11. November 2014

Richtig, aber falsch

Der Radler hier kann gar nicht anders, als regelwidrig fahren. Er soll nach links. Wenn er das tut, fährt er über eine durchgezogene Linie auf der Fahrbahn. Das darf auch ein Radler nicht. 

Man könnte dorthin fahren, wo man das Auto sieht und den Lenker an der Verkehrsinsel herumreißen und in einer 90-Grad-Kurve dann auf dem Rad-Sicherheitssteifchen zum Radweg fahren. Das ist unzumutbar. Und man sieht es beim Anfahren auch nicht.

Also schlingert man links diagonal über die Sperrlinie Richtung Radweg. (Hier muss eine ordentlich Radabbiegespur hin!)

An dieser Stelle verlangt die Stadt ein regelwidriges Verhalten vom Radler. Dazu gibt es keine Alternative. Eine Fördermaßnahme für regelwidriges Radler-Verhalten, über das wir uns andererseits immer so aufregen.

Frage: Woher weiß ich als Radlerin eigentlich, welcher Regelverstoß von mir erwartet und welcher mir verboten ist?


Kommentare:

  1. Breuningereck, Einmündung Marktstraße in die Holzstraße?

    Ok, das Schildchen ist an dieser Stelle auf gefährliche Weise irritierend. Wenn, dann gehört es vorne an den Schildmast der kleinen Verkehrsinsel, also direkt an die Einmündung.

    Denn so ist es ja wohl "eigentlich" gedacht: auf der eigenen Spur bis zur Verkehrsinsel vorfahren, dabei links einordnen und dort hat es dann für die Richtung Charlottenplatz abbiegenden Radler vor der Verkehrsinsel auch eine kleine rot bepinselte Wartefläche, die den Überblick gestattet und von wo aus man ggfs einfahrende Fahrzeuge zunächst auch passieren lassen kann.

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  2. Ds kann so nicht gemeint sein. Radfahrer, die auf der Fahrbahn angeradelt kommen, sind doch keine Fußgänger. Zu denen würden sie aber in dem Moment, wo sie auf die Verkehrsinsel einbiegen. Und hier an dieser Stelle gibt es keine Radfreigabe auf dem Fußweg, also auch nicht für die Verkehrsinsel. Das kann es also auch nicht sein!

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  3. Und sobald der Radler auf der Verkehrsinsel stünde, wäre er dem einbigenden Fahrzeug gegenüber vorberechtigt, weil er "geradaus" die Einmündung überquert. Einbiegende Fahrzeuge haben beim Einbiegen nie Vorrang gegenüber Verkehrsteilnehmern, die die STraße überqueren.

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    1. Das mit der Vorfahrt stimmt, aber es ist eben mal wieder eines dieser Vorrechte, die im Zweifel per Selbstgefährdung erkauft werden. ;-)

      Ansonsten, die Aufsicht per Google-Maps/ Satellit zeigt eigentlich ganz gut, wie die Regelung wohl eigentlich gemeint ist. Für die Linksabbieger ist die Radspur bis zur Verkehrsinsel mitsamt einen ordentlichen Klacks roter Fahrbahnmarkierung. Ganz ohne Geisterfahrt. :-)

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  4. "Woher weiß ich als Radlerin eigentlich, welcher Regelverstoß von mir erwartet und welcher mir verboten ist?"
    Im Unterschied zu den verbindlichen Regeln der StVO in Zusammenhang mit der einschlägigen Markierung von Fahrstreifenbegrenzung etc. ist das kleine quadratische Schildchen kein Verkehrszeichen und entfaltet keinerlei regelnde Wirkung. Es zeigt eventuell an, dass es da irgendwo links Fahrräder gibt. Ein Verkehrsverhalten gibt es nicht vor.
    Es ist daher völlig klar, wie sich ein Radfahrer hier zu verhalten hat. Die Frage stellt sich gar nicht!

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  5. Nein, mir ist es nicht klar. Denn als Radler darf ich eine durchgezogene Linie auf der Fahrbahn auch nicht überfahren. Das kleine Richtungsschildchen hat keine Bedeutung.
    Lieber Anonymus: Kannst du mir sagen, wie Radler sich hier verhalten müssen, wenn sie nach links auf den Radweg abbiegen wollen?

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    1. Anonym hat recht, es ist klar. Radfahrer dürfen genauso wie Kfz nur rechts abbiegen. Was die Stadt bzw. die StVB damit gemeint haben ist irrelevant, denn Verkehrsteilnehmern steht es nicht zu, die Regeln zu interpretieren. Ein Abbiegen nach links ist aufgrund des im Bild nicht sichtbaren Zeichens 209 (rundes Schild, gebogener weißer Pfeil nach rechts auf Blau) nicht erlaubt, da kein Zusatzzeichen mit Ausnahmen vorhanden ist.

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    2. Tja. Dabei will hier kein Radler nach rechts abbiegen. Da kommt er nirgendwohin. Das hier ist ein gutes Beispiel für die Inkonsistenz der Radroutenführung in Stuttgart.

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  6. Egal ob Verkehrszeichen oder nicht, zeigt das Beipiel, dass sich die städtischen (Verkehrs-)Planer mit den Radfahrern als Verkehrsteilnehmern extrem schwer tun.
    Man wird als Radfahrer auch an anderen Stellen immer wieder zu vorschriftswidrigem Verhalten geradezu "gezwungen" weil man sich sonst in Lebensgefahr bringen würde oder ständig als Fußgänger das Rad schiebend unterwegs wäre.
    Und damit meine ich nicht Fußgängerzonen, sondern den ständigen Wechsel von vorhandenen und dann wieder nicht vorhandenen Radwegen, den ständigen Wechsel von Bordstein auf die Straße und zurück (was an sich eine Risiko-Situation darstellt) und die nicht vorhandene Möglichkeit, als Radfahrer auf einem Radweg die Straßen zu überqueren. Entweder stehe ich mitten im Verkehr (was man keinem Fußgänger zumuten würde), gern auch auf Kreuzungen wo es besonders gefährlich ist, oder ich muss die Straße das Rad schiebend überqueren.
    Jetzt wird es Leute geben, die "Na und, das ist doch wohl nicht so schlimm!" rufen (und "Heul doch!" denken), aber das Ganze zeigt halt, das hier Autofahrer über die Verkehrsbedingungen von Radfahrern entscheiden.
    Da darf man sich nicht wundern, wenn Radfahrer regelmäßig mehr oder weniger gegen Gesetze verstossen bzw. - und das ist verkehrspolitisch viel schlimmer - das Fahrrad als Verkehrsmittel nicht in Betracht ziehen. Dass man momentan aus Autofahrer-Sicht v.a. "rasende Rad-Rüppel" auf den Straßen erlebt, liegt u.a. auch daran, dass sich ältere Leute und Kinder gar nicht auf die Straßen trauen.

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    1. Genau dafür ist diese Stelle ein gutes Beispiel, und deshalb habe ich sie beschrieben. Interessanterweise löst das auf FB wüste Beschimpfungen der Radler-Feinde aus. (Radfahrer fahren immer über rote Ampeln und sollen endlich Steuern für Verehrsmaßnahmen zugunsten der Radler zahlen etc.)

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    2. Deinen FB-Trollen ist halt nicht klar, dass sie uns tierisch dankbar sein sollten: wenn ich per Rad unterwegs bin, bleibt der Pkw in der Garage. Ansonsten wäre ich das Fahrzeug im Stau vor ihnen, das ihnen zudem auch noch den letzten freien Parkplatz wegschnappen würde. *ggg*

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  7. "Woher weiß ich als Radlerin eigentlich, welcher Regelverstoß von mir erwartet und welcher mir verboten ist?" Ich persönlich bin ja als Alltags- und Tourenradler generell nicht so obrigkeitsstaatlich unterwegs wie die meist erschreckend kleinkarierten Mitglieder des ADFC, aber so einen intelligenten Satz zum Radfahren im deutschen Alltag habe ich bislang eigentlich noch nie gelesen.
    Stefan K. (Mitglied im ADFC)

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  8. Der Frage kann ich noch eins draufsetzen. Richtig muss sie lauten:

    Woher weiß ich als Radlerin eigentlich, welcher Regelverstoß von mir erwartet und welche Regelbefolgung mir verboten ist?

    Beispiel gefällig? Aber gerne doch.

    Wenn man mit dem Fahrrad auf der Konrad‐Adenauer‐Straße in Richtung nach Nord‐Nord‐Osten unter dem Charlottenplatz durchgefahren ist – ja, das ist laut StVO dort erlaubt –, kann es schon mal passieren, dass man von Polizeibeamten auf dem Parkplatz zwischen dem Haus der Geschichte und dem Kammertheater (Stadtplanausschnitt bei OpenStreetMap) bei Dunkelheit herausgewunken und belehrt wird, man dürfe auf der Konrad‐Adenauer‐Straße mit dem Fahrrad nicht fahren. Wenn die Polizeibeamten sich zu benehmen wissen und einer sachlichen Entgegnung, dass die Konrad‐Adenauer‐Straße weder eine Kraftfahrstraße sei noch für Radfahrer gesperrt sei und auch keinen benutzungspflichtigen Radweg habe, aufgeschlossen sind, dann kann man im weiteren Gespräch, wenn just in diesem Moment auf dem Gehweg ein Radfahrer in Süd‐Süd‐West‐Richtung vorbeikommt, schon mal zu hören bekommen: „Sehen Sie, der Radfahrer macht's richtig.“. Das delikate an dem Rat ist aber, dass der Radfahrer in Süd‐Süd‐West‐Richtung aber gerade erstens auf dem Gehweg, zweitens auf der in seiner Fahrtrichtung linken Seite der Straße und drittens ohne Licht unterwegs ist. (Das Gespräch war, nachdem ich das den Beamten erklärt hatte, schnell beendet.)

    Übrigens: Wenn die Polizeibeamten einer sachlichen Entgegnung nicht aufgeschlossen sind, dann kann einem schon mal eine MPU ins Haus flattern, wie Martin Triker in seinem Kommentar zum Beitrag <a href="http://dasfahrradblog.blogspot.de/2014/10/das-muss-wohl-jede-stadt-durch.html>Da muss wohl jede Stadt durch</a> schreibt. (Der Vorfall war auf derselben Straße in derselben Fahrtrichtung, ein paar hundert Meter weiter süd‐süd‐westlich.)

    Ach ja, beinahe hätte ich's vergessen: Die Antwort auf Christines und auch auf meine Frage lautet: Wenn es den Autofahrern nützt, wird es von mir erwartet; wenn es sie stört, ist es mir verboten. Ob es sich dabei um einen Regelverstoß oder eine Regelbefolgung handelt, ist egal.

    Heute mal zynisch.

    Helmut Waitzmann

    E‐Mail‐Adresse: JJJJMMTT.throttle@xoxy.net

    (für JJJJ, MM und TT das augenblickliche Datum mit Jahr, Monat und Tag einsetzen)

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    1. Ich fahr genau da übrigens relativ oft, um das Gewürge durch die Fahrradstraße Richtung Wilhelmsplatz abzukürzen. In der Tat ist die Konrad-Adenauer-Straße keine Kraftfahrzeugstaße, sondern für Radler nicht verboten. Und auf diesem Gehweg an dieser Stelle ist tatsächlich das Radfahren nicht freigegeben. Eine sehr schöne Geschichte, Helmut

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    2. Hallo, ich habe diesen "MPU-Fall" auf Googlegroups gelesen. Bei Seite 10 ist dort ein abruptes Ende. Mich würde interessieren, wie das ganze ausgegangen ist. Es scheint ja ein ziemlich schlimmer Fall von staatsautoritärer Merkbefreitheit zu sein. Wurde diesen Flachzangen das Handwerk gelegt?
      David

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