25. September 2015

Radfahren in Karlsruhe


Sieht auf den ersten Blick besser aus als bei uns, ist aber auch nicht erste Sahne. Immerhin gibt es mehrere Fahrradstraßen und teils schöne Aufstellplätze an Ampeln. 

Aber auch in Karlsruhe fahren größtenteils Autos auf den Fahrradstraßen, und sie nehmen dabei viel zu viel Platz ein. Immerhin ist sie Einbahnstraße für Autos. Aber auch hier weichen Radler den entgegenkommenden Autos, die ihnen keinen Platz mehr lassen, aus, sogar auf den Gehweg.


An vielen Kreuzungen mit mehreren Autospuren gibt es für Radler zwei Sicherheitsspuren, eine zum Rechtsabbiegen, und eine zum Geradeausfahren. Falls es dort auch eine Linksabbiegemöglichkeit gibt, bekommen Radler einen vorgezogenen Aufstellplatz, können sich vorn vor den Autos aufstellen, die geradeaus oder links abbiegen wollen. Das sieht gut aus.

Amalienstraße zur Karlstraße
Allerdings fahren da nicht so die Massen von Radler/innen. Die fahren an dieser Kreuzung beispielsweise ganz woanders, nämlich fünfzig Meter weiter vor dieser Kreuzung auf der Waldstraße.

Wohingegen dieser Radler, der in seine Richtung keine Spur hat, über die Ampel herüber auf die falsche Seite kommt und als Geisterradler weiterfährt, weil er ein paar Meter später links abbiegen will.  (Vielleicht sollte man manche Radführungen mit Radlern absprechen, bevor man sie baut.)

Karlstraße
Ist man in Pfeilrichtung rechts abgebogen, sieht man sich als Radler auf einer Fahrbahn ohne jegliche Radinfrastruktur. Die Fahrbahn ist auch noch schmal. Und man sieht, dass auch Karlsruher Autofahrer auf keinen Fall hinter einem Radler bleiben wollen. Dieser Transporter muss so knapp überholen, weil er sonst links an einen Bordstein käme.






Auf den ersten Blick schön: Man hat auch in der Baustelle an Radler gedacht.  Die Spur wird auch rege befahren.

Leider endet sie dann doch mitten in einer Kurve arg blöd und auch ziemlich missverständlich.  Was soll ich denn hier nun nehmen, Fußweg oder Fahrbahn?




In Karlsruhe fahren mehr Radfahrer/innen als bei uns, aber auf einer größtenteils veralteten Infrastruktur, nämlich auf Radwegen entlang der Gehwege mit Gebüsch zwischen sich und der Fahrbahn. Die Radwege werden an Kreuzungen dann in den Sichtbereich der Autofahrer geschwenkt.

So wie hier. Die Autofahrer bemühen sich redlich, die rote Radspur zu respektieren, wenn sie an der roten Ampel warten (und auf die Rechtsabbiegespur wollen), doch wenn es dann Grün wird und die Karawane sich in Bewegung setzt, sieht der Autofahrer den Radler, der vom Geh-/Radweg kommt, eben nicht mehr (er kann ihn gar nicht sehen).

Der Radler weiß das, bremst und muss dann doch noch ausweichen, weil der Autofahrer einerseits viel zu langsam rüber fährt, andererseits aber eben auch nicht mehr anhalten mag, weil ja seine Ampel grün ist. Sehr kompliziert!

Ungewöhnlich und eine gute Idee: Das Geländer am ZKM ist, wo es kein Radbügel mehr gibt, als Radparkplatz ausgewiesen, und man hat auf Radschlosshöhe noch mal eine Stange angebracht. Das gefällt mir gut.

Kommentare:

  1. Derartige Fahrradstraßen kann man aus meiner Sicht den Hühnern geben. Wo soll da der Nutzwert sein gegenüber einer regulären, geschwindigkeitsbeschränkten (Einbahn-)Straße, die im Gegenverkehr für Radler freigegeben ist!?

    Zumal Fahrradstraßen kommunalpolitisch angefeindet werden und regelrecht erkämpft werden müssen. Die Mühe kann man sich bei einer solchen Ausgestaltung sparen.

    Viel, viel nützlicher sind Straßen, die mit zwei Pollern den Durchgangsverkehr unterbrechen. Die Anwohner jubeln, endlich wird es ruhiger und auch für Kinder weniger gefährlich, trotzdem kann man auch per Auto das Haus noch erreichen. Und als de-facto-Fahrradstraße taugt es nunmehr auch hervorragend. Ganz ohne Fahrradstraßen-Getöse.

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    1. Wenn man sich unsere Fahrradstraße Eberhardstraße anschaut, absolut richtig. Sie funktionieren in Stuttgart bisher gar nicht. Demnächst kommt dazu wieder mal ein Post. Wahrscheinlich geht es politisch am reibungslosesten, wenn Anwohner selber eine Teilsperrung ihrer Straße verlangen.

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    2. Sehe ich genauso. Sobald man eine Fahrradstraße nicht für den Durchgangsverkehr sperrt wird sie sinnlos, dann ist es nicht mehr als Kosmetik, ein Schild, das einem als Radfahrer an der Stelle keinen Vorteil bringt. Die Esslinger Hindenburgstraße ist genau so ein Beispiel, dort wurde die Fahrradstraße ja jetzt erheblich in Richtung Stadtmitte verlängert, nur ist sie weiterhin für Kfz/Motorrad freigegeben (zu erkennen ein den kleinen Ausnahmeschildchen unten drunter). Abgesehen von der geänderten Vorfahrtsregelung (vorher herrschte dort fast ausnahmslos rechts vor links) ändert sich nichts.

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  2. Es gibt tatsächlich bei uns in Karlsruhe noch jede Menge Schwachpunkte und vielleicht hat Karlsruhe insbesondere gegenüber Stuttgart einfach erhebliche topographische Vorteile und deshalb mehr Radverkehr.

    Die Fahrradstraßen in Karlsruhe funktionieren zum Teil:
    dort wo die Straßen durch eine einspurige Verkehrsführung eh sehr eng sind, wird es einigermaßen akzeptiert, dass man jetzt eben nicht überholen kann.
    Sobald die Straße breiter wird, wird das schon deutlich schwieriger.

    In Straßen wie der Bahnhofstraße, die zum Jahreswechsel in eine Fahrradstraße umgewandelt werden soll, sage ich jetzt schon voraus, dass es dort schwierig wird das Verhalten der Autofahrer zu ändern - sprich langsamer zu fahren und Rücksicht auf die Radfahrer zu nehmen. Besonders kritisch die Taxifahrer und Busfahrer - für die scheinen bestimmte Regeln einfach nicht zu gelten!

    Ein weiteres Problem sehe ich jedes Mal, wenn ich aus einer Fahrradstraße wieder auf eine Nicht-Fahrradstraße komme. Tempo 30 gilt nach wie vor und ich bin auch eigentlich ganz zügig unterwegs.
    Dann scheint aber so eine Logik zu greifen, dass der Autofahrer sich ja jetzt lange genug hat schikanieren lassen und hinter mir her fahren musste. Jetzt muss überholt werden auf Teufel-komm-raus, auch wenn die Platzverhältnisse das nicht ohne Gefährdung zulassen!

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