17. September 2015

Ich sehe nichts, was ich nicht sehe

In Polizeiberichten heißt es immer "der Autofahrer übersah den Radfahrer". Aber der Radfahrer wird nicht sichtbarer, wenn er eine Warnweste und Reflektoren trägt. Das zeigen Untersuchungen. 

Der ADFC Hanmburg hat einen Artikel über die Psychologie des Übersehens geschrieben. In Großbritannien trägt der Radler (meist jung und sportlich) leuchtende Warnwesten und wird trotzdem umgefahren. Auf die Unfallstatistik wirken sich Warnwesten nicht aus. Dr. Ian Garrard von der Brunel Universität London ist selber monatelang in sieben verschiedenen Kleidungen durch London geradelt.
Egal wie alarmierend er angezogen war, er wurde mit durchschnittlich 1,18 Meter Abstand (1.50 sollten es mindestens sein) überholt. Nur als die Weste nach Polizei aussah und eine Kameraüberwachung angedroht wurde, hielten die Autofahrer mehr Sicherheitsabstand.

Eine andere Studie hat untersucht, was Autofahrer eigentlich sehen. Die Versicherungsgesellschaft Direct Line hat die Augenbewegungen von Autofahrern aufgezeichnet. Dabei zeigte sich, Autofahrer übersahen nur 4 Prozent der Fußgänger, aber 22 Prozent der Radfahrer. Fußgänger werden um so früher wahrgenommen, je mehr der Autofahrer damit rechnet, dass sie da sind.

Offenbar sind Autofahrer sehr viel mehr darauf getrimmt, Fußgänger zu sehen, damit sie sie nicht anfahren. Während sie nicht mit Radfahrer rechnen und sie auch als für sich gar nicht bedrohlich wahrnehmen. Sie fürchten sich nicht, sie anzufahren. Wobei kein Autofahrer einen Radfahrer anfahren will, er oder sie scheint  nur nicht damit zu rechnen, dass das passieren könnte.

Der ADFC-Artikel hat auch noch auf eine Untersuchung des Transport Research Laboratory der Universität Strathclyde geschaut. Das hat festgestellt, dass Autofahrer/innen selbst kleinste Vergehen von Radfahrer/innen anprangern und sich darüber aufregen, während sie über grobe Fehler ihrer Kollegen am Lenker anderer Autos großzügig hinwegsehen. Das sind die der eigenen Gruppe, von denen man annimmt, dass sie wie man selbst gute Gründe für ihr Verhalten haben. Radfahrer gehören dagegen zu den anderen, denen man Rücksichtslosigkeit oder böse Absicht unterstellt. Auch weil man keine Ahnung hat, in welcher Situation sich der Radler befindet und aus welchen ebenfalls guten Gründen er sich so verhält wie er sich verhält. Da wird der Radler zum Feind, weil er den Autofahrer zum Abbremsen zwingt, obgleich er sich völlig regelkonform verhält.

Die Autogesellschaft neigt, um sich selbst zu entlasten, dazu, den Radfahrern die Schuld oder Mitschuld an einem Unfall zu geben. Man nennt das Stigmatisierung der Opfer. Die Polizeisprache hilft mit, indem sie den Autofahrer den Radler "übersehen" lässt, statt die Formulierung zu wählen "der Autofahrer hat dem Radfahrer die Vorfahrt genommen." Daher kommt der Ruf nach Schutzwesten.

Den Radfahrer schützen aber weder Warnwesten, noch Blinkleuchten davor, vom Autofahrer nicht beachtet zu werden.Sicherheit für den Radler entsteht erst, wenn viele Radler unterwegs sind. Dann sinkt das Risiko für den Einzelnen, Opfer eines Unfalls zu werden.

Kommentare:

  1. "Offenbar sind Autofahrer sehr viel mehr darauf getrimmt, Fußgänger zu sehen, damit sie sie nicht anfahren. " Das ist der Effekt, der mit Safety by numbers beschrieben wird. Je mehr Fußgänger bzw. Radfahrer unterwegs sind, desto mehr rechnen Autofahrer mit ihnen. Deswegen müssen dringend Kampagnen her, die das Rad fahren attraktiv machen. Nur sind das nicht die immer wieder geforderten straßenbegleitenden Radwege oder -streifen, die diesen Effekt nicht haben, sondern wirklich Imagekampagnen.

    AntwortenLöschen
  2. Zumindest in den entsprechenden Pressemeldungen der Polizei würde ich das "übersehen" durchaus so lesen, dass es als Pflichtverletzung des Verkehrsteilnehmers im Sinne von nicht aktiv geschaut erkannt und auch gemeint ist. Dass es nicht unbedingt so gelesen wird ist ja eine andere Sache.

    Zu Anonym: Zur Wirksamkeit von Imagekampagnen kann ich gerade nichts (fundiertes) sagen. Vermutlich gibt es auch hier belegte Zusammenhänge.
    Zur Wirksamkeit verschiedener Radinfrastruktur (nicht nur die genannten, aber auch) gibt es allerdings eine Menge Literatur, die hier einen positiven Zusammenhang dokumentieren. Entsprechend ist die Diskussion zumindest auf der verkehrswissenschaftlichen Seite eher unkontrovers.

    Ich würde hier auch die Parallele zu Fußgängern ziehen, die sich durchaus auch mal auf Straßen ohne Fußgängerinfrastruktur bewegen -- allerdings praktisch nur, wenn es keine hinnehmbare Alternative mit geeigneter Infrastruktur gibt. Für Radfahrer sind im Grunde nur die Grenzen, was für eine kürzere/schnellere Route hinnehmbar ist, andere.

    AntwortenLöschen
  3. Leider kann man das nicht so lesen mit dem "übersehen". Auf https://presserad.wordpress.com/ was leider zuletzt nicht mehr richtig gepflegt wird gibt es dazu massig Beispiele. In praktisch identischer Konstellation "übersehen" Kraftfahrer regelmäßig vorfahrtsberechtigte andere Verkehrsteilnehmer, Radfahrer hingegen "missachten die Vorfahrt von anderen". Das zieht sich wie ein Rattenschwanz durch hunderte Zeitungsartikel und Pressemeldungen der Polizei.

    Eine Warnweste für Radfahrer kann man gerne vorschreiben. Wenn die so viel bringt kann man dann ja den Kraftfahrern immer Vorsatz unterstellen wenn er einen Radfahrer anfährt der eine trägt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Eine Warnweste für Radfahrer kann man gern vorschreiben? Nimm es mir nicht übel, Crownsilver, aber das kann eigentlich nur ein Mann schreiben. Ich will nicht über jedes schicke Teil, das ich anhabe, eine verschwitzte Warnweste anziehen, schon gar nicht im Sommer. Ich möchte so aufs Rad steigen, wie ich bin, mich nicht extra anziehen müssen wie Motorradfahrer. Es ist schon wichtig, dass wir Radler uns gegen unnötige Auflagen wehren, die uns die Autofahrergesellschaft gerne machen möchte, um sich selbst von der Verantwortung zu entlasten.
      Und was die Polizeiformulierungen betrifft, so gibt es bei Unfällen unter Autofahrern da durchaus mehr Variationen als bei Radlerunfällen. Ich kriege ja alle Polizeimeldungen über Unfälle. Stimmt, Autofahrer "übersehen" auch andere Autos. Vermutlich rührt die Formulierung daher, dass die Autofahrer/innen gerne fassunglos erklären: "Den habe ich gar nicht gesehen!" Klar, sonst wäre es nicht zum Unfall gekommen.

      Löschen
    2. Crownsilver, Du hast ja Recht (das meinte ich mit "wird nicht so gelesen"). Ich ging davon aus, dass ein Missachten das gesehen haben impliziert. Ich habe "missachten" (durch KFZ) auch schon bei Unfällen mit Radfahrern gesehen. Ich könnte mir jetzt vorstellen, dass das eher genommen wird, wenn sich die Unfallgegner schon vor dem Unfall sehen mussten, und "übersehen" verwendet wird, wenn das nicht so sicher ist weil eben einer nicht geschaut hat. Das ist aber nur der Pressetext. Vor Gericht kommt es vermutlich nicht so gut an, diese Karte zu spielen. Also, ich könnte mir wie Christine schon beides vorstellen: Die Wiedergabe der Floskel, aber auch die tendenziell verschiedenen Unfallszenarien.

      Eine deutlichere Formulierung statt "übersehen" wäre vielleicht, "den Verkehr nicht beachtet", die Formulierung "missachtet" ist, finde ich, kein Ersatz.

      Christine, Motoradkleidung ist wohl bisher (seit 05/2014) nur zur praktischen Prüfung Pflicht. Eine "praktische Pflicht" ergibt sich nur aus "Mitverschulden bei der Unfallhaftung", also so wie es für Radhelme auch schon mal im Raum stand. (Vermutlich meintest du das ja auch so)

      Löschen
  4. Ich wurde auch schon von einem PKW beim ausparken übersehen, dabei war ich mit einem Linienbus und recht langsam unterwegs, da ich 50 Meter später in der Haltestelle anhalten wollte. Der ist groß, hat Tagfahrlicht und ist mit bunter Werbung beklebt.

    AntwortenLöschen
  5. Hier ein konkretes Beispiel zum Thema 'vom Autofahrer übersehen...' zu 'der Radler hat die Vorfahrt missachtet...', das ich auf dem Radler Blog von Daniel gefunden habe: http://itstartedwithafight.de/2015/09/03/missachten-vs-uebersehen/

    Ich hoffe, dass ich das hier so verlinken darf!

    Grundsätzlich kann ich die beschriebenen Situationen aus meinem eigenen Erleben komplett bestätigen. Es scheint mir so, dass das der einzige Erfolg von Peter Ramsauer als Bundesverkehrsminister war, nämlich die Propaganda, dass jeder Radler zunächst und ausschließlich ein Rambo-Radler ist - nach dem Motto, egal was er macht und wie er sich verhält, es ist bestimmt nicht regelkonform und er hat es sich redlich verdient, wenn er vom Autofahrer bedrängt, genötigt oder gefährdet wird.

    Thomas

    AntwortenLöschen
  6. Zwei der aufgestellten Theorien kann ich gemeinsam zumindest in einem konkreten Fall bestätigen, in welchem ich auf den Schutzstreifen Rotebühl->Berliner Platz auf Höhe Haltestelle "Berliner Platz Hohe Strasse" netten Kontakt mit einer sich unvermittelt öffnenden LKW-Fahrertüre machen durfte (der LKW parkte auf den Parkplätzen rechts des Schutzstreifens):

    Übersehen:
    Der LKW-Fahrer hat vor dem Öffnen der Tür einfach nicht in den Seitenspiegel geschaut.

    Schuldzuweisung:
    Ich wäre zu schnell herauf gefahren.

    Der nette Polizist hat daraufhin gefragt, was er denn glaube wie schnell ich fahren dürfe.
    Als Antwort kam dann so ein "Hmm, 15 , vielleicht 20!?"
    Nach Klarstellung durch die Polizei wie schnell ich dürfte wenn ich könnte hat der Fahrer mir dann einfach Absicht unterstellt.
    Ich traue mir aufm Rad viel zu, aber eine Fahrt so zu "terminieren" dass ich auf die tausendstel Sekunde genau in diesem Moment in seiner sich plötzlich öffnenden LKW-Türe mit dem Lenker einfädle und auf die Fresse falle... naja... das wurde dann der Polizei auch zu viel und die Unterhaltung innerhalb des Polizei-Sprinters fortgesetzt.

    AntwortenLöschen
  7. Mir ist es relativ egal ob mich ein Autofahrer übersieht oder meine Vorfahrt misachtet. Der Effekt ist nämlich der gleiche, ich gerate in eine gefährliche Situation die vermeidbar gewesen wäre.
    Sobald ich auf´s Bike steige habe ich in S den Eindruck dass es alle anderen (Fußgänger, Hunde, Autofahrer und Fahrradfahrer) auf mich abgesehen haben und mich abschießen wollen.

    Der richtige Lösungsansatz für die gesamte Problematik liegt im Umdenken.
    In Holland sind Fahrradfahrer immer und ständig im Bewußstsein der anderen Verkehrsteilnehmer und werden selten "übersehen". Zum einen weil jeder Fahrrad fährt zum anderen aber auch weil eine entsprechend konsequente und überlegte Verkehrspolitik betrieben wird.

    AntwortenLöschen
  8. Wenn man sich, wie ich seit einigen Jahren, mit (Mathe-) Didaktik für rechenschwache Kinder beschäftigt und lernt, dass Kinder ihr mathematisches Verständnis selbst konstruieren und man ihnen dabei nur dann Hilfestellung geben kann, wenn man diesen komplizierten Prozess der schrittweisen Selbstkonstruktion ansatzweise versteht und zumindest einige Klippen kennt, dann kommt man um Piaget (Konstruktivismus) und Luhmann (Autopoiesis = sich selbst konstruierende Systeme) nicht herum.

    Nicht selten erlebe ich bei uns in Ottensen Folgendes:
    Ein Radler ist außer sich und schimpft wütend einem Autofahrer hinterher, der ihm gerade die Vorfahrt genommen oder sonstwie bedrängt hat. 50 m weiter biegt ebendieser Radfahrer über einen Zebrastreifen hinweg ab, haarscharf an querenden Fußgängern vorbei, , ohne die Vorfahrt der Fußgänger zu beachten und ohne sein Tempo zu verringern.
    Könnte man Rad- und Autofahrer direkt zu ihrem Fehlverhalten interviewen, bekäme man wahrscheinlich eine in etwa gleichlautende Antwort: "Was denn? Ist doch nichts passiert!"
    Natürlich ist mir bewusst, das einmal Leben und Gesundheit auf dem Spiel stand, während das Fehlverhalten des Radlers eher eine Belästigung darstellt.

    Das Prinzip der selektiven Wahrnehmung und selektiven Sinngebung (sinnvolles Verhalten, in diesem Fall des Radfahrers) ist das fundamentale Lebensprinzip. Wissenschaftlich gesehen definiert dieses Prinzip Leben.
    Lebewesen sind das Produkt ihrer Selbstorganisation. Sie nehmenn aus der unendlich komplexen Umwelt nur das auf, was sie für ihre (materielle und mentale) Selbstorganisation benötigen. Alle anderen Bestandteile der Umwelt sind "sinnlos".
    Die Interaktion mit der Umwelt ist Kommunikation.
    Das der Kfz-Führer den Radfahrer in der Polizeimeldung "übersieht", kommt daher, dass dem Polizisten (und dem Leser) der Unfallhergang auf diese Weise sinnvoll erscheint. "Sinn" ist das notwendige Mittel zur Abgrenzung von und zur Reduktion der unendlichen Komplexität der Umwelt.

    ".Sicherheit für den Radler entsteht erst, wenn viele Radler unterwegs sind."

    Ich halte "safety in numbers" zunehmend für ein kulturelles Problem. Wenn viele radeln, dann verändert sich die Kultur. Die Sichtweise des Radverkehrs ergibt dann Sinn.

    Bei uns im "Hamburger Abendblatt" ist an diesem Wochenende ein Doppelseite zum Radverkehr drin. Schwerpunkt: Radstreifen.
    Daran fiel mir das auf. Die Radstreifen, obwohl bei Radlern unbeliebt, sollen eine höhere "Sichtbarkeit" des Radler für den Kfz-Verkehr leisten. Die Sichtweise des Radfahrers erscheint unerheblich, das Abendblatt problematisert sogar, dass und warum Kindern von 10 bis 14 J diese Streifen nicht zugemutet werden können. Aber die Radler selbst sind unwichtig. Wichtig erscheint nur, dass der Radverkehr aus "Sicht" des Autofahrers organisiert wird.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Die Unzumutbarkeit ergibt sich aus den zu schmalen Mindestmaßen. Das Geschrei nach einem Bordstein zwischen Rad- und Krafverkehr ist überfüssig. Sowas beruhigt zwar viele, aber in der Realität lassen sich Kraftfahrer auch nicht von Bordsteinen beeindrucken. Außerdem wird es Zeit, dass man die jungen Menschen nicht mehr mit Horrorstorries verängstigt, sondern die tatsächliche Ungefährlichkeit hervorhebt. Statt Kindern einen Helm aufzudrücken, lieber einen anbieten, falls sie doch mal zu schnell um ne Kurve radeln. Vielleicht hilft so ein Ding ja gegen Schürfwunden am Kopf oder so.

      Das weitgehende Fehlen von tödlicher Gefahr durch Rad fahrende ist objektiver Fakt. Trotzdem fühlen sich viele zu Fuß gehende eher durch selbige als durch objektiv gefährliche Kraftfahrzeuge bedroht.
      Um es krass zu formulieren: Für jeden Fußgänger, der vor einem Radfahrer erschrickt, gibt es einen mit einem Kraftfahrzeug Verletzten.
      Es braucht Kampagnen, die ähnlich den Angstkampagnen gegen das Radfahren, endlich die reale Gefahr durch das ganz alltägliche Führen eines Kfz thematisieren. Kein Autofahrer wird sich als Raser angesprochen fühlen, niemand realisiert, dass er oder sie zu schnell fährt. Alltägliche und nebensächliche Handlungen, wie das Kind zur Schule zu fahren sind Gefahrenquellen unabhängig von Fehlverhalten.

      Löschen
    2. Auf dem sehr guten, englischsprachigen Blog As Easy As Riding A Bike erschien dazu dieses Masterpiece an Intelligenz und Empathie.
      https://aseasyasridingabike.wordpress.com/2015/09/04/stress-test/

      Auszug aus dem Post "Stresstest":

      Let us imagine a situation in which a good number of people in train carriages are in the habit of… throwing and catching bricks. Not all, but a sizeable proportion. You could say, it’s what the British do, on trains. (A bizarre situation, but bear with me).

      The vast majority of people throwing and catching these bricks are doing so with regard for other people. They’re doing it carefully, and trying their best to ensure their bricks don’t hit other people, be they brick-throwers, or non-brick-throwers.

      But of course a tiny minority will throw their bricks recklessly. These are the anti-social minority, who don’t really care about other people, and are just lobbing their bricks, willy-nilly, without thought for others.

      Let us imagine Britain has clamped down on this behaviour, over a period of decades. There are stiff penalties for reckless and anti-social brick throwing; repeat offenders are banned from trains.

      This policy has been a success for a long time. Dangerous brick-throwing is almost entirely eliminated. The only people throwing bricks on trains are doing so carefully. You will almost certainly never encounter a reckless brick-thrower on a train. Only considerate, thoughtful ones.

      Despite this success, let us now suppose that people have lobbied – successfully – for train carriages where you won’t encounter brick-throwers.

      Would you choose to carry on sitting in the carriages with brick-throwing, or would you now opt to sit in these new carriages?

      We might go further and even imagine that all brick throwing in train carriages will – at some point in the near future – only be carried out by robots, highly advanced robots, who will never make a mistake with their brick-throwing, and will never hit a fellow passenger. You would be perfectly safe to sit in one of these carriages.

      Again – would you choose to sit in this brick-throwing carriage? Or would you instead opt for the carriage without brick-throwing?

      Löschen
    3. Der Vergleich hinkt. Im realen Leben kann es keine Wagen geben, auf die kein Ziegel geworfen wird.

      Löschen
  9. Eigentlich ging es hier ja nur darum, dass man das nicht sieht, womit man nicht rechnet. Aber klar ist ja auch, dass jeder nur die Fehler des anderen sieht, seine eigenen (sein eigenes Verhalten) ihm aber aus der Situation heraus notwendig und richtig erscheint und auch nicht rücksichtslos, wenn ja nichts passiert ist. Und ich sehe das auch so, dass ich Kinder ungern neben Autos schlingern sehe, weiß aber, dass sie auf dem Radweg zwar eine Weile sicher sind, aber eben dann nicht, wenn sie eine Querstraße überqueren müssen, weil Autofahrer nicht mit ihnen rechnen und sie vorher auch gar nicht gesehen haben und beim Abbiegen auch nicht sehen.

    AntwortenLöschen
  10. Zum Thema: man sieht nur das, womit man rechnet

    Bei mir in der Nähe gibt es eine Kreuzung (eigentlich zwei mit derselben Problematik), bei der eine Seitenstraße mit sozusagem freiem Rechtsabbieger auf eine Hauptverkehrstangente geht.

    Der Rechtsabbieger wird ein paar 100 Meter weiter zum Abbieger auf die Autobahn. Die Hauptverkehrsader ist ansonsten einspurig, die Kreuzungen sind aber ausgebaut mit Abbiegerspuren und entsprechender Ampelschaltung.

    Dieser Rechtsabbieger kreuzt einen auf der Tangente linksseitig geführten, gemeinsamen Rad-/Fußweg mit Benutzungspflicht.

    Um die Autofahrer auf diesen aufmerksam zu machen, befinden sich zu beiden Seiten des Rechtsabbiegers "Radfahrer kreuzen" Schilder mit zusätzlichen Hinweispfeilen, daß sie aus beiden Richtungen kreuzen.
    Dann gibt es noch eine orange blinkende Ampel und der Radweg verläuft rot markiert über die Straße.

    Jedes Mal, wenn ich auf der Straße an der Ampel stehe, schaue ich, wie sich die Rechtsabbieger verhalten.
    *Niemand* schaut nach Radfahrern.
    Alle schauen auf den Verkehr von links.
    Den auf der Straße, nicht auf dem Radweg.

    Die von rechts kommenden Radfahrer sind erst sehr spät zu sehen, da sie durch einen 2 m hohen, bewachsenen Lattenzaun verdeckt sind.
    Wenn ich mit dem Auto auf dem Rechtsabbieger fahre, verlangsame ich das Tempo und beuge mich noch ein Stück vor, um zu sehen, ob jemand kommt.
    Dennoch sind Radfahrer dort erst zu sehen, wenn sie wenige Meter vor der Überquerung sind und ich mit der Stoßstange an der äußeren Markierung stehe.
    Ein zügig fahrender Radler überwindet die Distanz, in der er zu sehen ist, in Sekunden.

    Trotzdem braten die meisten Autofahrer durch die Stelle durch, als gäbe es diese ganzen Hinweisschilder und die blinkende Ampel nicht.

    Für solche Leute taucht man dann ganz plötzlich auf.

    Gestern habe ich mich aus Jux mal an der Stelle postiert, mit Jacke in neongelb, rechter Rand vom Radweg, in Fahrhaltung.

    Die meisten Abbieger hätten mich erst wahrgenommen, wenn ich auf ihrer Motorhaube gelandet wäre.
    Bestenfalls gucken die Leute nach vorne, aber von denen hat mich auch niemand wahrgenommen.

    Halt, falsch, der nette südländisch aussehende Fahrer in dem sauteuren Mercedes Sportwagen. Er war der einzige, der langsam gefahren ist, nach rechts geguckt hat, mich gesehen hat, und kurz abgewartet hat, ob ich fahre oder nicht.

    Wieder alle Vorurteile *nicht* bestätigt. :D

    Ein paar hundert Meter weiter gibt es die gleiche Kreuzungskonstellation, allerdings kommen die Autofahrer da nicht aus einer Seitenstraße, sondern von der Autobahn.
    Mit entsprechender Geschwindigkeit.

    Die Lokalzeitungen hatte letztens einen Artikel, daß es sich bei der Stelle um einen Unfallschwerpunkt handelt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wo ist das denn? Um welche Straße handelt es sich. Danke für diese ausführliche Schilderung.

      Löschen
    2. Das ist in Köln (rechtsrheinisch), Frankfurter Straße / Rather Straße - hilft Dir jetzt aber wahrscheinlich nicht weiter. ;)

      Ich hatte gestern mal versucht, das zu filmen, leider taugt die GoPro dazu nicht, man kann die Fahrer nicht erkennen.

      Ich wollte das eigentlich schon lange mal festhalten, wie es an der Stelle aussieht. Die Leute werden ja mit der Nase draufgestoßen, daß dort Radfahrer kreuzen.
      Aber wo niemand guckt, kann halt auch niemand was sehen.

      Solange dieses unsägliche "übersehen" in PM auftaucht, solange die gleichen PM nicht noch die Info nachreichen, daß der Unfallverursacher mit Punkten und Bußgeld zu rechnen hat und solange Vorfahrtverstöße gegenüber Radlern als Kavaliersdelikt behandelt werden, solange wird sich auch an der Haltung der Autofahrer nichts ändern.

      In der Nähe der Stelle gibt es ein Postverteilzentrum. Letzte Woche bin ich hinter einem DHL-Laster hergefahren, der die Kurve mit Karacho genommen hat.

      Von der Fahrerkabine konnte er evtl. über die Hecke sehen und sehen, daß dort niemand kam. Ich glaub aber eher, daß er nicht nach Radfahrern Ausschau gehalten hat.

      Löschen
    3. Das hier? https://www.google.de/maps/place/Frankfurter+Str.,+Köln/@50.9064302,7.06066,177m/data=!3m1!1e3!4m2!3m1!1s0x47bf273cd597906d:0xacb170b8b925ce2a?hl=de

      Auf dem Googleplan sind die Warnschilder allerdings noch nicht drauf. Sieht total harmlos und wunderbar für Radler gemacht aus, weshalb sich Radler vermutlich auch ziemlich sicher fühlen. Das sind aber genau die wirklich gefährlichen Radwege. Anderserits würde man kaum einen Radler dazu bringen, hier auf der Fahrbahn zu fahren. So etwas wie Sicherheit würde es vermutlich nur geben, wenn man eine Ampel für Radler (und Autofahrer) einrichtet, die eine Kontaktschleife hat und für Radler grün wird (und für Autos rot), sobald ein Fahrradfahrer kommt. Geht aber nur, wenn es nicht zu viele Radler sind. Und so wie du das beschreibst, fehlt es im Grunde an Radfahrern, damit Autofahrer sie auf dem Schirm haben. Im Grunde befindet sich der in beide Richtungen befahrbare Radweg auf der falschen Seite dieser Straße. Auf der gegenüberliegenden wäre es weniger gefährlich. Aber dann passt es halt auf der Brücke wieder nicht. Grottenfalsche Planung. Schwer zu korrigieren.

      Löschen
  11. Ja, das sind die Stellen. Die Abfahrt von der Autobahn hat tatsächlich die zusätzlichen Pfeile unter dem "Radfahrer kreuzen"-Schild nicht.
    Letztes Jahr muß es dort 4 Radfahrer erwischt haben, in diesem Jahr 1. Der ADFC-Köln hat darüber in seinem vorletzten Heft berichtet.
    Seite 22 ff. https://www.adfc-nrw.de/fileadmin/dateien/Koeln/FahrRad/2015/FahrRad-2-2015-small.pdf

    Der neue Plan ist jetzt, daß man an der Autobahnabfahrt eine rot-/dunkel-Ampel für Radler einrichtet. Sie soll grundsätzlich dunkel sein und nur im Bedarfsfall für Radfahrer rot zeigen.
    So, wie ich Köln kenne, wird sie immer rot zeigen und nur alle 15 Minuten den Radfahrern freie Fahrt gewähren.

    In Köln wird nicht geplant, hier wird nur Murks fabriziert.

    Übrigens, wenn man genauer guckt, dann befindet sich an der Kreuzung Rather Straße/Frankfurter Straße links überhaupt kein Radweg-Schild.
    Ich gehe davon aus, daß das dem Aufstellen des Firmenwegweisers vor Jahren zum Opfer gefallen ist.
    Der Firmenwegweiser steht ja auch besonders toll, wenn man von Norden kommt.
    Für die Rechtsabbieger auf die Rather Straße wird man dadurch verdeckt.

    Du hast aber Recht, insgesamt ist hier sehr wenig Radverkehr. Es gibt aber doch diverse Pendler, die den Weg nehmen.

    Ich biege voh von der Rather Straße nach links immer auf die Frankfurter ab (fehlendes Radwegschild) und bleibe dann dort, bis der Radweg auf der rechten Seite in Ostheim anfängt.
    Spur halten sollte man unbedingt können, zur Rush Hour empfehle ich die Strecke jedoch niemandem, der zartbeseitet ist. :D

    Insgesamt gesehen sind die beiden Kreuzungen, sowie die nächste Kreuzung in südlicher Richtung absolute Unfallschwerpunkte an denen immer mal wieder herumgedoktert wird.
    Bisher ohne Erfolg.
    Hauptunfallursache m.E. unaufmerksame Autofahrer und unangepaßte Geschwindigkeit.

    AntwortenLöschen
  12. Am besten wäre hier ja wohl eine weit geschwungene Radwegbrücke über die Autobahnzufahrt, mit geringen Steigungen natürlich. Aber wer baut schon hier in Deutschland was Schönes für Radfahrer. Man hat offenbar auch in Köln noch das Gefühl, die gehörten irgendwie nicht recht dazu und könnten zwischen Fußwegen und Autostraßen hin und her geschubst und wenn nötig mit Rot gestoppt werden, damit Autos nicht stoppen müssen.

    AntwortenLöschen
  13. Ich persönlich würde die Rechtsabbieger einfach enger machen und damit die Geschwindigkeit rausnehmen.
    Dann den Schlenker aus dem Radweg nehmen, so daß dieser parallel zur Frankfurter geführt wird.
    Das ist nämlich genau da, wo die Autofahrer hingucken, nämlich auf den Verkehr auf der Frankfurter. Je näher ich als Radfahrer diesem Blickwinkel bin, desto besser.

    Ich kann diesem 90° Winkel zur Querung der Abbieger nämlich nichts abgewinnen.

    Die beiden Kreuzungen sind übrigens komplett eben, da gibt es keine Steigung. Dort dann für Radfahrer Steigungen einzubauen fände ich übel.
    Den Spaß hat man schon hinter der nächsten Kreuzung, wo man erst an einer Bushaltestelle vorbeikommt, dann die ebenerdig kreuzende S-Bahn unterquert.
    In der tiefsten Stelle der Senke ist dann links der verdeckte Ausgang aus dem S-Bahnsteig, direkt dahinter hält eigentlich immer irgendein PKW, dann kommt der Schlenker um die nächste Bushaltestelle um dann den herben Anstieg zu nehmen.

    Super geplant!

    Und ja, in Köln versucht man einfach nur die Radfahrer von der Straße wegzuhalten. Die Frankfurter ist übrigens eine Umgehung des Heumarer Dreiecks (bekannt aus dem Verkehrsfunk).

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Scheint ja ein lustige Strecke zu sein. Alles so, wie man es nicht machen sollte. Und klar, der Radweg müsste an der Abbiegung nur eng an die Fahrbahn geführt werden, um die Situation zu entschärfen. Das Fachwort ist: Sichtbeziehung herstellen. Kann man bei euch in Köln nicht Beschwerdebriefe an die Stadt schreiben. Oder an einen Fahrradbeauftragten?

      Löschen
  14. Klar kann man Beschwerdebriefe schreiben, einen Fahrradbeauftragten gibt es auch. Rückmeldungen erhält man von dort jedoch nicht - es sei denn, man ist stadtbekannter Fahrradaktivist. ;)

    Große Änderungen erwarte ich aber eh nicht. Die sind erst einmal mit dem Fahrradkonzept für die Innenstadt beschäftigt.

    AntwortenLöschen