25. Oktober 2014

Ganz oder gar nicht - schlecht geplante Radspur

Schlecht geplante Radspuren werden von Radfahrern ignoriert. Und von anderen, denen sie zu Pass kommen, benutzt. 

Aus der Filderstraße führt seit Kurzem eine Radspur über die Hauptstätter Straße zum Marienplatz. Das Problem: Aggressive rechtsabbiegende Autos (und Lastwagen) machen die Geradeausfahrt für Radfahrer zur Selbstmordaktion, es sei denn sie sind, so wie hier das Moped, die ersten. Alle nachfolgenden Radler laufen ernste Gefahr, von abbiegenden Autofahrern umgefahren zu werden.

Also wird diese Anlage anders genutzt, als von der Stadt vorgesehen.


Drüben endet die Spur  auch so blöd am Bordstein, dass man als Radler auf die Freundlichkeit der Autofahrer angewiesen ist, wenn man auf der Fahrbahn weiterfahren will. Wenn die einen nicht reinlassen wollen, muss man zum Stillstand abbremsen. Also biegt man drüben in die Fußgängerfurt ein und fährt über den Platz.






Kein Wunder also, das die Radler dann doch weiterhin über die Fußgängerampel fahren. Erstens ist man es gewohnt, zweitens sind die Autofahrer darauf eingestellt, beim Abbiegen am Überweg zu warten. Und drittens sehen die Autofahrer hier auch die querenden Fußgänger sehr deutlich vor sich.

Damit wird die Radspur frei für motorisierte Zweiräder, die am Stau vorbei wollen.

Ein schönes Beispiel für eine gut gemeinte, aber schlecht umgesetzte Radfördermaßnahme. Grundregel Nummer 1 aus dem Buch der Radförderung: Lege nie eine Geradeaus-Radspur rechts neben einen Fahrstreifen für rechtsabbiegende Autos.

Kommentare:

  1. Hallo Frau Lehmann, dieser Blog ist absolut großartig, extrem lobenswert und sehr ehrenwert. Ich bin regelmäßiger Leser Ihrer Seite und begeistert von Ihrer Arbeit, aber die Hoffnung auf intelligente Verkehrslösungen zu meiner Lebenszeit habe ich definitiv aufgegeben. Es ist Trend, die Netze zwischen Schnell- und Langsamverkehren außerorts zu trennen. Innerorts sollten abgesehen von Hauptautostraßen Mischverkehre ermöglicht werden. Die innerörtlichen Radverkehrsanlagen werden von mir jedenfalls weitgehend ignoriert. Im Wesentlichen vor allem, um mein Überleben zu sichern. Dass Radverkehrsanlagen nicht für Radfahrer, sondern für Autofahrer gemacht werden, sollte sich inzwischen herumgesprochen haben, oder? Hat Stuttgart inzwischen nicht einen Fahrradbeauftragten? Wenn ja, was macht der denn beruflich?
    Beste Grüße und vor allem herzlichen Dank für Ihre Arbeit, Stefan K.

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    1. Vielen Dank. Der Fahrradbeauftragte heißt Köhnlein und ist Verwaltungsbeamter. Und auch Stuttgart wird noch merken, dass hier Leute Rafahren wollen.

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    2. "Was macht der denn Beruflich?"
      Ich schmeis mich weg, der Spruch passt richtig gut.
      Aber nur keine Sorge, auch andere Städte in der Region bekommen das Problem der "Fremdnutzung" von Radverkehrsflächen nicht in den Griff.
      In Leonberg malt mann Rad-Schutz-Streifen für Bergab auf die Straße, wenn der Verkehr fliest völlig überflüssig, wenn es Stau gibt (eigentlich fast immer) dann stehen die Autos drauf. Fazit: schade um die Farbe. Bergauf gibt's nix, nur einen 4m breiten Gehweg, auf dem die Autos stehen, weil da Geschäfte sind und das ja so praktisch ist (Grabenstraße, Stuttgarter Straße). Gibt's in selber Ausführung auch in Weilimdorf vor der Ampel Solitude / Glemsgau.
      In Gerlingen stehen bei Müllabfuhr, oder wenn all die anderen Tonnen ab und an geleert werden, die Eimer entweder vor oder nach dem leeren auf dem Radweg (Weilimdorfer bis Bergheimer Weg), aber natürlich nur, wenn da nicht grade ein Auto parkt.
      Also, es gibt noch mehr Nebenerwerbverantwortliche die ihre Aufgabe nicht erfasst haben, lieber was anderes machen oder einfach nur vor dem System resigniert haben. Die Gesellschaft möchte vielleicht gar nicht, dass die Welt mehr Radfahrer bekommt.

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    3. Man hat in der Tat den Eindruck, als wolle unsere Gesellschaft nicht mehr Radfahrer. Allerdings gehören wir Radler auch zur Gesellschaft. Und wir können weiterhin mit Grimm im Bauch unsere Wege radeln, oder wir können anfangen, für unseren Bedarf zu kämpfen. Der Aufstand der Radfahrer ist vielleicht gar nicht mehr so weit. Zumindest werde ich im kommenden Jahr ein paar Aktionen anbieten, bei denen wir zeigen können, was wir brauchen. Ich brauche dazu nur viele Radler, die ihre Chance erkennen und mitmachen. Das kostet ein bisschen Zeit. Aber es wird helfen.

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  2. "Grundregel Nummer 1 aus dem Buch der Radförderung: Lege nie eine Geradeaus-Radspur rechts neben einen Fahrstreifen für rechtsabbiegende Autos"

    Kann ich dafür mal eine Quelle bekommen? Kann ich in der ERA aktuell nichts zu finden. Mal abgesehen davon, wo soll die Spur denn liegen? Mann kann natürlich noch Aufstellflächen machen...

    Sieht für mich eher aus wie eine Kultur des Angstradelns in einer Momentaufnahme mit einem Motorrad.

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    1. Lieber Anonymus, das ist natürlich etwas zugespitzt formuliert. Ich beziehe mich auf Meschik "radverkehrsplanung", den Wiener Fachmann für das Thema. Und eine Geradeausspur für Radler müsste hier zwischen der Geradeausspur für Autos und der Rechtsabbiegespur für Autos liegen. Das hat man Beispielsweise in der Neckarstraße so gemacht. Ängstliche Radler fahren hier am Mairenplatz über die Fußgängerampel. Routinierte kommen mit der Situation klar. Aber es gibt halt nicht nur Straßenkampfradler, sondern auch die, die sich leichter einschüchtern lassen.

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