7. Oktober 2015

Doppelt beschildert wirkt auch nicht besser

Das ist der Zahntweg, eine Basisstrecke für Radler, die zwischen Wilhelma und Rosensteinschloss radeln. 

Hier sind etliche Berufspendler unterwegs. Dieser Weg, der früher zum Elefantensteg führte, war noch nie für Radler freigegeben. Er ist aber immer schon befahren worden. Die Radler kennen ihn und sind hier langsam unterwegs. 

Es gab sicher auch viele, die das Schild "nur für Fußgänger" überhaupt nie wahrgenommen haben, und völlig unbefangen hier fuhren. 

Neu sind sind die Radverbots-Schilder.
Sozusagen eine Dopplung der auch bisher eindeutigen Beschilderung. Radler werden aber hier weiterhin fahren, denn es gibt gar keine andere direkte Verbindung zwischen östlicher Innenstadt (Schlossgarten) und dem Cannstatter Quartier an der Neckartalstraße Richtung Kraftwerk. Dieses Quartier ist praktisch vom Radverkehrsnetz abgeschnitten, wenn dieser Weg nicht beradelt werden darf. Die Pragstraße rauf oder runter geht ja wegen der Baustellen auch nicht mehr. Da sind die Radwege weg.*

Der Zahntweg ist eigentlich breit genug, um ihn für Radler freizugeben. Der Neckardamm ist da an manchen Stellen schmaler und ebenso bevölkert. Warum also hier dieses Verbot, das die Radler in die Regelwiedrigkeit drängt. Da ein Rad runter zu schieben ist abwegig. Da rollt man langsam runter. 

Übrigens sind ja die Schilder für Radler ebenso hoch aufgehängt, wie man sie für Autofahrer aufhängt, die von ihrem Sessel hinterm Lenker ja schräg nach oben gucken. Der Radler guckt aber eher schräg nach unten und ist mehr auf den Weg und die realen Hindernisse dort konzentriert als auf Schilder. Fußgänger übrigens auch. Die gucken überhaupt nur auf den Weg, nie nach oben auf Schilder. 

Woran wir wieder mal deutlich sehen, dass alles, was mit Beschilderung und Wegeführung zu tun hat, nur vom Auto her und fürs Auto gedacht ist. Es wird nur mit den Augen und für die Augen von Autofahrern gebaut. 

Zahntweg hoch
Vermutlich gehört dieser Weg nicht der Stadt, sondern dem Land, so wie der ganze Park mit der Wilhelma. Und das Land scheint zu befürchten, dass rasende Radler hier Sonntagspaziergänger tot fahren. Das ist aber nicht zu erwarten. Denn wir Stuttgarter Radler sind es gewohnt, die teil engen Hauptrouten mit sehr vielen Fußgängern zu teilen. Wir können das sehr gut. Sie müssen das nämlich ständig. Nur hier traut man es ihnen nicht zu. Das passt nicht.  

Auch dieses Grundmisstrauen gegen Radler, diese Angst, dass die verantwortunglos überall durchrasen, ist nicht mehr zeitgemäß. Es stimmt nämlich nicht. Ich sehe als Radfahrer ja selber, dass ich nicht sehe, was hinter der Kurve ist. Ich habe nicht das geringste Interesse, jemanden anzufahren. Dabei stürze ich selber nämlich meist äußerst schmerzhaft. Hört auf, uns Radler für Krokodile zu halten.

Die Fotos sind von Blogleser Jörg. Vielen Dank.

* Kein Radler wird sich über die Ampelanlage an der Rosensteinbrücke (Wilhelma) quälen, wo er minutenlang steht, um dann auf der anderen Neckarseite und über die König-Karls-Brücke am Leuze vorbei in den Schlossgarten zu fahren. Das ist ein inakzeptabel langer und zudem auch nicht sonderlich radlerfreundlicher Umweg.

Kommentare:

  1. Wurde kürzlich am Übergang vom Oberen zum Mittleren Schlossgarten von einer Polizei-Motorradstaffel (!) - hat schon mal jemand die Fahrradstaffel im Einsatz gesehen (?) - kontrolliert, ob mein Pedelec nicht vielleicht doch ein S-Pedelec mit abmontierten Vers.-Kennzeichen ist. Ist auch so ein Missstrauen/Verbot: Ich kann doch auch mit einem schnellen Pedelec - zum Beispiel im Park - langsam fahren. Darf man aber nicht. Der Ferrari dagegen darf auch in der 30er-Zone fahren ..

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Neulich habe ich einen einzelnen(!) Fahrradpolizisten bei mir in Gaisburg fahren sehen.

      Polizeimotorräder im Park hab ich noch nie gesehen! Mal was neues :)

      Löschen
    2. Die Polizeimotorradstaffel ist unterwegs, ich habe aber auch noch keine gesehen. Ich bin kürzlich auch von der Polizei angesprochen worden, weil ich auf einem Schweizer Pedelec (dem Cruiser von YouMo) saß, wo es ein Feld für ein Nummernschild gibt. Aber der Gedanke ist schon gut, lieber Anonymus: Wenn die Polizei mit Motorrädern durch den Schlossgarten fährt (ist ja auch verboten), dann müsste ein S-Pedelec ebenfalls fahren dürfen, wenn es langsam fährt, so wie ein Porsche durch eine 30-Zone darf. Den Gedanken finde ich wirklich gut. Tempobegrenzungen kann man ja auch für Radler aufstellen.

      Löschen
  2. Ich bin diesen Weg schon immer gefahren und hatte nie Probleme Leider ist der Elefantenweg inzwischen weg.
    Aber es ist Mode Radfahrern Steine in den Weg zu legen. Aktuell Nürnberger Straße mit Baustellen.
    Fahrradstaffel? Nein, noch nie gesehen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Siehe oben, es gibt die Fahrradstaffel, und sie fährt auch. Wobei ich sagen muss: Im Schlossgarten die Waage zu halten zwischen dem Spazierbedürfnis der Fußgänger und dem Vorankommbedürfnis der Radler ist schon sehr schwierig. Ich bin aber dafür, dass man den Zahntweg für Radler frei gibt. Schließlich haben wir Radler alle sehr viel Übung darin, mit Fußgängern zurechtzukommen. Wieso sollte es dort nicht klappen, wenn es auf den Stegen klappt? Und es ist eine wichtige Verbindung in die Cannstatter Vorstadt.

      Löschen
    2. Ja, Radfahrern werden zur Zeit vermehrt die Wege blockiert oder gefährlich gemacht. Weiteres Beispiel: Nähterstr. zwischen Langwiesenweg und Wangener/Landhausstr. Der Weg ist Kfz gesperrt/Anlieger frei und gehört zur Hauptradroute 2. Das Stück wurde frisch asphaltiert. Und Rollsplit drüber gestreut. Wieviel Jahre dauert es wohl, bis der eingearbeitet ist in den Asphalt? Das schaffen ja nur die wenigen Autos, die da fahren, nicht die Radfahrer.

      Oder Urbanstraße am Wilhelmspalais. Umleitung für Radfahrer. Und dann Zeichen 250, Verbot für Fahrzeuge aller Art. Die einzigen Fahrzeuge, die da fahren können, sind Fahrräder. (Okay, und Mofas). Usw. usf.

      Umleitungen für Radfahrer? Gibt es laut Mailauskunft des Ordnungsamt nur auf der Hauptradroute 1, sonst nicht. Radfahrer müssen sich den Weg suchen.

      Löschen
  3. Bezüglich der Obrigkeit in den Stuttgarter Parkanlagen, hier habe ich glaube ich schon alles gesehenen: die altbekannten Kleinwägen des Ordnungsamts, Reiterpolizei (obwohl oft nur indirekt zu sehen), neuerdings und zumeist abends Motorradpolizisten und natürlich ganz neu die Fahrradstaffel in voller Montur, aber auch in zivil.


    Ich frage mich warum Radler/Pendler überhaupt auf dem Zahntweg und vor der Wilhelma entlangfahren?
    Bevor der Elefantensteg abgerissen wurde, konnte ich es noch nachvollziehend, dass man so von Bad Cannstatt / Stadtstrand her ampelfrei und auf direkter Line in den Rosensteinpark kommt. Nun aber und mit dem zukünftigen Total-Wegfall dieser Route und der derzeitigen langen Wartezeit an den Ampeln bleibt auf dieser Neckarseite nur noch der direkte Weg vor der Wilhelma.
    Hier wurde jedoch in den letzten Tagen die Baustelle der neuen SSB-Haltestelle eingerichtet, weshalb man auch nur noch an der Terrakottawand entlang kann. Diese ist nachvollziehbar auch für Radler gesperrt, was ja grundlegend auch Sinn macht, aber außerhalb der Öffnungszeiten ist hier kaum was los - warum also keine zeitliche Freigabe? Vielleicht wegen der Durchbrüche zum Parkhaus, aber eine ähnliche Situation toleriert man ja auch mit Lage der H1 in der freigegebenen Fußgängerzone der Burgstallstraße.
    Wie auch immer wenn man dann mal den Haupteingang der Wilhelma hinter sich gelassen hat, ist man ja an der U13 Haltestelle und hat wieder eine längere Wartezeit an den Ampeln vor sich, welche man in Kauf nehmen kann, wenn man letztlich ehr nur in den westlichen Teil der Neckarvorstadt (grob zwischen Brücken-, Halden- und Pragstraße) muss, aber alle anderen Ziele flussabwärts rechts, die nördliche Neckarvorstadt bzw. den Hallschlag haben, meine ich, bessere naheliegende Alternativen mit weniger Ampelwartezeit und ohne Sperrzonen bzw. schon generell andere Ausgangspunkte.
    Kann mir also einer der Nutzer dieser Wilhelma-Route erklären, warum diese so attraktiv ist und von woher man diese nutzt? Von mir aus auch mit nicht so legalen Zusätzen, wie der Befahrung von weiteren der vorhandene Verbotszonen oder Queren bei Rot um die Ampelzeit zu verkürzen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. An der Wilhelma entlang bin ich schon ewig nicht mehr gefahren. Wenn man aber am Wilhelmatheater steht, kann man ein Stück Richtung Löwentor fahren und nach 300(?) m über die Ampel und dann geradeaus Richtung Kraftwerk. Von dort dann z.B. links Richtung Travertinpark. Das nutze ich ab und zu, je nachdem wo ich hin will. Da ich aber aus dem Osten komme (Villa Berg) fahre ich am Leuze vorbei. Wer aus der Innenstadt kommt und die fußgängerärmere Allee befährt, fährt besser an der Wilhelma entlang.

      Neulich war ich mit einem Freund beim Spielplatz (zwischen Theaterschiff und Schleuse). Er fuhr lieber über den Holzsteg und durch die Baustelle durch als am Leuze vorbei.

      Löschen
    2. Die Reitstaffel der Polizei ist in der Tat oft im Schloßgarten. Mit entsprechender Verschmutzung der Wege. Wie ich mal erfahren durfte reagieren die Pferde auch erschrocken auf Liegeräder. Also Verschmutzung und Gefährdung. Prima.

      Löschen
  4. Mit S-Pedelec ist man leider derzeit noch verar***t. Es zählt im Gegensatz zum Pedelec (max. 250 Watt-Motor-Dauerleistung, ab 6 km/h nur unterstützend und bei 25 km/h abregelnd) bereits bauartbedingt nicht als Fahrrad. Dementsprechend darf es auch bislang keine Radwege nutzen. Die Reform ist zwar eigentlich klar, aber noch nicht umgesetzt. Danach sollen die Kommunen Radwege dann auch für S-Pedelecs per Beschilderung im Einzelfall freigeben können. Aber ob Stuttgart davon überhaupt Gebrauch machen wird? Keine Ahnung.

    Fehlendes Versicherungskennzeichen ist übrigens nur eine kleine OWi und lässt insbesondere auch den Versicherungsschutz selbst nicht entfallen. Also eigentlich nicht weiter dramatisch, sofern denn die Versicherung besteht. Besteht sie für ein S-Pedelec bzw ein gepimptes Pedelec aber nicht, dann wird es ernst,da kommen dann richtig dicke Delikte zusammen - und deswegen wird auch immer wieder kontrolliert.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wo gibt es innerorts Radwege, die man unbedingt benutzen will? Stellen Sie mir diese Stadt vor?

      Löschen