3. Mai 2015

Ich bin Auto, Platz da! - Fünf Minuten auf der Fahrradstraße

Dies ist ist Teil 2 der "traurigen Fahrradstraße". Ich habe mich an einem Freitagnachmittag um 16 Uhr fünf Minuten hingestellt und nur zugeschaut, was da so alles passiert.  (Ich wollte eigentlich ganz was anderes fotografieren.) 

Ein Auto fährt beim Rechtsabiegen fast eine Radlerin um. Ein anderer erwischt beim Rückwärtstoßen fast einen Radler. Beide Male weicht der Radler dem Zusammenstoß aus. Er hat ja keinen Blechpanzer um sich herum. Und Autofahrer scheinen nur geradeaus gucken uzu können, vermutlich wegen des vielen Blechs.

Dieses graue Auto hält am Zebrastreifen. Es fährt aber nicht weiter. Es hält dort. Der Fahrer wartet auf jemanden, der schließlich kommt und einsteigt. Drei Radler haben ihn inzwischen kopfschüttelnd umrundet. Es ist nicht erkennbar, was er vorhat. (Er blinkt beispielsweise nicht, um anzuzeigen, dass er steht und wartet.)
Und dann fährt er endlich los. Rechts von ihm kommt ein Radler noch weg, die zweite Radlerin nietet er beim Rechtsabbiegen fast um. Sie bremst zum Stillstand, hebt ihr Rad um und fährt schließlich hinter dem Auto vorbei.

Lieber Autofahrer: Das ist eine Fahrradstraße. Wenn Sie hier sind, dann gucken Sie bitte nach Radlern, bevor Sie irgendwohin fahren. Sie dürfen Radfahrer hier nicht behindern. Radler haben Vorrang.








Wenig später (ich war ja nur fünf Minuten dort), biegt der Fahrer dieses dunklen Autos nach links Richtung Rathaus ein, bremst aber, weil er offenbar festgestellt hat, dass er da nicht hin will, und stößt umgehend zurück.

Ein Radler, der vom Breuninger her kommt, sieht das Auto und setzt dazu an, es großräumig zu umrunden. Doch der Autofahrer stößt noch ein Stück zurück. Er hat den Radler offenbar nicht gesehen.

Jetzt kann der Radler sich nur durch einen schnellen Schlenker retten. Der Autofahrer merkt immer noch nichts uns setzt sein Manöver ungerührt fort









Himmel! Mensch! Autofahrer! Gucken!!!!! Das ist doch gefährlich! Und es ist eine Fahrradstraße. Hier haben Radler Vorrang.








Und hier noch ein Nachtrag von gestern, Samstag, 16 Uhr.

Stau in der Fahrradstraße, weil einer rechts in zweiter Reihe parkt und weil links alles trotz absolutem Halteverbots vollgeparkt ist.

Ach ja, und weil hier alle auf Parkplatzsuche reinfahren, obgleich dies nur eine Anliegerstraße ist. Und ich glaube nicht, dass all diese Leute etwas in der Eberhardstraße einkaufen oder zum Standesamt wollen.


Das Konzept Fahrradstraße scheint nicht so recht zu funktionieren, wenn sich niemand darum kümmert, dass Autofahrer hier die Regeln respektieren. Über Twitter hat mich The Alternative Department of Transport auf das Video aufmerksam gemacht, das es in der Fahrradstraße in Berlin gedreht hat. 


Und in Karlsruhe soll es eine Fahrradstraße geben, auf der keine Autos fahren dürfen. Ich habe bisher nur die entdeckt, wo Autos sehr wohl fahren dürfen, und zwar sogar mit 30 km/h. Und sie fahren da auch eifrig. In Karlsruhe ist man allerdings allgemein besser auf Radler eingestellt, es gibt mehr Radwege und es sind mehr Radler unterwegs. 




Kommentare:

  1. 30 km/h Höchstgeschwindigkeit gilt bei Fahrradstraßen automatisch. Das Zusatzzeichen unter dem Verkehrszeichen ist nur zur Erklärung für die Autofahrenden. Siehe http://www.gesetze-im-internet.de/stvo_2013/anlage_2.html

    Interessant fände ich die Frage, ob das Zusatzzeichen motorisierten Verkehr überhaupt erlaubt. Das gibt es meines Wissens nämlich gar nicht, folglich hängt es rechtswidrig dort.

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  2. Ich habe heute wieder mal auch haarsträubendes erlebt.
    Auf Höhe der Wilhelm-Maybach-Schule, Augsburger / Gnesener Strasse, ist ein Fahrradstreifen mit doppelt durchgezogener Linie abgetrennt. Dennoch fahren hier abends und morgens unzählige Autos drauf.
    Ich habe mal gefragt warum, und da wurde ich nur angeschnauzt das es mich nichts angeht.

    Die Klientel ist dabei sehr gemischt. Grosse und kleine Autos, Alte und junge Leute.
    So macht das Konzept keinen Sinn, denn die Sicherheit welche so Streifen schaffen sollen wird missachtet und auch die Polizei macht auf Hinweise nichts.

    Und bevor wieder die alten Aussagen kommen.... Nein, auf der Strasse direkt fahren ist hier sicher keine Alternative und auch nicht sicherer.

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    1. Nach meiner Erfahrung kümmert sich die Polizei in Stuttgart so gut wie nie um die Einhaltung der Verkehrsregeln. Das betrifft aber auch die Vergehen der Radfahrer!

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    2. @Sven Jürgens: Ich frage mich gerade, wo dieser beschriebene "Fahrradstreifen" auf Höhe der "Wilhelm-Maybach-Schule" sein soll? Mir fällt in diesem Bereich nur der Radweg Richtung Untertürkheim ein: der beginnt ja auf Höhe der Schule, allerdings auf der anderen Seite direkt bei der Wulfiastraße.

      Und hier sind ja neuerdings sechs Baken aufgestellt, um Autos daran zu hindern den Radweg zu überfahren. Aber, wie ich beim sortieren meiner Fotos festgestellt habe, stehen die nun auch schon etwas dichter beieinander, weil wohl schon einer voll reingesaust ist.

      Von der anderen Richtung her, hört der Radweg ja schon etwa 100m vor der Schule auf, etwa auf Höhe der Achse L1193/Seuberstraße. Sind daher vielleicht die beiden Radwege untern dem Augsburger Platz gemeint?

      Ich bin zu den genannten Zeiten noch nicht da lang, aber die beschriebenen Manöver kenne ich von der nahen Waiblinger Straße und Ihren Radwegen: da kürzen auch häufig genervte Autofahrer über die Radweg ab, ohne recht auf die dortigen "Zweiräder" - hier sind leider auch immer häufiger Roller und Motorräder zu sehen - zu achten, es könnte sich daher um dieselben Fahrer handeln, nur eben in Querrichtung.

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    3. Ich meine genau den Radstreifen der etwas (keine 100m) vor der Schule aufhört, der aber über die Abbiegespur die zur Anna-Klink führt, weitergeht. Er hört dort ja nicht direkt auf.
      Und genau den ganzen Weg durch die Unterführung bis zur Schule, wo es dann wirklich wieder zweispurig ist wird im Berufsverkehr auf dem Radstreifen gefahren.

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    4. @Sven Jürgens: Danke - nun habe ich es, dass wären ja dann Zustände wie vor dem einspurigen Umbau - zugunsten beidseitiger *Radwege*.
      Einen von mir geschriebenen - mittlerweile veralteten - Zustandsbericht hatte Christine am 8. Oktober 2013 hier veröffentlicht mit dem Titel "Vorsicht Falle - Der Augsburger Platz in Cannstatt".

      Man könnte dieses Problem (samt der Aussage: "...Polizei macht auf Hinweise nichts. ...") auch bei der Stadt als "Gelbe Karte" einreichen und gucken was für eine Antwort kommt - Feedback hier veröffentlichen, @Christine ??!

      Im Grunde hat man ja auf der Gegenseite mit den Baken (stehen trotz Crash noch!) schon eine probate, kostengünstige und vor allem schnell umzusetzende Lösung gefunden: einfach ebenso Baken an der Ausfahrt Seubertstraße aufstellen, die die dicke weiße Trennlinie nachziehen und so müssen diese ignoranten Autofahrer wieder einfädeln. Dennoch können - wie ja gegenüber zu sehen ist - Radler immer noch hier durchfahren.

      So was ähnliches, wie von @Sven Jürgens beschrieben, ist mir auch weiter unten - in fortgeführter Richtung - auf der neu bepinselten Reinhold-Meier-Brücke aufgefallen. Okay - über den Sinn, wie Unsinn dieses Umbaus kann man berechtigt streiten, aber Fakt ist, dass zumindest die Autofahrer sich an die neue Verkehrsführung halten müssen, Radler auf Grund fehlender Schilder (noch?) nicht!
      Ich beobachte jedoch immer häufiger das Versagen des dortigen Reißverschluss. Mit der Folge, dass PKW/LKW auch auf dem Radweg fahren.
      Dafür gib es sogar schon Verschleiß-Anzeichen an einem, auf der Fahrbahn angebrachten, Rad-Symbole: hier fehlt schlicht der hintere Teil des Fahrrads, zufälligerweise gerade im Bereich der rechten Radseite der überfahrenden Fahrzeuge! (Wer gucken will: 1. oder 2. Rad-Symbol im Radweg-Teil)

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  3. Wobei hier auch wieder geschaut werden muss um welche es geht. Ich rede von roten Ampeln, komplett auf Radstreifen und wegen fahren.

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  5. Friedhelm Waitzmann8. Mai 2015 um 02:18

    »Und bevor wieder die alten Aussagen kommen.... Nein, auf der Strasse direkt fahren ist hier sicher keine Alternative und auch nicht sicherer.« (Sven Jürgens, 5. Mai 2015 um 19:53)

    Was ich in den Kommentaren vom 17. April 2015 um 21:30 und vom 17. April 2015 um 22:23 geschrieben habe, gilt auch hier.

    Allerdings sind es nicht nur die alten Aussagen. Zum ersten Mal erlebe ich es, dass ein Kraftfahrer im Vorschlag 12345, »Verkehrsführung Gnesener Straße Richtung Untertürkheim eindeutig gestalten«, im Bürgerhaushalt Stuttgart 2015 bemängelt, dass er zum Rechtsabbiegen einen Fahrstreifen überqueren muss, weil er sich durch dort illegal Fahrende gefährdet sieht.

    Das ist nicht viel Anderes, als wenn der Autor des Vorschlags geschrieben hätte: »Ich will über diesen Radfahrstreifen hinweg abbiegen können, ohne zu schauen, ob darauf jemand heranfährt. Auf Radfahrer, die da zu Recht fahren, brauche ich nicht zu achten, weil die im Gefährdungsfall schon selber zurückstecken, damit sie unversehrt bleiben.«

    Sven, ich denke, du bist jetzt am Zug, darzulegen, warum die »alten Aussagen«, die übrigens auch von der Unfallforschung der Versicherer gemacht werden, und die ich hier im Blog auch schon gebracht habe, zusammen mit der Aussage dieses Vorschlags im Bürgerhaushalt ungültig sind.

    Ein illegal den Radfahrstreifen benutzender Kraftfahrer sieht einen Radfahrer, zu dem er von hinten her aufschließt. Er wird ihn nicht überfahren. Weil er zudem weiß, dass er gerade etwas Illegales tut, wird er sich davor hüten, den Radfahrer zu bedrängen; denn dann hätte er, sollte er vom Radfahrer angezeigt werden, mit Sicherheit die Arschkarte gezogen, weil es dann aktenkundig würde, dass er illegal auf dem Radfahrstreifen unterwegs gewesen ist.

    Wenn legal den Radfahrstreifen überquerende Abbieger illegal auf dem Radfahrstreifen fahrende Kraftfahrer übersehen, übersehen sie auch Radfahrer.

    Friedhelm Waitzmann, Stuttgart, <publicJJJJMM.fwnsp@spamgourmet.com>

    Bitte JJJJ durch das Jahr und MM durch den Monat des Datums der Kontaktaufnahme ersetzen.

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    1. Sag mal schaffst du es eigentlich mal irgendwann eine gescheite Aussage zu treffen? Immerzu pessimistisch herumzumotzen, dass alle neuen Radwege und Radschutzwege wieder abgeschafft gehören und sich sowieso keiner daran halten wird, erinnert mich doch sehr an unseren Facebook-Troll "Herrn Rudolph".
      Wie wäre es mal mit Vorschlägen zur Verbesserung? (... und bitte nicht zu lang ausformuliert!)

      Und ich weiß nicht wie es den anderen Bloglesern ergeht, aber ich denke mal, dass nicht allzu viele die Verlinkung zu deinen Kommentaren oder weiteren mitunter interessanten Inhalten direkt lesen werden.
      Wie wäre es denn mit einer kurzen Aussage bzw. Zusammenfassung und einem nachfolgenden Link? So könnte jeder deinem Kommentar folgen und der interessiere Leser kann dies weiter vertiefen oder verifizieren. Das sollte dir doch vom wissenschaftlichen Arbeiten als Informatiker bekannt sein?

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  6. Hallo, ich weiss zwar nicht warum ich jetzt am Zug bin etwas darzulegen, aber nun meine kleine Sicht der Dinge.

    Hier noch zusätzlich auf der Strasse direkt zu fahren ist in meinen Augen einfach nicht mehr angebracht, wenn es diesen Radfahrstreifen gibt. Ich finde ihn als Sache auch gut und richtig, um die verschiedenen Verkehrsmittel mit ihren unterschiedlichen Ausprägungen, zu trennen.

    Der Streifen würde, sofern er denn nur zu seinem Zwecke genutzt wird, die Sicherheit und das Sicherheitsgefühl vieler Radler erhöhen. Vor allem da bergauf der Radler eine andere Geschwindigkeit als ein PKW/LKW hat.
    Das Gefühl trügt sicher nicht, weil man dann eben kein "grösseres und schnaufendes Etwas" hinter sich hat das einem das Gefühl des "störens" vermittelt, und sich seiner Geschwindigkeit widmen kann. Gut, es gibt Andere denen macht das nichts aus, sicher auch richtig. Aber mir, da ich nur 4000km im Jahr fahre, ist es auch lieber ich habe meine Spur und muss mich nicht mit Grösseren rumstreiten.

    Ich denke hier gehört einfach mehr miteinander gefordert. Und leider eben auch Polizeipräsenz und Strafen. :-(
    Ich will dem Autofahrer seine Geschwindigkeit nicht nehmen, aber er soll mir meinen Raum lassen. Warum geht so etwas nicht? Einfach an die Regeln halten? ALLE.

    Ich weiß den Aufschrei mancher schon, aber es gibt es unterschiedliche Ansichten, Gefühle und Meinungen, und diese sollte man eben aus jedem Blickwinkel akzeptieren.

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    1. Swen, ja, es gibt unterschiedliche Radfahrer/innen, und die meisten fühlen sich wohler, wenn sie auf einem Streifen etwas Platz freigeräumt kriegen. Das hilft vor allem bei Staustraßen, etwa in der Neckarstraße. Seitdem es da Mischverkehrstreifen (auch Sicherheitsstreifen genannt, gestrichelte Linie) gibt, stauen sich die Autos eher linksseitig und der Radler hat rechts gut Platz, daran vorbei zu kommen. Auch dafür sind solche Streifen nämlich gut, nicht nur dafür, etwas stressfreier bergauf radeln zu können. Allerdings muss man sich auch nicht allzusehr davor fürchten (die an alle gesagt, die mit dem Abenteuer Radfahren in Stuttgart gerade beginnen), auf Fahrbahnen zu radeln, denn da wird man von Autofahrern immer gesehen, denn man fährt ja vor ihnen. Und Verständnis füreinander und Respekt voreinander ist immer ein guter Plan, den ich unterstütze.

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    2. @Sven Jürgens: Das sehe ich auch so, ich fahre zwar weit mehr als 4000km im Jahr, dennoch begrüße auch ich den sinnigen Bau von Bereichen nur für Fahrräder - gerade an Steigungen. Hier werden auch die fittesten Radler zwangsläufig langsamer fahren und da ist es ganz genehm zu wissen, dass man entweder - mit einem vollwertigen Radweg - seinen eigenen Schutzraum hat oder zumindest mit einem Schutzstreifen einen Raum der dem Verkehr signalisiert: der Radler darf hier sein.
      Leider entstehen mancherorts Anlagen, die in ihrer Lage - sowie die jeweilige Ausführung - mehr als fraglich sind und so kommt es schnell zu einer generellen Ablehnung dieser Anlagen, statt diese konstruktiv zu verbessern.

      In der Tat könnte man sich viele der diversen "Radler-Anlagen" sparen, wenn man im Verkehr mehr Rücksicht aufeinander nehmen würde und man sich schlicht an durch die Gesellschaft geschaffenen Regeln halten bzw. diese effektiv durchzusetzen würde bzw. könnte.
      Aber dieses Fehlen der Akzeptanz scheint sich langsam zu einem allgemeinen Problem zu entwickeln, da sich viele mit einem egozentrische Weltbild sich nach draußen begeben: ob nun, der klassische "Kampfradler", der Autofahrer dem jegliche einschränkende Verbotsschilder zuwider sind, aber auch die Fußgänger die kreuz und quer auf breiten, geteilten Wegen laufen ohne Platz für Andere - als auch Radler - zu lassen und zu guter Letzt auch die die netten Mitmenschen die im öffentlichen Nahverkehr die Türen ewig blockieren und eine Abfahrt verhindern.

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  7. Dass die "Fahrradstraße" dort gescheitert ist, wundert mich überhaupt nicht. Die wird auch nicht funktionieren, solange dort nicht ausschließlich Radfahren erlaubt ist. Ich meine, das ich doch im Prinzip die Definition von Fahrradstraße, oder nicht? Ganz analog zur Kraftfahrstraße - hier dürfen auch nur ausschließlich Kfz fahren und das ausnahmslos. Von der Autobahn fangen wir lieber gar nicht erst an...

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  8. Die Lösung ist bessere Infrastruktur. Autofahrer sind Menschlich, und verhalten sich wie Menschen immer werden. Wenn es möglich und wünschenswert ist, eine Straße durchzufahren, Menschen werden genau das machen. Die Behörden muss durch-Kfz-verkehr verhindern, mit physikalische Hindernissen. Nur dann kann da ein Fahrradstraße sein.

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