3. September 2014

Reden wir über den Regen


Bei schönen Wetter radeln kann jeder. Bei Regen geht es auch. Die Luft ist gut und sauerstoffreich. Die Mehrzahl der Radler fährt zur Arbeit jedoch nicht mehr mit dem Rad, wenn es regnet. Acht Stunden mit nassen Hosenbeinen oder nassen Schuhen auf der Arbeit herumsitzen geht gar nicht.

Man kann darauf setzen, dass man sich im Geschäft umziehen kann. Dafür muss man alledings entsprechende Kleider mitnehmen. Das machen Männer durchaus, Frauen selten, denn für sie ist das, was sie bei der Arbeit tragen, oft von größerer Bedeutung, muss gebügelt sein, ist vielleicht ein Rock, zu dem anständige Schuhe gehören und so weiter.

Die Alternative ist Regenschutzkleidung, die uns von Kopf bis Fuß bedeckt. Für Leute, die Hosen tragen, kein Problem, so was zu finden. Wer mit Rock ins Geschäft radelt, bekommt da schon größere Probleme. Außerdem ist das regendichte Einkleiden ganz schön umständlich.

Ich finde, für Alltagsradlerinnen gibt es nicht wirklich gute und praktikable Regenbekleidung. Und ich hatte mir da auf der Eurobike 2014 in Friedrichsahfen tatsächlich mehr erhofft, als ich gefunden habe.

Klar, regen- und winddichte Jacken und Hosen gibt es zuhauf. Ich fahre E-Bike, weshalb ich immer in einer Packtasche Regensachen dabei habe, falls ich auf dem Weg zur Arbeit von einem Regenguss überrascht werde.

Das heißt aber dann: Rad unter irgendeinem Vordach abstellen, Radtasche auspacken. Hier sollte die Reihenfolge so sein, wie man sich die Regenklamotten anzieht, sonst verstreut man alles auf der Straße. Erst die Regenjacke, dann Regenhosen über die Hosen. Da haben die Autofahrer, die im Trockenen an der Ampel warten, auch mal was zum Gucken. (Fällt sie um, wenn sie einbeinig die Regenhose über die Schuhe zerrt oder nicht? Die Regenhose sollte unbedingt einen Reißverschluss unten haben, damit man mit Schuhen reinkommt!) Dann Galoschen für die Schuhe. Kapuze unter den Helm geklemmt und - da ich eine Brille trage - so weit vorgezogen, dass die Tropfen auf den Gläsern sich in Grenzen halten. Hat die Jacke keine Kapuze, braucht man eine Haube für den Helm, der wie eine Duschhaube aussieht. Insgesamt also sportliche 5 Teile.

Das kann besser gehen, habe ich mir gedacht und einen Reitermantel für Regen gekauft. Der geht wenigstens über die Knie und lässt einem hinten genug Platz. Aber die Schienbeine werden immer noch nass. Also Reiterchaps dazu. Und die Galoschen. Das ist immer noch ein ziemliches Angeziehe. Und leider weht es die Mantelenden bei Gegenwind hoch und die Knie werden nass. Also auch nichts.

Einen Poncho, der über den Lenker geht, hatte ich auch schon. Da sammelt sich dann zwischen den Armen eine Pfütze, und man sieht weder Tacho, Klingel, Schaltung noch Navi (falls man den braucht) am Lenker. Und die Hosenbeine überm Knöcheln werden auch noch nass. Meistens sind Ponchos in so billigen Versionen zu haben, dass die Kapuze nicht passt und man auch beim links und rechts gucken nichts sieht.

Man braucht alles in einem. Damit es schnell geht. Ich habe auf der Eurobike also nach dem knöchellangen Regenmantel mit integrierten Überschuhen gesucht - und nicht gefunden. Dafür aber Anbieter, die begeistert für ihre Ponchos und andere nette Ideen werben.

Der Outdoorhänder Hock bietet zum Poncho eine Hose an, die wie Indianerleggins oder Chaps nur die Beine bedecken und mit einem Hüftgürtel und Strapsen Halt bekommen. Hinten werden sie mit Klettstreifen verschlossen. Ganz nett, aber immer noch ein ziemliches Angeziehe und Geschnalle. Darüber muss man einen Poncho oder einen längeren Regenmantel tragen. Und es ist eher was für Menschen mit schlanken Beinen. Immerhin bieten die auch eine leichte Regenhose mit integrierten Gamaschen für die Schuhe.

Einen Rock zu tragen erlaubt die Variante auch nicht, es sei denn man knüllt ihn sich hoch. Immerhin bietet Hock den Poncho mit integrierten Handschuhen, sodass man den Lenker sieht. (Mit Hose 2,5 Teile).

Schön für lange Strecken bei eher niedrigen Temperaturen ist dieser Einteiler von Bikesuit. Auch er zeigt, dass man sich den Radler eher männlich denkt. In jedem Fall muss er Hosen anhaben. Und es ist schon mal ein Regenschutz im ganzen Stück und klein verpackt. Man zieht ihn aus der Seitentasche, entrollt ihn und fängt an, sich mithilfe der ausgeklügelten Reißverschlüsse einzuratschen (sollte man zuhause ein paar Mal geübt haben, damit es auf der Gasse schnell geht).

Zwei Anbietern von Regensachen habe meine Idee für Radfahrerinnen erklärt:

Ich möchte einen Regenmantel, der hinten bis zu den Knien geht, vorn aber bis zu den Füßen. Mit einem Klettverschluss schließt man den vorderen Teil um die Knöchel, sodass Schenkel, Schienbeine und Knöchel geschützt sind. Am besten wäre es, er hätte noch integrierte Überschuhe. Wenn ich in einen Regenguss komme, muss ich nur anhalten, mir den Mantel überwerfen, mit den Schuhen in die Überschuhe schlüpfen und alles mit einem Klettband am Knöchel (und an den Waden vielleicht noch) befestigen, und fertig. (Keine Einzelteile sortieren, nicht in eine Hose steigen!)

Vielleicht wird es dann im kommenden Jahr bei der Eurobike 2015 so was geben. Mal sehen ... Oder ich muss es selber konzipieren und werde dann ganz schnell reich damit.


Kurios sind eher die wasserdichten Socken, Kniestrümpfe und Handschuhe von Sealskinz, die übrigens tatsächlich absolut wasserdicht sind, allerdings durchaus spürbar Verdunstungswärme entziehen, also innen kalt werden. Sie bestehen aus verschiedenen Schichten. Die Strümpfe haben allerdings eher den Charakter von Stützstrümpfen, so fest und eng sind sie (nichts für dicke Waden). Die Handschuhe erhöhen den Griff bei nassem Lenker und halten die Hand trocken. Hm ja, braucht auch eher der sportliche Langstreckenradler.

Und solche Regenmäntel braucht man schlicht gar nicht.


Nachtrag vom 28. September. Auf der Seite Velogold, die auf meinem Blog auch wirbt, habe ich nun endlich den Regenrock entdeckt, den ich schon ganz lange suche. Es gibt doch Herstellre, die arbeiten realistisch an den Problemen. Fein.

Kommentare:

  1. Ich hatte früher immer Regenhosen, bei denen links und rechts Reißverschlüsse von oben bis unten waren. Dadurch konnte ich mir das Balancieren auf einem Bein sparen, und habe nicht die dreckigen Schuhe innen abgestreift und den Schmodder auf die Hose verteilt.

    Regenklamotten haben aber bei nicht so niedrigen Temperaturen, also über 0 Grad, den Seiteneffekt, daß sie nicht atmungsaktiv genug sind. Ich zumindest schwitze da viel zu schnell.

    Inzwischen habe ich eine Jahreskarte der VVS, die ich aber die nächste Jahre kündigen werde. Ich muss über Staatsgalerie und Charlottenplatz fahren.

    Was ich aber aktuell suche ist eine Windjacke (nicht Regen), die hinten nicht so weit runter geht, und vorne eine Brusttasche mit Reißverschluß hat. Leider hat sowas wohl niemand mehr im Sortiment.

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  2. Eine Pedelec-Fahrerin wie ich (die zunächst mal den Berg runtersaust) schwitzt nicht so schnell. Insofern muss Regenkleidung für mich vor allem regendicht sein. Ich finde aber wirklich, dass das Angebot sehr bescheiden ist und sich nicht an praktischen Bedürfnissen orientert. Beispielsweise fände ich zur Regenjacke auch einen fußkangen Schurz, den man sich um die Hüfte wickelt, auch ganz praktisch. Geht aber nur bei Damenrädern. Aber warum nicht was für Frauen machen? Da gibt es wirklich noch viel zu tun, finde ich.

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  3. Ich fahre seit etwa 2 Jahren fast täglich (außer bei Eisglätte), als Regenschutz habe ich eine (sehr teure) Regenjacke und eine Regenhose (mit langen Reißverschlüssen an den Hosenbein-Außenseiten) brauche das aber nicht wirklich oft, maximal 60-80 mal / Jahr.
    Mein Eindruch: es regnet früh Morgens und Abends gar nicht so oft wie Tagsüber.
    Mein Vorteil: Ich Dusche vor der Arbeit und kann mich problemlos umziehen. Meine Büro-Kleidung transportiere ich in einem Wasserdichten Rucksack (ohne Schuhe, da habe ich welche fest im Büro), das geht sogar mit dem Anzug, richtig zusammengelegt sind auch kaum Knitterfalten zu sehen.
    Für Frauen mit Rock bei Regen ist vielleicht das da eine Möglichkeit: http://www.velomobilwerk.de/leibaclassic.html, da wirst Du nicht nass und gibts auch mit E-Unterstützung.

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    1. Jaja, mach dich nur lustig über uns Frauen. (Grins) Es gibt auch Liegeräder mit Dach und Dächer fürs Normalrad. Auf jeden Fall ist es nicht schlecht, wenn man Schuhe im Büro hat. Frauen neigen allerdings dazu, sich passende Schuhe zum Outfit anzuziehen und die Treter im Büro würden eben nicht zu allem passen. Ideal ist das also noch nicht.

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    2. Nicht nur Frauen ziehen passende Schuhe zum restlichen Outfit an (deshalb habe ich auch nicht nur ein Paar Schuhe vorrätig), :-) Manchmal passt das mit dem Klischee nicht (trotzdem find ichs toll, das Klischee).

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    3. Hallo
      Bei Eisglätte helfen Spikes wunderbar, ist zwar anstrengender zu fahren aber sehr sicher!
      Gruss

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    4. Ja, kenne ich, habe ich, aber nur einen Satz Räder und das austauschen ist relativ aufwendig. Das Fahren bei Trockenheit mit Spikes macht nicht wirklich Spaß.

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  4. Ich bin so ein bekennender Will-möglichst-nicht-nass-werden-Radler. Bei Dauerregen ist also Stadtbahn oder eben doch noch mal das Stinkmobil angesagt. Aber die Fälle sind wirklich selten und nur dunkel-drohende Wolkenfronten können mich erst einmal nicht mehr erschrecken: die Regenradar-Prognose ist sozusagen mein Freund geworden und ein prima Mittel, um Wetterlagen als harmlos zu erkennen bzw. heftigen Schauern kurzfristig und bei etwas zeitlicher Flexibilität effektiv aus dem Weg zu gehen.

    mfG
    ak

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    1. Nun ja, wenn es schon morgens so richtig breit senkrecht nach unten regnet, nehme ich für die eine oder andere Fahrt auch mal das Auto. Und wenn Schnee liegt und es Glatteis hat. Blöd ist aber halt, wenn man auf dem Weg zur Arbeit oder zu einem Termin mit gepflegter Kleidung von einem Regenguss überrascht wird. Passiert aber wirklich sehr sehr selten.

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  5. Hallo

    So oft regent es ja auch nicht wie die meisten denken: Ich schätze das es nur 2-3 mal im Monat beim täglichen pendeln regnet, und auf dem Nachhauseweg ist es ja auch nicht weiters schlimm. Bin reichlich mit Regenbekleidung ausgestattet und ziehe mich auf Arbeit um. Hochwertige Regenbekleidung ist toll, funktioniert gut, belüftet ordentlich, ist aber leider ziemlich teuer, meine Regenausrüstung kostete kompIett ca. 500 €. An nassgrauen Novembertagen erwische ich mich aber auch gelegentlich in der Stadtbahn.

    Gruss

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  6. »dass die Kapuze nicht passt und man auch beim links und rechts gucken nichts sieht«

    Eventuell hilft, eine Schirmmütze unter die Kapuze aufzusetzen: Der Schirm hält das Guckloch aus der Kapuze offen, auch wenn man die Kordel an der Kapuze zu zieht. Die Kapuze verhindert, dass die Schirmmütze vom Fahrtwind weggerissen wird.

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, public2014.fwnsp@spamgourmet.com

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