5. Oktober 2015

Was ziehen wir an?

Der Sommer ist rum. Der Winter kommt bald. Soll ich jetzt wieder auf mein Auto umsteigen und im Stau stehen?, fragen sich manche, die in dem schönen langen Sommer das Radeln für sich entdeckt haben.

Alles eine Frage der richtigen Kleidung. Ich fahre seit zehn Jahren mit dem Pedelec auch durch den Winter (nur nicht bei Eis oder Schnee). Der Vorteil: Es sind weniger Radfahrer auf den teils engen Hauptrouten unterwegs. Die Held/innen sind unter sich. Allerdings werden es immer mehr. Der andere: Man weiß immer, welches Wetter ist. Und bei Regen ist die Luft besonders gut.

Regen

Gerade das Radeln in feuchtkalter Luft ist besser als Autofahren mit Heizung. Denn Erkältungs- und Grippeviren lieben trockene Luft. Je feuchter die Luft, desto weniger Chancen haben diese Viren in Ihrem Hals. Den Lungen macht auch sehr kalte Luft nichts aus. Es mag sich am Anfang ungewohnt anfühlen, aber der Körper wird es Ihnen danken. Ihre Widerstandskraft wächst.

Regen macht leider nass.  Dagegen helfen wasserdichte Regenhose und Jacke, wahlweise auch ein Regenmantel (ich habe einen Reitermantel), der über die Knie geht. Ich habe schon viel ausprobiert, aber richtig zufrieden bin ich mit keiner Variante. Die Hosen sind umständlich an- und auszuziehen, dafür halten sie absolut trocken.  Für die Schuhe gibt es Plastiküberzüge (nicht die für Radschuhe kaufen, die sind arg eng). Bei einem Regenmantel werden die Schienbeine zumindest feucht. Ein Cape, das über den Lenker geht, flattert arg im Wind. Ich wünsche mir einen Regenmantel, der vorne bis zu den Knöcheln reicht und da mit Klettband festgemacht werden kann. Hinten dürfte er kürzer sein. Das hat aber noch niemand entwickelt. Diese Leggins sind ein schöner Vorschlag, im Handel habe ich sie noch nicht gesehen. Und ein Gefummel ist es hier auch.
Regenoverall für
Frauen




Es gibt auch Ganzkörper-Regenoveralls, unter denen man auch ein Jackett tragen kann. Teuer ist das leider alles. So ein Regenschutz für den ganzen Körper, egal ob als Overall oder in Einzelteilen kostet gut 150 Euro (zwei bis drei Tankfüllungen).


Auf einem Normalrad kommt man in Regenkleidung leichter ins Schwitzen als auf einem Pedelec. Allerdings braucht man unter der Regenjacke nicht noch mal eine Jacke zu tragen, weil sie den Wind abhält. Beim Losfahren darf einem auch ruhig ein wenig kalt sein, beim Fahren wird einem warm.

Für Herren, die im Anzug im Geschäft erscheinen wollen: Pullover übers Hemd ziehen, Sport- oder Regenjacke darüber, das Sakko in eine regendichte Satteltasche (nicht stopfen, sondern locker gefaltet) legen. Bei Ankunft Pullover gegen Jackett austauschen.

Regentage sind aber selten in Stuttgart. Und Sportjacken gibt es heute ja in jeder Stärke und Länge. Ich weiß inzwischen, was ich bei welcher Temperatur anziehen muss. Und ein bisschen Schwitzen macht nichts. Bedenken Sie: Jeder Mensch schwitzt im Lauf des Tages sowieso, selbst dann, wenn er nur herumsitzt.

Schwitzen

Gegen Schweißgeruch hilft übrigens ein Unterhemd und/oder T-Shirt aus Merinowolle. Reine Merionowollfasern verhindern sehr zuverlässig, dass die Bakterien Halt finden, die den Schweißgeruch auslösen. Merino ist weicher als Wolle, die ja nicht jeder auf der bloßen Haut verträgt. Sie hat außerdem den Vorteil, dass im Winter leicht wärmt und im Sommer kühlt, besser als jegliche Funktionswäsche. Baumwolle ist dagegen denkbar ungeeignet für Aktivitäten, bei denen man schwitzt. Leider sind Merino-Shirts  (von Icebreaker) nicht billig, und es muss Merinowolle ohne alle Beimischungen sein, sonst funktioniert es nicht. Doch die bringen echt was im Bewegungsalltag.

Kälte

Kälte macht uns eigentlich nichts. Wir sind sie oft nur nicht gewohnt. Radfahren ist eine Chance, sich ans Bewegen bei Kälte zu gewöhnen. Die Luft ist frisch, und Sie wachen sofort auf. Ich bin ein Fan vom Radfahren in normaler Kleidung. Die ist der Funktionswäsche oft überlegen. Ein Woll- oder Walkmantel (nicht zu dick) ist besser als Fleece-Jacken, die meist aus Buamwollmischungen sind. Unter der Anzughose kann der Mann eine lange Unterhose tragen (z.B. dünne Merinowolle). Die kann man im Geschäft wieder ausziehen. Auf Strecken zwischen fünf und acht Kilometern kann man gut ausprobieren, was zu warm wird. Am besten anfangen mit Kleidung im Zwiebelprinzip und auf dem Weg ausziehen, bis Sie genau wissen, wie wenig Sie bei Kälte anziehen müssen, wenn Sie sich bewegen.


Für mich sind Handschuhe wichtig, und ich habe noch nicht die gefunden, die meine Fingerspitzen bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und darunter wirklich schützen. Meistens zieht es an den Fingerkuppen durch die Nähte rein. Bei Strecken über 10 Kilometer habe ich Eishände. In jedem Fall gut: Die Handschuhe deutlich zu groß kaufen. Dann ist mehr isolierende Luft vorhanden.  Ich denke, diesen Winter werde ich es mal mit diesen Handschuhen probieren, gesehen auf der Eurobike 2015.

Kalte Füße kriege ich beim Radeln nicht. Für Frauen sind im Winter  ja eh Stiefel zum Outfit erlaubt. Aber es spricht auch nichts dagegen, das passende Paar Pumps in der Satteltasche (oder einer Tüte auf dem Gepäckträger) mitzunehmen. Herren können sich im Büro ein Paar Konferenzschuhe hinstellen. Ansonsten hier ein paar Tipps für Leute mit kalten Zehen: Zeitung zwischen zwei Socken über die Zehen legen, dann in den Schuh. Eine Plastiktütee (Gefrierheutel) hilft da auch. Und für alle, die dann immer noch kalte Füße kriegen, der absolute Hit: Neoprensocken aus der Ausrüstung für Taucher oder Surver. Die zieht man über die Socken. Man braucht allerdings ein paar Schuhe oder Stiefel, die weit und groß genug dafür sind. (Solche Zusatzklamotten kann man übrigens am Arbeitsplatz neben dem Rad stehen lassen, wenn der Arbeitgeber eine abschließbare Radabstellanlage anbietet. Mir hat noch nie jemand Regenmantel oder Zusatzklamotten beim Rad geklaut.)

Dunkelheit

Und ganz wichtig: Wer im Winter fährt, fährt oft bei Dunkelheit.  Gutes Licht ist sehr wichtig. Und Reflektoren  erhöhen die Sichtbarkeit. Neu auf dem Markt sind reflektierende Jacken, die auch wasserdicht sind. Hier ein Beispiel von der Eurobike 2015. Aber per Internetrecheche finden Sie noch andere dieser Art.

Wer so was nicht tragen mag, kann auf Rucksäcke oder Taschen zurückgreifen, die aus reflektierendem Stoff gemacht sind.

Über Reflektorsprays für Räder, Satteltaschen und Klamotten habe ich schon geschrieben. Das ist in jedem Fall billiger als diese Jacken.

Kommentare:

  1. Mein wichtigstes Kleidungsstück, auch bereits jetzt in der Übergangszeit, ist ein leichter Nierengurt für wenig Geld aus dem Biker-Fachhandel (Louis, Friedrichsstr.):

    Die Nieren sind gut verpackt, trotzdem kann der Oberkörper beim Schwitzen abdampfen.

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    1. Gute Idee. Habe ich noch nie gebraucht. Aber vermutlich bist du schneller unterwegs und keine Pedelec-Fahrer.

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  2. Bei den Handschuhen bin ich auf Fäustlinge umgestiegen. Die halten viel wärmer als Fingerhandschuhe. Die Schaltung (zum Drehen) und Bremsen kann ich gut bedienen.

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  3. Statt Zeitung zwischen zwei Socken kann man den Schuh innen, vor allem im Zehenbereich, auch mit Alufolie auskleiden. Und was die Handschuhe angeht: Es gibt meines Wissens auch Innen-Handschuhe die man unter den eigentlichen Handschuhen tragen kann. Ansonsten sollte man darauf achten, dass zumindest die Fingerkuppen aus Neopren sind und mit versiegelten Nähten ausgestattet sind.

    Ich persönlich nähe mir mittlerweile meine eigenen Radklamotten zusammen, momentan eine Softshell-Jacke/Weste für den Winter und ein Merino-Shirt für drunter, da mir das hochwertige Zeug entweder zu teuer (vor allem wenn man bedenkt, wie und unter welchen Bedingungen das meiste davon hergestellt wird) oder unzweckmäßig bzw. schlecht geschnitten ist. Für jemanden, der ein bisschen Zeit mitbringt und schneidertechnisch nicht unbegabt ist auf jeden Fall eine günstige Alternative, hochwertige Stoffe sind gar nicht so teuer wenn man den Rest selbst erledigt. Was deine Regenmantel-Idee angeht: Da könnte man doch auch so wasserdichte Gamaschen zum Umschnallen mit Klett machen, so in der Art wie die Schienbeinschoner im Fußball, nur für das gesamte Bein. Die wären zumindest einfach an- und auszuziehen... :)

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    1. An Alufolie habe ich auch schon gedacht, aber ehrlich, es gibt sehr viel umweltfreundlicher hergestellte Sachen als gerade Alufolie. Tüte oder Zeitung, wie gesagt, wobei noch besser eben Zeitung. Wie schön, dass du so gut nähen kannst. Vielleicht will dir jemand mal was Maßgeschneidertes abkaufen :-)

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  4. konntest schon die "Halbfausthandschuhe" bei kühlen Temperaturen und Feuchtigkeit testen, haben sie sich bewährt?
    Wie heißen sie? konnte sie nicht finden…

    Die Wenigsten sind >30min unterwegs.
    Als Regenschutz sind dafür meist rainlegs.com ausreichend oder besser als Regenhosen, finde ich.
    Schützt da, wo man's braucht: Oberschenkel und Knie – und trotzdem gut belüftet.
    Auch schon getestet oder Erfahrungen gehört?

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