13. März 2015

Wenn man jetzt mal ernsthaft das Radfahren fördern würde ...

Dann würde man sofort aufhören, mal hier, mal dort eine blutrote Radspur diagonal über die Rechtsabbiegespur zu legen.

Wenn man wirklich ernsthaft und wahrhaftig dem Radverkehr zum Erfolg in Stuttgart verhelfen wollte, dann würde man alle großen Kreuzungen so umplanen, dass Radfahrer sie ohne Gefahr und ohne lange Wartezeiten an Ampeln in alle Richtungen überqueren könnten.

Und man würde an allen Tempo-50-Straßen Radwege legen, die eine gute Sichtbeziehung zum Autofahrer haben, damit Radfahrer nicht angefahren werden, wenn sie geradeaus wollen und ein Autofahrer abbiegt. (So sieht das in den Niederlanden aus.)

Man muss gar nichts erfinden, man muss nur in die Niederlande gucken. Es scheint zu gehen, vor allem dann, wenn auf diesen dann angelegten stressfreien Radrouten tatsächlich auch deutlich mehr Radler unterwegs sind als bisher auf unserem Mischmasch aus freigegebenen Gehwegen, Radspuren und Radlichtanlagen.

Und so sieht so eine Kreuzung aus.

Man braucht nicht mehr Platz dafür, falls man ohnehin Radspuren angelegt hat. Das Geheimnis sind die Verkehrsinseln in der Ecke, die Autofahrer auf Abstand halten.
Entscheidend ist, dass der Radler an einer Radlerampel etwa dort steht, wo bei uns die Fußgänger auch schon stehen. So können sie vorm Autofahrer gesehen werden, bevor beide losfahren. Und wie beim Fußgänger auch, würde man dem Radfahrer ein paar Sekunden Startvorsprung geben. Biegt der Autofahrer um die Ecke, sieht er die Radler vor sich, die queren wollen.

Für Radler kann man - aber nur mit einer Ampelschaltung, die ein Abbiegen nach links in einem Zug erlaubt - hier umlaufend eine Art indirekter Linksabbiegespur legen (nach dem Kreisvekehrprinzip).

Übrigens in den Niederlanden hat die Politik eines Tages entschieden, den Radverkehr zu fördern (damit nicht mehr so viele Kinder überfahren werden). Von nichts kommt nämlich nichts. Auch in Stuttgart brauchen wir die Entschlossenheit und die dazu nötigen politischen Beschlüsse, den Radverkehr wirklich zu fördern.

Dieses Video zeigt, wie so was im Alltag aussieht. Quelle: Cycling in the Netherlands

Kommentare:

  1. Wo bitte gibt es in den Niederlanden so bescheuerte Radwege, bei denen der Radler Slalom um irgendwelche "Inseln" fahren muss? Grade das gibt es dort nicht. Radwege verlaufen GERADE ohne irgendwelche Schlenker.
    Keine Ahnung ob Du da was falsch verstanden hast, oder nur ungünstige Grafiken ausgesucht hast, um das richigte zu erklären. So wie es jetzt ist, wird nicht klar, was Du nun für "gut" erachtest.

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  2. Nun mal langsam, Axel. Mir hat das auf den ersten Blick auch nicht gefallen, weil wir ja keine getrennten Radspuren wollen, aber es ist ein offensichtlich gut funktionierender Weg, eine enge Kreuzung zu entschärfen, vor allem eben auch für die vielen nicht so resoluten Radler, die sich auf Fahrbahnen nicht wohl fühlen und darum auf den Gehweg auswichen. Ich wäre froh, wir hätten in Stuttgart auch nur eine einzige Kreuzung, die so funktionieren würde, also die insgesamt für Radler durchgestaltet wäre, und zwar so, dass sich alle dort zu fahren trauen und trotzdem eine Sichtbeziehung zum Autoverkehr besteht.

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    1. Christine, ich sage gar nicht, dass bestimmte Lösungen gibt, die gut funktionieren - das sind aber nicht die aus den Grafiken. Dort ist der Radler nämlich gezwungen erst nach rechts zu fahren, das manch Autofahrer als "Abbiegen" interpretiert. Irgendwelche Inseln als Puffer sind ja OK - wobei diese meist so sind, dass Lieferwaren und LKWs erst recht nix mehr in ihren Rückspiegeln sehen - wichtig ist aber, dass die Kreuzung für den Radler weiterhin gerade überfahren werden kann.

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  3. Ich finde diese Lösung sehr gut. Übersehen wird er hier garantiert nicht, da der motorisierte Fahrer ja nicht in den Spiegel sehen muss wenn die hier stehen. Und wenn ein Radler ankommt, kann auch er vom Gas gehen.

    Ich denke auch das die Autofahrer umdenken müssen, und eben nicht alles nach ihrer Laune "interpretieren" können. Es funktioniert in den Niederlangen hervorragend, weil sich eben der Autoverkehr darauf eingestellt hat.

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    1. Friedhelm Waitzmann14. April 2015 um 22:35

      »Übersehen wird er hier garantiert nicht, da der motorisierte Fahrer ja nicht in den Spiegel sehen muss wenn die hier stehen. Und wenn ein Radler ankommt, kann auch er vom Gas gehen.« (Sven Jürgens, 13. März 2015 um 10:52)

      Der motorisierte Fahrer wird genug zu tun haben damit, nach vorne links zu sichern, ob der Abstand zu den dort befindlichen Fahrzeugen reicht. Und wenn er dann die Kurve geschafft hat, hat er die Kreuzung hinter sich gelassen, d. h., vergessen, dass Radfahrer von rechts jetzt noch Vorrang haben.

      »Es funktioniert in den Niederlangen hervorragend«

      Offensichtlich gibt es Niederländer, die dieser Meinung nicht sind: Schau bei Radwegsicherheit (von Erika Ciesla) im Abschnitt »Der sichere Radweg ist nur eine schöne Illusion!« den Cartoon mit der Überschrift »Das ist leider Standarddesign für Radwege!« an:

      Da ist als Quelle »Vogelvrij Fietser« in den Niederlanden angegeben. »De Vogelvrije Fietser« ist die vierteljährliche Zeitschrift des Fietsersbond.

      Jetzt zum Cartoon: Woran fährt der Radfahrer vorbei? An einem Müllcontainer, gefüllt mit Fahrradleichen.

      Wer hat nun Recht?

      Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, <publicJJJJMM.fwnsp@spamgourmet.com>

      Bitte JJJJ durch das Jahr und MM durch den Monat des Datums der Kontaktaufnahme ersetzen.

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  4. So erfreulich eine entschärfte Kreuzung ist, ich halte die Gestaltung mit Zwischenabstandsinsel irgendwie auch nicht für ausreichend. Diese Variante funktioniert bei roter Ampel wahrscheinlich gut. Aus meinem persönlichen Erfahrungsschatz halte ich aber rote Ampeln für vergleichsweise unkritisch - je nach Stimmung kann ich dort vor, hinter oder neben einem Auto stehenbleiben und mir die Situation betrachten.

    Aber im fließenden Verkehr, in dem ein gerade aus fahrender Radler gerne auch mal schneller ist als ein abbiegendes Auto (vor allem wenn mehrere Autos abbiegen wollen) ist die Führung rechts von den Rechtsabbiegern immer noch gefährlich. Und da nützt auch die Insel nichts, vermute ich.

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    1. Bei uns fahren so wenige Radler, dass der eine schneller startet als der parallele abbiegende Autoverkehr. Aber was ist mit dem zweiten und dritten Radler, den der Autofahrer nicht sieht? Ich selber bin auch nicht so für schmale Radwege, aber ein Grundsatz schein schon zu gelten, wenn man eine Stadt zur Fahrradstadt machen will: Vom Autoverkehr getrennte (breite) Radwege anlegen, damit sich alle Radler darauf sicher fühlen. (Kopenhagen) Oder den Autoverkehr auf 30 km/h verlangsamen. (Dazu kommt natürlich die Durchgängigkeit und Klarheit der Radwege. Man darf nicht suchen müssen, wo er jetzt weitergeht, so wie hier bei uns.)

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  5. Ich war viel in den Niederlanden mit dem Rad unterwegs. Top! Man merkt, dass bei der Planung immer(!) Autoverkehr und Radverkehr gleichermaßen bedacht wird.

    Die in den Grafiken gezeigten Situationen habe ich in NL allerdings noch nie(!) gesehen. Verbreitet können die nicht sein.

    Man muss auch bedenken, dass niederländische Autofahrer sehr viel passiver fahren als deutsche. Wie oft regt sich ein deutscher Autofahrer über einen Niederländer vor ihm auf, weil der nicht genauso rast wir er es gerne möchte. Und das merkt man auch auf dem Fahrrad.

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    1. Bei uns fahren so wenige Radler, dass der eine schneller startet als der parallele abbiegende Autoverkehr. Aber was ist mit dem zweiten und dritten Radler, den der Autofahrer nicht sieht? Ich selber bin auch nicht so für schmale Radwege, aber ein Grundsatz schein schon zu gelten, wenn man eine Stadt zur Fahrradstadt machen will: Vom Autoverkehr getrennte (breite) Radwege anlegen, damit sich alle Radler darauf sicher fühlen. (Kopenhagen) Oder den Autoverkehr auf 30 km/h verlangsamen. (Dazu kommt natürlich die Durchgängigkeit und Klarheit der Radwege. Man darf nicht suchen müssen, wo er jetzt weitergeht, so wie hier bei uns.)

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  6. Das klingt beim ersten Lesen toll, aber beim weiteren Nachdenken sehe ich viele Nachteile. Zum einen muß unnötig Slalom gefahren werden, wozu evtl die Geschwindigkeit stark reduziert werden muß. Für die linksabbiegenen Autofahrer ist auch nur schwer ersichtlich, ob ein Radfahrer nun geradeaus oder nach links fährt.
    Und Radfahrer in Ost-West-Richtung, die an der für sie roten Ampel warten stehen denen in Nord-Süd-Richtung im Weg und umgekehrt.

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    1. Wenn ich mir die Kreuzungen in Stuttgart angucke, vor allem auch die, wo ein Radweg vom Gehweg runter auf eine Fußgängerfurt schießt, dann erscheint mir diese Lösung ein Riesenschritt für die Sicherheit der geradeausfahrenden Radler. Und was auch wichtig ist: Man muss für die ängstlichen und ungeübten Radler mitdenken. Die fahren ja nicht mal auf der Fahrbahn, wenn sie Fahrradstraße heißt, sondern auf dem Fußweg. Irgendwie muss man die und alle anderen, dich noch zögern, runter vom Gehweg bekommen.

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  7. Na Klasse, die Stuttgarter Expertenscharr, die oben vorgestellte Situation, so oder so ähnlich, gibt es an jeder!! Kreuzung in den Niederlanden. Sie bezweckt, dass es keinen toten Winkel beim Rechtsabbiegen gibt, außerdem ist der Eintritt in die Kreuzung für den Radfahrer weit vor dem KFZ, so dass dieser IMMER im Blickfeld des KFZ ist. Die Ampelschaltungen KFZ/Rad sind immer zeitlich abweichend voneinander. Dabei ist es nicht vonnöten einen oder dreihundert Radfahrer vorzufinden....auch fahren holländische KFZ nicht weniger agressiv als deutsche.....und das tolle stuttgarter Argument mit dem Platz: Amsterdam hat eine E-Dichte von 3700 E/km2 Stuttgart 2900E/km2..Die Verkehrsplanung in Holland beinhaltet IMMER den Radverkehr zu selben Teilen, er ist nicht abkekoppelt wie hier.
    Hätten wir hier die Situation wie in Holland, gäbe es eine xfache Steigerung des Radfahraufkommens. Da ich an der holländischen Grenze 20 Jahre wohnte, bin ich sowohl mit dem Trekkingrad nahezu täglich nach Enschede gefahren und x mal mit dem Rennrad zu Küste- also langsam wie schnell - es war immer paradiesisch.....

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    1. Vielen Dank für die schönen Infos. Ich bin auch der Meinung, dass wir den Ausbau der Radwege wirklich forcieren müssen, damit mehr Leute, die dass wollen, aufs Fahrrad umsteigen. Mit dem Flickenteppich, den wir derzeit haben, geht das nicht. Es haben zu viele Angst.

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  8. Friedhelm Waitzmann14. April 2015 um 21:15

    »Kreuzungen so umplanen, dass Radfahrer sie ohne Gefahr und ohne lange Wartezeiten an Ampeln in alle Richtungen überqueren könnten«

    Das Problem, dass Radfahrer außerhalb der Wahrnehmung (nämlich woanders als Autos) fahren müssen, ist auch bei dieser Kreuzungsgestaltung mit den Verkehrsinseln nicht aus der Welt geschafft. Dann bleibt also nur, allen unverträglichen Kraftverkehrsströmen Rot zu geben, wenn Radfahrer grün haben. Und unverträglich sind z. B. auch rechtsabbiegende Kraftfahrzeuge, die parallel zu einem geradeaus oder linksab wollenden Radfahrer herankommen.

    Radverkehr ohne lange Wartezeiten zu führen, heißt ja wohl, dass z. B. linksabbiegende Radfahrer nicht länger warten müssen, bis sie die Krezung hinter sich gelassen haben, als direkt links abbiegende Kraftfahrzeuge. Weil sie aber indirekt links abbiegen sollen, werden sie viel länger dazu brauchen als direkt links abbiegende Kraftfahrzeuge, und es wird eine längere Räumzeit nötig. Darüber hinaus könnten zu links abbiegenden Kraftfahrzeugen auch die aus der Gegenrichtung ihrerseits links abbiegenden Grün bekommen, Das indirekte Linksabbiegen der Radfahrer verhindert das aber.

    Mich dünkt, die Erfinder dieser Gestaltung haben daran nicht gedacht oder höchstens daran, dass dem Fortkommen der Radfahrer Genüge getan ist, wenn sie bei Grün einen einzigen Knotenarm überqueren können.

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, <publicJJJJMM.fwnsp@spamgourmet.com>

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  9. Friedhelm Waitzmann14. April 2015 um 21:39

    »dem Radfahrer ein paar Sekunden Startvorsprung«

    Das hilft den Radfahrern nichts, die gerade erst an ihrer Ampel ankommen, wenn der Startvorsprung schon vorbei ist.

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, <publicJJJJMM.fwnsp@spamgourmet.com>

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  10. Friedhelm Waitzmann4. Mai 2015 um 13:23

    »Vom Autoverkehr getrennte […] Radwege anlegen« (Christine Lehmann, 13. März 2015 um 17:21 )

    Wer Fahrbahnradfahrer von diesem Vorschlag überzeugen will, muss ihn am Normalfall, dass Rad‐ und Autofahrer derselben Abbiegerichtung auf einem gemeinsamen Fahrstreifen fahren, messen lassen.

    Wie soll die Trennung geschehen?

    Falls räumlich, kann es nicht die Radverkehrskreuzung sein, die unter die Erde gelegt wird. weil wieder heraufzukommen nach der Kreuzung für Radfahrer mühsamer ist als zu ebener Erde zu fahren.

    Falls zeitlich, kann es nicht sein, dass der Radverkehr längere Rotzeiten hat als der Autoverkehr derselben Abbiegerichtung, weil bei Führung auf gemeinsamen Fahrstreifen die Rotzeiten für Rad‐ und Autofahrer gleich sind.

    Wie also soll das gehen? Und wie können Grundstücksaus‐ und ‐einfahrten entschärft werden? Durch eine Art Auto‐Drängelgitter?

    »den Autoverkehr auf 30 km/h verlangsamen«

    Das klingt gut, aber bitte mit Radarfallen, damit das auch eingehalten wird. Dann können sich mehr Radfahrer zwischen die Kraftfahrer wagen.

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, <publicJJJJMM.fwnsp@spamgourmet.com>

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