13. Juni 2015

Deutschlands erste Stoppschildparty

Fand gestern Abend am Stoppschild nur Radfahrer/innen auf der Hauptradroute 1 in der Tübinger Straße statt. Zum zweiten Mal haben wir das Stoppen geübt. 

Das muss man üben. Es hält sich ja sonst keiner dran. Dreißig Leute waren ständig anwesend, fünfzig waren wir insgesamt. Neugierige gab es auch. "Ich finde das Stoppschild nicht so problematisch", sagt ein Radler. "Ja, hältst du da auch wirklich an?", fragt einer von uns. "Nein." - "Müsstest du aber." - Echt? Nöö, nä?"


Eben. Aber auch der Polizei erschloss sich unser Protest nicht so richtig. "Wo ist denn da das Problem?" - "Mann muss doch halten an einem Stoppschild, oder nicht?" - "Nun ja ..." - "Sie könnten da jetzt einen Polizisten hinstellen, der kassiert." - "Na ja, wir lassen die Kirche schon im Dorf."

Was aber soll ein Schild, das nicht eingehalten zu werden braucht. Da fühle ich mich als Radlerin dann doch arg veräppelt. Am Ende gelten all die Schilder nicht für mich, die so herumstehen. Oder habe ich da was falsch verstanden?

Es ist wieder ein Video entstanden. Das muss ich noch schneiden. Es erscheint heute Nacht
oder morgen.

Übrigens haben alle Bürgerinnen und Bürger, auch Radfahrer, die Möglichkeit, im Bezirksbeirat, das vorzutragen, was ihn oder sie stört. Die nächste Sitzung des Bezirksbeirats Süd ist am Dienstag, den 16. Juni, 18:00 Uhr im Generationenhaus in Stuttgart Süd,im Saal im zweiten Stock. Der Bezirksvorsteher gibt den Bürger/innen am Anfang der Sitzung immer das Wort. Das wäre dann eure Gelegenheit.

Und das wäre auch ein schönes Projekt für uns in Stuttgart. In München wollen Berufspendler einen Pulk (größer als die kritische Masse) bilden und auf einer Spur der Fahrbahn radeln, weil der parallele Rad-Fußweg zu schmal ist. Die Süddeutsche Zeitung nennt das noch "sie blockieren eine Fahrbahn", die ansonsten von Autos blockiert wird.

Wann lernen die Städte das: Radfahrer sind Teil des Straßenverkehrs, keine Fußgänger. Um sie zu schützen, darf man sie nicht auf enge Gehwege schicken oder durch Stoppschilder ausbremsen, sondern man muss die Autofahrer disziplinieren und vor allem bremsen.

Kommentare:

  1. Da die Politiker nicht auf Seiten der Radfahrer sind und die Autolobby, weil alle Politiker auch Auto fahren! die Radfahrer nicht als gleichberichtigte Verkehrsteilnehmer sehen, wird sich an den Radwegen auf den Bürgersteigen nichts ändern. Einen Schutzstreifen für Radfahrer auf der Straße zu markieren wird die Autofahrer im Verkehrsfluss hindern ( ist ja eigentlich gewollt von den Städten, wegen der Lärmminderung und Geschwindigkeitsreduzierung), hat aber dann den Nachteil, das es dann rechts vom Schutzstreifen keine Parkplätze mehr geben darf. Damit sind wir wieder bei den Politikern. Sie selbst sind Autofahrer und werden dies dann nicht beschließen. Konsequent sind Politiker auch nicht, denn die Argumente gegen Radfahrer wiegen immer schwerer als die für Radfahrer.
    Nur mal so: 25 Jahre lang wurde von vielen Behauptet: Für Radfahrer Radwege auf den Bürgersteigen, das ist sicher! Es wird nochmals so lange dauern, bis die Radfahrer wieder auf der Straße fahren können/dürfen.

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  2. Ganz so pessimistisch bin ich nicht. Es ändert sich ja auch schon was, wenn auch nur langsam und stückweise. Und es gibt ja uns, die Radfahrer/innen, die für ihre Interessen eintreten. So wie hier. Das zeigt durchaus Wirkung. Aber schnell geht es halt nicht.

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    1. Ich vermisse eben in dem Blog Beispiele für Veränderung bzw. Verbeserung. Wo bleibt das bitte?

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    2. Na, du bist ja streng mit mir. (Ab und zu lobe ich was, aber naturgemäß beschäftigt man sich ja eher mit den Dingen, wo es noch was zu meckern gibt.) Ich weiß nicht, ob du in Stuttgart wohnst und wie lange. Jedenfalls hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre einiges geändert. Es ist zumindest das Bemühen erkennbar, an den Radverkehr zu denken. Das war vorher gar nicht der Fall, vor allem im Vergleich zu den 80ern und 90ern. Leider klappt es noch nicht so richtig, wie man an dem Stoppschild sieht. Das Umdenken hat noch nicht so richtig begonnen. Aber dass sich "nie" was ändern wird, das glaube ich nicht, es widerspricht auch völlig meiner Lebenserfahrung.

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    3. Ich wohne nicht in Stuttgart, ich sehe mir dieses Blog an, um mit meiner Stadt zu vergleichen. Ich habe das ja nur geschrieben, damit man eben auch mal auf das Erreichte sieht und nicht nur das Negative. Die Frage ist ja eben auch: Bin ich zufrieden mit dem Erreichten? Richtig ist: Einen Schritt nach dem anderen. Auch so kommt man vorwärts. Beispiel: Wie schnell sind in Stuttgart die Radwegschilder nach dem Urteil BVerwG 3 C 42.09 demontiert worden? In meiner Stadt wurde erst geprüft (zwei Jahre) dann teilweise demontiert. Macht 5 Jahre nach dem Urteil und nur teilweise!
      Kommen wir vielleicht doch wieder auf die von mir erwähnten 25 Jahre!

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  3. Nächsten Freitag dann die "Wir lassen die Kirche im Dorf Party" - alle üben das ungestoppte vorbeifahren am neuen Stoppschild! Wer das erfolgreich gemeistert hat bekommt einen Stapel Aufkleber "Wir lassen die Kirche im Dorf", die er an Verkehrsschilder anbringen darf, die ausschließlich zur Stadtverschönerung dienen.

    (Man könnte die Aussage des Ordnungsverhüters auch als Resignation vor unsinniger Stadtverwaltungsorgien verstehen)

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  4. Nächsten Freitag gibt's keine Party, ich bin nicht da. Aber es gibt höchstwahrscheinlich wieder eine, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass das Stoppschild in zwei Wochen verschwunden ist.

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