20. Dezember 2014

Seelbergstraße, Bad Cannstatt - gefährlich

Blogleser Sebastian hat sich in Cannstatt den Wilhelmsplatz und die Seelbergstraße angeschaut und hält die neu geschaffene Situation für gefährlich. (Korrigierte Neufassung) 

Die Seelbergstaße ist eine schmale Straße mit kleineren Geschäften, die am Cannstatter Carré endet (einer Einkaufsmall). Im Zuge der Sanierung wurden fast alle Bäume entfernt und das Parken auf einer Seite verboten. Halten darf man. Und auf dem Foto unten sieht man auch, dass hier Autos auf beiden Seiten stehen.

Und es gibt eine Linksabbiegespur für Radfahrer, allerdings nicht hinüber auf die rechte Straßenseite, sondern sogleich nach links in Gegenrichtung auf die rote Radspur.

Ist eigentlich jedem Autofahrer und Radfahrer klar, wer hier Vorrang hat? 

Einbiegenden Autos kommen diese Radler aus der "falschen" Richtung entgegen. Sie starten förmlich vor ihren Kühler. Autofahrer müssen beim Einbiegen nicht nur auf den Radverkehr in gleicher Richtung geradeaus achten und ihm Vorrang gewähren, sondern auch auf die aus der Seelbergstraße hinaus und gleich links fahrenden Radler, die ebenfalls Vorrang haben, befinden sie sich doch, sobald sie auf der Radspur sind, auf der Haupt- und Vorrangstraße. Oder sehe ich das falsch?

Allein schon, dass ich mich das frage und grübeln muss, zeigt, wie gefährlich so eine Situation ist. Niemand hat in der Fahrschule gelernt, wie hier an so einer Stelle die Regel geht.

Und das ist keine Banalität. Denn die meisten Radler verunglücken auf solchen Radspuren und Radwegen, wo ein Autofahrer abbiegt und der Radler geradeaus fährt. 

Autofahrer haben sowieso schon Mühe, beim Stress des Abbiegens Radfahrer zu erkennen und ihnen die Vorfahrt zu lassen. Und sie rechnen überhaupt nicht damit, dass ein aus der Straße heraus linksabbiegender Radler ihnen unmittelbar quer vor den Kühler fährt und auch Vorrang haben könnte. Eine solche Situation gibt es nämlich im reinen Autoverkehr nicht. Das macht sie so gefährlich.

Übrigens ist der Gehweg von Stuttgart kommend Richtung Fellbach hier trotz Radspur noch für Radler freigegeben. Das ist nicht ganz logisch. Auf für die Radler nicht, die aus der Seelbergstraße kommen und vielleicht dann doch lieber links den Schlenker über den Gehweg nehmen.

(Auf die Karte klicken, um sie zu vergrößern)

Kommentare:

  1. Oh je, die Ecke ist eh schon ein Labyrinth und Ampel-Wirrwarr! Ich habe den Eindruck, man möchte hier mit Biegen und Brechen eine "offizielle Fahrmöglichkeit" für Fahrräder schaffen. Da bekomme ich (Radfahrer) größtes Mitleid mit Autofahrern, die oft mit (legal fahrenden) Radfahrern von vorne, hinten, links und rechts konfrontiert werden. Sicher geht anders!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das Mitleid gebührt sicher ebenso den Radfahrern, die schon genug damit zu tun hätten, die für sie vorgesehene Verkehrsführung zu identifizieren und sich darüber hinaus ebenfalls mit den oft diffizilen Vorfahrts- und Vorrangregeln auseinandersetzen müssen.

      Löschen
  2. Ich sehe hier keinen Vorrang des linksabbiegenden Radfahrers, weil er zunächst einmal die Vorfahrt des Autofahrers aus der Hauptstraße beachten muss. Eine Vorrangfrage ergibt sich nur, wenn beide Verkehrsteilnehmer zuvor auf der bevorrechtigten Straße unterwegs sind.
    Aber das: "Radler, die ebenfalls Vorrang haben, befinden sie sich doch, sobald sie auf der Radspur sind, auf der Haupt- und Vorrangstraße." ist leider nicht zutreffend, denn der von einer Vorfahrtsregelung bestimmte Abbiegevorgang ist hier noch nicht abgeschlossen.
    Richtig ist aber: solche Situationen sind vielen Verkehrsteilnehmern nicht klar (leider auch so manchen Fahrradblogger nicht) und sollten bei der Gestaltung von Kreuzungspunkten vermieden werden.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Anonymus, bist du Fahrlehrer oder Verkehrsjurist? Dann ziehe ich deine Darstellung nicht in Zweifel und bedanke mich dafür. So ganz einig bin ich nämlich nicht mit dir. Der Radler, der auf dem roten Radweg fährt, und dort fährt er sobald der drauf ist, scheint mir Vorrang vor den Autos zu haben, sowohl dem, das aus der Seelbergstraße rausfährt, als auch dem, das einbiegen will. Aber der Logik nach dem so genannten gesunden Menschenverstand kommt man nicht immer weiter bei Straßenverkehrsregeln. Deshalb wäre eine Bestätigung schön, dass du von Berufswegen Recht hast. :-)

      Löschen
    2. Hallo Christine,
      ich bin interessierter regelmäßiger Leser des verkehrsportal.de-Forums - was ich für solche Fragen auch sehr empfehlen kann!
      Grundsätzlich besteht der Konflikt an dieser Radverkehrsführung darin, dass der linksabbiegende Radfahrer auf einen linksseitig geführten Radweg geleitet wird und deswegen den entgegenkommenden rechtsabbiegenden Kraftfahrzeugverkehr kreuzen muss - anders als bei einer "gewöhnlichen" Kreuzung, wo beide Verkehrsströme parallel stattfinden können.
      Dadurch ändert sich aber nichts an der mutmaßlich beschilderten Vorfahrt (auf dem fotografierten Ausschnitt sind die relevanten vorfahrtregelnden Zeichen nicht sichtbar).
      Eine Vorfahrt des linksabbiegenden Radfahrers wäre nur gegeben, wenn hier in Ermangelung vorfahrtsregelnder Zeichen Rechts-vor-Links gelten würde, was ich mir angesichts der mehrspurigen Straßen kaum vorstellen kann.

      Löschen
  3. @Anonym Hier noch das fehlende Bild ( https://i.imgur.com/PT70yiJ.jpg ) mit Verkehrszeichen aus der Seelbergstraße heraus. Hier wird vor Radlern gewarnt, die von links kommend korrekt auf dem rechtsseitigen Radweg fahren, als auch vor denen die illegal von rechts (in entgengesetzter Fahrrichtung) kommen könnten :-) Die nach links herausfahrenden Radler haben hier auch keine Halteline, sollte man hier doch mindestens haben??!
    Von der Hauptstraße "Waiblinger Straße" in die Seelbergstraße hinein gibt es nur ein "Vorfahrtsstraßenschild" (Rückseite sichtbar, über der 1. Radampel) - hier fehlt jeglicher Hinweis darauf,dass man beim Abbiegen überhaupt einen Radweg kreuzt könnte, sowie das in dieser speziellen Situation auch Radler entgegenkommen können. Lediglich der mittlerweile rote Radwegmarkierung gibt einen Hinweis darauf, wobei ich nicht glaube, dass man die rechtzeitig beim Abbiegen von der Vorfahrtstraße sieht...

    AntwortenLöschen
  4. Immerhin befindet sich hier eine Verkehrsinsel, die den Autofahrer zwingt, fast senkrecht auf den querenden Radstreifen zuzufahren, wenn er einbiegt. Er sollte Radler also vor sich sehen. So was gilt als guter Schutz für Radler. Ob es so ist, wird sich zeigen, wenn es hier einen Unfall gibt.

    AntwortenLöschen
  5. @Sebastian:
    Danke für das Bild!
    Ich sehe die Situation hinsichtlich der Vorfahrt unverändert. Der nach links abbiegende Radfahrer kommt ebenso aus der untergeordneten Straße und hat die Vorfahrt der Vorfahrtsstraße zu achten. Punkt.
    Gefährlich an dieser Verkehrsführung finde ich nicht die Tatsache, dass dem linksabbiegenden Radler Rechtsabbieger aus der Vorfahrtsstraße entgegenkommen - denn zwischen diesen beiden Verkehrsteilnehmern gibt es eine klare Vorfahrtsregelung - sondern, dass er die Bahn der ebenfalls linksabbiegenden anderen Fahrzeugführer aus der Nebenstraße kreuzen muss. Und zwischen den beiden gibt es allenfalls noch einen unklaren Vorrang. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass eine solche Aufleitung auf einen linksseitigen Radweg gefährlich ist und mit einiger Sicherheit zu Kollisionen der eben beschriebenen Art führen wird!

    AntwortenLöschen