13. November 2014

So geht Disziplinierung von Radfahrern

Auf die Umfahrung der Baustelle am Leuze ist die Stadt stolz. Hier wurde für Radler eine Umleitung gebaut. Neuerdings überrascht diese Umleitung mit gelben Sicherheitsschwellen und Baken. Sie trennen Fußgänger und Radfahrer. 

Ich frage mich nur, für wen wurde diese Trennung so aufwändig gemacht? Für uns Radfahrer oder für Fußgänger? Wenn man sich die Engstelle unten am Mineralbad Leuze anschaut, wird es klar.


Hier sind Radler oft nicht durch die Kurve gefahren, sondern haben schräg rüber zur König-Karls-Brücke abgekürzt. Damit sind sie durch den Fußgängerbereich gefahren.

Die Kurve ist halt auch arg eng, erstens als Kurve und zweitens in der Wegbreite, die hier Radfahrer zugestanden bekommen haben. Es wird häkelig, wenn sich Radler in beiden Richtungen entgegen kommen. Und das auf der Radhauptroute 1.


Jetzt können Radfahrer einander nicht mehr ausweichen.

Damit ist klar, wen diese Begrenzung disziplinieren soll: Und Radfahrer. Es ist keine Radverkehrsförder- sondern eine Radverkehrsbehinderungsmaßnahme.



Denn die Fußgänger kapieren es trotz alarmierender orange-gelber Begrenzungen nicht und spazieren weiterhin auf unserem Radweg. Dort waren und sind sie zu jeder Zeit unterwegs. Und sie werden teils sogar ziemlich aggressiv, wenn sie dort von Radlern auf ihren Irrtum aufmerksam gemacht wurden.

(Und wie üblich habe ich auf diese Bilder nicht stundenlang gelauert, sondern ich habe sie auf einer Fahrt gemacht, so wie sie sich zufällig ergeben. Das spricht dafür, dass die Situation hier regulär so ist. Stuttgarter Fußgänger sind außerstande, Radwege wahrzunehmen.)

Ja, und ich finde es auch total okay, die schwächeren Verkehrsteilnehmer, hier die Fußgänger, vor den "bösen" Radlern zu schützen.

Am 15. Mai 2015 waren die Baken unten in der Kurve vor dem Eingang zum Leuze wieder verschwunden. Warum, kann ich nur vermuten. Allerdings war der Radweg hier für eine Kurve (in die Radler sich legen und wo sie besonders viel Platz brauchen) gefährlich schmal oder illegal schmal. Das hätte im Fall eines Unfalls vielleicht doch eine Klage gegen die Stadt geben können. Aber Vorsicht, jetzt steht, ungeschützt durch Bahnmarkierung ein Schildermast mitten in der Spur.




Kommentare:

  1. Ok, perfekt mag anders sein, aber gegenüber dem Zustand zuvor empfinde ich als Radler die jetzige Situation als deutliche und wahrnehmbare Verbesserung.

    Mein Aufreger ist eher die Weigerung der Stadt, während der Baudauer von Rosensteintunnel und S21 eine Behelfsbrücke über den Neckar als Alternative für Fussgänger und auch Radler zu errichten. Aus Kostengründen. Angesichts von Baudauer und Bausummen ist das ein schlechter Witz und einfach nur ärgerlich.

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    1. Wobei es dann erstmals erlaubt wäre, mit dem Rad auf einer solchen Extrabrücke über den Neckar zu fahren. Fände ich aber auch gut.

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  2. Warum immer die "unser Radweg" Formulierungen? Radler denken irgendwie genau wie Autofahrer- so wird nix besser :(

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    1. Weil die Beschilderung eine klare Trennung von Fußgängern und Radfahrern vorsieht und diese ja auch aufwendig so vollzogen wurde (Baken). Wenn ein Teil der Verkehrsteilnehmer dies nicht versteht und/oder nicht akzeptiert wird es doch kritisiert werden dürfen, oder?

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    2. Lieber Axel: Sagen wir mal so: Das ist ein Blog, das sich mit Radfahren in Stuttgart befasst. Ich finde, da darf man auch "wir Radfahrer" und "unsere Radwege" sagen. Ich schreibe absichtlich aus der Perspektive von Radfahrern, die in Stuttgart schon noch ziemlich wie das 3. Rad am Moped behandelt werden. Für Autofahrer ist alles geregelt, die Fußgänger holen mächtig auf, doch wir Radler werden an den Rand gedrängt, oft auf Gehwege, oft auf engste Radstreifen (die nicht mal Platz lassen, falls die Tür eines geparkten Fahrzeugs aufgeht) und bekommen an Baustellen teils absurde Umleitungen. Alle Interessengruppen sagen "wir". Und das hier ist ein Blog, das den Interessen von Radfahrern gewidmet ist.

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    3. Christine, das ist schon klar, nur finde ich halt, dass das Verhalten vieler Radfahrer das Leben der Fussgänger noch unangenehmer macht. Ich finde es einfach lächerlich wie viele Radler "ihre" Radwege verteidigen obwohl die einfach mitten in Fussgängerbereiche gebaut sind, aber im Leben nicht auf die Idee kommen IHRE Rechte auf der Fahrbahn zu verteidigen. Wenn Platz für eine vernünftige Fahrradinfrastruktur ist, dann kann man die ja gern bauen, wenn nicht, sollte man es aber entweder sein lassen, oder dem Platz bei den Autos abknabbern - DAS ist aber in der Realität eher nicht der Fall. Im Zweifelsfall kommt ein fauler Kompromiss zustande, der zwangsweise zu einem Konflikt mit Fussgängern führt. Wenn Du Dich als 3tes Rad am Wagen fühlst, dann solltest Du Dir mal überlegen, ob das nicht daran liegt, dass Du Dich ohne Radweg nicht für voll genommen fühlst. Und was die Interessen angeht, so ist wohl jeder zunächst mal Fussgänger und sollte deren Interessen an oberster Stelle haben. Wer aber, wenn er auf dem Sattel sitzt die Welt nur noch aus Radfahrerperspektive sieht, macht nix anderes als die Autofahrer. Wenn es das ist, was wir wollen, dann können wir es auch so lassen, wie es ist.

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    4. Lieber Axel, wie du ja weißt, erkläre ich immer: Radler gehören auf die Fahrbahn. Und ich fahre bevorzugt Fahrbahn, zum Beispiel eher selten durch den Schlossgarten. Es gibt aber Stellen in Stuttgart, wo Radler keine Alternative haben zu dem verfluchten Gehwegfahren oder dem Fahren auf gemischten Radwegen oder über die König-Karls-Brücke zu kommen. Ich bin gegen Radwege, ich argumentiere immer dagegen! Trotzdem finde ich, dass Fußgänger schon auch die Radwege respektieren sollten, die wenigen, die wir haben und wo wir zuweilen leider manchmal langmüssen. So wie am Leuze. Ich schreibe das Blog, weil ich Radler runter von den Gehwegen und runter von Radwegen auf der Fahrbahn haben will. Das ist ungefährlicher und quält die Fußgänger nicht so.

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  3. Die Radhauptroute 1 wird ja auch in Stuttgart am Planetarium arg eingeschränkt, ich warte darauf das es da ein Schild "Nur für Fussgänger" gibt. Wenn man dann Richtung neues Schloss weiterfährt wird jetzt auch noch von links eingeengt und es steht ein Schild dort "Fahrradfahrer langsam fahren" das irgendjemand in beiden Richtungen aufgehängt hat. Ich frage mich was an dieser Radhauptroute 1 so toll sein soll.

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    1. Toll ist anders, keine Frage, blöderweise leben oder arbeiten wir halt in Stuttgart und nicht in Kopenhagen, Tübingen oder Freiburg.

      Sobald die mit dem Bau des Nesenbachdükers richtig loslegen und sogar di9e Stadtbahnlinien unterbrochen werden, wird die Radroute immer wichtiger werden und ja, das sehe ich auch so, beim Planetarium braucht es dringend und bereits heute eine Lösung. Vielleicht ähnlich wie jetzt am Leuze? Rad- und Fussgängerbereiche trennen? Das wäre zumindest eine erste Verbesserung. Bleibt der Ferdinand-Leitner-Steg.

      Oder eine Radführung hinterm Planetarium, hoch zur Konrad-Adenauer-Str? Als Verlängerung und Fortführung des Radweges am Innenministerium? Am Gebhard-Müller-Platz wird es aber eh eng und enger und die Ampelphasendauer will ich mir gar nicht erst vorstellen...

      Schade, dass Stuttgart keinen grünen OB und keine entsprechend starke grüne Gemeinderatsfraktion hat, denn dann wäre alles sicherlich ganz anders. Dann würde man nicht nur den Stau verwalten und herumdoktern, sondern zukunftsträchtige Mobilitätskonzepte für eine liebens- und lebenswerte Stadt in Angriff nehmen .. ;-)

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    2. Die Mehrheiten im Gemeinderat sind das Problem.

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  4. Hm, die "neue Verkehrsführung" am Leuze ist mir auch aufgefallen. Das ist eng, für Radfahrer enger als für Fußgänger. Bevor die "Verkehrsbereiche" getrennt waren, gab es manchmal die einen, die auf dem Bereich der anderen unterwegs waren, da konnten beide noch ausweichen. Heute geht das nicht mehr. Als ich zum ersten mal mit der neuen Situation konfrontiert wurde, war das von Cannstadt kommend, Abends gegen 18:30 Uhr, da war's dunkel und ich glaube es war auch nass.
    Da steht nirgends ein Schild, das die Nutzer der Wege (Radfahrer) frühzeitig auf die veränderte Situation aufmerksam macht, der Auto-Gegenverker ohne Sichtschutz macht die Situation bei Nacht nicht besser. Ich weis noch, dass die Begrenzung an der rechten Seite (Bauzaun) sehr stabil ist, der blaue Fleck tut immer noch weh. O.k. ich war zügig unterwegs, aber dass ich einem kleinen Kind mit Puppenwagen ausweichen musste war erst sehr spät erkennbar, dann kam da noch Gegenverkehr, der hat's wohl auch erst spät gesehen (oder es war ihm egal), für mich eine schlechte Lösung.
    Ich fahre jetzt erst mal wieder Auto, bis die Schulter nicht mehr weh tut.

    Unabhängig davon, die Weg-breite auf der Brücke ist für Radfahrer der schmalste Anteil von allen. Die Fußgänger haben so um die 3 Meter, den Radfahrern werden so etwa 2,5m zugestanden, die Stadtbahn bekommt um die 8-10 Meter. Für die Autos bleibt der knappe Rest von ca. 40m.
    Klar erkennbar wo die Prioritäten liegen, aber im Moment ganz ok, weil ich mit meinem Auto davon auch 2,2m brauch und Außerdem müssen ja die ganzen Abgase auch irgendwo hin, auf der Fahrbahn breite verteilen sich die 12l/100km viieel besser als auf einer einspurigen Straße.

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    1. Man kann halt nicht mehr ausweichen, wenn was passiert. Radler müssen über die Begrenzung stürzen. Und Fußgänger, die da im Dunkeln langgehen, sieht man auch erst im letzten Moment.

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    2. Es ist übrigens wahr, man sieht auf der König-Karls-Brücke nachts nichts, wenn mann Richtung Leuze radelt, denn die Scheinwerfer der Autos blenden jesusmäßig. Man fährt immer in so ein dunkles Loch hinein, wenn man auf die Umleitungsstrecke einschwenkt. Wenn es dann noch regnet und alles glitzert, dann kann man wirklich nichts mehr sehen.

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  5. Für kinder sehr schwierig:
    Ich fahre da täglich zum Kindergarten lang.
    Und für meine kleinen ist das wirklich eine sehr schwierige Situation geworden: Berg ab, schmaler weg und am Ende eine 90° Kurve und wenn man die nicht sauber kriegt kracht man auf die gelbe Barke. Ich schwitze immer Blut und Wasser wenn wir da runter fahren. Wirklich sehr gefährlich für eine Farradroute.
    Übrigens für Rollschulfahrer ist es auch ein Problem weil der Weg jetzt so schmal ist das man nicht mehr "wedeln" kann.

    @Jürgen Fischer
    Vielleicht kannst du die Stadt ja wegen verletzung der Verkehrssicherungspflicht verklagen weil der weg einfach zu eng, unübersichtlich und am rechten Rand verletzungsgefährdent begrenzt ist?
    Die Autofahrer klagen ja auch ständig wenn in einem Schlagloch der Spoiler hängen bleibt. Vielleicht kann man so etwas erreichen?

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  6. Kleine Annmerkung, Nis, Kinder dürfen nicht auf Radwegen radeln. Das ist für alle zu gefährlich. Kinder bis 8 Jahre müssen auf dem Gehweg oder im Fußgängerbereich fahren, die dazugehörigen Erwachsen müssen dabei leider auf dem Radweg oder auf der Fahrbahn blieben. Aber auch für Jugendliche ist diese Passage schwierig, weil sie weniger gut Gefahren abschätzen und Konflikte vorhersehen können.

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  7. @ nis,
    der Doc sagt, das ist nichts Ernstes, 1-2 Wochen und ich seh' und spür nichts mehr, wird also wieder, hab schon anderes überstanden.
    Und das mit der Klage, mein Rechtsvertreter würde bestimmt gern, der verdient ja auch sein Geld damit. Für mich ist das aber nur schade um die Zeit, weil ich in der Zeit die ich investieren müsste nichts verdiene und diese Zeit auch nicht als Freizeit ansehe. Beides ist mir aber wertvoller als in einem fragwürdigen Rechtsstreit eine Stadt an den Pranger zu stellen.
    Und diejenigen die bei der Stadt den Schwachsinn geplant haben, hatten womöglich einen Grund und wollten den Verkehrsteilnehmern was gutes tun, ev. sogar die einen vor den anderen Schützen, weil schon was passiert ist?

    @ Christine
    das mit den Regeln für Kinder, 'tschuldigung, aber Kinder von den Eltern zu trennen ist nicht nur im Straßenverkehr eine schlechte Lösung, weil weder die Kommunikation klappt, noch das Sicherheitsgefühl (auf beiden Seiten) stimmt.
    Nur weil das die Regeln sind ist das noch lange nicht richtig.

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    1. Lieber Jürgen: Radwege sind für Radfahrer der gefährlichste Bereich. Deshalb fahre ich mit Kindern nie auf einem Radweg. Ich fahre dann selber im Fußgängerbereich. Auf Radwegen passieren dem Radler die meisten Unfälle. Hier sind andere Radfahrer schnell unterwegs, sie sind oft zu eng, als dass man aneinander vorbeikäme, oder sie werden illegal in Gegenrichtung befahren. Kinder sind eigentlich nur unter Fußgängern sicher (Radler auf Autostraßen). Deshalb finde ich es ganz sinnvoll, dass Radwege für Kinder unter 8 Jahren verboten sind. Und gerade hier am Leuze kann man sogar recht gut als Erwachsener auf dem Radweg fahren, während die Kinder nebendran im Fußgängerbereich fahren. Woanders ist das viel schwieriger.

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  8. Hey, am Freitag waren die Baken vor dem Eingang des Leuze wieder weg, gibt's Hoffnung auf die alte Verkehrsführung für den Radweg?

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    1. Ja, sie sind weg, habe ich gestern auch gesehen. Unklar warum, aber ich vermute mal sehr stark, dass der Radweg hier illegal schmal war (vor allem wegen der Kurve), und die Gefahr zu groß für Radler war, vor allem die vielen, die zum Kirchentag hier lang radeln, als dass man das so hätte lassen können. Jetzt steht halt nur noch ein Schildermast mitten im Weg, den man auch mal schnell übersehen kann.

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