19. September 2015

Ohne Fahrrad fährt das Auto bald nicht mehr

täglicher Stau
Heute ist die IAA, die Internationale Automobilausstellung, in Frankfurt auch fürs Publikum geöffnet. Autos satt. Aber es zeigt sich, dass das Verkehrsmittel der Zukunft das Fahrrad ist. Zumindest in den Innenstädten. 

Das macht auch die IAA in diesem Jahr klar. Die Zeit hat einen langen Artikel darüber geschrieben. Demnach werden auf der diesjährigen IAA auch viele Pedelecs zu sehen sein, zusammen mit Ideen und Konzepten, wie man die Akkus vereinheitlichen und die Räder diebstahlsicher machen kann. Klassische Autozulieferer wandeln sich zu Herstellern von Mobilitätskonzepten und entwickeln Elektroräder.

zugeparkt
Und Autokonzerne, allen voran Daimler, werden, denke ich mir, bald Autos entwickeln, die das Klapprad mit Elektromotor bereits fest installiert haben. Aufgeladen wird er Akku über den Motor beim Fahren. Das heißt dann: Parkplatz am Stadtrand anfahren, Auto abstellen, mit dem Klapprad ins Zentrum radeln.

Jedenfalls ist der Automobilindustrie längst klar, dass E-Räder cool sind und dass Mobilität im urbanen Raum ohne Räder gar nicht mehr geht. Das Auto kann in Zukunft nur noch dann in der Stadt fahren, wenn ganz viele andere mit dem Fahrrad fahren.

Eigentlich ist es uns klar. Und eigentlich wissen wir auch, dass wir es unseren Radfahrern bequemer machen müssen, damit noch mehr sich trauen, Rad zu fahren. Viele Städte wollen gern Radhauptstädte werden, aber so richtig was tun dafür wollen sie dann doch nicht. Eine Stadt so zu gestalten, dass wirklich 25 Prozent der Wege mit dem Rad und nicht mit dem Auto zurückgelegt werden - und zwar freiwillig und gern - das erfordert Fachleute für eine höchstmoderne Radroutenplanung und den Willen, dem Fahrrad in der Innenstadt den Vorrang vor dem Auto zu geben. Und es bedeutet Platz schaffen für Radfahrer. Also weg von schmalen Radwegen und Radspuren. Radrouten müssen so breit sein wie eine Fahrbahn für Autos. Und der Lieferverkehr muss die Regeln einhalten lernen, darf also nicht Radrouten fürs Be- und Entladen benutzen. Was alles getan werden müsste, stellt das ZDF hier schön dar.

Kommentare:

  1. Alle Artikel und Anregungen werden nichts ändern: Dem Autofahrer wird mehr Raum gelassen, Umbau oder Veränderung des Verkehrsraum kostet Geld. Das haben Städte nicht. Auch Kopenhagen wurde in 20 Jahren zu der "Fahrradstadt". Die Politiker sind nicht bereit, weil diese selbst mit dem Auto fahren und nur den Vorteil aus der Autoscheibe heraus sehen. Mehr Politiker auf das Fahrrad, nur dann ändert sich die Sichtweise der Politiker. Ein schöner Traum.

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    1. Ja, stimmt schon. Aber unterschätze die Macht der Träume nicht. Du weißt ja, ich formuliere gerne mal absichtlich positiv und zuversichtlich, und zwar vor allem dann, wenn es sich um etwas handelt, was eigentlich bekannt ist und was zwangläufig so kommen muss, wenn man vernünftige Lösungen anstrebt. Und ich finde es auch besser, etwas positiv zu formulieren, als sich darüber zu klagen, was man noch nicht hat. Übrigens ist halt auch Arbei,t die wir alle, die Radler, machen müssen. Rede du mit deinen Wahlkreisabgeordneten übers Fahrrad und übers Auto. Redet alle mit den Leuten, die ihr kennt über den Gewinn, der wir Radfahrer für Stuttgart sind und den noch größeren, der wir wären, wenn wir mehr wären. Redet mit euren Nachbarn. (Und überlasst nicht mir allein das Reden.)

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    2. Reden hilft nicht. Siehe Antwort eines Politikers zu meiner Anfrage der Abschaltung einer Bedarfsampel:
      "Zu den beschriebenen Problemen an der Lichtsignalanlage ist der Straßenbaulastträger angehört worden. Der Knotenpunkt ist in den Hauptverkehrszeiten ausgereizt, was eine gleichzeitige Freigabe für den Radfahrer erschwert. Eine Schaltung zugunsten des Radfahrers bedingt immer Einbußen beim Kfz-Verkehr, aufgrund der zu den Hauptverkehrszeiten häufig bestehenden Rückstaus und der hohen Verkehrsbelastung ist eine Änderung nicht möglich."
      Ich gebe aber nicht auf!

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  2. Stimmt, die Kommunikation mit Ämtern und Politikern in Ämtern ist das eine, die Kommunikation mit dem Nachbarn und einem Lokalpolitiker im Wahlkreis ist das andere. Eigentlich muss man ja die Leute, egal in welchen Ämtern, davon überzeugen, dass es sich für die Stadt udn für sie persönlich, auch wenn sie nur Auto fahren, lohnt, den Radverkehr massiv zu fördern. Weil nämlich, wenn mehr Rad fahren, weniger Autostau ist auf den Straßen. Und zwar den Nachbarn, der sein Auto liebt und Radler hasst, genauso wie die Politiker, die ja gewählt werden wollen. Vor allem aber muss eine Gesellschaft den Wert der Radler erkennen, erst dann folgt ihr in der Regel die Politik. Irgendwie versuche ich jedenfalls unermüdlich das Positive zu benennen und zu beschreiben. So meinte ich das.

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