25. September 2014

Neuer Radspurschnipsel am Marienplatz


Radler, die von der Filderstraße über die Hauptstätter Straße auf den Marienplatz wollten, hatten bisher so was Undefiniertes mit Asphaltaufschüttung am Bordstein, das sie an die Fußgängerampel geleitet hat, wo immer viele Fußgänger stehen. 

Dieses Undefinierte ist umgewandelt in eine Radspur mit Aufstellplatz an der Ampel für Autos. Nett. Allerdings, es wäre wohl zu viel des Guten gewesen, hätte man sie nach der Überquerung der Hauptstätter Straße fortgeführt.


Das hätte Radler ja verführen können, auf der Fahrbahn um den Marienplatz herumzufahren, statt mit den Fußgängern den Platz zu entern und sich durch die Fußgänger der Außengastronomie zur Tübinger Straße durchzuschlängeln.

Am Ende der Spur wird man jedoch von Autofahrern abgedrängt und umgenietet.












Also biegt man hier am Ende der Spur doch wieder auf den Fußgängerüberweg ab (Foto links) und radelt durch die Fußgänger zur Tübinger Straße hinunter. Und wie üblich ist der Übergang von der Radführung dorthin völlig ungeklärt. Man schlängelt sich halt wieder mal.

So sah es hier vorher aus. Jetzt befindet sich an dieser Stelle die Radspur. (Foto darüber)

Wenn ich vom Marienplatz komme, gibt es immer noch keine Möglichkeit die Filderstraße hinauf zu radeln. (Die Fußgängerampel hier rüber auf die rechte Seite der Filderstraße hat eine viel zu lang Rotphase.) Immer noch muss ich mich ab hier durch Fußgänger und eine Bushaltestelle schlängeln, bis sich an der Lehenstraße endlich auf die rechte Seite der Filderstraße wechseln kann.

Außerdem: Obacht! Autofahrer biegen hier rechts ab. Wer als Radler von hinten auf die schon länger grüne Ampel zufährt, kollidiert zwangsläufig mit dem Rechtsabbieger, denn der hat keine Chance, den Radler rechts hinter und neben sich zu sehen. Der guckt nämlich auf die Fußgänger, die er durchlassen muss.

Eine der gefährlichsten Situationen für Radler und Autofahrer. Grundsätzlich gilt nämlich: Lege nie eine Radspur, wo Radler geradeaus fahren sollen, rechts neben eine Abbiegespur für Autos. Und das ist eine reine Geradeausspur für Radfahrer, denn nach rechts die Hauptstädter Straße hinunter wird keiner radeln. Wieder mal wird deutlich: Das Bemühen, etwas für Radler zu tun, ist erkennbar. Doch es werden Radspuren nur dort angelegt, wo es zufällig sowieso gerade etwas Platz gibt (hier war es eine undefinierte Leerspur). Eine echte Politik für Radfahrer ist nicht erkennbar. Der Weg in Gegenrichtung ist nämlich für Radler absolut ungestaltet. Hier mischt man sich unter die Autofahrer. Wer geradeaus in die Filderstraße will, muss neuerdings auf die mittlere Spur einfädeln. Da soll auch eine Radlerspur hin, sagt der Fahrradbeauftragte für Stuttgart, Köhnlein, jedoch hat man die Spuren zunächst für Autofahrer eingerichtet. Das für Radler kommt irgendwann später. 

Ach ja (seufz). Gut, aber gefährlich. Sinnvoll und irgendwie auch wieder sinnlos. Trotzdem kommt man jetzt endlich bequem rüber in die Böheimstraße Richtung Marienhospital. Kam man bisher allerdings auch, wenn man sich gemischt mit den Autos an der Ampel aufgestellt hat. Am besten vor dem nachfolgenden Fahrzeug. Dann wird man vom Fahrer auch gesehen. Das aber machen ja bekanntlich so manche Radfahrer/innen nicht so gern. Und es haben auch nur sehr wenige gemacht.

Leider können Radler bei Stau auf der Filderstraße nur über die Busspur rechts vorbei, und leider machen das die Autofahrer auch, um auf der rechten Spur vorzufahren. Hier könnte man noch was machen, um den Radfahrern Platz zu schaffen.

Und Mopedfahrer finden das auch ganz toll. Auch wenn sie auf Radspuren nicht fahren dürfen.

Kommentare:

  1. was hat man da herumgebaut. Zwei Wochen lang Baustelle für eine komplett unüberlegte, gefährliche Veränderung! Toll! Man hätte wenigstens eine Radaufstellung vor den Autos einführen können, so dass man das Rechtsabbiegeproblem wenigstens bei Rot nicht hat, bleibt Ungehorsam wie vorher auch: sich vor das erste Auto in der Schlange stellen- und möglichst auffällig rechtswidrig- so fällt man jedenfalls auf.....

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    1. Und in Gegenrichtung haben sie dann auch noch die Geradeausspur vom rechten Fahrbahnran weg verlegt. Radler müssen sich jetzt auf der Mittelspur aufstellen, wenn sie am Tunnel vorbei in die Filderstraße wollen. An Radspur hat hier wieder mal gar niemand gedacht. Ziemlich ärgerlich

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  2. Ich glaube, an solchen Schnipseln muss man sich nur regelmäßig ungeschickt einbauen. Irgendwann wird dann weitergeschnipselt. Wo kein Nutzer, da kein Handlungsbedarf.

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  3. Zu Christine Lehmann, 25. September 2014 12:04:

    »Und in Gegenrichtung haben sie dann auch noch die Geradeausspur vom rechten Fahrbahnran weg verlegt.«

    Wahrscheinlich ist es gewollt, dass in den Tunnel rechts Abbiegende sich unabhängig stauen können von denen, die geradeaus die Hauptstätter Straße überqueren wollen.

    »Radler müssen sich jetzt auf der Mittelspur aufstellen, wenn sie am Tunnel vorbei in die Filderstraße wollen.«

    Fahrräder sind Fahrzeuge, Radfahrer sind Fahrzeugführer. Wie sich diese benehmen sollen, wenn sie auf einen anderen Fahrstreifen wechseln müssen, wurde hier durchgekaut. Und eine Radspur würde nichts helfen, weil die ja auch nicht ganz rechts laufen dürfte sondern links von den rechtsabbiegenden Kraftfahrzeugen laufen müsste.

    Tja, bin ich wieder angelangt beim unzureichenden Verkehrsunterricht kombiniert mit Radfahrerunterwürfigkeit. Und ich vermute, dass selbst Autofahrer, die mit dem Auto das Einordnen beherrschen, verängstigt und ratlos wären, wenn man sie zwänge, sich mit dem Rad im Verkehr zu bewegen, weil sie fahrzeugführerliches Verhalten als Radfahrer für zu gefährlich und zu rücksichtslos »dem Verkehr« gegenüber halten.

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, public2014.fwnsp@spamgourmet.com

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    1. Lieber Friedhelm, stimmt, es ist gewollt, dass Rechtsabbieger hier eine eigene Spur haben. Übrigens ist es auch geplant, hier eine Radlerspur für Geradeausradler anzulegen. Für routinierte Radler ist der Spurwechsel auf einer Autostraße nur ein geringes Problem, aber es gibt halt auch ängstliche Radler (Wiedereinsteiger, Ältere, Jugendliche), und für die sind solche Verkehrssituationen schwierig. Ein paar von denen würden immerhin einen Radstreifen mit vorgezogenem Aufstellplatz benutzen. Und Autofahrer und Radler würden sehen, dass hier Radler fahren können und sollen, was ich auch immer wieder sage. Radpolitik muss halt für verschiedene Sorten von Radlern gemacht werden, wenn eine Stadt will, das mehr Leute Rad fahren als das bisher tun. Radspuren helfen da, wie sich ander Neckarstraße zeigt. Aber es stimmt: Es fehlt an einer Verkehrserziehung für alle Verkehrsteilnehmer. Viele Autofahrer würden sich nie trauen, mit dem Rad zu fahren, weil auch sie Autos für gefährlich halten.

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  4. Zu Dirk, 26. September 2014 08:42:

    »Wo kein Nutzer, da kein Handlungsbedarf.«

    Optimist! In Stuttgart heißt das: Wo kein Nutzer, da kommt Benutzungspflicht, damit die Radfahrer den Autos aus dem Weg kommen!

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, public2014.fwnsp@spamgourmet.com

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