5. Dezember 2014

Kampfbegriff Kampfradler

Anfang des letzten Jahrhunderts hatten Autos kein gutes Ansehen. Denn ihnen fielen jede Menge Fußgänger zum Opfer, die meinten, sie könnten einfach so auf die Straße gehen. 

Zur Hälfte traf es Kinder. Sie rannten und spielten auf der Straße und wurden von Autos zermalmt. Die US-Automobilindustrie fand schnell einen Begriff für solche Leute, der ihnen die Verantwortung für ihren Tod gab: Jaywalker. Was im Deutschen bedeutet: "einer, der eine Straße regelwidrig, unachtsam und rücksichtslos überquert und dabei andere gefährdet." Der Begriff Kampfradler macht dasselbe: den Radler zum Gesetzlosen. Es sind Begriffe, mit denen der Autoverkehr seine Dominanz auf Straßen verteidigt. 
"Vom Jaywalker zum Kampradler", so titelt der urbanist - das Magazin des Berliner Instituts für Mobilität und Gesellschaft einen Artikel über den Kampf des Autoverkehrs um die Definitionsmacht auf den Straßen. Sie können den Artikel unter diesem Link gleich im Original lesen. Ich fasse ihn hier aber auch gern zusammen. (Auf den Artikel aufmerksam gemacht hat mich Critical Mass Stuttgart.)

Man gibt den Opfern die Schuld, sie sind Tölpel, Regelverstoßer, Gefährder des Straßenverkehrs. So eroberte das Auto im vergangenen Jahrhundert die Fahrbahn. Die Gesetzgebung drängte die Fußgänger auf den Gehweg. Zum eigenen Schutz? Nein, zum Schutz der Autofahrer vor dem Risiko, einen Fußgänger anzufahren. Heute ist es uns selbstverständlich, dass wir keinen Fuß vom Bordstein hinunter setzen ohne das Gefühl, in einen verbotenen Bereich einzudringen. Sogar  Feldwege durch entlegene Gehöfte gehören nicht mehr den Bewohnern der Höfe, sondern den Rasenden. Die verzweifelten Hofbesitzer müssen Schilder aufstellen, auf denen "Vorsicht Kinder!" steht.

Radfahrer trifft jetzt dasselbe Schicksal. Sie werden auf Redwege, gemischte Rad-/Gehwege und freigegebene Gehwege verbannt. Zum eigenen Schutz? Nein, denn auf der Fahrbahn ist ein Radler viel sicherer unterwegs auf als auf diesen Nebenwegen. Der Autoverkehr will seinen Raum nur nicht hergeben. Will unbekümmert Geschwindigkeit ausfahren. Nicht mal den Straßenrand räumt er den Radlern ein, der ist parkenden Autos vorbehalten. Radfahrer werden als Outlaws definiert. Der Begriff dazu: Kampfradler.

Hoffähig hat das Wort 2012 der damalige Verkehrsminister Ramsauer (CSU) gemacht: Und zwar in einem Interview der Neuen Osnabrücker Zeitung. Da sagte er: "Ich habe zum Beispiel beobachtet, wie Radler unter den Augen von Polizisten rote Ampeln und jede Verkehrsregel missachten. Manchmal ist die Polizei ... überfordert, der Verrohung dieser Kampf-Radler endlich Einhalt zu gebieten."

Auch das ist ein Begriff, der die Schuld an einer misslichen Situation dem Nicht-Autofahrer gibt und zugleich behauptet "alle Radler sind  rücksichtslos und halten sich nicht an Gesetze."  Der Fußgänger, der blicklos auf die Straße läuft, wird ersetzt durch den Radler, der die Straße benutzt und damit Autofahrer ausbremst. Und um klarzumachen, wem die Schuld an einem Unfall gehört, arbeitet die Politik kräftig mit an dem Mythos, der Radler sei an Unfällen und Unfallfolgen selber schuld, wenn er keinen Helm trägt (wahlweise auch keine Warnweste oder kein Licht anhatte) und nicht der Autofahrer, der zu schnell unterwegs war und beim Abbiegen einem Radler die Vorfahrt genommen hat. Am liebsten würden man den Radler einrüsten mit Schutzkleidung, Reflektoren und Beleuchtung, nur damit der Autofahrer, der den Unfall verschuldet hat, nicht so schwer trägt an den finanziellen Folgen seines Fehlers, dessen er sich nicht einmal bewusst war.

Übrigens - auch darauf weist der Artikel hin, und darüber habe ich auch schon geschrieben - ist das mit dem immer wieder ins Feld geführten Rotlichtverstoß eine spannende Sache. Wer Rad fährt, weiß das, und es mehren sich die Stimmen, die darauf hinweisen, dass Ampeln auf Fahrbahnen für den Autoverkehr sind, sie sind auf ihn zugeschnitten. Dem Radverkehr werden sie nicht gerecht. In Frankreich gibt es deshalb bereits den Gelben Pfeil für Radler. Er erlaubt ihnen bei Auto-Rot, rechts abzubiegen oder an T-Kreuzungen geradeaus weiter zu fahren. Denn dabei gefährdet der Radler weder sich noch zwingt er Autofahrer zum Bremsen.
Aber es sind nicht die Radler, die den Stadverkehr zum Stocken bringen, sondern die Autos selbst. Dass Radler einfacher durchkommen, mag Autofahrer ärgern (und besonders dann, wenn sie in einer Tempo-30-Straße hinter einem Radler hängen, der 27 Stundenkilometer fährt). Und so recht eigentlich markiert der Begriff "Kampfradler" das letzte Aufbäumen jener, die an die ewige Dominanz großer motorisierter Fahrzeuge glauben, gegen die Erkenntnis, dass Innenstädte erst mit deutlich weniger Autoverkehr wieder anfangen zu leben. 

Kommentare:

  1. Gerade heute gießen die Stuttgarter Nachrichten mit einem vermutlich zugekauften Artikel, der sich auch anderswo findet, Öl ins Feuer:

    "Ärger in Kopenhagen Das gnadenlose Regime der Radler"
    http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.aerger-in-kopenhagen-das-gnadenlose-regime-der-radler.e94799f1-0d10-4888-9150-60351fa77acb.html

    So reißerisch die Artikelüberschrift, so banal der Inhalt:

    Offenbar ist in Kopenhagen der Wegekonflikt zwischen manchen Bushaltestellen und Radwegen noch nicht gelöst. Dann muss das noch geschehen.

    Und wenn es am Ende des Artikels heisst:

    "Probleme mit rücksichtslosen Radlern haben auch deutsche Städte. So ergab eine vom Berliner Senat in Auftrag gegebene Studie, dass sich 56 Prozent der Befragten von Radfahrern auf dem Gehweg bedroht fühlen. Stolze 32 Prozent fühlen sich sogar von jenen Radfahrern bedroht, die ordnungsgemäß auf dem Radweg fahren."

    ist damit eigentlich alles gesagt und der Artikel nebst Umfrage entlarvt sich selbst: 32% fühlen sich also auch von jenen Radfahrern bedroht, die ganz ordnungsgemäß auf dem Radweg fahren.

    Na dann. :-))))

    Schaffen wir die Radwege doch möglichst schnell wieder ab! Kurz: ich mag mich über so einen Unsinnsartikel gar nicht mehr aufregen. Ich gönne es mir, über derartige Stimmungsmache einfach nur noch abzulachen.

    Nicht vergessen: heute ist critical mass!

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    1. Ein schönes Beispiel dafür, dass man gern auf Radler schimpft. In Massen sind sie auch tatsächlich für Fußgänger schwierig, auch deshalb, weil Fußgänger nicht merken, wenn sie auf einem Radweg gehen. Deshalb gehören Radler auf die Fahrbahn, deutlich getrennt von Fußgängern. Allerdings muss man an den Ampelschaltungen was machen oder gelbe Pfeile einführen, weil Radler sonst viel zu oft viel zu lange an Ampeln warten müssen. Sehr komplex das Ganze.

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    2. Oder: Deshalb gehört Radverkehr nicht nur von Kraftfahrzeugen, sondern eben auch auch von Gehwegen separiert, also nicht auf die, sondern auf seine Fahrbahn.

      Unter den gleichen Annahmen, wie das für Radfahrer oft gefordert wird, kann man auch fordern, dass Fußgänger auf der Fahrbahn gehen, weil es dort sicherer sei. Dann merkt man mal, wie großartig diese Forderung immer ist.

      Nein, so läuft das nicht. Wenn wir Radfahrer immerzu davon reden, dass es auf der Straße sicherer wäre, kriegen wir nie ordentliche und vor allem eigene Wege. Und sicherer ist / fühlt sich auf der Straße bestenfalls ein Teil der bestehenden Radfahrer, und damit winziger Teil der potentiellen Radler.

      Beim Rest gehe ich gern mit; werden wir aber nicht bekommen, wenn immer unbedacht gegen Separierung der Verkehrsarten gewettert wird.

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    3. Sehe ich nicht ganz so wie du, Hannes. Radwege sind in der Stadt keine gute Lösung, weil sie vom Autoverkehr separiert sind und meistens an Fußwege angekoppelt werden, und weil Autofahrer Radler dann beim Abbiegen übersehen. Diese Abbiegeunfälle an Radwegen sind wirklich sehr häufig. Auf dem Land aber, da sind Rad-Schnell-Wege sehr sinnvoll. Ein Radler auf der Landstraße, das geht wirklich nicht, hier sind Autos zu schnell unterwegs. In der Stadt wiederum finde ich Radspuren an Tempo-50-Straßen gut, wohingegen in Tempo-30ß-Gebieten gar keine Pflastermalerei nötig ist, außer vielleicht, dass man sie generell zu Fahrradstraßen macht, wo Autos sich nach dem Tempo der Radler richten müssten.

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    4. Hallo Christine. Ich denke schon, dass man die Verkehrsarten auch in der Stadt ordentlich separieren kann (hatte das Wort "ordentlich" vergessen). Was ich meine: Wenn es Abbiegeunfälle gibt, ist offensichtlich nichts separiert, sonst käme man sich ja nicht in die Quere. Die meisten Radwege in Deutschland halte ich in dem Sinne nicht für "tatsächlich" separiert (ich finde es schwierig da einen klaren Begriff zu finden, der auch verstanden wird).

      Separieren geht räumlich und/oder zeitlich.

      Beispiel für räumliche Trennung: Radverkehrsnetz vom KFZnetz getrennt und ggf. gegeneinander verschoben. Unterführungen. Fahrradstraßen auch wirklich vom KFZ-Durchgangsverkehr trennen (geht super mit unbeweglichen Hindernissen)

      Beispiel für zeitlich: getrennte Ampelphasen nach Verkehrsarten

      Abbiegeunfälle lassen sich ja bekanntlich auch so schon verringern, wenn man zB. darauf achtet, dass es Sichtbeziehungen gibt, niedrige Geschwindigkeiten beim Abbiegen erzwingt (durch enge Radien). Solche Entschärfung muss man dann halt überall machen, wo es Schnittpunkte der Verkehrsarten gibt. Für Fußgänger gibt es sowas zum Teil schon lange.

      Kurz: Ich meine Separation der niederländischen Art. Und: ich habe kein Problem selbst auf der Fahrbahn zu fahren, aber wesentlich schöner ists wenn ich nicht die ganze Zeit auf KFZ aufpassen muss.

      Noch zu meiner ersten Antwort, wegen Trennung von Fuß- und Radverkehr:
      http://www.aviewfromthecyclepath.com/2014/11/shared-use-paths-create-conflict-and.html

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    5. Ich teile Hannes Meinung.

      Die Forderung „Radfahrende auf die Straße“ kann nicht die Lösung sein. Wenn es darum geht wo man am sichersten radfahren kann, scheinen sich immer die beiden Alternativen „auf der Straße“ und „auf dem Gehweg mit extra Fahrradstreifen“ in den Köpfen zu visualisieren, was dann dazu führt, dass „auf der Straße“ als die sicherste Lösung angesehen wird. Tatsache ist aber, dass sie nur die sicherere Lösung dieser beiden Alternativen ist.

      Ziel muss es sein Fahrradwege zu schaffen die sowohl getrennt vom motorisierten Verkehr als auch von Fußgängern verlaufen.

      Bleibt das Problem der Kreuzungen. Auch diese kann man bei getrennten Wegen (KFZ/Fahrrad/Fuß) sicher gestalten. Wie das funktioniert sieht man unter anderem an den niederländischen Beispielen die Zukunft Mobilität aufführt: http://www.zukunft-mobilitaet.net/7230/vergangenheit-verkehrsgeschichte/geschichte-niederlande-radwege-design-kreuzung-radverkehrsanlagen/

      Darin sieht man auch was an Geradeausspuren wie Robert-Koch-Straße in Vaihinger Markt (in S-Vaihingen) so gefährlich ist. (Einmal ganz zu schweigen von der anderen Richtung, wo der Schutzstreifen mit der Kreuzung einfach endet und man zu einem Versatz nach links gezwungen wird.)

      Der Trick bei dem niederländischen Modell liegt nicht nur in den Verkehrsinseln auf die in dem Video so stark eingegangen wird, sondern auch darin, dass die Begegung KFZ/Fahrrad dann zustande kommt, wenn der Autofahrende das Fahrrad vor sich hat. Damit das überall möglich ist, machen Fahrradwege oft einen Schwenk weg von der Fahrbahn (Beispiel: https://www.youtube.com/watch?v=a6gy-ojmdh8 ). Somit biegen Autos zuerst ab und erst wenn der Abbiegevorgang abgeschlossen ist, kommt es zum Begegnungsverkehr KFZ/Fahrrad mit Vorfahrt für Fahrräder. Bzw. die in dem Video von links kommenden begegnen zuerst dan Fahrrädern und erst danach kommt es zum Abbiegevorgang. So stehen Abbieger auch nicht auf dem Fahrradweg.

      Und schließlich wird bei größeren Kreuzungen ein Begegnungsvehrkehr komplett vermieden: http://youtu.be/mRQSBiX0bEQ?t=2m23s

      Weitere Videos gibt es hier: https://www.youtube.com/user/markenlei/featured
      Darunter auch Beispiele wo die Grenzen sind, bzw. was auch in den Niederlanden noch besser gemacht werden kann: https://www.youtube.com/watch?v=QoH8ZWszMwM

      Und was ist die Lehre daraus? Das niederländische Modell 1:1 übernehmen?

      Nein!

      Die Lehre daraus ist folgendes:

      Man kann nicht aus unsicheren Radwegen auf Bürgersteigen schließen, das Fahrradfahren auf der Straße am sichersten ist.

      Das Problem sind, wie schon oftmals erwähnt, nicht die geraden Strecken, sondern die Kreuzungen. Ziel muss es also sein die Kreuzungen möglichst sicher zu gestalten. Es bedarf Willen und Kreativität um das Problem anzugehen. Und mit Kreativität meine ich keinen Magic Roundabout, sondern Lösungen die
      - auf die individuellen Kreuzungen zugeschnitten sind, (Platzverhältnisse, Verkehrsaufkommen, Verkehrsmittel [in Stuttgart: mit oder ohne U-Bahn], …)
      - dabei für alle Verkehrsteilnehmenden einfach ersichtlich sind, (Komplexität führt zu Fehlern)
      - möglichst schnell umsetzbar sind und (ich will nicht erst 2030 sicher radfahren)
      - gemeinsame Grundlagen haben (man muss nicht überall das Rad neu erfinden; Gemeinsamkeiten steigern den Wiedererkerkennungswert; in den Niederlanden wären das die Verkehrsinseln)

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    6. Liebe Michael, ja, so ist das schön. Ich gucke mir sowas auch immer mal wieder an und berausche mich daran. Und dann denke ich an das Radforum und den Kampf um kleine Radspuren an irgendeiner Ecke, wo es den Autoverkehr nicht stört. Um so was zu bauen braucht es den absoluten Willen einer Stadt, es zu tun. Der ist in Stuttgart nicht erkennbar. Ich bin auch der Meinung, dass ein durchgängiges Radwegesystem in der Stadt für Radler am besten ist. Es darf nur eben keines sein, so wie bei uns, wo die Radwege nach wenigen Metern irgendwo auf der Fahrbahn oder dem Gehweg enden. Das macht das Radfahren für Radler auf Radwegen gefährlich. Ich mag die Fahrbahn auch nicht sonderlich, denn sie beschwert mir Autos-Stress von hinten und viel zu viele Ampeln, an denen ich viel zu lange warten muss.

      Was also sollen wir tun, um zu erreichen, was sinnvoll wäre? Wann machen wir den Aufstand der Radfahrer? Und wer nimmt teil?

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    7. Erstmal muss ich hier etwas unterscheiden. Das eine ist was die FahrradaktivistInnen fordern und das andere was der Staat (im konkreten Fall die Stadt Stuttgart) tut.


      Mich stört es wenn innerhalb der FahrradaktivistInnen immer diese Forderung nach „Fahrrad auf die Straße“ kommt. Und zwar nicht nur im konkreten politischen Vorhaben, sondern grundsätzlich. Das kann in der Praxis durchaus eine Verbesserung (Sicherheit, Wegfindung, Platzverhältnisse, …) sein, zeugt aber allgemein gesehen von Resignation und wenig Aussicht auf grundsätzliche Verbesserung.

      Das führt so weit, dass es nur darum geht ob Radwege auf dem Bürgersteig oder Schutzstreifen auf der Fahrbahn besser sind. Wie in den Kommentaren zum Artikel über die Situtation in Schmiden: http://dasfahrradblog.blogspot.de/2014/11/gut-durchdacht.html

      Dabei zeigt sich in den Kommentaren doch nur, dass alle möglichst sicher unterwegs sein wollen. (Und zusätzlich noch im eigenen Tempo radeln möchten. Eine gewisse Breite die Überholvorgänge erlaubt braucht es also auch.) Die einen finden es da die anderen dort sicherer. Gut durchdachte Radwege werden aber von allen als sicher empfunden.

      Ich habe das Gefühl man reibt sich hier eher selbst auf als gemeinsam für eine Besserung zu kämpfen. Überall Schutzstreifen hin, alle blauen Schilder weg und Bürgersteige grundsätzlich freigeben. Dann sind alle glücklich, weil jedeR fahren kann wie sie/er will. So scheint es jedenfalls.

      Nein, natürlich nicht die Lösung.

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    8. Nun zur Situation in Stuttgart.

      DIE Lösung wie es in Stuttgart besser werden könnte habe ich nicht. Ich bin noch nicht lange in Stuttgart und kenne die Strukturen, Initiativen und Vorhaben noch nicht sehr gut.

      Erstmal habe ich mich damit beschäftigt was es in Stuttgart für Möglichkeiten gibt aktiv zu werden. Eine Bestandsaufnahme sozusagen.

      Klar, da ist die Critical Mass. Es macht Spaß mitzufahren und zu sehen wie bunt die Welt der Fahrräder (vom Fahrrad von der Stange bis zum Fahrradbus) ist. Man zeigt, dass es viel Menschen in Stuttgart gibt, die die Stadt in Richtung besserer Fahrradinfrastruktur verbessern wollen. Aber ist es mehr als ein „Wir sind hier!“? Ich bin mir da nicht so sicher. Bei der CM mitzufahren genügt also nicht um etwas zu verändern.

      Also weitersuchen, was gibt es sonst noch für Möglichkeiten aktiv zu werden? Vereine vielleicht oder Bürgerinitiativen.

      Der ADFC? Schaut man auf deren Internetpräsenz findet man vor allem Touren.
      http://www.adfc-bw.de/stuttgart/

      Der VCD? Es gibt schonmal einen AK Radverkehr. Am Dienstag werde ich erstmals an einem Treffen teilnehmen. Mehr kann ich zum AK konkret noch nicht sagen. Ich war bei einer StattVerkehrsRunde, dem runden Tisch für Vorstand, Aktive und Gäste. Wenn das alle Aktiven waren, … :/
      Man merkt aber, dass der VCD in der Radpolitik aktiv ist. Die Mühlen mahlen langsam und der Widerstand in den Stuttgarter Gremien ist groß. (Beispiel Bismarckplatz–Schwabstraße–Schwabtunnel)
      http://www.vcd.org/vorort/stuttgart/

      Weitere Vereine oder Initiativen habe ich (noch) nicht gefunden. Man fragt sich wo die Masse der CM ist wenn es um konkretes geht.

      Bleibt noch die Stadt. Da gibt es das von Dir angesprochene Radforum. Ich weiß genau zwei Dinge über das Radforum. Zum einen, dass es das gibt (http://www.stuttgart.de/item/show/270441) und zum anderen, dass es das Hauptradroutennetz entwickelt hat (http://www.vcd.org/vorort/stuttgart/themen/fahrrad/hauptradrouten-netz/).

      Die Seite der Stadt zum Radforum ist ja schon ziemlich armselig. Die Informationen darüber sind ziemlich spärlich. Es gibt Projektgruppen, aber man sich nicht passiv darüber informieren was die so machen, man muss erst eine E-Mail schreiben. Das Radforum an sich trifft sich lediglich zweimal im Jahr. Kann man sich ja denken wie schwerfällig so ein Forum ist. Nach zwei Stunden hat man kaum etwas abgearbeitet aber keiner hat mehr Lust. Der nächste Termin? Bitte selbst im Veranstaltungskalender suchen. Er ist dort aber noch nicht zu finden, er wird dort erst zu finden sein. (So hört es sich an, ich hab es nicht überprüft.) Und wann wird er zu finden sein? Keine Aussage dazu. Hm.

      Soweit mein Eindruck zum Fahrradaktivismus.

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    9. (Ich durfte das nicht alles auf einmal posten, daher drei Kommentare.)


      Meinen Eindruck über die Stadt (über das Radforum hinausgehend) kann man hier im Blog gut nachvollziehen. Radwege die plötzlich im Nirgendwo enden. Baustellen ohne (sinnvolle) Umleitung die ein Vorankommen unmöglich machen.

      In der Stadt scheint man trotz allem nicht wahrzunehmen, dass es Radfahrende gibt. Die Stellen dafür scheinen, so habe ich mir sagen lassen, auch nicht gerade üppig zu sein. Ist die Verwaltung noch nicht auf den grünen OB eingestellt?

      OB Kuhn scheint die Bedeutung des Fahrrads verstanden zu haben (z.B. http://www.elektrobike-online.com/news/rad-szene-und-tourismus/-oeffentliche-personen-muss-man-auch-mal-mit-dem-fahhrad-sehen.766994.410636.htm), aber sieht man das auch an etwas anderem als an Worten? Warum sieht man die „Leute, die man öffentlich sieht“ nicht auch mal bei einer CM? Im Gegensatz zu anderen Städten handelt es sich um eine angemeldete Demonstration an der man ohne Gesichtsverlust teilnehmen kann. Wenn man bei der CM mitfährt sieht man auch einmal wie viel Platz man mit dem Fahrrad eigentlich benötigt und warum 2 Meter Platz für einen Radfahrstreifen bergauf keine Platzverschwendung sind. (http://www.vcd.org/vorort/fileadmin/user_upload/stuttgart/redaktion/Themen/Verkehrsplanung/Schwabstrasse-Schwabtunnel-VCD-S-Juli-2014.pdf)


      „Was also sollen wir tun, um zu erreichen, was sinnvoll wäre?“

      Ordentliche Radwege sind ein langfristiges Ziel. Leider. Zumindest bei jeder Neugestaltung sollte man sich aber einmischen. Gibt es dafür genügend Initiativen? Ich hab sie bisher nicht gefunden, aber vielleicht hab ich nur nicht genau/ausdauernd genug gesucht. Dort wo akute Gefahr besteht muss auch ohne geplante Änderungen Druck entstehen. Erreichte Ziele müssen verteidigt werden (Beispiel Tübinger Straße http://dasfahrradblog.blogspot.de/2014/10/die-tubinger-strae-braucht-jetzt-radler.html).

      Verschlechterungen (Baustellen) dürfen nicht hingenommen werden. Wo beschwert man sich am besten darüber? Die zuständigen Stellen sollen ruhig merken, dass es RadlerInnen nicht nur einmal monatlich zur CM gibt.

      Über das Hauptradroutennetz liest man: „Im Rahmen des Radforums haben (…) in vielen Sitzungen ein Hauptradrouten-Netz entworfen.“ Klingt als hätte jetzt auch niemand mehr Lust daran etwas zu ändern. Dabei gibt es alleine in den wenigen von mir betrachteten Stellen genügend Punkte wo ich mich frage was man sich wohl dabei gedacht hat.

      Dann ist immer von einer besseren Verzahnung von Verkehrsmitteln die Rede. Wie wäre es mit einer Forderung bestimmte Strecken bergauf komplett kostenlos zu machen. Schwabstraße → Universität, Eckartshaldenweg → Killesberg oder Bad Canstatt → Nürnberger Straße → Fellbach. Das mag sich nicht für alle wüschenswerten Strecken und nicht zu allen Zeiten umsetzen lassen, aber es nimmt/mindert vielleicht den Schrecken der vielen Berge.


      „Wann machen wir den Aufstand der Radfahrer?“

      Tagtäglich. Wegeheld (http://www.wegeheld.org/) hat gezeigt das Potential durchaus da ist viel zu erreichen (Beteiligung, Aufmerksamkeit, Umdenken) wenn die Beteiligung möglichst einfach ist.

      Was kann man in Stuttgart machen um voranzukommen?


      „Und wer nimmt teil?“

      Alle.

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    10. Nachtrag zum ADFC: Es scheint eine Radverkehrsgruppe zu geben. Informationen dazu ob sich die noch trifft und wenn ja, wann, habe ich nicht gefunden.
      http://www.adfc-bw.de/stuttgart/verkehrspolitik/radverkehrsgruppe/

      Die aktuellsten Informationen zum „Radverkehr in den Stadtbezirken“ sind von 2012/13.
      http://www.adfc-bw.de/stuttgart/verkehrspolitik/

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    11. Fahrräder sind Fahrzeuge. Fahrzeuge gehören auf die Fahrbahn. So einfach ist das. Dort fährt man im Sichtfeld der Autofahrer.

      Ich fasse mir immer wieder an den Kopf, wenn behauptet wird, die Separierung nach Fahrzeug sei sicherer als Mischverkehr. Meist von Leuten die sich nicht mit dem Thema befasst haben Es gibt Untersuchungen der BASt (Bundesanstalt für Straßenwesen). Unfallgefahr auf dem Radweg bis zu 12 mal höher!
      Die Berliner Polizei rät zu erhöhter Vorsicht auf Radwegen wegen der Unfallgefahr.
      Alle Unfallstatistiken zeigen die Unfallgefahr.

      Und das wird gerne von solchen Leuten wie Hannes und Michael einfach weg gewischt, den sie fühlen sich dort sicher. Sorry, Leute, aber gefühlte Sicherheit heißt nicht daß es wirklich sicher ist. Und Fußgänger mit Fahrzeugen zu vergleichen, da weiß ich echt nicht mehr.

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    12. Fahrräder sind aber keine Kraftfahrzeuge. Wenn wir so uneingeschränkt auf die Fahrbahn gehören, warum dann immer Schutzstreifen fordern?

      Die Unfallgefahr ist auf dem typisch deutschen Radweg natürlich höher, nicht jedoch auf den niederländischen. Die Untersuchungen der BASt beziehen sich auf den durchschnittlichen Radweg in Deutschland und auch die Berliner Polizei bezieht ihren Rat auf den existierenden Radweg in Berlin.

      Du sprichst das eine wichtige Thema an: Das Sichtfeld der Autofahrer. Noch wichtiger, das der LKW-Fahrer. Wie in dem Artikel von Zukunft Mobilität (bzw. den dort eingebundenen Videos) zu sehen haben sich die niederländischen Verkehrsplaner genau darüber Gedanken gemacht und die Kreuzungen so ausgelegt, dass Begegnungsverkehr (sofern er überhaupt stattfindet) im Sichtfeld sattfindet.

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    13. Lieber Michael K. Vielen Dank dafür, dass du mir und uns denken hilfst. Der Blog ist entstanden, weil auch ich keine Lobby für Radler gesehen habe, die sich nachdrücklich und dauerhaft in die öffentliche Diskussion einmischt. Ich habe letztes Jahr eine Veranstaltung gemacht, bei der 30 Radler mit gefahren sind (Tübinger Straße) und ich kann im kommenden Jahr Aktionen anbieten. Ich bin nach zweieinhalb Jahren bloggen nicht mehr ganz so alleine wie am Anfang. Das ist schön. Die Radpolitik scheitert in Stuttgart in der Regel am Gemeinderat, wo die Grünen und OB Kuhn ja nicht die Mehrheit haben, sondern sich Koalitionspartner suchen müssen.

      Und hinzu kommt, dass ja, wie du festgestellt hast, sich unter Radlern die Geister am Radweg scheiden. Ich sehe vor allem ein großes Sicherheitsbedürfnis bei den meisten Radlern, für die es Stress bedeutet, auf Fahrbahnen zu radeln. Viele lieben Gehwege, wo sie allerdings dann den Fußgängern Stress bereiten. Und das geht gar nicht. Nach meiner Erfahrung entstehen heftige Konflikte (und Zorn auf Kampfradler) immer dann, wenn Fußgänger und Radler gemischt werden. Und ich sehe nur eine Möglichkeit, Radler von Fußgängern zur trennen: indem man Radspuren auf die Fahrbahnen legt. Das wird in Stuttgart auch gemacht, allerdings arg gestückelt und mit meist sehr schlechten Übergängen auf die Fahrbahn und mit Ampeln, deren Phasen zu lang sind. Es fehlt in Stuttgart ein grundsätzliches Konzept, wie man Radverkehr fördern will: Dazu gehören halt nicht nur Hauptrouten, die stückweise ausgebaut werden, sondern auch Fragen wie: Wie lange sollen Radler an Ampeln warten (und tun sie es, oder suchen sie sich kreative Auswege über illegale Fußgängerampeln) und wie gehen wir mit Baustellen auf Radwegen um? Das sind, wie ich feststellen muss, sehr dicke Bretter. Und wir bräuchten dringend eine Form, wie wir uns politisch besser Gehör verschaffen als das bislang über ADFC, Criticall Mass und VCD passiert. Im Grunde müssten wir einen "Aufstand der Radfahrer" ins Leben rufen und immer wieder bestimmte Strecken öffentlichkeitswirksam testfahren.

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    14. Schutzstreifen forderte ich auch nicht. Ich will nicht im Öffnungsbereich von Türen fahren, ich will auch nicht, daß Autofahrer durch die Streifenmalerei quasi dazu angeleitet werden Radfahrer dicht zu überholen.

      Eine Unterscheidung nach Motorisierung ist nicht nur meiner Meinung nach in den allermeisten Fällen nicht nötig. Ausnahme sind vielleicht Autobahnen bzw. autobahnähnlich ausgebaute Straßen. Keinesfalls aber der große Rest.

      Damit bin ich keineswegs allein. Beispielsweise gibt es den ADFC-Beschluß der Bundeshauptversammlung zum Fahren auf der Fahrbahn. Leider wird der von manchen Verbänden wie dem Stuttgarter Verband zur Forderung nach Radstreifen pervertiert.

      Auch der VCD macht sich keineswegs für Rad- oder Schutzstreifen stark. SOlche Forderungen kommen nur von Automobilverbänden wie dem ADAC, oder eben einzelnen Leuten, die sich leider nicht genug mit dem Thema beschäftigt haben. Hinweise auf die Niederlande nutzen nichts. Dort gibt es dieselben Probleme, die dort genauso todgeschwiegen werden wie hier.

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    15. @Christine:
      Nein, ich helfe niemandem denken. Das ist auch gar nicht mein Ziel. (Alleine schon weil es so belehrend klingt. Als wüsste ich irgendetwas besser, was ich mitnichten tue.) Mein Ziel ist es, dass die FahrradaktivistInnen nicht vor lauter Frustration über fehlende oder langsame Entwicklung das Streben nach der Utopie aus den Augen verlieren.

      Welche Form wäre denn für Stuttgart geeignet um sich politisches Gehör zu verschaffen? Und ich meine hier erstmal die Organisationsform. Aktionsformen bedarf es vieler. Neben öffentlichkeitswirksamen Testfahrten gehört hier sicherlich auch die Lobbyarbeit hinzu.


      @MartinTriker:
      Das fahren auf der Straße ist ja schön und gut für alle die sich dort wohlfühlen. Allen die sich dort nicht wohl fühlen sollten aber trotz allem gute Alternativen geboten werden. Nur weil es gut geplante Radwege gibt, heißt es ja nicht, dass man dort eines der blauen Schilder aufstellen muss um alle auf die Radwege zu zwingen.

      Und spätenstens wenn man an Kinder ab 10 Jahren denkt, muss man nochmal gesondert darüber nachdenken ob die Straße wirklich so eine gute Alternative für alle RadfahrerInnen ist. Da brauchen wir auch gar nicht über den verkehrsberuhigten Bereich sprechen. Wie wärs mit einem 11-jährigen Kind in der Mitte der rechten Spur auf der König-Karl-Straße? (Ja, Todschlagargument, ich weiß.) Da wäre ich schon beim Zuschauen gefühlsmäßig kurz vorm Herzinfarkt.

      Eines der großen Ziele mehr Menschen aufs Fahrrad zu bekommen. Weder die bisherigen Gehwegradwege noch das Fahrbahnradeln haben uns diesem Ziel näher gebracht. Die Niederlande und Kopenhagen haben dieses Problem in diesem Umfang nicht mehr. Und ich denke schon, dass das auch mit an den guten Radwegen liegt. Ich sehe also nicht, dass dort die gleichen Probleme wie in Deutschland herrschen würden.

      Natürlich ist auch dort nicht alles perfekt. Aber man denkt in der Verkehrsplanung nicht nur an Autos, sondern auch an Fußgänger und Radfahrer. Man stellt sich bestehenden Problemen, ist selbstkritisch und versucht sich zu verbessern. In Deutschland gilt der berühmte Dreisatz: „Das haben wir schon immer so gemacht!“ „Das haben wir noch nie anders gemacht!“ „Wo kämen wir denn da hin?“

      Wenn wir uns als Radfahrer mit bedingungslosem Fahrbahnradeln zufrieden geben, brauchen wir uns nicht wundern, wenn die Verkehrsplanung allein für das Auto geschieht und uns nichts anderes bleibt als uns durch den Verkehr hindurchzuwursteln.


      Und bei dem Hindurchwursteln bin ich auch wieder beim Begriff Kampfradler. Der kommt ja nicht nur von der Mischung von Fußgänger und Radfahrern (und genauso nicht nur von der Mischung von Radfahrern und Autofahrern). Der kommt von Radfahrern denen nichts anderes bleibt als sich durch die bestehende Infrastruktur hindurchzuwursteln.

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    16. @Michael K. Das mit dem Denken war nicht ironisch gemeint. Nachdenken ist eines der wichtigsten Instrumente, die wir haben, um eine Situation ohne polemisches Vorurteilen zu erfassen. Und die Situation der Radler ist kompliziert, nicht nur, weil es die Wege sind, die wir uns suchen, sondern auch, weil es schwer ist ein Selbstverständnis aufzubauen, das sich nicht aus Gefühlen der Gegnerschaft oder der Vernachlässigung speist und dann bitter wird.

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    17. Martin: Ich fühle mich auf Radwegen nicht notwendig sicher, habe ich auch so gesagt. Ich habe keine Gefahren weggewischt, sondern mich ausdrücklich auf eine saubere Art der Trennung von Verkehrsarten bezogen. Klar, bei den hier real existierenden Wegen ist das Risiko natürlich größer.

      Warum vergleiche ich Fußgänger mit Fahrzeugen? Weil weder Fußgänger noch Radfahrer Kraftfahrzeuge sind. Weil, es vergleichbare Unfallmuster KFZ gegen Fahrrad und KFZ gegen Fußgänger gibt. Um klar zu machen, warum es zwischen den Verkehrsarten Fußgänger und Kraftverkehr so gut wie immer eine Separierung gibt. Und weil ich Vergleiche mit offensichtlichen Unterschieden mag, weil man so leichter den Blickwinkel ändern kann.

      Das es in den Niederlanden dieselben Probleme auch dort gibt, wo die Infrastruktur konsequent und sauber getrennt ist, ist mir neu. Hilfst Du mir bitte auf die Sprünge (Ja, das interessiert mich wirklich)?

      Bisher ging ich einfach davon aus, es würde stimmen, dass europaweit die Sicherheit bei Radfahren am größten ist. Schauen wir uns also mal Zahlen an; die für Deutschland kenne ich ganz gut, für NL habe ich ein anderes Jahr gefunden.


      | Land | Einwohner | Distanz je Tag | Unfaelle | Tote | KFZ-Verusacher |
      |---------+-----------+----------------+-----------+---------+-------------------------|
      | DE 2011 | 81800000 | 83000 [1] | 76750 [3] | 399 [3] | ~3% der Todesfälle [4] |
      | NL 2007 | 16300000 | 40750000 [2] | 7240 [2] | 189 [2] | ~50% der Todesfälle [2] |

      [1] Umweltbundesamt "Potenziale des Radverkehrs für den Klimaschutz", Kurzfassung, Seite 7, www.uba.de/uba-info-media/4451.html
      [2] http://www.tobysterling.net/2008/04/bike-injuries-and-deaths-in-netherlands.html, Primärquelle dort kaputt verlinkt, richtig ist http://www.rijksoverheid.nl/bestanden/documenten-en-publicaties/kamerstukken/2008/04/24/20083949-aantal-verkeersdoden-in-2007/20083949.pdf
      [3] Bundesamt für Statistik "Zweiradunfälle in Straßenverkehr"
      [4] Bundesamt für Statistik "Verkehrsunfälle" 2011

      In Summe sieht es eher so aus, als ob Radfahren in den Niederlanden je Kilometer grob 10000-mal so sicher wie in Deutschland ist. Die KFZ-Beteiligung bei den Todesfällen erscheint mir ebenfalls etwas niedriger als in Deutschland. Ich hätte Größenordnungen weniger erwartet, ehrlich gesagt.

      Übrigens, wenn man sich [4] anschaut und die Unfallzahlen von Radfahrern und Fußgängern vergleicht, bezüglich leicht/schwer Verletzte, getötete, Unfallverursacher usw., sieht das recht ähnlich aus.

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    18. http://www.adfc-nrw.de/kreisverbaende/kv-bottrop/radverkehr/radwegsicherheit.html ziemlich unten. Den Rest kannst du googlen. Ebenso warum Vergleiche von Personenkilometern wenig aussagefähig sind.
      Bei Youtube findest du auch "schöne" Beispiele.

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  2. Kampfradler ist leider ein Begriff der für so viele verschieden Situationen hergenommen wird, dass der Vergleich zum Jaywalker etwas hinkt. Mehr noch, wenn jemand wirklich unachtsam mit deinem Rad auf die Fahrbahn fährt und dabei von einem Auto erfasst wird, dann wird wohl keiner von Kampfradler reden.
    Der Vergleich triff ja eher auf jene Radler zu, die sich beschweren, dass Fussgänger blind und unachtsam über IHRE Radwege laufen - Radwege die man mitten auf Gehwege gepinselt hat...ach ne, das wäre ja kein Vergleich, sondern exakt die gleiche Situation.

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    1. Lieber Axel, das ist natürlich sehr sorgfältig und klug überlegt, was du schreibst. Der Kampfradler ist kein Tölpel, so wie der Jaywalker. Aber der Bergriff ist ein Kampfbegriff der Autolobby (und der Fußgänger), der Radfahrer kriminalisieren und zu Rüpeln abstempeln soll. Der Kampfradler von nicht Radlern gesehen, ist eine Fußwegradler, der ohne Licht vom Gehweg über die rote Ampel in die Fußgängerzone rast. Den muss man kontrollieren, da muss Polizei her und so weiter. Das lenkt davon ab, dass für Radler hier und anderswo die Routen und Wege kaum gebahnt sind, und er sich sein Durchkommen suchen muss. Ich glaube daran, dass Radler besser zu disziplieren sind, wenn sie erleben, dass man ihnen Wega bahnt und Raum gibt. Auch dann gäbe es noch einige Kampfradler, aber die würden von Radlern selbst geächtet werden.

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    2. Ich verstehe schon wie Du es meinst, nur wollte ich darauf hinweisen, dass das ganze halt doch viel vielschichtiger ist - und das fängt eben dabei an, dass der Begriff eben ganz unterschiedlich verwendet wird und eben wie im Kommentar oben oft sogar dann, wenn der Radler sich komplett korrekt verhält. Und da gibt es dann auch schon wieder zwei Varianten - jene die die Verkehrsregeln nicht richtig kennen und jene, die trotz dieses Wissens, der Meinung sind, der Radler müsse sich trotzdem anders verhalten als er es tut.
      Und wenn ein Fussgänger auf einem zu schmalen Gehweg mit einem zu schmalen (benutzungspflichtigen) Radweg der Meinung ist, dass ein 25 km/h schneller Radler ein Kampfradler ist, dann kann ich das irgendwie nachvollziehen. Ob der Fussgänger sich da unbedingt Gedanken machen muss, dass der eigentlich Schuldige in der Stadtverwaltung sitzt, weiss ich nicht.
      Wenn ein Radweg endet, dann fährt man halt auf der Fahrbahn weiter - wer da auf dem Gehweg fährt, brauch sich nicht über Kampfbegriffe beschweren. Klar, wenn der Radweg weiter gehen würde, gäbe es diesen Kampfradler nicht - ist aber nicht so, also muss ich mich an das halten was da ist oder damit leben, dass andere solche Begriffe nutzen. Das ist so wie bei Autofahrern die Radarfallen als "reine Abzocke" bezeichnen. Mag sogar teilweise stimmen - aber denen kann ich auch nur sagen - da gibt es ein ganz einfaches mittel nicht abegezockt zu werden...

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  3. Für mich sind ja Kampfradler eigentlich eher so Leute wie zB CyclingMikey auf Youtube (https://www.youtube.com/channel/UCm6g2GP912ku4lPd-155-Vw), die permanent Leute anschreien, den größten Sicherheitsabstand einfordern, sich aber dann überall durchquetschen und andere permanent belehren wollen. Außerdem Leute, die ja ihre Rechte gewahrt sehen wollen (gegenüber Autofahrern) aber keinerlei Toleranz gegenüber Fußgängern an den Tag legen. Zugegeben, so etwas habe ich hierzulande auch noch nicht gesehen.

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    1. Für mich ist Kampfradler sogar ein liebevoll spöttischer Begriff für die Radler in Montur, die mit Helm und Schweißwolken zu Konferenzen einlaufen, also für die Gestählten, die überall hin mit dem Rad fahren.

      Aber für Leute, die nicht differenzieren, sondern gegen Radler ganz allgemein hetzen wollen, ist das ein willkommener Begriff um Radler zu Rowdys zu erklären, die, so wie du sagst, Fußgänger scheuchen und Autofahrer beschimpfen.

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    2. haha, das habe ich mir verkniffen :) Danke

      danke aber auch für deinen tollen Blog im Ganzen. Ich lese sehr gerne deine Beiträge und finde toll, das du die Antworten und Kommentare beachtest. LG aus Ludwigsburg

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    3. Danke auch. Ich schaffe es zwar nicht, auf alle Kommentare zu antworten, aber für mich sind die sehr wichtig zur Korrektur meiner eigenen Ansichten.

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  4. Es trifft heute immer noch zu einem guten Teil Kinder; vielleicht weniger als die Hälfte, (weil Kinder dank des Kraftverkehrs heute weniger zum Stadtbild gehören?), aber mit einem deutlichen Anteil nach wie vor.

    Statt Jaywalking ist dann von der Polizei in der Regel die Rede von "achtete nicht auf den Straßenverkehr", selbst bei grüner Fußgängerampel, oder Überweg. Noch unerfreulicher ist aber der gängige Sprachgebrauch, es heißt dann gern: "der/die Fahrer(in) hatte gar keine Chance". Finde ich nochmal eine Nummer härter als das übliche "Übersehen werden".

    Genau wie bei den angesprochenen Kampfbegriffen, daran erkennt man ganz gut was gesellschaftlich akzeptiert wird.

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  5. Friedhelm Waitzmann10. Dezember 2014 um 03:16

    Zu zu Michael K., 7. Dezember 2014 um 17:21.txt:

    »Darin sieht man auch was an Geradeausspuren wie Robert-Koch-Straße in Vaihinger Markt (in S-Vaihingen) so gefährlich ist.«

    Was willst Du dann? Einen Radfahrstreifen, Hochbordradweg oder Schutzstreifen? Dann viel Spaß mit dem Abbiegertotwinkelrisiko!

    Du willst das ausschließen mit getrennten Grün‐Phasen für geradeausfahrende Radfahrer und rechtsabbiegende Kraftfahrzeuge? Dreimal darfst Du raten, ob Radfahrer oder Autofahrer länger Rot haben. Tipp: Was verbraucht mehr Platz: ein Auto‐ oder ein Radfahrerstau?

    Wie sollen Radfahrer dann links abbiegen? Natürlich indirekt, wie sonst! Viel Spaß damit, an einer – verglichen mit dem Autoverkehr – zusätzlichen Ampel auf Grün zu warten!

    Darüber hinaus vergiftest Du so das Verkehrsklima: Jeder Radfahrer, der es dann noch wagt, auf dem Geradeausfahrstreifen zu fahren – sei es, dass keine Radverkehrsführung vorhanden ist oder nur eine ohne Benutzungspflicht –, wird so wahrgenommen: »Der hat auf unserer Straße nichts verloren!« Das ist nicht herbeifantasiert sondern mir geschehen bei einem Unfall auf der Talstraße an der Kreuzung mit der Schönbühlstraße (Google‐Maps). An dieser Kreuzung gibt es keine eigene Führung für den Radverkehr. Ich kam von Nordosten her auf dem Fahrstreifen für Geradeaus, und mir ist einer hinten drauf gefahren. Ich war langsam, deshalb waren es auch die Fahrzeuge hinter mir, außerdem ging es bergauf. Das Fahrzeug hinter mir hat auf dem Rechtsabbiegerfahrstreifen illegal rechts überholt. Und der dahinter Nachfolgende hat nicht ebenfalls überholt, ist aber auch nicht auf Sicht gefahren. Der Verkehrsunfall wurde von der Polizei aufgenommen. Ich habe dann mitbekommen, wie die Beifahrerin des Fahrers, der mich von hinten erwischt hat, einem Polizisten gegenüber geäußert hat, dass das doch wohl verboten sei, mit dem Fahrrad so mitten auf der Straße zu fahren. Der Beamte wusste Bescheid und hat ihr ganz klar gesagt, dass der Radfahrer (also ich) dort völlig zu Recht fuhr und auch fahren musste.

    Zurück zur Kreuzung in Vaihingen: Wie man als Radfahrer mit Richtungsfahrstreifen klar kommt, war in diesem Blog schon öfter Thema:

    Linksabbiegen

    Linksabbiegen

    Linksabbiegen

    Linksabbiegen

    Linksabbiegen

    Links oder rechts?

    Kreatives Verhalten

    Wenn man es genau überlegt ...

    Wenn man es genau überlegt ...

    Kampfbegriff Kampfradler

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, publicJJJJMM.fwnsp@spamgourmet.com

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    1. Friedhelm Waitzmann10. Dezember 2014 um 11:17

      Korrektur siehe Friedhelm Waitzmann, 10. Dezember 2014 um 11:04.

      Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, publicJJJJMM.fwnsp@spamgourmet.com

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    2. Ich denke Michael hat sich klar ausgedrückt. Man kann getrennte Infrastruktur so gestalten, dass bei Begegnungen die Sicherheit erhöht ist. Und unter der Vorraussetzung fordere ich das dann. Man muss halt ersthaft Maximalforderungen stellen, damit man was sinnvolles bekommt. Stelle dir bitte folgende Frage: Wie müsste separierte Radverkehrsinfrastruktur aussehen, damit du sie selbst nutzen möchtest?

      Ich kann, wenn ich will, zB einen Teil meiner Wege völlig abseits von Autos machen, in der Stadt, nur ein paar Querungen und ein paar Nebenstraßen. Geht super.

      Du kommst übrigens recht feindlich daher. Weder Michael noch ich wollen dir etwas wegnehmen. Aber ich könnte sagen, Du willst meinen Kindern was wegnehmen.

      Und ganz ehrlich, man wird hier nicht gefährlich überholt weil man nicht auf dem Radweg fährt, sondern im Prinzip im Immer, sogar wenn man auf dem Hochbord-Radweg fährt sind die Abstände häufig gefährlich. Auf der Straße häufiger, weil die Gelegenheit häufiger eintritt.

      Wenn ich auf der Straße fahre, muss ich letztlich genauso auf Rechtsabbieger aufpassen, wie auf dem Radweg.

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    3. Wenn du schon Kinder ins Spiel bringst: ich habe etwas dagegen wenn meine Kinder im Straßenverkehr gefährdet werden. Daher werde ich ihnen so früh wie möglich beibringen wie gefährlich Radwege/-streifen/Schutzstreifen sind.

      Anders ausgedrückt: du willst mit deinen Forderungen nach solchen Wegen meinen Kindern etwas weg nehmen, nämlich die Möglichkeit sicher Rad zu fahren.

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  6. Friedhelm Waitzmann10. Dezember 2014 um 05:06

    Zu Michael K., 8. Dezember 2014 um 19:34:

    »Nur weil es gut geplante Radwege gibt, heißt es ja nicht, dass man dort eines der blauen Schilder aufstellen muss um alle auf die Radwege zu zwingen.«

    In Stuttgart schon. Stuttgart geht sogar noch weiter: Wo ein Radfahrer seine in der StVO gewährten Rechte wahrnimmt, bekommt er vom Ordnungsamt er eine MPU aufgedrückt.

    »Wie wärs mit einem 11-jährigen Kind in der Mitte der rechten Spur auf der König-Karl-Straße?«

    Dann ist es umso nötiger, dass Unerschrockene wie ich auf Fahrbahnen fahren, Du aber propagierst, etwas zu unternehmen, was zu Fahrbahnverboten führt oder zumindest den Eindruck erweckt, Fahrbahnradfahren sei grundsätzlich verboten. Und die Halunken damals im Ordnungsamt bei dem MPU‐Fall reiben sich die Hände.

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, publicJJJJMM.fwnsp@spamgourmet.com

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  7. Friedhelm Waitzmann10. Dezember 2014 um 06:00

    Zu

    »In Deutschland gilt der berühmte Dreisatz: „Das haben wir schon immer so gemacht!“ „Das haben wir noch nie anders gemacht!“ „Wo kämen wir denn da hin?“«

    Da drehe ich Dir doch glatt Deine Worte im Mund herum: Genau. Seit den 1930er‐Jahren, als die ersten Radwege gebaut wurden, ging es nur darum, Radfahrer von der Fahrbahn zu bekommen, damit die Autos freie Bahn hatten. Die Lüge, das sei ja alles nur zum Schutz der Radfahrer, kam erst später hinzu.

    »Wenn wir uns als Radfahrer mit bedingungslosem Fahrbahnradeln zufrieden geben, brauchen wir uns nicht wundern, wenn die Verkehrsplanung allein für das Auto geschieht und uns nichts anderes bleibt als uns durch den Verkehr hindurchzuwursteln.«

    Du hättest kürzlich mit mir an einem Samstagnachmittag von Stuttgart nach Tübingen radeln sollen. Auf dem letzten Stück gab es nur eine zur Kraftfahrstraße gemachte Bundesstraße. Da musste ich dann selber eine Ausweichstrecke abseits jeglicher Wegweiser suchen, die allerdings auch nicht nach Tübingen hinein führte, sondern vorher wieder zur Kraftfahrstraße zurück. Da gab es dann gnädigerweise einen Wegweiser auf eine Ausweichstrecke für Fahrzeuge, deren bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit unter 60 km/h liegt. Okay, bin dem Wegweiser gefolgt. Nach einiger Zeit folgte ein weiterer Wegweiser, auf dem das Gleiche zu lesen war, später dann ein dritter, auf dem nur noch die Fahrzeugart zu sehen war, dass es um einen Weg nach Tübingen geht, war nicht mehr drauf vermerkt. Das war's dann, es gab keine weiteren Wegweiser mehr. Hingefunden habe ich nur deswegen, weil mir Welche zu Rad entgegenkamen, die ich dann fragen konnte, ob ich noch auf dem richtigen Weg nach Tübingen bin. Auch habe ich dann in größerer Entfernung (wohl einige Fahrminuten Abstand) das Rücklicht eines Radfahrers ausgemacht, der ähnlich schnell wie ich fuhr, jedenfalls habe ich ihn nicht einholen können. Wenn der also doch recht schnell unterwegs ist, dann ist das keiner, der nur fährt, um mal zu fahren sondern um anzukommen. Also bin ich ihm gefolgt, habe ihn dann aus den Augen verloren, aber so doch nach Tübingen gefunden. Nur: Wo kam ich an? In einem Wohngebiet, wo natürlich kein Wegweiser nach Tübingen‐Bühl zu sehen war, wohin ich wollte. Ich musste mich dann durchfragen. Das häufige Anhalten dazu hat mich ziemlich Zeit gekostet.

    So etwas bekommst Du, wenn Du Fahrradverkehrsführung forderst. Was ich will, das ist eine Straße für alle Verkehrsarten. Dort findet man dann nämlich auch Wegweiser. Dann gibt es auch kein Hindurchwursteln, stvogemäßes Fahren reicht.

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, publicJJJJMM.fwnsp@spamgourmet.com

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    1. Sehr eindrucksvoll, lieber Friedhelm. Und ich dachte immer Tübingen ist eine Radlerstadt, die sich um seine Radler kümmert, folglich auch darum, wie sie überhaupt nach Tübingen kommen.

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    2. Lieber Friedhelm: Ja, wir wissen alle, dass der jetzige Status Verbesserungswürdig ist. Darum ging es. Und während du gern im Abgas stehe darfst, fahren deine Nachbarn vielleicht entspannt in der Fahrradstraße zwei Blöcke weiter auf dem inzwischen ausgebauten Radverkehrsnetz. Oh nein! Die Fahrradstraße gibt es ja nicht. Durften wir nicht fordern. Weil gemeinsames Fahren auf der Hauptverkehrsraße sicherer war.

      Eine Frage: fährst Du lieber zB auf dem Oder-Neiße-Radweg oder doch 10km parallel auf der Bundesstraße?

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    3. @Hannes: eine Fahrradstraße ist weder Radweg noch Rad-/Schutzstreifen. Und ein touristischer Weg hat mit einer Strecke für Alltagszwecke wenig gemein.

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  8. Friedhelm Waitzmann10. Dezember 2014 um 07:04

    Zu Michael K., 7. Dezember 2014 um 21:30:

    »In der Stadt scheint man trotz allem nicht wahrzunehmen, dass es Radfahrende gibt.«

    O doch! Wenn man sie nicht wahrnähme, hätte man nirgendwo Radverkehrsverbote angeordnet.

    »Ist die Verwaltung noch nicht auf den grünen OB eingestellt?«

    Sie ist darauf eingestellt, dass der Autoverkehr fließen muss, koste es, was es wolle: Feinstaub, Verlangsamung des Radverkehrs durch viele Zwischenhalte aufgrund indirekten Abbiegens und Radwegeverschwenkung in einmündende Straßen hinein usw.

    Nota bene: Es geht mir nicht darum, das Autofahren zu vergällen. Es geht mir nur darum, nicht selbst ausgebremst zu werden, damit der Autoverkehr bevorzugt werden kann.

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, publicJJJJMM.fwnsp@spamgourmet.com

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    1. Was ich besonders schwierig finde in Stuttgart ist, dass zwar mithilfe des Radbauftragten Radrouten geplant und Stück für Stück umgesetzt werden, dass es aber keine grundsätzlichen Überlegungen dazu gibt, wie man den Radverkehr fördern, das heißt, das Radlen erleichtern will. Etwa durch entsprechende Ampelschaltungen und zeitsparende Übergänge etc. Fahrbahnmalerei und hier und dort man ein Radweg, das ist keine Radpolitik

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  9. Friedhelm Waitzmann10. Dezember 2014 um 12:57

    Zu Michael K., 7. Dezember 2014 um 21:28:

    »Mich stört es wenn innerhalb der FahrradaktivistInnen immer diese Forderung nach „Fahrrad auf die Straße“ kommt. Und zwar nicht nur im konkreten politischen Vorhaben, sondern grundsätzlich.«

    Genau, weil – so die Meinung derer, die das vertreten – alles Andere den Radverkehr gefährdet und ausbremst, nur damit der Autoverkehr noch ein bisschen schneller ablaufen kann.

    »[…] zeugt aber allgemein gesehen von Resignation und wenig Aussicht auf grundsätzliche Verbesserung.«

    Das ist Deine Sicht; Martin Triker et al., zu denen ich auch gehöre, sehen es anders: Wo man ohne Radverkehrmalereien auf der Fahrbahn fahren darf, ist's am sichersten. Nennst Du das Resignation, wenn man auf einer erlaubten Hauptverkehrsstraße fährt und eine MPU aufs Auge gedrückt bekommt? Nennst Du das Resignation, wenn man auf den Unfallforschungsdienst der Versicherer verweist, der vor Abbiegertotwinkelunfällen warnt?

    »Das führt so weit, dass es nur darum geht ob Radwege auf dem Bürgersteig oder Schutzstreifen auf der Fahrbahn besser sind. Wie in den Kommentaren zum Artikel über die Situtation in Schmiden«

    Dann hast Du weder Martin, noch mich verstanden. Also ganz deutlich: Hochboardradweg ist am gefährlichsten, eventuell etwas weniger gefährlich sind Schutzstreifen und Radfahrstreifen, am wenigsten gefährlich ist das Fahren auf dem von Autos befahrenen Fahrstreifen ohne Radverkehrmalereien.

    »Dabei zeigt sich in den Kommentaren doch nur, dass alle möglichst sicher unterwegs sein wollen. […] Die einen finden es da die anderen dort sicherer.«

    Das bringt die Sache auf den Punkt.

    »Gut durchdachte Radwege werden aber von allen als sicher empfunden.«

    Jetzt versuchst Du, mich und andere zu vereinnahmen. Das wird Dir nicht gelingen.

    »Ich habe das Gefühl man reibt sich hier eher selbst auf als gemeinsam für eine Besserung zu kämpfen.«

    Nein, die zwei von mir genannten Parteien ziehen am selben Strick, ja, aber nicht am selben Ende.

    »Überall Schutzstreifen hin, alle blauen Schilder weg und Bürgersteige grundsätzlich freigeben. Dann sind alle glücklich, weil jedeR fahren kann wie sie/er will. So scheint es jedenfalls.«

    Nein, so ist es leider nicht. Die Hauptstätter Straße, wo das MPU‐Unrecht seinen Anfang nahm, hat durch die Unterführungen hindurch nichts, was als ein Fahrbahnverbot für Radfahrer interpretieren ließe. Das war reine Willkür. Und je mehr Radverkehrsonderführungen es gibt, desto selbstverständlicher wird die falsche Meinung, die StVO verbiete das Radfahren auf allgemeinen Fahrbahnen.

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  10. Friedhelm Waitzmann12. Dezember 2014 um 22:30

    Zu Hannes, 11. Dezember 2014 um 03:22:

    »Die Fahrradstraße […] durften wir nicht fordern. Weil gemeinsames Fahren auf der Hauptverkehrsraße sicherer war.«

    Wenn die Fahrradstraße wirklich Straße für alle ist, ist aus Sicherheitsgesichtspunkten nichts dagegen zu sagen:

    Radfahrer fahren da, wo Autos fahren, und sind deshalb dort, wohin Verkehrsteilnehmer ihre Aufmerksamkeit richten, weil sie ja kein Auto übersehen wollen.

    Tür‐auf‐Unfälle? Radfahrer fahren da, wo Autos fahren, und haben deshalb (im Gegensatz zu Radwegen, Radfahr‐ u. Schutzstreifen) ebenfalls ausreichenden Abstand zu geparkten Fahrzeugen.

    Abbiegertotwinkelunfälle? Radfahrer fahren da, wo die Autofahrer fahren, die in derselben Richtung abbiegen wollen, insbesondere fahren geradeausfahrende Radfahrer nicht rechts von rechtsabbiegenden Autofahrern.

    Also ist soweit Alles bestens.

    Aber: Selten sind Fahrradstraßen durchgehende Hauptstraßen. Die Zahl der Kreuzungen, an denen man auf Grün warten oder Vorfahrt gewähren muss, ist höher. Vergleiche beispielsweise den Weg vom Neckartor nach Bad Cannstatt: für Autos die Kraftfahrstraße »am Neckartor«, dann Cannstatter Straße durch den Schwanentunnel hindurch auf die König‐Karls‐Brücke neben dem Mineralbad Leuze, für Radfahrer die Neckarstraße mit mehr Ampelhalten an Kreuzungen. Aber Radfahrer haben ja Zeit.

    Und wenn du auf der Durchreise durch Stuttgart bist z.B. von Böblingen her nach Fellbach: Was sollen die Radfahrer dann an der Kreuzung zur Villastraße (beim SWR) machen? Auf die Villastraße nach links abbiegen? Die führt zur Kraftfahrstraße. Was dann? Nur mit Glück entdeckt man den in den Park ansteigenden Radweg. Aber wo dann im Park der Weg nach Fellbach weitergeht, darüber wird man unwissend gelassen. Oder sollen sie an der Kreuzung zur Villastraße geradeaus weiter auf der Kuhn‐ und Steubenstraße? Und wie geht's dann nach Fellbach? Eigentlich müsste man dann zu Fahrradrouten fordern, dass die Wegweisung genauso deutlich ist, wie auf den Autostraßen. Ein kleines Schildchen, auf dem in Grün auf Weiß »Tallängsweg« steht, sagt mir als Ortsfremder überhaupt nichts. Außerdem übersehe ich es bei Dunkelheit. Aber Radfahrer brauchen ja keine Orientierung, die fahren nur Brötchenholen.

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  11. Friedhelm Waitzmann12. Dezember 2014 um 22:36

    Fortsetzung zu Friedhelm Waitzmann, 12. Dezember 2014 um 22:30:

    Ich brauche in meinem Beispiel einen Wegweiser nach Fellbach oder Waiblingen, ganz wie auf den Autostraßen auch. Und der müsste an jeder Abzweigung, wo nicht intuitiv klar ist, wie der Weg nach Fellbach weitergeht, wiederholt werden, weil ich ja schließlich in vernünftiger Zeit ankommen will und nicht immer wieder anhalten, um zu schauen, ob ich auf meiner Übersichtskarte vielleicht doch noch irgendwas Hilfreiches entdecken kann. Ich kann schon jetzt das Gemaule hören, dass der Aufwand für solche Wegweisung zu hoch ist.

    Du siehst, man findet sich nur zurecht, wenn man sich in Stuttgart auskennt oder einen Stadtplan dabei hat. Die Radverkehrsführungsplaner denken also gar nicht an Wegweisung für größere Strecken, denn in ihrer Vorstellung spielen Radfahrer ja nur Straßenverkehr. Wer wirklich vorankommen muss, nimmt ein Auto. Das war übrigens auch das Problem auf meiner Fahrt nach Tübingen kürzlich.

    »Und während du gern im Abgas stehe darfst, fahren deine Nachbarn vielleicht entspannt in der Fahrradstraße zwei Blöcke weiter auf dem inzwischen ausgebauten Radverkehrsnetz.«

    Und obwohl die Fahrradstraße auch als Teil eines Radverkehrsnetzes eingerichtet wird, finde ich sie wahrscheinlich gar nicht, und wenn ich zufällig drauf stoße, weil ich eine Kraftfahrstraße meiden muss, fehlen dann die überörtlichen Wegweiser in guter Erkennbarkeit und überall dort, wo man sich fragt, wie es jetzt weiter geht.

    Und alle diese Probleme nur, weil die heilige Kuh, dass der Autoverkehr vom Radfahrer freie Straßen braucht, nicht geschlachtet werden darf. Jede Radverkehrsonderführung senkt die Hemmschwelle, Autostraßen für Radfahrer zu sperren, erzeugt Neid oder Unwillen, »Die Radfahrer lassen sich von unseren Kraftfahrzeugsteuern bezahlen«, und vergiftet so das Verkehrsklima und Rechtsempfinden (Polizei, Ordnungsamt: 1, 2, MPU bei Google‐Groups; Beifahrerin bei Unfall) auch dort, wo gar keine Radverkehrsonderführung ist.

    »Eine Frage: fährst Du lieber zB auf dem Oder-Neiße-Radweg oder doch 10km parallel auf der Bundesstraße?«

    Was ich darauf antworte, kannst Du Dir jetzt denken: Wenn es um Radwandern oder ‐spazieren geht, habe ich eine entsprechende Karte dabei oder kann es mir leisten, an jeder Abzweigung nach dem Wegweiser zu suchen. Dann mag so ein Radweg schön sein. Aber wenn ich 50 km von A nach B will, dann will ich da auch in vernünftiger Zeit ankommen, und ja, dann sind mir zehn, sogar 50 Kilometer auf der Bundesstraße lieber.

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, publicJJJJMM.fwnsp@spamgourmet.com

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  12. Zu Hannes, 11. Dezember 2014 um 02:37:

    »Stelle dir bitte folgende Frage: Wie müsste separierte Radverkehrsinfrastruktur aussehen, damit du sie selbst nutzen möchtest?«

    Ich stelle fünf Mindestforderungen (Alles, was dahinter zurückbleibt, ist unannehmbar) an Radverkehrsinfrastrukturen:

    1. Forderung: Radverkehrsinfrastruktur muss genauso schnell und leicht zu befahren sein, wie die Fahrbahn, die sie ersetzen soll: Überlandstraßen sind ja oft in hügeliges Gelände eingeschnitten, d.h., statt eine Straße einen Hügel hinauf‐ und dann auf der Gegenseite wieder hinunterzuführen, wird in den Hügel eine Schneise ohne Steigung und Gefälle geschnitten, durch die die Straße läuft. Radverkehrsführungen, die dann die Straße begleitend angelegt werden, passen oft nicht mit in die Schneise hinein und laufen deshalb über das hügelige Gelände zu beiden Seiten der Schneise. Dieses Bergauf und ‐ab verbraucht unnötig Energie, verringert somit eigene Reichweite und Durchschnittsgeschwindigkeit. Ebenso wirkt sich ein weniger glatter Bodenbelag aus. Ein weiterer Gesichtspunkt ist die Kurvigkeit. Ist eine Radverkehrsführung im Vergleich zur verbotenen Straße kurviger geführt, führt das zu einer Verlängerung des Fahrwegs und damit zu höherem Energieverbrauch und Fahrzeit oder anders herum zu geringerer Durchschnittsgeschwindigkeit. Muss man darüberhinaus auch noch bremsen, weil sonst die Kurven zu eng sind, ist die Bilanz nochmal schlechter.

    2. Forderung: Eine Radverkehrsinfrastruktur darf nicht mehr Wartezeit verursachen als die Autofahrbahn. Ist z.B. an einer Kreuzung gemeinsam für geradeausfahrende und rechtsabbiegende Autos 25 s Grün und 35 s Rot (davon 5 s für Radfahrer‐ und 30 s für Querverkehrgrün) und für Radfahrer in denselben Abbiegerichtungen 5 s Grün und 55 s Rot (davon 25 s für Rechtsabbieger‐ und 30 s für Querverkehrgrün), ergibt sich bei zufälliger Ankunft an der Kreuzung für Autos folgende Wahrscheinlichkeiten dafür, dass man innerhalb der angegebenen Wartezeit Grün erhält. ≥ 0 s warten: 35/60, ≥ 1 s warten: 34/60, ≥ 2 s: 33/60, …, ≥ 34 s: 1/60, (trivial, tritt nie ein) ≥ 35 s: 0/60. Für Fahrräder sieht das so aus: ≥ 0 s: 55/60, ≥ 1 s: 54/60, …, ≥ 54 s: 1/60, (trivial, tritt nie ein) ≥ 55 s: 0/60. Ein Autofahrer muss nie länger als 35 s warten, ein Radfahrer aber in (55 - 35) / 60 = 20/60 aller Fälle. Ein Autofahrer erhält bei einer Geduldsfadenlänge von 0 s in 25/60 aller Fälle Grün, ein Radfahrer in 5/60 aller Fälle. Ich finde es unannehmbar, wenn die Maximalwartezeit bis Grün für Radfahrer länger ist als für Autofahrer; das dürfte aber häufig der Fall sein, weil der Grünanteil an einem Steuerungsumlauf über die Anzahl der Fahrzeuge, die pro Umlauf durchkommen, entscheidet. Und da normalerweise viel mehr Autos als Fahrräder unterwegs sind und ein Autostau heikler ist (weil er mehr Platz pro Fahrer braucht), wird das dann so gemacht. Zur Wartezeit für Fahrräder muss auch gerechnet werden, wenn eine Radverkehrsführung im Vergleich zur Autoverkehrsführung mehr wartepflichtige Knotenpunkte hat oder die Straßenseite wechselt, weil man da ja warten muss, bis die Straße frei ist, bzw. die Querungsampel Grün zeigt.

    3. Forderung: Eine Radverkehrsinfrastruktur darf nicht dreckiger sein als die Fahrbahn, die sie ersetzen soll. Staubige Pisten verdrecken die Kette; es bildet sich mit dem Schmiermittel an der Kette eine Schleifpaste, die den Antrieb ruiniert.

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  13. Zu Hannes, 11. Dezember 2014 um 02:37:

    »Stelle dir bitte folgende Frage: Wie müsste separierte Radverkehrsinfrastruktur aussehen, damit du sie selbst nutzen möchtest?«

    Ich stelle fünf Mindestforderungen (Alles, was dahinter zurückbleibt, ist unannehmbar) an Radverkehrsinfrastrukturen:

    4. Forderung: Eine Radverkehrsinfrastruktur muss gleich gute Wegweisung bieten wie die Fahrbahn, die sie ersetzen soll. Gleich gut, heißt, an jeder Abzweigung, wo man abbiegen muss. Erfahrungsgemäß sind das viel mehr Stellen als auf Hauptverkehrsstraßen.

    5. Forderung: Sie darf im Vergleich zum Fahren auf dem Autofahrstreifen keine Risiken erzeugen, d.h., sie darf nicht zu Abbiegertotwinkelsituationen führen, sie darf nicht im Aufklappbereich von Türen geparkter Fahrzeuge geführt werden, sie darf Autofahrer nicht dazu verführen, mit zu wenig Seitenabstand zu überholen (Revierverhalten).

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, publicJJJJMM.fwnsp@spamgourmet.com

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  14. Friedhelm Waitzmann16. Dezember 2014 um 15:06

    Zu Hannes, 11. Dezember 2014 um 02:37:

    »Du kommst übrigens recht feindlich daher.«

    Ja, das gebe ich zu, und ich sollte es auch ändern.

    Allerdings gibt es da ein paar Gesichtspunkte, die mich zu Recht auf die Palme bringen.

    Erstens: Da wird von Totwinkel‐ und Tür‐auf‐Risiken geschrieben und von vergiftetem Verkehrsklima (»Radfahrer haben auf Hauptstraßen nichts verloren«), aber Radwege willst Du trotzdem noch. Gut, Du darfst sie natürlich wollen, aber sie sind halt nicht Dein Privatvergnügen, sondern sie zementieren den Hass auf Radfahrer, die auf der Fahrbahn fahren.

    Zweitens: »Gut durchdachte Radwege werden aber von allen als sicher empfunden.« (Michael K.) Da fühle ich mich zu Recht vereinnahmt; denn es war unmissverständlich und begründet die Position auf dem Tisch, die Radwege immer riskanter einschätzt als Fahrbahnen. Michael braucht dem nicht zuzustimmen, aber dass er die Radwegablehnung vom Tisch wischt mit dem Argument, jene, die sie ablehnen, kännten halt keine gut durchdachten Radwege, kann nicht unwidersprochen bleiben, nur wer Laut gibt, wird gehört.

    Den einen Satz, »Das wird Dir nicht gelingen«, hätte ich allerdings besser nicht geschrieben, er gießt Öl ins Feuer.

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, publicJJJJMM.fwnsp@spamgourmet.com

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  15. Friedhelm Waitzmann16. Dezember 2014 um 23:46

    Zu Hannes, 11. Dezember 2014 um 02:37:

    »Weder Michael noch ich wollen dir etwas wegnehmen. Aber ich könnte sagen, Du willst meinen Kindern was wegnehmen.«

    Ja, dass ihr das nicht wollt, das glaube ich schon, aber das, was ihr wollt, hat diese Auswirkung.

    Bist Du schon mal auf der B14 zwischen Neckartor und Marienplatz gefahren und von der Polizei aufgehalten worden? Ich schon öfter.

    Oder von Fellbach herunter gefahren auf der Nürnberger und Waiblinger Straße? Da gibt's eine noch relativ neue Radverkehrsführung. Vorher waren zwei Fahrstreifen. Mit dem Rad konnte man auf dem rechten fahren, und bei Abzweigungen mussten sich alle Rechtsabbieger ebenfalls auf ihm einordnen, fuhr da ein Radfahrer, dann mussten sie entweder hinter ihm bleiben, oder ihn noch ordentlich überholen. Alle Geradeausfahrer konnten ihn natürlich auch benutzen.

    Jetzt ist ein Fahrstreifen und ein benutzungspflichtiger Radfahrstreifen. Als Radfahrer fährt man also da, wo man vorher fuhr. Wo ist der Unterschied? An allen Abzweigungen müssen jetzt rechtsabbiegende Autos links von geradeausfahrenden Radfahrern bleiben, denn auf dem Radfahrstreifen dürfen sie sich nicht einordnen. Und umgekehrt darf sich ein geradeausfahrender Radfahrer auch nicht zu den rechtsabbiegenden Autofahrern zu seiner Linken einordnen, damit die Rechtsabbieger nicht mehr links von ihm sind. Außerdem bringt bei Autostau dieser Radfahrstreifen Autofahrer auf die Palme: Meistens fährt da kein Radfahrer, also betrachten sie diesen frei gehaltenen Raum als Verschwendung von Fahrzeugdurchsatz der Straße.

    Ich sehe da keine Möglichkeit, den Radverkehr getrennt vom Autoverkehr zu führen, weil die Waiblinger und Nürnberger Straße im Tal läuft.

    Weiter unten in Bad Cannstatt geht der Radfahrstreifen in einen unverbindlichen Schutzstreifen über. Warum? Weil er so schmal wird, dass man trotz bestem Willen, die Verwaltungsvorschrift zur StVO zu strapazieren, die Benutzungspflicht nicht mehr aufrechterhalten konnte. Und unten, jedenfalls an der Kreuzung mit der Daimlerstraße, soll man indirekt links abbiegen.

    Auf diese Weise nehmen Radverkehrsführungen mir durchaus etwas weg: Sie schaden meiner Sicherheit und halten mich auf. Ich hoffe, Du kannst verstehen, warum ich so gewaltig verärgert bin. Jede Radverkehrsanlage verstärkt den Eindruck, Radfahren auf der Fahrbahn sei regelwidrig und zwar auch dort, wo gar nichts Benutzungspflichtiges ist. Du wirst sehen, diese Radverkehrsförderung wird den Radverkehr nicht sicherer machen sondern die Radfahrer vogelfrei für Autofahrer, Polizei und Ordnungsbehörde.

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, publicJJJJMM.fwnsp@spamgourmet.com

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    1. Das ist ein guter Hinweis, warum die Radspur Waiblinger Straße so wenig von Radlern benutzt wird. Weil sie an den Kreuzungen aufhält, vor allem die Linksabbieger. Indirektes Linksabbiegen ist keine Radfördermaßenahme. Routinierte Radler haben überdies den Eindruck, sie dürften nicht mehr direkt mit den Autofahrern abbiegen. Aber ob das so ist, ist durchaus nicht sicher. Denn man muss keinen Radstreifen/ Radweg benutzen, bei dem man nicht sieht, ob er in die Richtung führt, in die man selber will. Und zu dem Zeitpunkt, wo man sich als Radler links einordnen würde, um mit dem Autoverkehr links abzubiegen, kann man die indirekten Linksabbiegespuren nicht sehen.

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  16. Bei den Kommentaren zu dem Kampfradlerbeitrag gehen verschiedene Themen durcheinander. Da sind einerseits die Probleme bei der Infrastruktur, sprich Trennung von Rad- und Fußgängerwegen bzw. Fahrspuren für den Autoverkehr. Daraus resultieren selbstverständlich wiederkehrend Konflikte zwischen den einzelnen Verkehrsteilnehmergruppen. Etwas anderes ist aber das Verhalten Einzelner. An dem Problem, dass manche Radfahrer mit technisch hochgerüsteten Bikes völlig rücksichtslos durch die Straßen preschen, kann auch die beste Infrastruktur nichts ändern. Fehlende Rücksicht auf Andere und unangepasste Geschwindigkeit sind typisch für diese spezielle Gruppe von Radfahrern. Rote Ampeln oder Verkehrsregeln scheinen für diese Leute anscheinend nicht zu gelten. Die Reaktion vieler Fußgänger und Autofahrer auf solche Straßenrowdies ist verständlich. Mir ging es selbst schon oft so, dass ich mit meinem Fahrrad mit normaler Geschwindigkeit unterwegs war und von hinten ohne Vorwarnung von einem Kampfradler mit hoher Geschwindigkeit mit nur geringem Seitenabstand überholt wurde. Als mir das zum ersten Mal passiert ist, bin ich fast vom Fahrrad gefallen, so erschrocken war ich. Es ist traurig, dass durch das rücksichtslose Verhalten Einzelner die Radfahrer an sich so in die öffentliche Kritik geraten!

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    1. Es ist immer schade, wenn Einzelne eine Gruppe in Misskredit bringen. Interessanterweise beschweren sich die Leute lange nicht so über die Rowdies unter den Autofahrern (Raser, Rotmissachter, Fahre, die gegen die Einbahnstraße brausen oder auf Gehwegen parken) und generalisieren dabei auch nicht so ("Autofahrer halten sich ja nicht an die Regeln, da müsste man ..."). Liegt sicher daran, dass wir mehr Autofahrer/innen als Radler/innen haben und sich niemand selbst unter Generalverdachgt stellen will, was man bei Radfahrern andererseits dann halt macht. Nach meiner Erfahrung sind die jenigen Radfahrer, die gemeingefährlich fahren, eine sehr kleine Minderheit. Was anderes sind die, die nicht regelkonform fahren (links, auf Gehwegen, irgendwie über Kreuzungen etc.). Die sind natürlich häufiger, und ich möchte den Radler treffen, der mir glaubhaft und ohne schlechtes Gewissen versichert, dass er noch nie irgendeine Regel verletzt hat, um weiterzukommen. Es gibt einfach überall einen bestimmten Prozentsatz, der die Regeln großzügiger interpretiert und einen sehr viel kleineren Prozentsatz, der sich rücksichtslos verhält. Wobei auch das oft Interpretationssache ist. Ich habe kürzlich eine älter Frau zu Tode erschreckt, als ich hinter ihr vorbei radelte, sehr langsam und ohne sie zu gefährden. Aber sie fühlte sich halt gefährdet. Sie wird jetzt rumerzählen, wie rücksichtslos alle Radler sind. Es ist aber halt eine Fehleinschätzung. Manche Fußgänger können die Bewegungsart von Radlern überhaupt nicht abschätzen und fühlen sich schnell bedroht.

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  17. Es hat keinen Sinn! Spams werden gelöscht. Also lasst das mit den Kreditangeboten einfach.

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  18. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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