29. August 2014

Links oder rechts?

Derzeit wachsen Schilder an den Masten, und zwar so kleine quadratische mit grünen Radzeichen und einem Pfeil, mal links, mal rechts, mal schräg links, mal schräg rechts, mal geradeaus.

So wird der Radler auf der Hauptroute 1 auf der Möhringer Straße auf dem Erwin-Schoettle-Platz jetzt per Schildchen um die Matthäuskirche geleitet. Das ist gut für Leute, die sich nicht auskennen. Wer früher in Stuttgart Auto gefahren ist, erinnert sich vermutlich noch, dass einst der Autoverkehr diese Kirche umspült hat. Jetzt ist das alles Fußgängerbereich außer der Südseite der Kirche, wo es einen Parkplatz gibt.

Und ich finde es sehr schade, dass die Beschilderer von Stuttgarts Radführungen die Radler, die auf der Möhringer Str. von der Innenstadt her kommen auch hier wieder durch den Fußgängerbereich führen und nicht auf der anderen Seite durch den Parkplatz. Der wird allerdings verschwinden. Ein Spielplatz soll dort hin. Das ist auch nicht gut für Radler.

Eine Entscheidung für eine echte Radführung für Radler, eine beschilderte Radspur ist vertan. Wieder müssen Radler sich auf einer Hauptroute durch Fußgänger schlängeln. Ein bisschen mehr Mut in der Radpolitik wäre schön.

Ein bisschen kurios ist die Beschilderung ohnedies. Es gibt Ecken in Stuttgart, wo der Radler wesentlich mehr Pfadfinderqualitäten entfalten muss als gerade hier.

Und ärgerlich auch hier wieder, dass der Radler die weiterführenden Wegweiser (im Abendgegenlicht) nur dann sieht, wenn er tatsächlich den Pfeilchen folgt und rechts herum um die Kirche fährt.

Wer sich auskennt, wird, falls er nach S-West will, soweit allerdings gar nicht vorfahren, sondern sich bereits früher rechts halten. Wohl wissend, dass ab dann keinerlei Hinweis mehr gibt, wo er fahren soll oder darf, beziehungsweise, an welcher Stelle er auf die Fahrbahn runter kommt.

Wer sich hier nicht auskennt, fragt sich: Soll ich hier auf dem Gehweg weiterfahren, durch die Wartenden an der Bushaltestelle? (Ist nicht freigegeben.) Gibt es da vorn einen Radlerüberweg? Oder muss ich hier in die Bushaltestelle hinein, auf die Fahrbahn runter?Die Autos rasen hier doch auch recht munter zur Ampel, auch kommt der Bus. Das ist alles tatsächlich nicht ungefährlich.

Es geht auch dann nicht sonderlich radlermäßig weiter, denn wer in den Westen (durch den Schwabtunnel) will, der muss hier sofort auf die linke Spur wechseln.

Hier muss schleunigste ein Rad-Sicherheitstreifen mit vorgezogener Aufstellinie zwischen diese Beiden Autospuren gelegt werden. (Das geht, wie man an der Neckarstraße sieht.)

Ich biege nach der Überquerung der Böblinger Straße auch oft zu den Radparkplätzen am Generationenhaus ein, wo die Bezirksbeiratssitzungen stattfinden. Und ich bin tatsächlich schon von Autofahrern angehupt worden, wenn ich auf diese kurze Abbiegspur gefahren bin (Foto groß klicken und anschauen).

Blicken wir auf die die Umgehung Matthäuskirche Richtung Innenstadt, sieht die Beschilderung so aus.

Dass die Radlerin gerade ganz woanders hinwill, ist Zufall. Oder doch nicht?



Kommentare:

  1. »Wer sich hier nicht auskennt, fragt sich: Soll ich hier auf dem Gehweg weiterfahren, durch die Wartenden an der Bushaltestelle? (Ist nicht freigegeben.) Gibt es da vorn einen Radlerüberweg? Oder muss ich hier in die Bushaltestelle hinein, auf die Fahrbahn runter?«

    Ja, spätestens hier. Noch besser ist es aber früher auf Höhe der Kirche. Und weil »die Autos« »hier doch auch recht munter« »rasen«, schaut man sich dazu nach hinten um. Hat man eine Verkehrslücke ausgemacht, fährt man mit gesundem Selbstwertgefühl (»Ich bin ein vollwertiger Verkehrsteilnehmer«) in die Fahrbahn ein. Und wenn am breiten Fußgängerüberweg bei der Kirche keine Fußgänger sind, denen man bedrohlich werden könnte, kann man den Gehweg dort bis zum Ende der Randsteinabsenkung schon zum Beschleunigen verwenden (dann aber das Handzeichengeben beim Einfahren auf die Fahrbahn nicht vergessen!). Auf der Fahrbahn fahre man dann nicht an den rechten Rand gequetscht sondern da, wo sich die Mitte zwischen den rechten und linken Rädern eines Kraftfahrzeugs bewegen würde. Dann klappt das auch weiter hinten mit dem Richtungsfahrstreifen zum Geradeausfahren an der Kreuzung mit der Böblinger Straße. Oder fahren Autofahrer etwa durch die Bushaltestelle, wenn sie an der Kreuzung geradeaus wollen? Na also!

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, public2014.fwnsp@spamgourmet.com

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich würde auch so fahren. Aber eine guter Übergang von der Radroute auf die Straße ist das nicht.

      Löschen
  2. »Hier muss schleunigste ein Rad-Sicherheitstreifen mit vorgezogener Aufstellinie zwischen diese Beiden Autospuren gelegt werden. (Das geht, wie man an der Neckarstraße sieht.)«

    Der müsste so breit wie ein Autofahrstreifen sein, damit man sich nicht in die Mangel genommen fühlt. Dafür ist jedoch kein Platz. Und wozu eine vorgezogene Aufstelllinie? Um Radfahrern und Autofahrern klar zu machen, dass Radfahrer dort fahren dürfen und sollen, und um ihnen dazu zu suggerieren, dass Radfahrer überall dort, wo dergleichen nicht ist, nichts verloren haben?

    Die Sonderrichtungsfahrstreifen, die vermehrt um sich greifen, tun auch wieder so, als könnten Radler sich nicht auf der Fahrbahn in die Autoschlangen einordnen und als dürften sie nicht wie vollwertige Fahrzeugführer auf den allgemeinen Richtungsfahrstreifen fahren. (Der Anklang an »Die indirekten Linksabbiegespuren, die vermehrt um sich greifen, […] « ist beabsichtigt.)

    Statt dass ich eine Extrawurst gebraten bekomme, ziehe ich es vor, dass ich wie ein mündiger Fahrzeugführer behandelt werde.

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, public2014.fwnsp@spamgourmet.com

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Auch da stimme ich zu. Ich weiß allerdings, dass sich die Zahl der Radler auf solchen Straßen und Wegen erhöht, wenn man Sichereheitsstreifen, gerne auch rot, einzieht. Und ich fürchte der Weg zu mehr Radlern auf Stuttgarts Straßen führt über solchen Fahrbahnmalerei. Sonst radeln die etwas Ängstlichen nämlich auf den Gehwegen. Und das muss endlich aufhören.

      Löschen
    2. Da muss ich mal wieder einhaken :-) Ist das wirklich so, daß die Zahl der Radfahrer auf der Fahrbahn sich nur mit Malerei erhöht? Oder ist das nur eine Annahme? Mich würden hier mal konkrete Zahlen interessieren, also ein Vorher-/Nachher-Vergleich.

      Löschen