19. September 2014

Baustellen-Alarm

Aus der beliebten Reihe - Stuttgarts Baustellen aus Radler-Sicht. 

Jetzt hat man die Straßen am Kreisverkehr Wilhelmstraße/Olgastraße aufgerissen. Autofahrer, die vom Wilhelmsplatz hoch kommen, werden per Schild in die Heusteigstraße geleitet, wo sie sich bis zur Immenhofer Straße vor stauen. (Auch nicht so toll!)

Radler dürfen weiter, straucheln dann aber im Schilder- und Sperrenlabyrinth. Nichts passt zusammen.

Schwierig schon die Schilderhäufung am Eingang des Radwegs. Ein zweites Schild gibt nämlich den Gehweg für Radler frei. Und das passt beides nicht zusammen, denn der Radweg (blaues Schild) ist ja verpflichtend für den Radler. Er muss hier fahren. Darf  also nicht den Gehweg nehmen.

Die Schilder für Autofahrer sind hier wesentlich eindeutiger, was hier zweie nicht daran hinterd, forsch an Schranke und Sperre vorbei zu fahren. So als würden Schranken und Einfahrt-Verbots-Schilder überhaupt nichts bedeuten. (Sie müssen dann wenden, weil sie nicht weiterkommen. Aber probiert hat man es halt.)

Radler dürfen ausdrücklich auf dem als Radweg deklarierten Sicherheitsstreifen weiter fahren bis hoch zum Kreisverkehr. Dort stoßen sie auf ein Sammelsurium von Schildern, deren konkrete Bedeutung rätselhaft ist.

Wir sehen ein Schild "Fahrradweg Ende", wo gar kein Fahrradweg mehr ist. Es steht auf dem Gehweg. Weiter hinten sehen wir das Zeichen für Gehweg mit einem Radfreigabe-Schild darunter. Also sollen wir wohl auf den Gehweg hoch. Und dann?

Der Zebrastreifen am Kreisverkehr ist durchgestrichen. Denn hier fahren die Autos auf der linken Fahrspur hoch, während die, die runter wollen weiter oben an einer Baustellenampel auf Grün warten. Hier kann ich also nicht rüber.

Auf den Gehweg hinter diese Abschrankung zur Straße begebe ich mich als Radler aber lieber nicht, denn ich weiß, entlang dem Gehweg parken immer Autos dicht an dicht. Ich komme erst viel weiter oben beim Fußgängerüberweg mit Ampel wieder runter und hinüber.

Also auf der Fahrbahn bleiben und sich irgendwie zwischen Baufahrzeugen und Baken durchschlängeln.

Wenn ich sowieso die Olgastraße hinauf will, okay. Aber ich will ja eigentlich um den Kreisverkehr herum, die Olgastraße hinunter zur Charlottenstraße radeln. Und die meinen doch nicht im Ernst, dass ich dafür erst einmal fünfzig Meter den Berg hochradle?


Der Blick fällt auf die Lücke in der Abschrankung auf dem Kreisverkehrrund. Mit dem Rad kommt man da gut durch. Ich schrecke aber zurück, weil mir da der Verkehr von unten entgegenkommt, der gerade Grün hat.

Der Radler, der etwas später kommt, erkennt die Gefahr nicht, denn die Autos sind durch, jetzt haben die von oben Kommenden grün, und er kann sich in den Verkehrsfluss eingliedern und seine Runde um den Kreisverkehr vollenden. Ich habe mich hier etwa zwei Minuten aufgehalten, um Fotos zu machen. Ich mussten nicht extra auf den Radler warten, der die Lücke nutzt. Ich vermute deshalb, dass die meisten so fahren. (Sie warten natürlich den Gegenverkehr hoch ab.)

Ganz schlecht gemacht! Merke: Umleitungen für Radler, die erst einmal in Gegenrichtung den Berg hinauf führen, finden keinerlei Akzeptanz und führen dazu, dass Radler sich ganz andere als die geplanten Wegen suchen. Sie provozieren regelwidriges Verhalten (wie übrigens bei Autofahrern auch.) Und dies ist nicht die einzige Baustelle in Stuttgart, die Radler auf unvorhersehbare weite Umwege schickt, sondern nur wieder eine.

Konsistente Beschilderung und eine Umleitung, die einsehbar und abschätzbar ist, sind bei Stuttgarts Baustellen dringend nötig. Eine Grundregel gilt auch hier: Es muss immer für Radler und Autofahrer gleichermaßen schmaler werden. Räder dürfen nicht plötzlich irgendwohin abgedrängt werden, nur damit der Autoverkehr ungestört von Radlern rauschen kann.

Kommentare:

  1. Richtung Charlottenplatz ist einfach. An der ersten Absperrung wo die Autos in die Heusteigstr. geleitet werden einfach links fahren. Vor der Schule rechts und dann oben wieder links oder bei vier Verkehr die Fußgängerampel anfordern. Gerne könnte an der Ecke Wilhelmstr. mit Heusteigstr. bereits ein Schild stehen und Charlottenplatz empfehlen.

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  2. Ja, klar, es gibt Alternativwege, aber es wäre nicht schlecht, man wüsste es vorher. Und niemals würde man eine Umleitung so schlecht und undurchschaubar für Autofahrer machen. Radfahrer müssen arg oft umkehren, weil es an der Stelle, wo sie hingelangt sind, nicht weitergeht.

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  3. Klar kann man sich über nicht logische oder mitunter auch mal schlichtweg irrsinnige Ausschilderungen und Umleitungen mokieren oder belustigen.

    Trotzdem würde ich zwischen eher noch harmlosen Irrsinn Situationen, die für Radler dann plötzlich wirklich saugefährlich werden, unterscheiden.

    Das galt bislang etwa für die Umleitung an der Gerberbaustelle von der Tübinger- über die Gerberstraße. Viel zu eng, entgegen der Pkw-fahrtrichtung und dann auch noch der nicht einsehbare Strassenknick. Das wurde erst jetzt, viel zu spät, versucht, das zu entschärfen.

    Anderes, immer noch aktuelles Beispiel: die Rötestraße zwischen Rotebühl- und Augustenstraße. Mein täglicher Weg zum Arbeitsplatz und hier darf ich als Radler nach wie vor entgegen der Fahrtrichtung radeln. Das Problem ist nur, aufgrund der dortigen Baustelle ist die Fahrbahn derart verengt, dass ein Pkw und ein Rad definitiv nicht aneinander vorbei passen und selbst ein Ausweichen auf den Gehweg wegen der lückenlosen Randbeparkung, die auch weiterhin zulässig ist, nicht möglich ist. Man ist als Radler sozusagen verraten und verkauft. Selbst dann, wenn man in die Rötestraße einfährt und weit und breit noch kein entgegenkommender Pkw sichtbar ist. Die können dann aber plötzlich und sehr schnell eben doch da sein. Viele nutzen die Rötestraße um die Ampel Rotebühl-/Schwabstraße zu umgehen und kaum einer ahnt, dass entgegenkommende Radler hier überhaupt eine Daseinsberechtigung haben.

    Eine ganz, ganz fiese Situation. Nur weil man sich offenbar nicht traut, für die Dauer der Baustelle einige Parkplätze wegfallen lassen zu müssen.

    Die gute Nachricht habe ich aber auch: noch lebe ich. *g*

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    1. Fahr weiter vorsichtig und vorausschauend. Ich werde mir die Stelle demnächst mal anschauen. Danke für den Hinweis.

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