31. Januar 2015

Die Angst der Fußgänger vor den Radfahrern

Städte nehmen heute Fußgänger sehr viel ernster als früher. Das ist schön. Die Koexistenz von Autoverkehr und Fußverkehr ist freidlich. Aber jetzt kommt ein Drittes hinzu, der Radfahrer. 

Und da klappt noch gar nichts richtig. Autofahrer mögen sie nicht auf ihrer Fahrbahn, Fußgänger mögen sie nicht auf ihrem Gehweg und ihrem Fußgängerüberweg. In Stuttgart werden Radler zwischen Fußgängern und Fahrbahnen hin und her geschoben, teilweise auf wenigen Metern. Fußgänger fühlen sich von Radlern bedroht, auch solchen, die auf Radwegen fahren.

Berlin hat eine Studie in Auftrag gegeben, in der es um die Befindlichkeit von Fußgängern geht. 56 Prozent der Fußgänger fühlen sich demnach von Radfahrern auf dem Gehweg bedroht. 32 Prozent fühlen sich auch von Radlern auf Radwegen bedroht, die an den Gehweg grenzen.

Vor allem Alte und Gehbehinderte mögen Radler nicht, die an ihnen vorbeisausen. Das verstehe ich gut. Ich bin auch mal monatelang an Krücken gegangen und hatte vor allem Angst, was mich hätte streifen können, denn dann wäre ich einfach umgefallen.

Der Studie zufolge sind die Fußgänger in Lichtenberg und Charlottenburg-Wilmersdorf am zufriedensten. Der Grund: In diesen Stadtteilen wurden die Radwege in Ordnung gebracht, sodass Radler nicht mehr auf die Gehwege ausweichen müssen.

In Stuttgart haben Fußgänger wenig Grund zufrieden zu sein, denn Radler werden hier immer wieder auf freigegebene Gehweg geschickt und auch von Autos dorthin gehupt. Freigegebene Gehwege sind aber keine Radwege, und der Radler muss dort auch nicht fahren. Doch in Stuttgart haben etliche Radler so viel Angst vor dem Autoverkehr, dass sie selbst dann auf dem Gehweg fahren, wenn für sie eine Radspur (eigentlich eine Sicherheitsspur) gelegt wurde, wie zum Beispiel in der Neckarstraße stadteinwärts.


Nicht gefragt wurden die Fußgänger, wie oft sie eigentlich bemerkt haben, dass sie auf dem Radweg gehen und deshalb den Fahrtwind des Radlers zu spüren bekommen haben.

Kommentare:

  1. Welche Abstände notwendig sind , damit man sich nicht bedroht fühlt ist eine subjektive Einschätzung. Dummerweise ist es im Verkehr wohl so, das bei Begegnungen von "schwächeren" und "stärkeren" Verkehrsteilnehmern sich die Einschätzungen unterscheiden, was notwendig ist. Der jeweils stärkere Verkehrsteilnehmer schätzt den notwendigen Abstand in der Regel geringer ein als der Schwächere. Das gilt sowohl im Verhältnis Fußgänger <-> Radfahrer als auch im Verhältnis Radfahrer <-> Autofahrer.
    Das führt einerseits dazu, das viele Radfahrer sich beim Fahren auf der Fahrbahn bedroht fühlen und Radwege fordern oder sogar illegalerweise auf Gehwege "flüchten" obwohl die objektive Unfallgefahr durch Überholer gering ist. Und Radstreifen und Schutzstreifen auf der Fahrbahn sind in der Regel nicht breit genug um dieses Gefühl zu beseitigen

    Andererseits sind Gehwege ( egal ob freigegeben oder nicht) und auch oft Hochbordradwege so schmal ( selbst wenn sie den Vorschriften entsprechen) das der von Fußgängern benötigte subjektive Abstand von Radfahrern nicht eingehalten werden kann und sich somit ein Gefühl der Gefährdung bei Fußgängern einstellt, das sich durch objektive Unfallzahlen aber nicht bestätigen läßt.

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  2. Mein wochentäglicher Weg führt mich mangels Alternative durch eine großzügige Fußgängerzone. Dass die nicht für mich ist, ist mir bewusst und so fahre ich langsam und aufmerksam zwischen den Fußgängern durch. Immer mit genügend Abstand und den Fingern an den Bremsen. Man(n) hat ja selber Kinder. Nicht selten kreuzen dort andere Radler meinen Weg, die ungleich schneller unterwegs sind. Das Fußgänger sich dann unwohl fühlen kann ich sehr gut verstehen! Ich würde mir allerdings auch wünschen, dass Sie dann den Rowdy anknurren und nicht mich, nur weil ich gerade als Feindbild verfügbar bin.

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    1. Es trifft immer die Falschen.:-) Übrigens sind Fußgänger die nettesten Menschen, wenn man als Radler einen Fehler macht. Erwischt man sie aber auf dem Radweg, dann werden sie ziemlich wütend und schimpfen auf Radler. Der Mensch ist seltsam, auch wenn man es verstehen kann.

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  3. Hallo ich selbst komme aus Berlin und fahre täglich durch die Stadt.
    Ich selbst fahre lieber auf der Straße um schneller zu sein, meistens mit einem hohen Tempo das ich die Autofahrer kaum Behindere.

    Man merkt deutlich die Zunahme an neuen Fahrradwegen und ein bemühen für die Radfahrer in Berlin.
    Trotzdem werden solche Radwege eher Bezirks weit entschieden und nicht wirklich zentral von der ganzen Stadt geplant, was ein besseres Radfahrnetz realisieren könnte.

    Zusätzlich gibt es neue Projekte die die Bürger miteinbeziehen.
    Es können eigene Vorschläge für Radwege oder Gefahrensituationen eingereicht werden.

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