5. Februar 2015

Liebe Blechpiloten

Ich weiß, Radfahrer stören. Ihnen sind diejenigen am liebsten, die sich wie Fußgänger verhalten. Denn Sie haben die Radler nicht gern auf Ihrer Fahrbahn. Vor allem, wenn Sie nicht vorbeikommen.

Sie ärgern sich, wenn ein Radler an einer roten Ampel rechts an der Autoschlange auch an Ihnen vorbeifährt, um von der Haltelinie zu starten zu können, weil Sie ihn dann wieder vor sich haben.

Und Sie fahren ganz rechts an den Bordstein, damit das nicht passiert. Sie finden es aber auch nicht in Ordnung, wenn der Radler dann über den Fußweg ausweicht und sich oben an der Haltelinie wieder auf der Fahrbahn aufstellt. Radler sollen sich gefälligst an die Regeln halten und immer hinter Ihnen bleiben.

Sie hupen auch gern mal, wenn ein Radler vor ihnen auf der Straße fährt. Aber, erstens darf der Radler das (in Stuttgart gibt es fast gar keine Radwege) und zweitens erzeugen Sie bei ihm ein "Jetzt-gerade!" Sie kennen das ja von der Autobahn, wenn Sie drängeln und lichthupen, wir der bedrängte Verkehrsteilnehmer störrisch.

Zur Rechtslage: Radfahrer dürfen nicht nur auf der Fahrbahn fahren, sie müssen es sogar, denn der Gehweg ist kein Radweg und nur in besonderen Fällen für Radler freigegeben. In Stuttgart gibt es nur wenige Radwege (blaues Schild), auf denen Radler dann aber auch fahren müssen.

Es sei denn natürlich, sie wollen links abbiegen. Dann dürfen Sie Autospuren kreuzen und sich auf der linken Abbiegespur aufstellen. Dasselbe gilt für Geradeausspuren. Und wenn Sie, liebe Autofahrer, den Radweg zuparken oder auch nur mal kurz dort halten, kann der Radler ihn bereits nicht mehr benutzen. Er muss auf die Fahrbahn ausweichen und bremst Ihre Kollegen aus.

Auch für Radfahrer gilt das Rechtsfahrgebot. Radler fahren genauso weit rechts wie Sie, nämlich in der Spur Ihrer rechten Reifen. Vom Bordstein müssen sie gut 80 Zentimeter, von geparkten Autos müssen sie sogar einen Meter Abstand halten. Sonst laufen sie Gefahr, dass ein Fahrer seine Autotür aufstößt, ohne vorher nach hingen geschaut zu haben, ob ein Radler kommt. (Siehe Bild oben.) Sich öffnende Autotüren sind eine der großen Gefahren für Radler, die entlang geparkter Autos fahren müssen. Wegen der heute dunkel getönten Scheiben können sie nicht erkennen, ob jemand drin sitzt und gleich aussteigen will.

Und Radler müssen auch nicht in jede offene Parklücke fahren, damit Sie, liebe Autofahrer, vorbeikommen. Zumal Sie meistens nicht schnell genug reagieren und es gar nicht schaffen. Sie würden den Radler in der Parklücke ausbremsen und zum Absteigen zwingen.

Beim Überholen müssen Sie übrigens mindestens einen Meter Abstand zum Radler halten.

Viele Radfahrer erzählen mir, dass sie, wenn sie sich vom Autoverkehr bedrängt fühlen, mitten auf der Fahrbahn fahren. Sie wollen damit verhindern, dass der Autofahrer beim Vorbeijaulen zu dicht neben vorbei streift oder sie an den Bordstein abdrängt. Und, lieber Autofahrer, Sie wollen nicht, dass der Radler mit dem Pedal am Bordstein hängenbleibt, weil Sie ihn in Bedrängnis gebracht haben. Dann stürzt er nämlich, und zwar in Ihr Auto.








Kommentare:

  1. Michael Paulmann5. Februar 2015 um 07:23

    Woher hast du den Abstand von 1 m zu parkenden Autos? Selbst der ADFC sagt das der Abstand 1,5 m sein sollte, da es einige Autos gibt bei denen die Tür so weit aufschwingt!

    AntwortenLöschen
  2. Michael Paulmann5. Februar 2015 um 07:28

    Das mit dem 1 m beim überholen stimmt auch nicht, bei Geschwindigkeiten unter 90 km/h müssen es 1,5 m sein, bei über 90 2 m.
    Quelle: OLG Hamm, Az. 9 U 66/92

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Lieber Michael, ich sage jedes Mal "mindestens" zum Abstand. Und ja, ich habe auch gelesen, dass der ADFC von 1,5 Metern spricht, weil manche Autotüren größer sind. Aber mit den Abständen ist das so eine Sache: Wer weiß schon so genau per Augenmaß, was 80 Zentimeter oder ein Meter oder anderthalb Meter sind? Und was sind zwei Meter. Mit dem Maßband kann man auf der Straße nicht unterwegs sein. Es muss nur klar sein, dass wir Radler ordentlich Abstand von parkenden Autos halten müssen (zum Selbstschutz) und dass Radstreifen dafür oft zu schmal sind. Und dass Autofahrer ebenfalls deutlichen Abstand halten.

      Löschen
    2. Michael Paulmann5. Februar 2015 um 09:54

      Naja ob ich ein Radfahrer mit 1 m überhole oder mit 2 m das sollte jedem vernünftigen Autofahrer auffallen das das ein Unterschied ist. 2 m ist die Hälfte der Spur! Und mal ehrlich: 1 m ist nichts.

      Löschen
    3. Es geht aber nicht um zwei Meter. Das wünsche ich mir auch. Aber wir alle fahren nicht mit einem Maßband herum. Und wir sind uns doch einig, dass der Sicherheitsabstand zu geparkten Autos und der fahrenden Autos zu uns, oft zu wünschen übrig lässt.

      Löschen
  3. Die 1,5m sind aber auch eine pauschale Angabe. Das Urteil dazu bezog sich auf eine Situation auf der Landstraße (geht bei <90km/h aber auch von mehr als 1,5m aus). Man muss ja auch bedenken, dass sich der Abstand auf den äußersten linken Rand des Radfahrers und nicht seine Spur bezieht.
    Es gibt Situationen und Geschwindigkeiten bei denen ein Meter ausreicht. Viele davon gibt es aber tatsächlich nicht.

    Was das rechts vorbeifahren betrifft könnte ich auf diese Regelung in der Stvo gut und gerne verzichten und mache das auch selber nicht. Möglichst weit rechts stehen ist übrigens das gute Recht des Autofahrers.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. argh, das sollte natürlich >90km/h heißen

      Löschen
    2. Nicht alles, was ein gutes Recht ist, ist auch sonderlich geschickt. Ich gehöre auch niicht zu denen, die sich auf Teufel komm raus, rechts nach vorne drängeln. Aber es ist ausdrücklich erlaubt, und es kommt schlecht, wenn ich die Absicht der Autofahrer sehe, mich unbedingt nicht vorbeizulassen. Dieses sich gegenseitig ärgern finde ich nicht so toll. Ich wünsche mir mehr Verständnis für und Rücksicht auf die jeweils anderen Verkehrsteilnehmer.

      Löschen
    3. Genau. Das eigentliche Problem ist nämlich, dass jeder immer auf sein gutes Recht beharrt.

      Löschen
  4. Michael Paulmann5. Februar 2015 um 12:21

    Ich fahre an den Autofahrern nur auf einer dedizierten Radspur rechts an der Ampel vorbei. Sonst werde ich niemals rechts fahren und immer in der Mitte der Spur mich in die Schlange einreihen. Das ist die Position mit der grösstmöglichen Sicherheit für mich.

    AntwortenLöschen
  5. Ich "drücke" mich nur dann rechts an Autos vorbei, wenn die mich 30m vor der roten Ampel sinnlos überholt haben. Ansonsten nur, wenn wirklich viel Platz ist und es für alle geht und ich nicht neben einem Rechtsabbieger (lt. Blinker) zu stehen komme.

    Und der 1 m Abstand zu parkenden Autos - dann ist der sog. "Radstreifen" also mehr eine Abstandsempfehlung, also ein Bereich, den man als Radfahrer niemals befahren sollte? :D

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ungefähr so. Beides. Ich setze mich auch vor Autos, die unbedingt wollen, dass ich hinter ihnen bleibe ... manchmal. (Ich werde ruhiger in dem Punkt.) Und Radstreifen und Sicherheitsstreifen sind meistens zu schmal. Ich radle fast immer am linken Rand.

      Löschen
  6. Wenn wir, KFZ- und Radnutzer realistisch sind, halten vielleicht 5% Rücksichtslose keinen ausreichenden Abstand ein. Die überwiegende Mehrheit ist vernünftig. Doch genau diese 5% geben nichts auf Leib und Leben anderer - da brauche ich nicht über ein Meter +/- diskutieren.

    AntwortenLöschen