19. November 2014

Gut durchdacht

So stellen sich die Radspuren und -wege in Schmiden einer Viel-Radfahrerin dar, die dort oft unterwegs ist, und zwar fast immer mit einem Kinderanhänger.  Sie hat mir diese Bilder geschickt.

Das Fazit von Blogleserin Anne: Man merkt, dass Fellbach nicht Stuttgart ist. Das Radführungskonzept ist schlüssig und konsequent.

Wir fahren mit ihr jetzt den Weg von Fellbach nach Schmiden auf der Bahnhofstraße und Fellbacher Straße.

In Fellbach verläuft die Radführung in der Bahnhofstraße zwischen parkenden Autos und dem Gehweg. Das ist zwar eng. Und der Nachteil einer solchen Radführung ist wie immer die Gefahr, dass Fußgänger die Radler nicht wahrnehmen und Autofahrer auch nicht, wenn sie vom Beifahrersitz aussteigen wollen und die Tür aufstoßen. Aber die Radlerin mit Kinderanhänger empfindet es als Vorteil, dass sie abseits der engen Fahrbahn und in Ruhe radeln kann. Abbiegende Radfahrer haben eine extra Haltespur an der Ampel.

Bei der Straßenüberquerung sind Fuß- und Radweg deutlich gekennzeichnet. Gilt zwar eigentlich als gefährlich, scheint aber gut zu funktionieren in Schmieden.

Und mit einem Kinderanhänger will man halt dann doch nicht so gern auf einer schmalen Straße zwischen Autos unterwegs sein. Ein sehr beachtenswertes Argument, finde ich.


Das Gebüsch neben dem Radweg (Foto oben) ist immerhin niedrig.  Die Trennung von solchen Wegen von der Fahrbahn ist eigentlich gefährlich, weil die Autofahrer Radler nicht im Sichtfeld haben und sie beim Abbiegen plötzlich vor sich sehen. Aber offenbar überwiegt das Gefühl der Sicherheit, weil hier Autofahrer und Radler auf einander eingespielt sind.


Gut in Schuss und deutlich gekennzeichnet geht es in Schmieden weiter. Leider auf dem Gehweg, der auch noch ziemlich schmal ist. Aber immerhin werd der Radler nicht einfach auf einen freigegebenen Gehweg geschickt und seinem Schicksal überlassen.

Interessanterweise steht hier kein blaues Radwegschild (oder ich sehe es hier nur nicht). Das heißt, Radler können auch die Fahrbahn nehmen. Das ändert sich allerdings im weiteren Verlauf.




"Auch wenn es mal eng wird, wir hier an der Ampel," schreibt mir Blogleserin Anne, "die Wegführung ist durchdacht und gut gekennzeichnet."

Ab hier mit einem Radweg-Gebotsschild, wie ich auf den Fotos sehe.




Auch mit dieser Einbahnstraßenkreuzung (Fellbacher/Jacobstr.) ist Anne sehr zufrieden. Radler werden zusammen mit Fußgängern über eine Verkehrsinsel in die verschiedenen Richtungen geleitet.







Am zentralen Masten gibt es sogar einen Haltering für Radler. "Jetzt wird es unübersichtlich", schreibt sie. "Kein Problem in Schmieden: Zunächst muss ich auf die Verkehrsinsel für die Radfahrer und Fußgänger, die groß genug ist für mein Fahrrad-Anhänger-Gespann. Auf dem Gehweg ist dann eine Spur für Radler abgetrennt. Hier fühle ich mich gut aufgehoben."

Gegen die Einbahn geht es auf der wieder schmalen Gehwegspur weiter, getrennt von entgegen kommenden Autos.

Das ist in der Tat fast die einzige Möglichkeit, die Straße für Radler in Gegenrichtung zur Einbahn befahrbar zu machen. Denn hier teilen sich für die kommenden Autofahrer die Fahrbahn in zwei Spuren, und der Radler müsste sonst den Autos auf deren Linksabbiegespur entgegen radeln.

Man sieht auf dem Foto aber auch, dass Fußgänger sich schwer tun, die Radlerspur freizuhalten.

Annes Rückweg ist ebenfalls gesichert. (Remstalstraße in die Fellbacher Straße.)
Hier gibt es eine Radspur, die über die Ampel führt. Übrigens dürfen Autofahrer nur links abbiegen. Deshalb droht Radlern auf der Spur rechts von der Autospur auch keine Gefahr durch Rechtsabbieger.

Ich finde die Erkenntnis wichtig, dass eine durchdachte und durchgängige Radführung Zufriedenheit und Sicherheitsgefühl herstellt. Wer merkt, dass sich hier jemand etwas überlegt hat, was auch praktikabel ist, fährt mit freudigem Vertrauen auch darauf, keine Regel brechen zu müssen, um weiterzukommen. Und das ist für die Akzeptanz solcher - durchaus mit Schwächen behafteten - Radwegführungen offensichtlich ganz entscheidend.

Vielen Dank, Anne, für die Bilder und den Bericht.

Kommentare:

  1. Tut mir leid ich finde dise Radwegführung mehr als unbefriedigend, Zwischen parkenden Autos und Fussgängern ist kein Platz für schnelle Radfahrer. Die Beifahrer sehen niemals den Fahrradverkehr von hinten. In Esslingen wurde genau wegen diesem Problem eine Fahrradstraße gebaut, denn die Radfahrer dort hatten sich mehrfach über genau so einen Radweg beschwert. Dies ist NICHT durchdacht.

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    1. Lieber Michael, ganz offensichtlich gibt es da verschiedene Einschätzungen. Und ich finde es wichtig, auch die Fahrbedürfnisse von nicht so schnellen Radlern mit Kinderanhänger zu bedenken, die nun wirklich andere sind als deine. Wobei es hier nicht um ängstliche Radler geht, sondern um solche, die sich aus guten Gründen nicht mitten unter den schnellen Autoverkehr mischen wollen. Und durchgängige Radführungen sind allemal besser als nicht durchgängige mit Bordsteinen und alle paar Metern anderen Regeln. Finde ich jedenfalls.

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    2. Ich teile die Einschätzung von Michael. Jedesmal, wenn ich in Fellbach bin, verzweifle ich an der katastrophalen Verkehrsführung. Und zwar für Rad- und Autofahrer.

      Das spiegelt sich auch in der Vielzahl der Unfallmeldungen aus Fellbach wieder. Und beides zusammen war für mich und meine Frau der Grund, nicht in Fellbach nach einer Wohnung zu suchen. Speziell unseren Kindern wollten wir so gefährliche Wege nicht zumuten.

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    3. Beziehen sich die Unfallmeldungen auf die hier geschilderten Streckenabschnitte? Und hast du Beispiele? Ich würde hier auch lieber auf der Fahrbahn radeln aus zwischen Autos und Fußgängern. Ich habe aber gelernt, dass das nicht alle Radler wollen. Die Lösung dieses Konflikts sind natürlich gute und breite Radspuren entlang der Fahrbahnen mit schlüssigen Ampelschalchtungen und Abbiegelösungen so gestaltet, dass sich auch Mütter und Väter mit Kinderanhängern geschützt fühlen. Sie brauchen weniger den Schutz nach vorn, als den von hinten. Da machen herannschnaufende Autos Stress.

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    4. Auf welche Abschnitte sich die Meldungen beziehen habe ich mir nicht angeschaut. Mir ist nur aufgefallen, daß im Lokalteil für Fellbach der Stuttgarter Zeitungen und in den Pressemeldungen der Polizei auffallend oft Fellbach als Unfallort genannt wird. Was ich nach dem, was ich in Fellbach an Radverkehrgefährdungsanlagen gesehen habe durchaus verstehe.

      Zum Kinderanhänger schreibe ich weiter unten noch was.

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  2. Ich bin durchaus beeindruckt von der konsequenten Radführung in Fellbach.
    Allerdings muss ich sagen, dass ich bisher in keinem Ort der Region mehr Beinahe-Unfälle hatte als in Fellbach.
    Insbesondere die Stuttgarter Straße ist extrem gefährlich. Auf den zwei Kilometern durch Fellbach hab ich fast bei jeder Fahrt durch Fellbach eine gefährliche Situation (Tür geht vor der Nase auf, Vorfahrt genommen, ...). Im Rest der Region (inklusive Stuttgart!) habe ich so eine Situation vielleicht alle 100km.

    Die Radwege in Fellbach sind übrigens alle benutzungspflichtig! Auch für den Rennradler, der hier auf der Fahrbahn locker 40 fahren würde.

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    1. Das ist der Widerspruch in sich. Für langsamere Radler ist das schön, für schnelle Fahrbahnradler nicht. Für mich interessant ist, dass es ein nachvollziehbares Bedürfnis nach "geschützten" Wegen gibt. Denn in der Tat verhalten sich Autofahrer auf schmalen Straßen hinter Fahrrädern durchaus aggressiv, sie überholen zu drängelig und oft mit zu geringem Seitenabstand. Und das will man bei einem Rad mit Kinderanhänger nicht haben. Ein Dilemma, über das ich auch schon öfter geschrieben habe. Wie könnte man die Bedürfnisse der verschiedenen Radler-Typen nur unter einen Hut bringen?

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  3. Die Benutzungspflicht der gezeigten Wege entbehrt offensichtlich einer rechtlich Grundlage und sie entsprechen auch nicht den baulichen Mindestanforderungen. Man kann ja gerne solche Wege anbieten, aber bitte ohne Benutzungspflicht damit jeder selbst entscheiden will ob er sich selbst auf ihnen gefährden will.

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    1. Die Frage ist, ob die Benutzungspflicht unter solchen Umständen gilt. Die Wege sind zu schmal und zu gefährlich. Da hat man ein gutes Argument, sie nicht zu benutzen. Allerdings kann man in die Einbahnstraße auch nicht anders reinfahren, als auf diesem Radweg. Es sei denn natürlich, man legte den Radstreifen auf die Fahrbahn. Aber der führte immer noch eng an geparkten Autos entlang.

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  4. Moin.
    Zum einen schreibt man Schmiden ohne ie!!!
    Michael und Martin haben völlig recht. Dieser Radweg ist schlecht. Vor allem in Fellbach. Dort ist neben dem Radweg gerade im Frühjahr/Sommer Hochbetrieb vor den Cafes, Döberladen, Eisdielen. Und auch sonst kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen mit Fußgänger und Autofahrer die plötzlich die Autotüren aufmachen. Solche Radwege werden heutzutage nicht mehr gebaut, Radfahrer werden zudem durch die parkenden Autos nicht gesehen. In Schmiden ist es zum Teil etwas besser, dennoch gehören die Radler auf die Strasse.

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    1. Sorry, das mit Schmiden (weiß ich eigentlich, korrigier ich gleich). Für mich interessant ist an der Geschichte, dass es routinigerte Radler (hier eine sehr sehr unerschrockene und routinierte Radlerin) gibt, die sich hier gut aufgehoben fühlen. Ich sage ja immer: Radler gehören auf die Fahrbahn. Die Frage die sich mir stellt ist schon: Wie schafft man es, dass Radler sich sicher fühlen (vor allem mit einem Kleinkind im Anhänger). Hier braucht es Schutz nach hinten. Die aufgehenden Autotüren scheinen hier ein zweitrangiges Problem zu sein. Mich hat der Bericht selbst ins Grübeln gerbacht, wie man das Sicherheitsgefühl für Radler herstellen kann, die mit kostbarer Fracht unterwegs sind. Ich weiß keine Antwort außer der, dass wir all unsere Staße umbauen und breite Radstreifen an der Fahrbahn bauen müssen, die zudem durchgängig zu befahren sind. Ich streite dafür, aber die Chancen auf Verwirklichung sind ja sehr gering - vielmehr, es dauert Jahre, bis Lokalpolitiker das kapieren. Auch wenn es die Zukunft unserer Städte ist: Der Radverkehr.

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  6. Wenn ich mich recht erinnere sind die Hauptgefahren beim Radfahren, von Abbiegern angefahren zu werden, Dooring und Geisterradler. Gegen nichts davon helfen die hier gezeigten Radfahranlagen, sie vergrößern solche Gefahren im Gegenteil sogar. Das einzige wogegen Radwege helfen können sind Längsunfälle und die sind sehr, sehr selten. Die Allgemeinheit hat hier einfach ein extrem gestörtes Sicherheitsgefühl.

    Alternative zu gefährlichen Radfahranlagen sind Aufklärarbeit vorallem bei den Gefährdern und das sich einfach alle an die gesetzlichen Vorgaben halten, Verkehrsteilnehmer und Ordnungsbehörden.

    Auch widerrechtliche und gefährliche benutzungsflichtige Radfahranlagen muss man erst einmal nutzen. Im Zweifel muss man dann mit einem Richter darüber diskutieren. So oder so dürften an solchen Stellen die motorisierten Verkehrsteilnehmer relativ gereizt auf Fahrbahnradler reagieren unabhängig davon ob der Radweg benutzbar ist oder nicht.

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    1. Sehr schön analysiert, vielen Dank. Der Radweg ist gefährlicher für den Radler als die Fahrbahn. Was mich hier interessiert: Wie fühlt sich eine Mutter, die mit ihrem Kinderanhänger unterwegs ist, der hinter ihr rollt. Sie nimmt den hinter ihr anrollenden Autoverkehr mit anderen Befürchtungen wahr als ein Single-Radler.

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    2. Ich muss mich dieser Ansicht anschließen. So gerne ich auch auf der Straße, in der der KFZ Verkehr mit max 30kmh fährt, radle, so angenehmer finde ich es, auf einem getrennten Radweg neben bzw abseits der PKWs zu fahren, wenn dort 50 erlaubt und bis 60 tollieriert gefahren wird. Das liegt in meinen Augen an dem schwieriger zu kalkulierenden Risiko, von einem unachtsamen Fahrer erfasst zu werden. Selbst wenn dies noch so selten auftritt, eine gewisse Grundbesorgnis ist immer dabei. Und ich fahre nicht mal mit noch wesentlich schutzbedürftigigeren Kindern. Ich glaube, das macht das Thema radfreundliche Stadt so schwierig: eine einheitliche Lösung ist kaum möglich. Es gibt verschiedene, sich teils widersprechende Bedürfnisse. Klasse fänd ich, wenn die Radfahrer zusammen an einen Strang ziehen. Nicht gegen Autos sondern für Räder.

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    3. Tut es statt einer Mutter mit Anhänger auch ein Vater auf dem Zugfahrrad? Wenn ich den Anhänger mit meinem Trike, bald mit meinem Pedelec, ziehe, fahre ich am liebsten auf Wegen, auf denen es keine Autos gibt. Das lässt sich leider nicht immer durchführen. Daher fahre ich mit Anhänger genauso wie ohne Anhänger: auf der Fahrbahn. Im Blickfeld der Autofahrer, also genau dort, wo die Unfallzahlen am niedrigsten sind.

      Was nutzt es mir, wenn ich mich auf enge Radwege drücke? Im Falle von Fellbach so enge Radwege, auf die der Hänger nicht mal passt, die viel schmaler sind es durchaus zu Recht vorgeschrieben ist? Außerdem muss ich mit Hänger nicht mal auf Radwege. Denn die gleiche VwV, welche die Mindestbreiten vorschreibt, legt auch fest, daß im Fall von zweispurigen Fahrzeugen ein Verstoß gegen die RWBP nicht verfolgt werden soll.

      Auch auf normal breiten Radwegen kann mich nämlich mit Hänger erst recht niemand mehr überholen.

      Auf der Fahrbahn ist alles kein Problem. Überholer müssen so oder so den Gegenverkehr abwarten, übersehen werden beim Abbiegen kann mich niemand, Fußgänger treten nicht einfach auf die Fahrbahn, Und Hindernisse sind dort sehr selten.

      Christine, außerdem führst du hier eine Rad fahrende Mutter als Beleg dafür an, daß in Fellbach der heilige Gral der Radwege wäre, überspitzt gesagt. Die Vielzahl der Kommentatoren, die Fellbach als gefährlich schildern, blendest du dagegen aus wenn du immer wieder auf den Kinderanhänger verweist. Dabei brauchen gerade Kinder mehr Sicherheit, nicht weniger. Für meine beiden 1 1/2 jährigen Zwillinge kann ich jedenfalls sagen, daß ich gerade Fellbach eher umfahre, wenn ich sie dabei habe.

      Mit der gleichen Argumentation könntest du für das Fahren auf dem Gehweg plädieren, weil du mit einer Gehwegfahrerin unterwegs warst. Bitte beachte den Unterschied zwischen gefühlter Sicherheit und objektiver Sicherheit.

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    4. Lieber Martin, der Weg, den ich hier beschreibe, ist eher der nach Schmiden und durch Schmiden. Und ich behaupte auch nicht, dass dies der heilige Gral ist. Du kennst mich, du weißt, dass ich das Fahrbahnradeln propagiere. Aber ich bin Anne dankbar, dass sie mir beigebracht hat, dass es ein berechtigtes Bedürfnis nach Radwegen gibt, die von hinten geschützt sind (Auf der Fahrbahn kommen die Schnellen von hinten, was Stress auslöst und unter Umständen wirklich gefährlich wird, wenn der Autofahrer nicht aufpasst und den Hänger falsch einschätzt.) Und das ist sehr wichtig zu bedenken. Und ich möchte es auch auf eine unpolemische Weise bedenken.
      Und noch mal: Ich habe hier nicht über Fellbach geschrieben, sondern über Schmiden. Und über eine Radfahrerin, die mit Autotüren und engen Geh/Radwegen in ihrer besonderen Situation kein Problem hat, weil sie langsamer und vorausschauender unterwegs ist als ein Rennradler oder ein Rad-Pendler, der vor allem schnell vorwärts kommen will, und für den diese Radwege nichts sind.

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    5. Liebe Christine,

      Schmiden gehört so zu Fellbach wie Bad Cannstatt zu Stuttgart. In der Gegend (also Schmiden) war ich aber auch schon unterwegs.

      Das mit der Überspitzung (heiliger Gral, Gehwegradfahrer) war gedacht, damit du weißt wie der Text rüber kommt. Aber offensichtlich hat das nicht geklappt. Sorry dafür.

      Erstmal: mit Hänger fahre ich auch langsam. Ziemlich langsam, zwischen 10 und 15 km/h. Trotz Federung mögen meine Zwei keine Schlaglöcher, Aufbrüche durch Wurzeln, oder ähnliches. Also schnell ist anderes. Trotzdem ist die Fahrbahn sicherer. Auch und gerade innerorts, wenn Autos auch eher langsam unterwegs sind.

      Unfälle im Längsverkehr sind schon selten. Unfälle im Längsverkehr mit Anhänger noch seltener. Unfälle auf Radwegen dagegen leider alltäglich. Gerade in Fellbach samt Ortsteilen.

      Diese Unterscheidung nach langsamen oder ängstlichen Radfahrern und schnellen bzw. versierten Radfahren halte ich übrigens in Verbindung mit Radverkehrtanlagen für besonders gefährlich. Gerade erste Gruppe ist auf solchen Wegen besonders gefährdet. Langsamer bedeutet ja nicht vorausschauender, eher das Gegenteil. Versierte Radfahrer, also eher die von dir angesprochenen Rennradfahrer oder Pendler, wissen um die Gefährlichkeit von solchen Wegen und fahren dementsprechend.

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  7. Auch ich habe die Beobachtung gemacht, trotz oder gerade wegen der Radwege habe ich die paar mal, die ich durch Fellbach geradelt bin überdurchschnittlich viele gefährliche Situtationen erlebt.
    In erster Linie ein Vorwurf an die unaufmerksamen Autofahrer, die gefährlichste und knappeste Situation (Abbiege-Klassiker) hat der Betroffene nichtmal registriert. Da liegt aber auch Kritik am Radweg nahe, in zweiter Reihe erwartet man nicht unbedingt Radfahrer.

    Was momentan jenseits von Gut und Böse ist, ist die Spurverengung der Stuttgarter Straße durch eine Baustelle. Der Radweg fällt dort einfach ohne Hinweis/Warnung weg, auf der durchgestrichenen Markierung stauen sich die Autos und als Radfahrer hängt man plötzlich zwischen Autos und Bordstein, obwohl man vorher einen gekennzeichneten Radweg hat. Kopfschütteln Richtung Verantwortliche.

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  8. Lieber Anonymus, hast du ein Foto und einen Kurzbericht. Nehme ich gerne für einen Post.

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    1. Ich schau, dass ich die Tage nochmal durch Fellbach radel. – Jörg

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  9. Ich bin früher auch mit Kinderanhänger gefahren. Da haben die Autos auf der Fahrbahn mehr Respekt gehabt als Solo, wegen der Kinder im Hänger.
    Bei so schmalen Radwegen muss man mit Hänger schon sehr genau in der Mitte fahren, um nicht mit dem Rad an einem Mast hängenzubleiben. Was auch noch für das Radfahren auf der Fahrbahn spricht: Der Hänger ist so breit, dass man eher nicht bei Gegenverkehr überholt wird. Die "schmale Straße" ist nicht schmal, wenn man einen Fahrstreifen für sich hat.
    Aber ich habe Respekt vor der Meinung anderer Radfahrer und freue mich über jeden. Es sind bisher nur wenige, die Fahrbahnradeln. Die Autofahrer müssen sich erst noch daran gewöhnen.
    Für die Situation in Fellbach ist vermutlich die dortige Baubürgermeisterin Beatrice Soltys hauptverantwortlich, die gerade in Tübingen die OB Wahl verloren hat. Man liest, dass Sie Rennrad fährt. Vermutlich nur im Urlaub und weniger in Fellbach.

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  10. Anmerkung von Anne: Ich finde es wirklich spannend, die unterschiedlichen Sichten mal zu hören und dabei mein eigenes Fahrverhalten neu zu analysieren. Es ist tatsächlich wie Christine schreibt. Alleine bin ich mit dem Fahrrad recht unerschrocken, routiniert und forsch unterwegs. Und Ihr habt recht: Dabei hat mich auch schon so manche Autotür fast erwischt. Aber ich beobachte tatsächlich, dass ich mich auf diesen Fahrradwegen mit dem Kinderanhänger wohl und sicher fühle, im Gegensatz zu den Strecken, die ich sonst viel in meiner Umgebung mit Hänger zurücklege (z.B. Bad Cannstatt). Dort bin ich näher am wuseligen Einkaufsverkehr dran und kann im Notfall nicht in irgendeine Richtung ausweichen.
    Ich erlebe es leider nicht wie Robert, dass mehr Rücksicht genommen wird. 50 % der Autos sind zurückhaltend (das sind dann meist die, die selbst ein Kind hinten drin sitzen haben), die anderen 50% fahren so, wie man halt in Stuttgart fährt: dicht, schnell, noch schnell vorbei. Auch der Gegenverkehr. Deshalb suche ich oft die Wege, die verkehrsberuhigt sind oder wo wenig oder gar kein Autoverkehr ist. Oder eben Fahrradwege, dann natürlich auch die, die als Streifen von der Straße abgetrennt sind.

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    1. Vielen Dank, Anne, dass du uns deinen Bericht und deine Einschätzung zur Verfügung gestellt hast. Ich musste nämlich ebenfalls überprüfen, ob meine Verdammung solcher schmalen Radwege auf Gehwegen generell richtig ist, und ich sehe, dass es Radlerbedürfnisse gibt, bei denen sie richtig ist, wenn man wie du sehr vorausschauend radelt.

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  11. Aus viel"erfahrener" Radfahrersicht in Fellbach und Teilorten kann ich diese Meinung in den meisten Punkten nicht bestätigen. Die Radwegestruktur zwischen Stuttgarter Platz und Blumenstraße in Schmiden ist in beiden Richtungen sehr unfallträchtig. Meine Frau hatte bereits einen der typischen Abbiegeunfälle mit langwierigen Folgen aus den erfolgten Verletzungen. Selbst konnte ich mehrere Beinahekollisionen durch abbiegende PKW (infolge eingeschränkter Sicht für die Autofahrer) nur mit Glück überstehen. Den Beschreibungen der vorangehenden Kommentatoren kann ich mich nur anschliessen. Aufgehenden Autotüren kann man wegen der zahlreichen Strassenlaternen und Mülleimern nicht ausweichen, ich habe permanent das Gefühl, von dem Radweg eingezwängt zu sein. Abbiegeverkehr, herumirrende Fussgänger, parkende SUV und extrabreite PKW stehen weit in den schmalen Radweg genauso wie die Cafemöblierung, wie soll man da durchkommen?
    Mehrere Initiativen der örtlichen Radfahrerverbände, diesen Radirrweg zu beseitigen sind bisher nicht erfolgreich gewesen.
    Die einzig positive Radstrecke ist die Radfahrstraße im Verlauf der unteren Schwabstraße, die ist aber gerade mal eine halben Kilometer lang. Angedacht ist die Verlängerung bis zu Bahnhof und evtl. noch weiter bis Schmiden.
    Was aber (im Gegensatz zu Stuttgart) anscheinend nicht möglich ist, dass die Einbahnstraßen für Radler in beiden Richtungen geöffnet werden, was mit etwas Goodwill und möglicherweise dem Verlust von wenigen (für das darniederliegende Gewerbe nicht hinnehmbar) Parkplätzen möglich wäre. Das liegt aber an dem Fellbacher Polizeihauptwachtmeister, der keine Gelegenheit auslässt, die Radler zu bashen.
    Dazu gibt es eine detaillierte Bewertung des Fellbacher Radwegenetzes vom ADFC unter der folgenden Adresse:
    www.adfc-bw.de/fileadmin/dateien/Landesverband/Bilder/Verkehrspolitik/vor_Ort/fellbach2.pdf
    Noch eine Anmerkung zu der Baustelle Stuttgarter Straße an der U-Bahn-Haltestelle Beskidenstraße:
    Diese Haltestelle liegt vollständig auf Stuttgarter Gemarkung. Das Baustellenmanagement und die Beschneidung des dort verlaufenden Radwegs war schlicht eine Sauerei. Mit einem Schild "Radweg Ende" wurde ich ohne Umleitung oder irgend eine Wegweisung auf die Straße geschickt. Was Autisten davon halten, wenn plötzlich ein Radler ihren Staustress verdoppelt, will ich hier nicht veröffentlichen, abgesehen vom drängeln, einklemmen zwischen Auto und Randstein usw. Die Baustelle wurde zum vergangenen Wochenende geschlossen.
    Gruß vom Fellbächer

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    1. Auch in Stuttgart sind viele Einbahnstraßen nicht in Gegenrichtung für Radler frei. Ansonsten klar: Die Radpolitik lässt in und um Stuttgart enorm viel zu wünschen übrig. Und es ist eigentlich auch keine Frage des Wünschens. Die Region verpasst die Zukunft, wenn sie nicht schleunigst anfängt, wirklich was für einen breiten Radverkehr zu tun. In Innenstädten aufs Auto zu setzen ist voriges Jahrhundert. Die lokalen Läden profitieren mehr von Radfahrern, weil die nämlich überall halten und einkaufen können.

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  12. Ich bin mit Hänger schon seit ca. 8 Jahren regelmäßig unterwegs, erst in Cambridge (UK), dann in Heidelberg und in jetzt Berlin und habe die Erfahrung gemacht, dass ich seltener zu eng überholt werde als wenn ich ohne Hänger unterwegs bin. Offenbar haben doch viele Autofahrer mehr Respekt vor dem Hänger, oder man wirkt einfach viel massiver, so dass ein größerer Seitenabstand eingehalten wird.
    Ich fühle mich mit Hänger eher unwohl auf schmaleren Radwegen wie den hier gezeigten. Gerade auf den Fotos sieht es an manchen Stellen so aus, als würde der Hänger gerade so auf den Radweg passen. Das bedeutet, ich müsste gut aufpassen, nicht an irgendwelchen Laternenpfosten hängenzubleiben, und außerdem hätte ich keine Chance, schnellere Radler überholen zu lassen, und ich könnte nicht ausweichen, ohne auf den Gehweg zu geraten. Ich persönlich finde das nicht ideal und würde es daher vorziehen, auf der Fahrbahn zu fahren.

    Aber es stimmt schon, dass es interessant ist, wie unterschiedlich die Situation wahrgenommen wird.

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  13. Nachdem das mein "Lieblingsthema" ist, will ich auch meinen Senf dazu geben.
    Ich bin eigentlich nur im Sommer auf dieser Strecke unterwegs - dann ist sie gesäumt von Werbeständern und Straßencafés. Mit Kinderanhänger benutze iich deswegen ...immer... verkehrswidrig die Straße. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich mit dem Hänger dort von den meisten Autofahrern auch akzeptiert werde. Wenn ich allerdings ohne Hänger den völlig zugestellten Gehweg (mit blauem Fahrrad-Zusatzschild) benutzt habe, wurde ich wild beschimpft und behupt, obwohl ich deutlich schneller unterwegs war und an geeigneten Stellen Platz für überholende Fahrzeuuge gemacht hatte.
    Mein Schlüsselerlebnis war dann ein nach einer Vollbremsung mit Achter im Hinterrad erzwungener Abbruch meiner Fahrradfahrt. Dabei hatte der mich der Autofahrer auf der Kreuzung fast erwischt, als er eine Lücke in der Autoschlange ausnutzend nach links in die Nebenstraße abbog. Trotzdem hatte er ohne zu halten seine Fahrt fortgesetzt und mich am Straßenrand stehen gelassen.
    Für mich ist Schmiden die unbeliebteste Strecke im Großßraum Stuttgart, ich fühle mich sogar in der Stadt Stuttgart sicherer als auf dieser Rennstrecke. Und nirgend wird so viel gehupt und geschimpft wie auf dieser Strecke.

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  14. Schade, dass ich nicht nochmal quergelesen habe und nicht mehr löschen kann... :(

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  15. Nachdem das mein "Lieblingsthema" ist, will ich auch meinen Senf dazu geben.
    Ich bin eigentlich nur im Sommer auf dieser Strecke unterwegs - dann ist sie gesäumt von Werbeständern und Straßencafés. Mit Kinderanhänger benutze ich deswegen ...immer... verkehrswidrig die Straße. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich mit dem Hänger dort von den meisten Autofahrern auch akzeptiert werde. Wenn ich allerdings ohne Hänger den völlig zugestellten Gehweg (mit blauem Fahrrad-Zusatzschild) verlassen habe, wurde ich wild beschimpft und behupt, obwohl ich deutlich schneller unterwegs war und an geeigneten Stellen Platz für überholende Fahrzeuuge gemacht hatte.
    Mein Schlüsselerlebnis war dann ein nach einer Vollbremsung mit Achter im Hinterrad erzwungener Abbruch meiner Fahrradfahrt. Dabei hatte der mich der Autofahrer auf der Kreuzung fast erwischt, als er eine Lücke in der Autoschlange ausnutzend nach links in die Nebenstraße abbog. Trotzdem hatte er ohne zu halten seine Fahrt fortgesetzt und mich am Straßenrand stehen gelassen.
    Für mich ist Schmiden die unbeliebteste Strecke im Großßraum Stuttgart, ich fühle mich sogar in der Stadt Stuttgart sicherer als auf dieser Rennstrecke. Und nirgend wird so viel gehupt und geschimpft wie auf dieser Strecke.

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