17. Januar 2015

Radfahren im Kindermodus

Kindermodus heißt vor allem: auf dem Gehweg fahren. Das tun Jugendliche meist so lange, wie für sie das Fahrrad ein lästiges, aber notwendiges Fortbewegungsmittel ist, auf dem man ein oder zwei Kilometer zurücklegt, die man nicht zu Fuß laufen will. 

Radler, die bewusst aufs Auto verzichten und lieber Rad fahren, finden dann meist recht schnell den Weg auf die Fahrbahn und verhalten sich erwachsen.

Eltern mögen das Gehwegradeln beruhigend finden. Vielleicht ist es auch sicherer, solange Jugendliche den Verkehr noch nicht so vorausschauend abschätzen können wie Erwachsene, die selber auch Auto fahren. Aber es birgt auch enorme Gefahren.


Oftmals werden Radler in Schulnähe regelrecht durch Freigabeschilder verführt, auf Gehwegen zu bleiben, was sie gerne annehmen, wenn sie die Fahrbahn überqueren müssten, um auf der rechten Fahrbahnseite zu radeln, so wie hier in Cannstatt.

Doch entstehen an allen Stellen, wo einmündende Straßen überquert werden müssen, gefährliche Situationen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Autofahrer können das Tempo von Fußgänger sehr gut abschätzen. Aber Radfahrer sind schneller. Aus Sicht von Autofahrern sind sie urplötzlich da und rasen ihnen vor den Kühler.

Außerdem sind Übergänge von Gehwegen, die für Radler nicht freigegeben sind, noch schlechter als ohnehin schon. Die Bordsteine sind zu hoch. Sie kommen in Gegenrichtung zur Fahrbahn raus. Ein Autofahrer ist mit einer recht komplizierten Verkehrssituation beschäftigt ist, rechnet nicht damit, dass ihm auch noch ein Fahrrad entgegenkommt. Erwachsene Radler wählen den Fußgängermodus oft, wenn sie das Gefühl haben, nur über Umwege und mehrere Ampeln dorthin zu kommen, wo sie hinwollen. Bessere und verständlichere Radwegführungen könnten das eindämmen.

Also lassen Sie das auf dem Gehweg-Radeln im Kindermodus besser sein. Es bringt Sie in Gefahr, es ärgert die Fußgänger und es ausgesprochen unerwachsen. 

Ich verstehe zwar, dass es man manchmal starke Nerven haben muss, beispielsweise, wenn man auf der Fahrbahn eine schmale Straße wie die Immenhofer hochradelt. Aber der Gehweg ist hier wirklich nur den Fußgängern vorbehalten.

Und der Autofahrer, der bei Grün rechts abbiegt, rechnet mit Fußgängern, aber nicht mit einem schnellen Fahrrad auf dem Fußgängerüberweg.

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