23. Februar 2015

Falsch parken ist zu billg

Stuttgarts Autofahrer haben entdeckt, dass in Stuttgart jede Fläche, wo kein Autoverkehr rollt, Parkplatz ist. Und dieser Parkplatz ist besonders günstig, wenn das Parken dort verboten ist.

Dazu gehören Radwege, Gehwege, Halte- und Parkverbote, Wendeflächen ... Hier in der Lautenschlagerstraße parkt der Lamborghini hinter den Pfosten auf dem Fußweg. Er ist neben den Tischen und Stühlen eines Cafés reingefahren. Und das Auto am Straßenrand steht im Halteverhot.

In der Fahrradstraße (Eberhard/Marktstr) hat man mittlerweile ganz vergessen, dass man nur als Anlieger reinfahren darf und hier Radfahrer Vorrang haben. Radler werden von beschleunigenden, überholenden und rangierenden Fahrzeugen gescheucht.

Die Fahrzeuge werden überall abgestellt, wo es gerade geht. Wirklich überall.


Wobei der Fahrer des Wagens auf dem Foto links nicht einmal durch diesen Teil der Fahrradstraße hätte fahren dürfen. Hier dürfen nämlich nur Räder und Taxis und Marktbeschicker an Markttagen rein. Und Markt ist nachts nicht.

Falsch parken ist zu billig. Deutschland kassiert 75 Prozent weniger als im EU-Durchschnitt. Es ist für Vielfahrer und Viel-Parker billiger, sich drei Mal im Jahr aufschreiben zu lassen, als in Parkhäuser zu fahren. Wer regelmäßig auf Radspuren, Gehwegen und im Parkverbot parkt, weiß, dass er oder sie so ein bis zwei Mal im Jahr ein Knöllchen kriegt. Damit zahlt er knapp 20 Cent pro Arbeitstag im Jahr fürs Parken. Da ist doch bescheuert, wer  im Parkhaus 2 bis 4 Euro pro Stunde abdrückt oder für Bus- und Stadtbahntickets rund 2.70 Euro pro Fahrt. Schwarzfahrer in den Öffentlichen müssen übrigens 60 Euro zahlen, wenn sie erwischt werden. Da wird schon sehr deutlich, dass unsere Gesellschaft Regelverstöße nur bei Autofahrern tolerieren will, nicht aber bei anderen Verkehrsteilnehmern.

Deshalb fordert eine Petition an Verkehrsminister Dobrindt eine Angleichung der Falschparker-Strafen an europäisches Niveau.

Denn täglich und nächtlich parken sie im Halteverbot bis hin zum Radstreifen an der Tübinger Straße, Einmündung Feinstraße, Richtung Marienplatz. Ich habe inzwischen Dutzende solcher Bilder.




Fängt einer an, machen es ihm die anderen nach.


Und während man am Marienplatz bei neuen Rewe längst entdeckt hat, dass man auf dem Gehweg vor dem Laden schneller und billiger parkt (hier geht es nicht um be- und entladen) als in der Tiefgarage, erschließen die Autofahrer jetzt auch den Radstreifen auf der Filderstraße an der Ampel Filderstraße/Hauptstädter Straße für das, wovor er sich am besten eignet: zum Halten und Parken. Und jeder hat eine gute Begründung, jeder befindet sich irgendwie in Not und hat es eilig.

Und diesen Masten (auf dem Foto drüber steht er noch) hat auch kein Radfahrer umgefahren.



Es ist aber halt gefährlich für Radfahrer, wenn sie um die auf ihren Radstreifen abgestellten Fahrzeuge herumfahren müssen. Und besonders lustig wird es, wenn Autofahrer sie nicht in den fließenden Verkehr reinlassen und anhupen.



So sieht im Lehenviertel, Stuttgart Süd, der Strohberg zur Zellerstraße hoch aus (Foto unten). Rechts parken sie völlig legal. Aber links stehen sie allesamt bis zu Zaun oder Hecke auf dem Gehweg. Und zwar immer.

Deshalb müssen die älteren Herrschaften vorn oben runter auf der Fahrbahn laufen.

Wo gehen die hin, wenn ein Auto hier rauf fährt?

Fängt einer an, machen es ihm die anderen nach.




Oben in der Zellerstraße, hat man eine Gehwegnase vom Spielplatz aus gebaut. Nachdem sich dort nachts immer wieder ein Auto draufgestellt hat, hat man Radbügel aufgestellt, die verhindern, dass ein Auto längs zur Straße parken Aber Autofahrer sind erfinderisch.

Nachts kommen ja keine Kinder vom Spielplatz und Mütter mit Kinderwagen auch nicht. Sowieso gehört die Stadt den Autos, und sonst niemandem.


Tags bei Regen offenbar auch nicht. Es ist auch nicht wirklich okay, dass sich der Wagen der Stadt da ebenfalls noch vor die Nase gestellt hat, dass Fußgänger vorsichtig an ihm vorbei und schauen müssen, ob ein Auto auf der Straße kommt. Die Nase ist ja deshalb da, damit Kinder und Erwachsene gesehen werden und selber gut in die Straße schauen können. Respekt vor Fußgängern? Nee, nicht wirklich.


Aber an einem Sonntag ist hier durchaus Fußgänger- und Kinderwagenbetrieb und spielende Kinder sollen hier gefahrlos die Zellerstraße queren können. Hier kommt auch kein Rollstuhlfahrer durch und ein alter Mensch mit Rollator auch nicht.

Ich finde, wenn Autos sich irgendwo abstellen müssen und keinen Parkplatz suchen wollen, so wie der hier, dann sollen sie Autofahrer blockieren, nicht Fußgänger.

Übrigens bezahlen wir alle in Deutschland 10.000 Euro im Jahr dafür, dass Autofahrer ihre Fahrzeuge kostenlos am Straßenrand abstellen können. Eigentlich müsste man dem Autofahrer 27 Euro dafür berechnen, dass er sein Auto überall stehen lassen kann, wo es ihm gerade passt. Da sind Parkhaus- und Parkplatzgebühren ein reines Nasenwasser dagegen. (Quelle)




Kommentare:

  1. Deswegen auch meine seinerzeitige Bitte, die Aktion "machen Sie das Zuparken teurer" (www.clevere-staedte.de/zuparken-teurer-machen) aufmerksam zu machen, was hier leider nicht aufgegriffen wurde ;-(

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  2. Es würde erstmal völlig genügen, wenn man die vorhandenen Regeln durchsetzen würde. Also Knöllchen und ggf. abschleppen. Wobei mich kreativ parkende Autos als Radfahrer weit weniger stören wie als Fußgänger.

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  3. Manches Parkhaus ist einfach viel zu weit weg, zumindest für bestimmte Autofahrer die dann zu Fußgängern geradezu degradiert werden. Da hilft aber auch nur die Moskauer Methode mit den riesigen Aufklebern. In YouTube finden sich Videos unter dem Begriff Stopp Flegel. Wobei das dann immer irgendwie ausartet seitens der Falschparker.

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  4. Wer mal in Frankreich unterwegs war wird vielleicht bemerkt haben, wie viel mehr Poller, teilweise mit Geländer, dort so an städtischen Wegesrändern rumstehen, und zwar nicht nur parallel zur Fahrspur, sondern auch diagonal über den Weg, meist an Einfahrten - da hätte der Sportwagen oben im Bild keine Chance gehabt. Vielleicht wäre das ja eine Lösung, ich denke nicht, dass es anders geht, mal abgesehen von höheren Bußgeldern - solange es billig ist und keine Sperreinrichtung vorhanden ist wird weiterhin so geparkt werden wie oben dokumentiert.

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