21. Dezember 2014

Das Rad ist das pünktlichste Verkehrsmittel

In Stuttgart sind die meisten Strecken, die wir zurücklegen, kürzer als 5 Kilometer, ideal fürs Fahrrad. Es ist unschlagbar schnell auf solchen Strecken. 
Man fährt von Tür zu Tür, ohne Umsteigen und ohne in ein Parkhaus zu müssen. Man steht nicht im Stau und weiß immer, wann man ankommt. Seitdem es Pedelecs gibt, steigt der Anteil der Radler sichtbar an.

2009 wurden 44 Prozent der Strecken in Stuttgart mit dem eigenen Wagen zurückgelegt, 27 Prozent gingen zu Fuß, 22 Prozent fuhren mit den Öffentlichen und 7 Prozent mit dem Rad. Die Zahl der öffentlichen Fahrer und die der Radler dürften sich inzwischen um ein paar Prozentpunkte erhöht haben. 
Im Rad steckt das Potenzial, in Städten zum Alltagsverkehrsmittel zu werden. Denn Rad fahren können theoretisch alle. Die Kinder kann man auch im Kinderhänger zur Kita karren, wer unsicher ist, fahrt auf einem Elektro-Dreirad, für Sprudelkisten gibt es Hänger, und für den Einkauf für zwei bis drei Tage reicht eine Seitentasche. In Zeiten, wo man sich sogar Bücher nach Hause liefern lässt, muss man auch keinen Kühlschrank persönlich abholen. Radfahrer müssen nie Parkplatz suchen und in kein Parkhaus rein. Sie sparen enorm viel Zeit.

Radverkehr ist schnell. Auf Strecken unter fünf Kilometern ist man mit dem Rad auf jeden Fall schneller als mit dem Auto. Das geht aus einer Untersuchung des KUS (Klima- und Umweltbündnis Stuttgart) hervor. Das sind alle Strecken, die man mit dem Rad in unter 20 Minuten fährt. Im Früh- und Feierabendverkehr ist man mit dem Rad auch auf sehr viel längeren Strecken schneller, vor allem aber total berechenbar, unterwegs. Mit dem Rad ist man pünktlich da. 
Ich habe auch schon diese Zahlen gehört: Mit dem Auto bewegt man sich mit ca. 17 km/h, mit dem Rad mit rund 18 km/h und mit den Öffentlichen mit 23 km/h durch die Stadt. 
Radverkehr ist günstig. Man spart Benzin. Ein teures Pedelec (ca. 2.500 Euro) amortisiert sich nach zweieinhalb bis drei Jahren, wenn man 90 Prozent der Wege in der Stadt mit ihm zurücklegt.
Radfahrer/innen sind gesünder. Radler bewegen sich ja mit eigener Muskelkraft (auch Pedelec-Radler, die oft weitere Strecken zurücklegen), das hält gesund.
Radfahrer/innen haben mehr Sozialkontakte. Man ist langsam genug unterwegs, um anzuhalten, wenn man Bekannte sieht. Ein Schwätzchen am Weg stört keinen anderen Radler (wenn man nicht mitten auf dem Radweg stehen bliebt). Seit ich Rad fahre ist Stuttgart zu einer netten Dorfgemeinschsaft geworden. Man trifft sich. Man trifft auch andere Radler. Man kennt sich. Wenn mehr Radler unterwegs sind, sieht man mehr Leute auf der Straße. Das macht sie lebendig. (Autos sind ja nur rollende Sicht- und Kontaktschutzmaschinen.) 
Ein lebendiger Radverkehr stärkt den Lokalen Handel. Denn Radler fahren nicht ins Einkaufszentrum, sondern kaufen in kleineren Läden am Straßenrand. Das freut die privaten Händler. Und weil Radler weniger Geld fürs Auto ausgeben müssen, haben sie mehr Geld fürs Einkaufen. 
Radverkehr schafft Platz. Räder brauchen nur ein 14tel des Platzes, den Autos brauchen. Radfahrbahnen sind schmaler, geben Fußgängern mehr Raum (übrigens auch Autos). Radfahrer brauchen auch weniger Park-Platz. Für Anwohner ein Vorteil. Sie kriegen ihre Straße zurück. 
Die Fahrradinfrastruktur ist günstig. Räder brauchen weniger Asphaltfläche und weniger Abstellfläche. Das spart der Stadt Geld. 
Fahrräder sind emissionsfrei (oder nahezu emissionsfrei, wenn es Pedelecs sind) und verursachen deutlich weniger Lärm und keinen Feinstaub. 
Mehr Radverkehr entlastet den Autoverkehr und die Straßen der Stadt von Stau.






Kommentare:

  1. Danke für die Unterstützung durch viele gute und begründete Argumente und die vielen Berichte und Meinungen durch das Radfahrjahr 2014 und Danke für den Kampf für das Fahrrad als das überragende Verkehrsmittel für Stuttgart.
    Erholsame Weihnachten und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr wünscht der Fellbächer.

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    1. Vielen Dank, lieber Fellbächer. Schöne Feiertage wünsche ich auch dir.

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  2. Witzig, dass sich die Mär vom emissionsfreien Radfahren hält.
    Und gut, dass noch niemand ernsthaft eine Schadstoffanalyse versucht hat.
    Die Kraft, mit der so ein Fahrrad bewegt wird, muss ja auch erst einmal durch Verbrennungsprozesse gewonnen werden. Und: ja, dabei entsteht CO2. Und nicht nur dieses.
    Leider ist der menschliche Organismus mit einem viel schlechteren Wirkungsgrad gesegnet als ein moderner Otto-Motor. Günstiger für's Fahrrad wird die Bilanz eigentlich nur dadurch, dass viel weniger Gesamtmasse bewegt werden muss.

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    1. Lieber Anonymus, ganz so naiv bin ich, sind wir Radler auch nicht. Ist klar, dass jemand der sich anstrengt, auch CO2 produziert, weshalb Pedelecs sogar als umweltfreundlicher gelten (http://dasfahrradblog.blogspot.ru/p/das-pedelec.html). Und natürlich wird in die Herstellung von Rädern Energie investiert, werden Rohstoffe verbraucht und wird CO2 ausgestoßen. Aber das ist wenig im Vergleich zu dem, was bei der Produktion und beim Betrieb eines PkW entsteht. Eine einzelne Person lässt sich ja von einem Auto transportieren, das für vier bis fünf Menschen zugeschnitten ist. Da hilft auch der bessere - wenn auch nicht so tolle - Wirkungsgrad eines Otto-Motors nichts. Er ist überdimensioniert. Und Fahrräder sind nicht beteiligt an der Feinstaubproduktion. Das sind Autos und Holz/Kohlenheizungen.

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    2. Zumal es äußerst zweifelhaft ist, die menschliche Atmung und das dabei freigesetzte CO2 als Emission zu werten, weil es ein natürlicher Prozess ist und die Natur entsprechende Kapazitäten besitzt und darauf ausgelegt ist, dieses weitestgehend zu neutralisieren (siehe Kohlenstoffzyklus), ganz im Gegensatz zum Verbrennen von fossilen Energiespeichern.

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