21. Juli 2015

Das Eiscafé-Dilemma

Am Bismarckplatz in Stuttgarts Westen gibt es ein Problem mit Radfahrer/innen an einem Eiscafé. Per Radwegzeichen und Rad/Fußgängerampel werden Radler, die den Vogelsang hinauf kommen, direkt in eine Passage mit Gastronomie geleitet. 

Links stehen Tische, rechts ist ein Grünstück. Über einen Zebrastreifen können Radler weiter den Vogelsang hinauf fahren. Umgekehrt ist es genauso. Die Strecke wird morgens und abends von Berufspendlern viel beradelt. Und immer alle durch das Eiscafé durch. Nun ja, nicht mitten durch, aber Mütter fürchten um ihre Kinder, die ohne zu gucken auf den Weg springen.


rauf
runter
Der Weg ist für Radler nur freigegeben. Sie müssten also Schrittgeschwindigkeit fahren. Tun sie aber nicht. Der Bezirksbeirat West hat hin und her überlegt, was man tun könnte. Denn der Weg über die Fahrbahn um das Dreiecksplätzle herum, ist den Radfahrern offenbar zu unangenehm.

Ist er auch, so wie er jetzt ist: Zum einen stoßen sie, wenn sie von unten kommen, wie üblich an Fußgängerampeln auf eine ungeklärte Situation. Gilt das Fußgänger-Ampel-Grün für sie oder nicht nicht, wenn sie hier gleich auf die Fahrbahn einbiegen,  dann müssen sie sich auf der Schwabstraße auf die Linksabbiegerspur einordnen. An einem Sonntag kein Problem, an einem Wochentag fahren hier viele Autos, sie stauen sich auch. Radler  müssen erneut halten und den Gegenverkehr abwarten, bevor sie nach links hoch in die Bismarckstraße einbiegen können.

Wobei sie auch noch einen einen der üblichen Stuttgarter Bordsteine hochhopsen müssen.

Runter zu mag das Einbiegen über die Bismarckstraße in die Schwabsstraße leichter sein, aber dann stößt man an der Fußgängerampel erneut auf eine völlig ungeklärte Situation. Muss man mit den Autos bei Rot warten und darf man erst bei Grün nach links in den Radweg zum Vogelsang hinab einbiegen? Dann hat man den Gegenverkehr gegen sich und muss warten. Oder biegt man bei Autorot und Fußgängergrün dorthin ein? Dann stehen wenigstens die Fahrzeuge im Gegenverkehr, aber man überfährt eine rote Autoampel.

So jedenfalls kann man Radler nicht dazu bringen, nicht geradeaus an dem Café vorbei zu fahren, sondern die Fahrbahn zu nehmen.

Was also tun? Nein, einen Radweg will man nicht durch die Wiese des Plätzchens legen. Bäume müsste man dafür nicht fällen, aber man müsste die unteren Zweige beschneiden. Für Autostraßen passiert so was ständig, für Radfahrer will man anscheinend keinen Zweig und keinen Meter Gras hergeben.

Wenn man das also nicht will, dann muss man vom Vogelsang zur Ampel und von der Ampel auf die Fahrbahn der Schwabstraße einen echte Radspur bauen, die nach links auf die Abbiegespur führt und - am besten mit Vorfahrt vor den Autos, die die Schwabstraße herab kommen - in die Bismarckstaße führt, ohne Bordstein natürlich. Das Entscheidende ist, es darf für die Radler, keinen zusätzlich Halt geben, wenn die Fußgänger/Radlerampel erst einmal Grün geworden ist. Eine Bergaufstrecke muss rollend genommen werden können.

Also echt was bauen für Radfahrer, was so attraktiv ist, dass eine Fußgängerpassage mit Gastronomie und Fußgängern als schlechtere Variante erscheint.

Aber wer wagt das zu denken in Stuttgart? Ich habe gehört, dass sogar Radler (welche auch immer) gegen einen Radroute über Schwab- und Bismarckstraße waren, weil man den Schwung verlöre. Den verliert man allerdings auch, wenn man durch den für Radler freigegebenen Fußgängerbereich fährt, dann da ist ja Schrittgeschwindigkeit geboten.

Und ehrlich gesagt, verstehe ich nicht ganz, warum die Radler alle die Vogelsangstraße fahren wollen, sie besteht runterwärts (und für die aus dem Zentrum hochfahrenden natürlich auch) komplett aus total ekligem Kopfsteinpflaster. Viel besser finde ich die parallele Elisabethenstraße.

Vielleicht sollte man mal von unten an einen Radweg bis zum Vogelsang über die Elisabethenstraße planen und anlegen. Was echt Schönes, Glattes, Breites ohne Ampelstopps.

Kommentare:

  1. Gab es bisher keine Überlegungen einfach Poller quer zum Abschnitt (siehe Mozartstr./Mozartplatz) aufzustellen? Auch wenn ich ein Schild für Radler - in Stuttgart oft ungünstig angebracht - evtl. übersehen habe, fahre ich dann zumindest langsamer.
    Dieser kleine Eiscaféplatz suggeriert aber auch mit seinem teilenden Pflastersteinstreifen einen abgetrennten Bereich (siehe Christine's Bild Weg runter), vielleicht fahren deshalb manche Radler schneller als erlaubt durch?

    Ich persönlich finde diesen Platz im Stuttgarter Vergleich allerdings relativ harmlos: an Mineralbäder hat sich mittlerweile ein neuer Biergarten etabliert - ungünstigerweise genau um einem Ast der Hauptradroute 1.
    Vom Neckar her wird man per neuer Schilder (~06/2015) direkt hierher geleitet und von der Innenstadt her hat man zwar eine Alternative unten herum auszuweichen, wenn man diese jedoch nicht wahrgenommen hat und man je nach Einfahrt in den Park nicht unbedingt eine Bindung an die Schrittgeschwindigkeit hat, ist das mit Liegestühlen, Kindern und Anderem direkt am Hauptweg eine weitaus ungünstigere Situation, als die relativ Übersichtliche am Bismarkplatz.

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  2. Der Bismarckplatz ist insbesondere als Zufahrt zur Vogelsangstrasse Richtung Bauernmarkt wichtig. Leider. Denn da passt eigentlich nichts: der Bismarckplatz selbst. Die Bismarckstraße mit ihrem fiesen Kopfsteinpflaster. Die Elisabethenstraße mit ihren fiesen Bremsschwellen. Und die Schwabstraße ist auch kein Radlerparadies.

    Ich nutze daher in dem Viertel neben der Vogelsangstraße eigentlich nur die Achsen Gutenberg- und Rötestrasse. Aber das kann ich auch nur deswegen, weil mir die dortigen Steigungen per Pedelec schnurz sind. Für nicht per Hilfsantrieb gedopte Radler ist und bleibt die Situation ärgerlich.

    Dabei gibt es hier ganz gute Konzepte. U.a. vom VCD. Nur müssen sich Bezirksbeirat, Gemeinderat und Verwaltung aufrappelt um die, etwa im Rahmen der Viertelsanierung, mit umzusetzen.

    Ärgerlicher und mindestens so dringend finde ich eine Lösung für den Schwabtunnel. Da existiert aus meiner Sicht bislang nicht einmal ein überzeugendes Konzept.

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  3. Warum die Radfahrer lieber die Vogelsangstraße als die Elisabethenstraße nutzen? Die Vogelsangstraße ist die ideale Fahrradstraße: schnurstracks und fast steigungsfrei zum Vogelsang. Während die Elisabethenstraße gerade mal ein paar hundert Meter von der Gutbrodstraße zur Hasenbergstraße führt.

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