3. Dezember 2014

Radfahrer sind gut für den lokalen Handel

Autofahrer sind keineswegs die besseren Kunden als Radfahrer oder solche, die mit den Öffentlichen kommen. Radler kaufen zwar weniger auf einen Schlag, dafür kommen sie aber öfter in die Läden.

Die Studie von Webarkaden "Warum Rad fahren?" sagt: Ein Autofahrer kommt durchshnittlich 7 Mal im Monat, der Radler 11 Mal. Auch sind die Mengen, die ein Autofahrer kauft, meistens nicht so groß und schwer (75 Prozent der Autofahrer tragen nur zwei oder eine Tüte raus), als dass dafür ein Auto notwenig wäre.


Wenn man rund um Einkaufsstraßen und -viertel den Verkehr verlangsamt, dann beleben sich die Geschäfte spürbar. Temo 30 in den Straßen erzeugt einen zunehmenden Radler- und Fußgängerverkehr. Einkäufer nehmen das Rad zum schnellen Einkauf und gehen öfter in der Umgegend einkaufen.

Die Seite Einkaufen mit dem Rad bemerkt: Radfahrer kaufen meist dort ein, wo sie wohnen (in Stuttgart reicht dieser Umkreis des Wohnorts meist bis in die Innenstadt), und sind für die lokale Wirtschaft besser als Autofahrer, die in Einkaufszentren am Stadtrand oder auf der grünen Wiese fahren. Eine Konsequenz daraus ist übrigens: Man muss die Fußgängerzonen für Radfahrer öffnen.

Ich höre zwar schon den Aufschrei. Aber denken wir mal besonnen nach. Wenn wir Radler erlauben würden, die Königstraße entlang zu fahren, was würde dann passieren? Vermutlich nichts. Denn die fahren ja nicht per se wie die gesenkte Sau durch die Fußgänger, sondern sie sie fahren so, wie man da halt dann fahren kann. Und es werden nur diejenigen über die Königstraße radeln, die dort auch ihr Rad abstellen und etwas einkaufen wollen. Dem Radler-Durchgangsverkehr wären die Menschenmassen zu blöd.

Ein Blog-Leser in Radlermontur hat mir mal erklärt: Vieles, was er bei sich habe, habe er von der Königstraße. Aber reinfahren darf er da nicht, nur das Rad schieben. Ich dagegen gehe überhaupt nie in der Königstraße einkaufen, weil ich da mit dem Rad nicht reinfahren darf. So verschenkt der Handel Möglichkeiten.
 Übrigens machen Städte gute Erfahrungen damit, die Fußgängerzonen wenigstens zwichen 19 und 10 Uhr freizugeben, also abends, nachts und morgens. Damit könnten wir in Stuttgart ja mal anfangen. Ohnehin sind bis 11 Uhr ja auch reichlich Zulieferer mit ihren Autos in Fußgängerzonen unterwegs.

In der Regel fahren Radler in der Mitte des Fußgängerbereichs, während die Fußgänger sich schaufesnternah am Rand aufhalten. In der Regel führt das nicht zu Konflikten. (Und Konflikte kann man sowieso überall auslösen, dazu brauchen Fußgänger und Radler keine Fußgängerzone.)

So, und nun aufs Rad und noch die letzten Weihnachtseinkäufe gemacht. Parkplätze gibt's jetzt eh keine in der Stadt. Ab er gaaaanz viele Autofahrer, die in ihren Autos welche suchen.

Kommentare:

  1. In dem Beitrag steht, daß Kfz-Lieferverkehr bis 11 Uhr in den Fußgängerzonen unterwegs wäre. Zumindest für die Königsstraße stimmt das nicht. Dort ist der Lieferverkehr die ganze Zeit unterwegs. Für Radfahrer viel zu gefährlich.

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    1. Stimmt schon, aber die sind dort nach 11 Uhr illegal, und da wird die Stadt schon mal was machen müssen. Der Lieferverkehr macht die Königstraße für Radfahrer sicherlich nicht gefährlicher als er für Fußgänger ist.

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    2. Weder die Stadt noch die Polizei werden gegen den illegalen Lieferverkehr jemals etwas machen. Genauso wenig wie an anderen Stellen. Dazu haben die zuwenig Eier in der Hose, um gegen das zu erwartende Gejammer der Händler etwas zu tun.

      Mein letzter Satz war ironisch gemeint.

      Die Öffnung in anderen Städten, auch Großstädten, funktioniert, weil sich dort eine Gruppe gegen die Radfahrerfeinde durchsetzen konnte. Hier ist alles zu verfilzt. Schon der Gedanke, den Radverkehr zu den Zeiten zu zulassen, zu denen Lieferverkehr zu gelassen ist, ist Blasphemie bei den zuständigen Gremien. Dabei sind Laster um Einiges gefährlicher, die Übersicht aus den Fahrerhäusern ist wesentlich geringer. Usw. Usf.

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  2. Auch unser Einkaufverhalten hat sich, seitdem das Auto in der Garage bleibt und wir auf Räder umgestiegen sind, entsprechend geändert.

    Einkäufe werden nicht mehr auf die lange Bank geschoben (damit es sich per Pkw auch "lohnt") und dann im Großmarkt auf der grünen Wiese erledigt, sondern per Rad "in time", d.h. auf dem Weg von oder zur Arbeit bzw. es wird abends einfach noch mal losgeradelt. Stress mit Stau und leidiger, u.U. mehrfacher Parkplatzsuche gibt es per Rad ja nicht.

    Wer profitiert noch davon? Natürlich der lokale Handel im Stadtviertel.

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    1. Das ist auch meine Erfahrung. Ich kaufe öfter auf dem Heimweg noch was ein, weil es ja so einfach ist. Und das eben nicht im Riesensupermarkt, sondern in bei den lokalen Händlern an der Ecke.

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    2. Hier ebenso. Und weil es einfach praktisch ist wurde unser Fahrradfuhrpark noch durch einen Lastenanhänger ergänzt. Damit kann man prima Getränkekisten transportieren und auch mal einen "Großeinkauf"...

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  3. Stichwort Königstraße:

    Ich kenne sie noch als die Stadtbahn durch die Königsstraße fuhr, trotzdem weiß ich nicht, ob man sie heute tatsächlich für den Radverkehr freigeben soll. Ein halbwegs komfortables Vorankommen ist dort eh nicht möglich.

    Dann lieber die Radwege parallel zur Königsstraße verbessern. Ich glaube da haben wir Radler mehr davon.

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    1. Fachleute für Radförderung sagen, dass zur Radförderung auch dazugehört, dass man Fußgängerzonen freigibt, zumindest in den Zeiten, wo nicht so viele Leute unterwegs sind, etwa zwischen 20 und 10 Uhr. Natürlich nicht als Radhauptroute, aber als Abkürzung durch die Stadt.

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    2. Nochmal ich. ;-)

      Wir waren kürzlich, auch per Rad, in Esslingen. Dort ist die zentrale Fussgängerzone scheinbar ganz bzw. überwiegend auch für den Radverkehr freigegeben.

      Nur wäre es wegen den zahlreichen Passanten gar nicht möglich gewesen. Also vom Rad abgestiegen und geschoben bzw. abgestellt.

      Eine Abendregelung für die Königsstraße könnte ich mir trotzdem, aber vielleicht anders vorstellen. So, wie es die LHS auch in anderen Bereichen handhabt. Z.B. wird das Abstellen von Motorrollern auf Gehwegen geduldet, solange es niemanden behindert bzw. gefährdet. Eigentlich eine Ordnungswidrigkeit. Aber im Ordnungswidrigkeitenrecht gilt das sogenannte Opportunitätsprinzip: die zuständige Behörde kann, muss aber nicht tätig werden.

      Warum sollte man Radler in einer fast menschenleeren abendlichen bzw. nächtlichen Königstraße also nicht auch ganz offiziell dulden?

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    3. Wieder mal so ein Beispiel von falsch verstandener Radverkehrförderung. Es muss darum gehen, eine Lebenswertere Stadt zu schaffen, die Aufenthaltsqualität zu fördern. Das Fahrrad ist hier EIN Mittel zum Zweck, aber kein Selbstzweck. Wenn ein Radler die 5 Meter in der Fussgängerzone sein Rad nicht schieben will, dann sage ich ihm das gleich wie dem Autofahrer: Dann komm halt nicht. Die Argumentation hier ist die Gleiche wie die der Autofahrer, die androhen, dann halt auf der grünen Wiese einzukaufen. Dann sollen sie halt - was soll diese Erpressung?

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    4. Lieber Axel, warum gleich so scharfe Geschütze? Als Erpressung war es nicht gemeint, schließlich geht der geschilderte Radler ja trotzdem in der Königstraße einkaufen. Radfachleute schlagen aber durchaus vor, Fußgängerzonen für den Radverkehr freizugeben, zumindest über nacht. Es gibt etliche Radler, die bis 10 Uhr durch die Königstraße radeln. Und an einem regnerischen Mittwoch sind auch nicht so viele Fußgänger unterwegs. Ich stelle aber hier fest, dass es offenbar gar nicht so wichtig ist, dass Fußgängerzonen freigegeben sind (außer denen, die in Stuttgart frei sind.)

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    5. Das soll kein scharfes Geschütz sein, aber um den heissen Brei möchte ich auch nicht rumreden. "Radfachleute" ist so ein netter Begriff - es ist ja nicht so, dass diese alle die gleiche Meinung hätten und noch viel weniger, dass sie immer Recht haben :)
      Ich mag Deinen Blog ja ganz gern und auch das meiste was Du schreibst, aber bei dem Punkt Fussgänger sind wir einfach nicht der gleichen Meinung. Radverkehr und Radverkehrsanlagen wurden so lange Zeit auf Kosten der Fussgänger angelegt, dass man heute wirklich vorsichtig sein sollte, dem Fussgänger noch mehr auf die Pelle zu rücken.
      Nachts durch die Fussgängerzone radeln? Von mir aus - das war nicht der Punkt den ich kritisiere, da kann es ja nicht um die angeblich verschenkten Möglichkeiten des Handels gehen - das sind zwei unterschiedliche Themen - hätte ich vielleicht deutlicher machen sollen ;-)

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  4. Ich kenne das Befahren der Fußgängerzone in Frankfurt (Zeil) aus eigener Erfahrung. Dort ist zwar nicht gewünscht, aber oft gelebt. Ich finde hier das Radfahren oft als störend. Zwar treten bei Unfällen keine westentlichen Verletzungen auf; dafür ist die Geschwindigkeit viel zu gering, aber es ist nicht unüblich. Ich vermute, das liegt an den verschiedenen Geschwindigkeiten, mit denen beide Gruppen sich bewegen. Ich sehe es ähnlich wie Axel. Die wenigen Meter kann man auch das Rad schieben.

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