die Nachbarn und haben Anwohner insgesamt mehr soziale Kontakte. In Straßen, durch die sich der Autoverkehr schiebt, leben die Leute einsamer. 

Anschauen kann man sich die Thesen der Untersuchung in diesem Video. Es ist leider auf Englisch. Es beruht auf den Untersuchungen, die Donald Appleyard schon Anfang der 80er Jahre in San Francisco gemacht hat. Das Buch dazu heißt: "Livable Streets", "Lebenswerte Straßen" (Barkeley, Los Angeles, 1981) Und hier die zentralen Thesen mit den zentralen Grafiken aus dem Buch und Film.


Straßen werden in drei Kategorien unterteilt: solche mit viele Autoverkehr (Stau und Geschiebe), solche mit mittlerem Autoverkehr und solche mit wenig Autoverkehr. Es versteht sich von selbst, dass Fußgänger Straßen um so leichter überqueren, je weniger Verkehr auf ihnen herrscht. Folglich kennen Menschen in weniger befahrenen Straßen die ihrem Wohnhaus gegenüberliegende Straßenseite besser, auch die Leute, die dort wohnen, als Menschen die zum Überqueren ihrer Straße Ampelanlagen aufsuchen und womöglich länger warten müssen.

Man sieht hier, dass sich in viel befahrenen Straßen (unten) die Leute hauptsächlich auf ihrer Straßenseite aufhalten und Sozialkontakte sich auf die eigene Straßenseite beschränken.

Leute, die in Straßen wohnen, durch die sich der Verkehr schiebt (bei uns z.B. die Hauptstätter Straße), haben etwa zwei Drittel weniger Freunde als Leute in stillen Straßen.

Die zweite Grafik zeigt, was die Menschen als ihr Zuhause empfinden: nur die Wohnung oder gar die ganze Straße.

Hier zeigte sich, dass Leute in wenig befahrenen Straßen ihre ganze Straße als ihr Zuhause betrachten (oben). Dagegen betrachten Menschen in Autostau-Staßen nur ihr Haus, oder sogar nur ihre Wohnung als ihr Zuhause. Die Straße gehört nicht mehr dazu (unten).

Die Leute, denen man dort begegnet, bleiben Fremde. In Straßen mit mittlerem Verkehr grüßt man sich noch, in denen mit viel Verkehr bleibt man sich völlig fremd.

Am verblüffendsten fand ich folgende Erkenntnis, die die dritte Grafik zeigt: Appleyard hat die Leute gebeten, das zu zeichnen, was ihre Straße ausmacht und bestimmt, also wie sie die Straße sehen, in der sie leben.

Dabei zeigte sich, dass Menschen, die in einer von Autos zugerammelten Straße leben, tatsächlich nur Autos zeichnen. Die Menschen aber, die in einer "lebenswerten" Straße leben, zeichnen von mehr Einezlheiten. Sie nehmen ihre Wohnumgebung detaillierter wahr und finden mehr, was ihnen erwähnenswert erscheint.

Die Erkenntnisse sind über dreißig Jahre alt. Fangen wir an, sie umzusetzen:

Die Hauptstätterstraße wird Boulevard mit Bäumen, Stadtstrand und Cafés. 

Und wenn Sie auch eine Straße haben, wo Menschen wohnen, man aber nur Autos sieht, dann nennen Sie sie mir. Dann schließen wir sie in unser Projekt "Lebenswerte Straßen" mit ein.

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