7. März 2015

Autos bremsen Fußgänger und Radler aus

Köln schickt rote und grüne Clowns auf die Fußgängerüberwege, um den Fußgängern auf lustige Art beizubringen, dass sie bei Rot stehen bleiben sollen. Aber eigentlich ist es eine Frechheit den Fußgängern gegenüber. 

Vordergründig scheint es sinnvoll, diejenigen, die sich quer durch den Autoverkehr bewegen müssen, daran zu erinnern, dass Autos Vorrang haben. Und zwar immer. Es sei denn, auf der gegenüberliegenden Straßenseite erscheint ein grünes Männchen in der Streuscheibe der Ampel. Nur dann darf der Fußgänger sich auf die Fahrbahn wagen. Nur dann ist er sicher.



Quelle: Kölner Verkehrs-Betriebe
Auf den zweiten Blick sieht es nicht mehr so lustig aus. Wer wird hier diszipliniert? Der Fußgänger. Warum? Damit der Autoverkehr ansonsten die meiste Zeit ungehindert rasen kann. Warum eigentlich muss der Autoverkehr so schnell durch die Stadt fließen, dass Autofahrer nicht mehr bremsen können, wenn ein Fußgänger über die Fahrbahn will? Warum ist der Fußgänger immer derjenige, der warten muss?

Auch wenn Autofahrer den Eindruck haben, sie müssten an Fußgängerampeln warten, nämlich dann, wenn die Fußgänger grün haben, so ist ihre, der Autofahrer, Rotphase sehr viel kürzer als die der Fußgänger. Es ist der Fußgänger, der wartet, dass er Grün bekommt, nicht der Autofahrer. 

Auf den dritten Blick ist diese lustige Maßnahme in Köln eine Frechheit dem nicht motorisierten Verkehr gegenüber. Denn sie macht allen klar, wer absoluten Vorrang in einer Stadt hat: das Auto. Und sie tut auch noch so, als diene das dem Schutz der Fußgänger.

Wenn an einem bestimmten Fußgängerüberweg immer wieder Fußgänger angefahren werden, weil sie bei Rot gehen, dann muss man die Ampelschaltung verändern, und zwar so, dass Fußgänger nicht so elend lange warten müssen. Was übrigens auch für Ampeln gilt, an denen man Radfahrer aufhalten will. Wenn in Köln zu viele Fußgänger angefahren und verletzt werden, dann hat es die Stadt nicht geschafft, den Autoverkehr an kritischen Stellen zu disziplinieren. Statt dessen diszipliniert die Stadt die Opfer. Wie so oft im Leben ...

Auch in Stuttgart müssen Radler an ihren Ampeln immer warten, bis auch das letzte Auto durch ist. Das ist der Fall am Charlottenplatz an der Ampel, wo die Autos zur Planie abbiegen. Hier ist ewig rot, auch wenn schon lange kein Auto mehr kommt. Und es ist der Fall am Neckartor, wenn ein Radler aus dem Schlossgarten auf die Neckarstraße fahren will. Man wartet und wartet an genau drei Radlerampeln. Nur damit ein paar Autos nicht stoppen müssen. Verkehrte Welt.

Es wird dringend Zeit, dass wir in unseren Städten umdenken: Der langsame, nicht motorisierte Verkehr hat Vorrang vor dem schnellen PS-starken Verkehr. 




Kommentare:

  1. Hast Du mal ausprobiert, vom Wilhelmsplatz (aus Richtung Stuttgart kommend) Richtung Kurpark (der U2 entlang) zu fahren? Da sind es auf dem angelegten Radweg exakt 5 Ampeln, die so geschalten sind, dass man an jeder(!) Ampel halten muss. Die letzte Ampel davon übersieht man, weil die direkt hinter einem Eck an völlig unerwarteter Stelle kommt. Das wäre doch auch mal ein Beitrag Wert ;)

    Für Fußgänger gibt es ja jetzt in Stuttgart das bestreben, dass man ihnen das Leben angenehmer macht. Allerdings ist das noch ganz am Anfang, daher merkt man noch nichts. Ich bin aber gespannt was sich daraus für Verbesserungen ergeben.

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    1. Über die Fußgängerampeln am Wilhelmsplatz muss ich auch hin und wieder. Was mir dort, insbesondere auf der Seite zur Altstadt aufstößt, ist das Halten der KFZ auf dem Übergang. Als Fußgänger mit und ohne Rad an der Hand kommt man bei Grün kaum über die Straße - sofern das Signal dann überhaupt zu sehen ist. Mit Kinderwagen und Rollatoren muss dann im Zweifel auf die nächste Grünphase und KFZ-Lenker mit mehr Verstand gewartet werden.

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  2. Guck ich mir mal an. Danke für den Hinweis. :-)

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  3. Es geht noch besser: Auf einem Zebrastreifen haben Fussgänger vor Autofahrern Vorfahrt, stimmts? Warum werden die Fussgänger dann durch ein Drängelgitter geleitet vor der Straße? Unsere Verkehrsinfrastruktur ist nur auf ein Fahrzeug ausgerichtet: Das Auto

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    1. Was meinst du mit Drängelgitter? Ich bin überhaupt für mehr Zebrastreifen anstelle von Fußgängerampeln in Stuttgart.

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    2. http://de.wikipedia.org/wiki/Umlaufgitter

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  4. An vielen Ampeln gibt es für Radfahrer und Fußgänger die Gefahr trotz grüner Ampel von Abbiegern überfahren zu werden. Passt das zum Anspruch der Ampeln für Verkehrssicherheit zu sorgen ?

    Umd warum gibt es eigentlich die Bezeichung Spät-/Dunkel-/Kischgelb für eine bestimmte Ampelfarbe ? Sicher nicht, weil bei dieser Farbe kein Autofahrer fährt.
    Warum startet da die Polizei keine Aktion ?

    Und "Bedarfsampeln" sollten dunkel geschaltet sein, wenn kein Bedarf ist und nicht als "Bettelampel", d.H. Grundstellung Rot für Fußgänger

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  5. Dazu auch ein aktueller interessanter Beitrag von SWR2-Forum: Warum die Stadt die Fußgänger entdeckt. http://mp3-download.swr.de/swr2/forum/2015/03/swr2-forum-20150303-warum-die-stadt-den-fussgaenger-entdeckt.12844s.mp3

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  6. Ich verstehe auch nicht warum es nicht mehr Ampeln gibt die für Fussgänger Dauergrün zeigen, das wäre dann eine Bettelampel für Autofahrer, aber sowas ist ja nicht gewünscht.

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  7. Die Ampeln am Charlottenplatz haben mich auch schon schwer Nerven gekostet. Hier wundert es doch nicht warum die Leute sich dann Ausweichwege suchen oder bei Rot schnell drüber wollen.

    Generell finde ich Ampeln an denen man sich Grün "anfordert" nicht verkehrt, wenn sie denn auch funktionieren. Oft drückt man und es hat eh keine Funktion. Die Wartezeit ist oft genauso lang wie ohne.

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  8. Radschwarzfahrer10. März 2015 um 13:05

    Um zu verstehen wie es soweit kommen konnte muss man sich einmal mit dem Begriff "Jaywalking" befassen. Der leider gelungen Versuch der KFZ Lobby den Fußgänger zum Schuldigen zu machen wenn der Autofahrer nicht aufpaßt wo er hinfährt.
    http://www.urbanist-magazin.de/2013/06/vom-jaywalking-zum-kampfradeln/
    http://www.vox.com/2015/1/15/7551873/jaywalking-history

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    1. Darüber habe ich auch schon mal geschrieben:

      http://dasfahrradblog.blogspot.com/2014/12/kampfbegriff-kampfradler.html

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    2. Radschwarzfahrer11. März 2015 um 09:21

      Sorry, als Nordlicht habe ich noch nicht dein gesamtes Blog durchgearbeitet, ich bleibe aber dran ;-)
      Ich denke das Thema, wem die Straße eigentlich gehört sollte aber wieder stärker in den Fokus gerückt werden.

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