7. September 2014

Wenn man es genau überlegt ...

... dann gibt es keine Alternative zu Radwegen und Radspuren durch Stuttgart. Wenn ich mit Autofahrer/innen rede, beschweren sie sich gern über den Radweg entlang der Waiblinger Straße Richtung Fellbach. Da fahre ja niemand, und die Autos stünden im Stau. 

Aber was wäre die Alternative? Sollen die Radler auf den Gehwegen fahren? Da stören sie Fußgänger erheblich. Oder wollen Sie, dass die Radfahrer sich zwischen die Autos mischen und im Autoverkehr mitschwimmen? Das heißt für Sie als Autofahrer: Sie hängen öfter mal hinter einem Radler. Radfahrer verlangsamen den Autoverkehr in der Stadt auf Hauptstraßen unter Umständen auf 11 bis 20 Stundenkilometer. Routinierte Radler fordern übrigens genau das: Keine Radwege, keine Radspuren, sondern die Fahrbahn als Verkehrsweg für Radler.


Aber das, liebe Autofahrer/innen, wollen Sie nicht wirklich. Deshalb können Sie es Radlern auch nicht zumuten, wie Sie im Stau zu stehen. (Foto links)

Denn dann müssen Sie sich ernsthaft mit Radlern arrangieren, die sich keineswegs an den Bordstein abdrängen lassen, sondern aus Sicherheitsgründen danach trachten, vor Ihnen zu radeln, damit Sie sie auch gewiss sehen.

Viele Radler trauen sich allerdings nicht auf die Fahrbahn und radeln ,wenn es keine Radspur gibt, auf Gehwegen oder durch die Parks. Das geht auf Dauer aber auch nicht. Es werden immer mehr Räder, und die Fußgänger müssen sich auch irgendwo ungestört und ungefährdet aufhalten können.

Heutige Räder und Radfahrer sind zudem schneller unterwegs als noch vor zwanzig Jahren. Man kann sie nicht mehr als Fußgänger behandeln und auf Fußgängertempo runterbremsen. Mit Pedelec-Fahrern geht das schon gar nicht.

Es geht also nicht anders, als in der Stadt den Radlern auf der Fahrbahn Platz einzuräumen. Denn Stuttgart ist eine Autostadt, die sich selbst stranguliert. Und jeder Radler ist ein Autofahrer weniger, der Stau produziert. Würde man diejenigen, die heute schon Rad fahren, überzeugen, sie sollten wieder aufs Auto umsteigen, dann stünde zur Hauptverkehrszeiten der Autoverkehr im Kessel. Stuttgart kann nur dann Autostadt bleiben, wenn sie auch Fahrradstadt wird. Und das Pedelec macht Stuttgart zur Radstadt. (Übrigens ist Bosch maßgeblich an der Pedelec-Technik beteiligt, und das ist ein lokales Unternehmen.)

Ich höre oft, auf dem Radweg Waiblinger Straße (oder auf dem kurzen Stück entlang der Neckartalstraße) führe ja kaum ein Radler. Das wird sich aber ändern. Es dauert zwei bis drei Jahre, bis Radler sich neue Wege und Routen erobern. Und bis diejenigen, die bisher Auto fuhren, angesichts einer sichtbaren Radspur entlang ihres Stauwegs sich entscheiden, diesen Weg zur Arbeit auch mal mit dem Rad zu fahren. Schon jetzt bin ich nicht alleine auf der Route unterwegs, wenn ich sie mal fahre.

Kommentare:

  1. mir gefällt die Radspur entlang der Waiblinger Str. sehr gut. Stadtauswärts habe ich jetzt ein besseres Gefühl. Früher ist man von manchen Autofahrern sschon ein wenig bedrängt worden. Und stadteinwärts kann man prima die Autos überholen, die hier wegen der "Blitzer" ganz odentlich mit max. 50 km/h fahren :-) Nur wer sich die ersten paar Meter von Fellbach kommend ausgedacht hat, muss etwas "abwesend" gewesen sein: Warum führt der Radweg 20 Meter über den Fußweg und zwei Bordsteine? Dort nehme ich lieber das Nadelöhr Straße und schone meine Felgen. Kann mal jemand die Zuständigen an den Ohren ziehen?

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    1. Jaja, da kenne ich auch so Stellen, wo man die Planer und Bauer an den Ohren ziehen müsste. Radspuren und Radwege entstehen halt nur dort, wo auch Platz ist, wo es der Verkehr übrigens auch aushält.

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  2. Soso, wenn man es genau überlegt, gibt es keiner Alternativen zu Radfahrergefährdungsanlagen. Das wage ich sehr zu bezweifeln.

    Und wieder, Christine, behauptest du, daß wegen Radstreifen mehr Radfahrer unterwegs seien. Ich wiederhole daher meine schon unter http://dasfahrradblog.blogspot.de/2014/08/links-oder-rechts.html#comment-form gestellte Frage: wo sind die Untersuchungen, die das belegen? Wo hast du solche fundierte Zahlen gefunden? Oder ist es doch eher ein Gefühl, eine unbelegte Behauptung?

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  3. Die Alternative zu Radstreifen und Radwegen ist viel weniger Autos. Den einzigen Vorteil, den ich bei Radstreifen und Radwegen erkennen kann, ist, dass man auf ihnen vorsichtig am Stau vorbei fahren kann, wenn denn kein Auto drauf steht. Sonst sind sie wirklich nur Radfahrergefährdungsanlagen. Und wenn man die Zahl der Autos wenigstens soweit reduziert, dass es keinen Stau mehr gibt, braucht man auch keine Radstreifen und Radwege mehr.

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  4. Lieber Martin, lieber Robert, ja, ich gebe euch Recht. Die Alternative wären weniger Autos, zum einen. Aber das kriegt man nach meiner Einschätzung nur hin, wenn mehr Rad fahren. Es gibt eine große Gruppe routinierter und sicherer Radfahrer, die auf Fahrbahnen radeln (ich radle da auch gern), es gibt aber eine noch größere Gruppe, die dort überhaupt nicht gern fährt und sich auch falsch fühlt, wenn sie keine Radmarkierungen sieht. Diese Leute fahren dann durch Parks und sehr viel auf Gehwegen parallel. Das finde ich ganz schlecht. Ich finde, Radler müssen auf die Straße. Und ich finde keine Hinweise, dass Radstreifen "Radfahrergefährungsanlagen" sind. Radwege, ja, diese Dinger, die getrennt von den Fahrbahen verlaufen. Da passieren Abbiegeunfälle. Und auf Radstreifen passieren, wenn sie an geparkten Autos entlang führen, Tür-Auf-Unfälle. Doch Radler müssen ja ohnehin rechts fahren, und wenn da kein Radstreifen wäre, würden manche dennoch zu weit rechts an den Autos entlang fahren, weil sie sich vor dem aggressiven Autoverkehr fürchten.

    Von der Neckarstaße weiß ich definitiv, dass jetzt mehr Radler dort fahren, seitdem es die Markierungen gibt. Das ist der Weg, den ich seit Jahren von der Arbeit nach Hause fahre. Und ich war da bisher immer so gut wie allein. Jetzt bin ich fast nie mehr allein. Das ist schon ein frappierender Unterschied.

    Und noch eins: Ich denke ja auch bloß nach. Und ich finde es gut, dass du, Martin, mit mir nachdenkst. Ich möchte keinen Verkehrsteilnehmer verteufeln, keinen zum Bösen und keinen zum Guten erklären. Es ist ein äußerst komplexes Thema.

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  5. Es mag schon sein daß du in der Neckarstraße jetzt mehr Radfahrer siehst. Aber ist das wirklich so? Und fahren jetzt mehr Menschen Rad, oder sind das nur Verlagerungen aus anderen Straßen?

    Ich wiederhole mich: hast du fundierte Zahlen für eine Vermehrung? Oder ist es nur ein "Gefühl"?

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    1. Nein, ich habe keine direkten Zahlen, nach denen suche ich schon lange. Aber es gibt deutliche Hinweise. In Umfragen sagen die Leute, sie würden das Rad nehmen, wenn der Radverkehr sichtbar unterstützt wird. Und in den Städten, wo das Rad-Routen-Netz nachdrücklich ausgebaut wird, nimmt der Radverkehr zu. Zum Beispiel in Wien. https://www.wien.gv.at/rk/msg/2010/09/17016.html
      Das ganze ist ein längerer Prozess, wie mir scheint, wo Entwicklungen auch parallel verlaufen.

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    2. Das ist eben das Problem, die Leute können in Umfragen alles behaupten. Ob es stimmt ist dann die andere Frage. Gerade bei der gefühlten Sicherheit auf Radwegen sind starke Zweifel an solchen Umfragen angebracht. Diese gefühlte Sicherheit hat uns über Jahrzehnte die jetzige Radwegsituation eingebracht, bei der erst jetzt ein Umdenken einsetzt. Obwohl die Gefährlich schon seit Mitte der 80er bekannt ist. Ähnliches droht jetzt beim Bau der Radstreifen, welche die gleichen Probleme mit sich bringen wie Radwege, und zusätzlich noch Autofahrer dazu anleiten gefährlich dicht zu überholen.

      Das momentan die Zahl der Radfahrer steigt hat meiner Meinung nach eher mit zwei anderen Ursachen zu tun. Es wird mehr über Rad fahren berichtet, in allen möglichen Aspekten. Und es gibt inzwischen Pedelecs. Beides zusammen ist eher die Ursache von mehr Radverkehrs, auch ohne irgendwelche Fahrbahnmalereien.

      Übrigens, gerade im Zusammenhang mit den Streifen in der Waiblinger und Nürnberger Straße steigt die Zahl der Autos in den benachbarten Wohngebieten. Fahren deswegen mehr Leute mit dem Auto? Eher nicht, es ist nur Verkehr verlagert.

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  6. Wenn ich mal einen Radfahrer in einer Straße mit Radstreifen sehe, dann oft auf dem Gehweg neben dem Radstreifen. Die finden das wohl immer noch zu gefählich.

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    1. Das ist ein echtes Problem, diese Gehwegradler. Manche sitzen auf Rennmaschinen und radeln trotzdem auf dem Gewheg statt auf dem Radsteifen. Ich hatte mal eine Gruppe, mit der habe ich geübt auf der Fahrbahn zu radeln. Die hatten Angst und hielten das für unmöglich. Der Autoverkehr von hinten wirkt halt aggressiv. Danach stellten sie fest, dass es doch geht. In Stuttgart wird das Gehwegradeln abnehmen, sobald deutlich sichtbar deutlich mehr Radler auf der Fahrbahn und auf den Rad- oder Sicherheitsstreifen radeln. Im Rudel fühlt man sich wohler als als einzelner Radler. Gegen das reine Gefühl, dass Fahrbahnen für Radler gefährlicher seien, kommt man halt schlecht an. Ich errege immer maßloses Erstaunen, wenn ich sage, dass der Radweg das Gefährlichste für den Radler ist. Da ist noch viel Arbeit zu tun.

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    2. Die breite Bevölkerung(*) fährt deutlich mehr Rad, wenn es geeignete und hinreichend von KFZ getrennte Wege gibt. Und je besser dieses hinreichend ist, umso besser natürlich. Zahlen liefern die Niederlande, die seit den 80ern ganz systematisch auf klar vom KFZ-Verkehr getrennte Radverkehrsinfrastruktur setzen (z.B. weil shared-space nicht besser funktioniert hat).

      Radwege in Deutschland sind ja häufig weder das eine, noch das andere. Aber sie sind ganz offensichtlich um Welten besser als zum Beispiel in Großbritannien, mit dem Ergebnis das Radfahren in deutschen Städten ganz wesentlich verbreiteter ist als in GB.

      (*) ohne schwächere außuschließen: So ein Radstreifen ist ja nett, aber einmal Hand hoch wer Grundschüler dort oder sogar im gemischten Verkehr haben will -- in NL alles kein Problem

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    3. In Stuttgart gehen wohl die meisten Grundschüler, die nicht mit dem Elterntaxi gebracht werden, zu Fuß, weil die Schule zum Einen nahe genug ist, zum Anderen von Lehrern gerne erzählt wird, daß die Schüler nicht mit dem Rad kommen dürften, solange keine Prüfung abgelegt ist. Was übrigens genauso wenig stimmt wie das der Versicherungsschutz fehlen würde.

      Ich würde die Rad fahrenden Schüler jedenfalls eher in Nebenstraßen mit Tempo 30 sehen. Oder Tempo 30 in der ganzen Stadt.

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    4. Das mit dem "Rad zur Schule fahren" hat man bei uns auch angeführt. Aber nicht wegen dem fehlenden Versicherungsschutz, sondern weil es eben bequemer ist wenn man nicht 100 Fahrräder auf dem Hof stehen hat. Irgendwie schade.

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  7. Hallo zusammen,

    die Diskussion hat begonnen. :)
    Radfahrer die alles ablehnen was nicht Strasse ist, und andere die es als "Sicherheitsgefühl" gerne sehen wenn es "Radfahrwege" gibt.
    Ich persönlich (nur 4000km im Jahr) fahre gerne auf diesen Radfahrstreifen, auch mit meinen Kids. Die Autofahrer halten hier mehr Abstand, weil er markiert ist. Die Gefahr beim Abbiegen ist nicht wie auf kombinierten Rad-/Gehwegen vorhanden.

    Ich sehe auch immer mehr Radfahrer, auch mit Kindern, auf diesen Wegen wenn vorhanden. Belegbare Zahlen? Nein, eine eigene Beobachtung. :)

    Belegbare Zahlen gibt es übrigens weder für das Eine noch das Andere. :) (y)

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    1. Komisch, ich werde bei Radstreifen und insbesondere Schutzstreifen dichter überholt als wenn ich auf der gleichen Spur fahre wie Autofahrer. Und diese Beobachtung habe ich auch schon von anderen Radfahrern gelesen bzw. gehört. Liegt vielleicht auch daran, daß deine Kids noch schwanken. Das ist nämlich immer gut für die Überholabstände, da Autofahrer Angst um ihren Lack haben.

      Die Abbiegegefahr ist nicht ganz so hoch wie bei getrennten Radwegen, aber immer noch vorhanden.

      Wie bei anderen Themen: wer Thesen aufstellt, wie hier das Radstreifen ursächlich sind für mehr Radverkehr, muss das belegen. Nicht derjenige der das anzweifelt.

      Übrigens, hier wird die Waiblinger Straße als Vorbild genannt. Im Beitrag zum Linksabbiegen (http://dasfahrradblog.blogspot.co.uk/2014/08/linksabbiegen.html) werden genau die indirekten Linksabbiegespuren als Problem genannt. Also genau das, was eines der Problemstellen der Waiblinger Straße ist. Hü oder Hott?

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  8. Zu

    Christine Lehmann, 7. September 2014 22:38 »ich finde keine Hinweise, dass Radstreifen "Radfahrergefährungsanlagen" sind«

    Hannes, 9. September 2014 11:46 »hinreichend von KFZ getrennte Wege«

    Sven Jürgens, 9. September 2014 20:38 »Die Gefahr beim Abbiegen ist nicht wie auf kombinierten Rad-/Gehwegen vorhanden«

    Ich erinnere an Radfahren in Stuttgart: Fahrradunfälle - gefährliche Situationen: Unter den Unfällen in Stuttgart in den ersten 5 Monaten 2014 waren welche, die genau deswegen passiert sind, weil ein abbiegender Autofahrer neben dem geradeausfahrenden Radfahrer fahren musste, statt sich vor oder hinter ihm auf einen gemeinsamen Fahrstreifen einzuordnen:

    »2. Abbiegeunfall: Stuttgart West: In der Reinsburgstraße wurde ein 41-jähriger Radfahrer bei einem Abbiegeunfall schwer verletzt. Ein Autofahrer fuhr neben ihm Richtung Silberburgstraße und wollte rechts abbiegen. Dabei hat er den Radfahrer übersehen.«

    »5. Abbiegeunfall: Stuttgart-Cannstatt: Auf der Waiblinger Straße wurde ein 33-jähriger Radfahrer von einem abbiegenden Autofahrer übersehen. Beide waren in gleicher Richtung zur Daimlerstraße unterwegs. Der Radler fuhr auf dem Radweg. Er merkte, dass der Autofahrer ihn beim Abbiegen nicht sah, versuchte auszuweichen und stürzte auf die Fahrbahn.«

    Handelt es sich bei diesem Unfall um denselben wie in der Stuttgarter Zeitung, »Blaulicht aus Stuttgart: S-Bad Cannstatt: Unfälle auf zwei Rädern - Stuttgart - Stuttgarter Zeitung«,

    »Gegen 13.45 Uhr wollte ein 44-jähriger Peugeotfahrer von der Waiblinger Straße nach links in die Seelbergstraße abbiegen und übersah dabei einen 33-jährigen Radfahrer, der in gleicher Richtung auf dem Radweg gefahren war. Der Radler versuchte noch auszuweichen und stürzte auf die Fahrbahn. Er wurde ebenfalls leicht verletzt«?

    Die Schilderung in der Stuttgarter Zeitung stimmt zwar nicht, weil man von der Waiblinger Straße (von Fellbach, von Ostnordost her kommend) nicht in die Seelbergstraße nach links abbiegen kann (s. Google‐Maps), aber jedenfalls verläuft längs der Waiblinger Straße ostnordöstlich in Richtung Fellbach ein Radfahrstreifen übersichtlich über die Abzweigung der Seelbergstraße hinweg: Im Satellitenbild bei Google‐Maps (Blick nach Süden) geht's nach unten links nach Fellbach, und die Seelbergstraße zweigt nach oben links ab.

    Braucht es noch mehr Hinweise, dass auch Radfahrstreifen Radfahrergefährdungsanlagen sind?

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, public2014.fwnsp@spamgourmet.com

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  9. Zu Christine Lehmann, 7. September 2014 22:38

    »[…] eine noch größere Gruppe, die dort überhaupt nicht gern fährt und sich auch falsch fühlt, wenn sie keine Radmarkierungen sieht«

    Und daran wird sich auch nichts ändern: Wo Markierungen sind, wird sie vielleicht lernen, dass sie auf der Fahrbahn fahren darf, wo keine sind, wird sie ihren Irrtum, dass sie nicht dürfte, nicht verlieren; denn irgendwie muss ja ein Unterschied in der Fahrbahnerlaubnis bestehen, ansonsten wären die Markierungen ja sinnlos. Darüberhinaus wird diese Gruppe in ihrem Irrtum von den Autofahrern und Polizisten (ja, auch von denen!) bestärkt, weil diese nur nach Bauchgefühl urteilen: Wo keine Radverkehrsanlage ist, haben Radfahrer nichts verloren!

    Und noch ein weiterer Punkt: Unzureichender Verkehrsunterricht. Statt Fahrzeugführerverhalten zu nahezulegen, wird den Radfahrern Unterwürfigkeit propagiert. Am deutlichsten scheint mir das beim Linksabbiegen zu sein:

    Radfahrern wird vermittelt, ihre erste Pflicht sei, sich rechts zu halten, wodurch direktes Linksabbiegen erschwert wird. Und es erscheint dann nur deshalb als unmöglich, weil niemand erklärt, dass man als Radfahrer, wenn man eng am rechten Fahrbahnrand fährt, rechtzeitig davon Abstand nehmen muss, damit das andauernde Überholtwerden aufhört. Denn erst dann ist man in der Situation, aus der heraus Autofahrer das Einordnen auf den Linksabbiegefahrstreifen erst beginnen: die Situation, dass niemand überholt, und zwar auch dann, wenn man selbst langsam fährt.

    Das Überholtwerden zu verhindern, erscheint zwar rücksichtslos. Aber es ist nur eine vorübergehende Unterbrechung der Überholerlaubnis, die man dadurch fortwährend erteilt, dass man normalerweise schön rechts fährt.

    Ein zum Linksabbiegen eingeordnetes Auto kann nur dann rechts überholt werden, wenn die Fahrbahn dazu breit genug ist. Bei einem Radfahrer geht das auch dann schon, wenn die Fahrbahn für zwei Kraftfahrzeuge nebeneinander noch zu schmal ist: Linksabbiegende Radfahrer halten den Geradeausverkehr weniger auf als linksabbiegende Kraftfahrzeuge, weil sie die Erlaubnis, sie ab sofort rechts zu überholen, früher als diese erteilen.

    Statt also diese Scheinlösung »Du brauchst nicht direkt links abzubiegen« zu propagieren, sollte man besser erklären, dass man sich als Führer eines schmalen Fahrzeuges gelegentlich auch mal breit machen muss, damit man umso schneller danach wieder schmal werden kann.

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, public2014.fwnsp@spamgourmet.com

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  10. jepp, genau so ist das. Ich fahre an problematischen Stellen schon lange nicht mehr am rechten Rand der Fahrbahn, sondern in der Mitte, so dass Autos nur Überholen können wenn wirklich kein Gegenverkehr kommt. Das Problem, dass Autofahrer schon wieder nach rechts wollen obwohl sie noch gar nicht vorbei sind scheint aber an der Tatsache zu liegen, dass Radfahrer in der Vorstellung eines Autofahrers (solange er im Auto sitzt) langsam sind.
    Und für Martin: die Beobachtung mit dem Seitenabstand kann ich nicht bestätigen, es spielt keine Rolle ab da noch Farbe für einen Radstreifen übrig war oder nicht, es hängt ganz alleine davon ab wie viel Platz insgesamt für den Verkehr zur Verfügung steht. Der Autofahrer überholt immer, wenn Platz ist mit Abstand, wenn kein Platz für Abstand ist, überholt er mit zu wenig Abstand.

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  11. Mir fehlt hier in der ganzen Diskussion das "miteinander" mit den Autofahrern.
    Auf denen wird nur rumgehackt und Schuld gesucht. Ich sehe auch täglich sehr viele Radfahrer, die mehr Gesetze brechen auf 14km Strecke als Autofahrer.

    Radfahrwege finde ich einen guten Ansatz auch das miteinander zu verbessern. Wenn beide Seiten akzeptieren das jeder hier seine Berechtigung hat ist das perfekt. Und diese sind auch auf der Straße.

    @Martin
    Sorry, aber Du argumentierst und diskutierst hier selber so aggressiv wie die Veganer bei Twitter. ;) Erinnerst Du Dich?

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    1. Nein, an irgendwelche Diskussionen mit Veganern auf Twittern erinnere ich mich nicht. Aber solche Diksussionen wie hier habe ich schon viel zu oft geführt. Gerade, wenn du ein Sicherheitsgefühl anführst. Diese gefüjlte Sicherheit hat nämlich leider nichts mit einer tatsächlichen Sicherheit zu tun. Im Gegenteil, die Statistiken sprechen eine zu deutliche Sprache. Jahrzehntelang wurden irrtümlicherweise Radwege mit den bekannten Folgen angelegt. Mit den bekannten Folgen. Und leider werden sie immer noch gefordert, auch vom ADFC! Mittlerweile hat sich das in Richtung Radstreifen verlegt. Auch hier vom ADFC und anderen sogenannten Radexperten gefordert. Sicherheitsgewinn gegenüber Radwegen ist minimal. Gegenüber der Fahrbahn sind Radstreifen nach wie vor gefährlicher.

      DU kannst mir nicht vorwerfen wenn ich dagegen meine Stimme erhebe.

      Ansonsten sind mit solche, Verzeihung, Schlingerkurse wie sie Christine hier anbringt einfach zuwider. Es kann nicht sein, daß mal dieses gilt, mal jenes.

      Ich bin als Radfahrer Verkehrsteilnehmer. Ich will sicher fahren. Das geht nicht mit Fahrbahnmalereien, das geht nur mit einer Öffentlichkeitskampagne. Mit einer dauernden Kampagne, nicht nur mal hier einem Strohfeuer, mal da einem. Und von den StVB, Verwaltungen und Parlamenten erwarte ich, daß sie sich endlich an Vorschriften und Gesetze hält, und nicht immer wieder dagegen verstößt. Ebenso bin ich nicht mehr bereit mich irgendwo hin verdrängen zu lassen, und das auch noch auf wassergebundene Decke wie es derzeit derzeit im Schloßgarten versucht wird, die bei schlechtem Wetter unbefahrbar sind. Was auch noch als Fortschritt von sogenannten Radvertretern verkauft wird.

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    2. Ich will niemanden angreifen oder seine Stimme verbieten. Garantiert nicht.
      Aber es muss auch akzeptiert werden wenn z.B. ich ein Gefühl habe und damit zufrieden bin.

      Radfahrstreifen sind auch auf der Strasse, und daher kann ich damit gut leben. Radwege sind an manchen Stellen sicher schwierig zu akzeptieren, da stimme ich zu. Aber generell verurteile ich sie eben nicht.

      Vielleicht bin ich eher die Mitte bei solchen Diskussionen. :)

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    3. Wenn dein Gefühl dazu führt, daß die tatsächliche Sicherheit für alle sinkt, muss das nicht akzeptiert werden.

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  12. Nein, Sven, ich hacke nicht nur auf Autofahrern herum, sondern auch auf Radlern. Es gibt viele Posts, die das Verhalten von Radfahrern kritische beleuchten. Da Verkehrspolitik sehr lange bisher mit Blick darauf gemacht worden ist, dass Autofahrer gut vorwärts kommen, richte ich hier nur meinen Blick verstärkt auf das, was man für Radler noch tun kann, damit sie aufhören, so oft die Regeln zu brechen. Sie sind ja Menschen, so wie die Autofahrer und reagieren auch ganz menschliche, wenn sie sich behindert fühlen, ohne so recht den Grund einzusehen.

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    1. Liebe Christine, ich meinte auch nicht Dich in diesem Fall.
      Es ist nur eine generelle Beobachtung wenn es um gewissen Themen geht.

      Entschuldige wenn das falsch ankam.

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  13. Lieber Martin, es gibt halt solche und solche Radfahrer/innen. Mir wäre es auch lieber, dass wir alle ohne Fahrbahnmarkierungen auf Fahrbahnen (mit dann langsamem Verkehr) führen, aber es gibt eben eine große Anzahl von Radler/innen, die das nicht tun, weil sie Angst vor dem Autoverkehr haben. Und ich sage tatsächlich immer wieder das Gleiche: Erst mal muss der Radverkehr runter vom Gehweg auf die Fahrbahn, und das deutlichste Zeichen dafür sind Radspuren und Sicherheitsstreifen - deutlich für Radler und Autofahrer - und wenn dann endlich wirklich viele Radfahrer in Stuttgart unterwegs sind, dann werden diese Sicherheitsstreifen überflüssig.

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    1. Liebe Christine,

      ich verweise einfach auf meine Antwort an Sven vom 15. September 2014 06:55.

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  14. Ergänzung zu Friedhelm Waitzmann, 10. September 2014 13:45:

    Meiner Erinnerung nach wurde im Verkehrsunterricht in meiner Schulzeit der Gesichtspunkt, wie man mit einem schmalen Fahrzeug auf breiten Fahrstreifen zurecht kommt, nicht ausdrücklich behandelt. Zum direkten Linksabbiegen aus einem gemeinsamen Fahrstreifen für alle Abbiegerichtungen, also ohne dass ein Linksabbiegerfahrstreifen vorhanden ist, hat man uns immerhin beigebracht, dass wir nicht am rechten Rand des Fahrstreifens bleiben, sondern uns an seinen linken Rand bewegen sollen, um von dort aus links abzubiegen. Im praktischen Teil der Verkehrsschule auf dem Verkehrsübungsplatz für Kinder war das allerdings kein Thema, weil der in verkleinertem Maßstab war: Auf einen Fahrstreifen hat jeweils nur ein einzelnes Fahrrad gepasst, nicht mehrere nebeneinander (und ein Auto aus der »großen« Welt schon gar nicht). Zusammen mit der Ermahnung, ja das Handzeichen nicht zu vergessen und die Abbiegekurve möglichst mit Handzeichen, d.h. einhändig zu fahren, habe ich im Rückblick den Eindruck, der praktische Teil war nichts anderes als „So ihr Kinderchen, nun spielt mal schön Straßenverkehr“ – das gehaltene Handzeichen entspricht dem eingeschalteten Blinker (um den sich ein Autofahrer aber nicht mehr kümmern muss, nachdem er ihn eingeschaltet hat!) – und weit weg von der Wirklichkeit in der »großen« Welt. Damals habe ich diese Nichtübereinstimmung allenfalls undeutlich gefühlt.

    Des Eindrucks von „nun spielt mal schön Straßenverkehr“ kann ich mich auch nicht erwehren, wenn ich die Straßenmalereien für Radfahrer sehe: zum indirekten Linksabbiegen und extra Richtungsfahrstreifen für Radfahrer am rechten Fahrbahnrand, wodurch sich dann geradeausfahrende Radfahrer rechts von rechtsabbiegenden Kraftfahrzeugen einordnen müssen.

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, public2014.fwnsp@spamgourmet.com

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