13. Dezember 2015

Ist das Fahrrad eine Schleichkatze?

Autos sind laut, Räder leise. Fußgänger hören Autos hinter sich, aber nicht den Radler, der von der Seite kommt, und laufen ihm vor die Felgen.

Als Radfahrerin höre ich auch nicht den Radler, der mich gleich überholen wird. Räder - auch E-Räder sind zu leise. Blinde haben gar keine Chance, Elektroautos, Pedelcs und Fahrräder im Stadtgetöse zu hören. Sollten Elektrofahrzeuge und Räder also ein Geräusch machen?


Nein!, ist die erste Reaktion, wir wollen es leise und wir wollen keine Tröten, keine künstlichen Porschesounds und keine Pedelec-Klingeltöne.

Aber hören wir mal genau hin. Vom Saulus zum Paulus hat sich Hannes Neupert (erster Vorsitzender von ExtraEnergy) gewandelt. Und seine Überlegungen (vorgetragen bei einem Kongress in Dresden) sind einleuchtend. In der Natur bewegt sich kein Tier, ohne ein Getäusch von sich zu geben, es sei denn, es ist ein Raubtier. Huftiere trappeln, Vögel flattern, Eulen fliegen geräuschlos, Raubkatzen schleichen sich an, Schlangen hört man nicht. Würden sich Büffelherden, Zebras oder Papageienhorden geräuschlos bewegen, käme es zu fürchterlichen Unfällen im Tierreich. Wer fliehen muss, hört, dass eine Horde Huftiere angallopiert kommt, er hört auch, wenn es nur ein Pferd ist, und ob es langsamen Schritt geht oder galoppiert. Geräusche sind wichtige Übermittler der Beziehungen von Lebewesen in einem Raum.

Fußgänger erschecken vor den sich geräuschlos nähernden Radlern wie vor einem Leoparden, der sie plötzlich anspringt. Das mag einer der Gründe sein, warum so viele Fußgänger Radler als gefährlich empfinden und mit einer Heftigkeit hassen, die der tatsächlichen Gefährlichkeit von Radlern gar nicht entspricht. Kämen Räder (auch Pedelcs) mit einem netten Rauschen, wärhe das vielleicht anders.

Eie EU wird von Elektroautos Fahrgeräusche verlangen, die Fußgängern hörbar machen, wer kommt und wie schnell das Auto kommt. E-Räder könnten auch unter diese Regelung fallen, obgleich sie tatsächlich derzeit schon etwas lauter sind als normale Räder. Entscheidend wird sein, welche Geräusche man als adäquat empfindet und wie sie erzeugt werden. Ein Lautsdprecher am E-Rad mit Traktor-Bullern wäre sicher verkehrt, aber eine vom Rad selbst erzeugtes angenehmes Fahrgeräusch, das Frieden und Ruhe signalisiert, könnte helfen. Wer mehr dazu lesen will, lese hier weiter.



Kommentare:

  1. Im Winter hilft es, wenn man Reifen mit Spikes aufzieht. Da hören einen die Fussgänger und es macht Begegnungen wirklich etwas einfacher. Es hilft aber nur auf ruhigen Wegen, wo es der Strassenlärm nicht übertönt.
    Ich bin im Frühling aber immer froh, wenn die Dinger runterkommen und ich wieder geräuschlos unterwegs bin.
    Ich möchte nicht mit einer permanenten eigenen Geräuschkulisse fahren müssen.
    Dann lieber die Klingel vorsichtig nutzen.

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  2. Ich habe mein Fahrradschloss auf dem Gepäckträger, je nach Belag klappt es mal lauter und mal leiser, so dass ich meistens rechtzeitig wahrgenommen werde. Und zur Not habe ich ja auch noch meine Klingel.

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  3. Ich habe auch schon festgestellt, dass ein Leerlaufgeräusch oder ein klappernder Gepäckträger nicht so schlecht ist. Ich kann mir nur netter Geräusche vorstellen.

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  4. Lösung des Problems: Definierte Radwege schaffen (und nicht Fake-Radwege durch Dooring-Zonen etc.) und schon gibt es keine erschreckten Fußgänger mehr. Die Radwege ggfs auch von Fußgängern freihalten, bestes Beispiel ist hier dieser "Radweg" am Schlossplatz mit der Seil-Absperrung.

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  5. Mountainbiker haben die Swisstrailbell, um Wanderer auf sich aufmerksam zu machen. Gleiche Situation, Mischverkehr, nur ist es auf Asphalt vielleicht nicht uneben genug, um sie zum klingeln zu bringen.
    www.swisstrailbell.ch

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  6. Das Problem ist mit Fahrradwegen nicht gelöst. Auch und gerade auf der Straße ist das ein Problem, dass Fußgänger aber auch andere Radler nicht auf den Radverkehr achten und einfach auf die Straße rauslaufen - nach meiner Einschätzung hat das auf jeden Fall auch damit zu tun, dass man den Radfahrer nicht hört.

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  7. Hat auch was damit zu tun, dass viele Menschen auf "laute" Verkehrsteilnehmer konditioniert sind. Hinhören kann Hinsehen jedoch nicht ersetzen.

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