21. Dezember 2015

Kinder auf die Fahrbahn - Autos auf den Fußweg

Ich kann mir nicht helfen, ich finde das einfach nicht gut. Reihenweise parken die Fahrzeuge im Mühlrain auf dem Fußweg. 

Kinder, die zum Kindergarten gehen, können sich zwischen Türen und Zaun durchquetschen. Ein Rollstuhlfahrer hat keine Chance, der muss Bordstein runter auf die Fahrbahn. Eine alte Frau mit einem Rollator auch. Gerade für die sind Bordsteine eine Hürde, und die Aussicht, eine so lange Strecke auf der Fahrbahn laufen zu müssen (gaaaanz langsam), ist Stress pur. Hier fahren ja Autos. Eine ganz böse neue Mode! Einen guten Grund gibt es dafür nicht, denn es gibt echte Parkplätze entlang der Straße.


An einem anderen Tag sieht es hier so aus. Zwar nur einer, aber dafür sehr dicht am Zaun. Und nahe an der Ecke, um die die Autos kommen.

Und das sind keine Leute, die was anliefern, keine Handwerker oder Sozialdienstler. Es ist auch nicht so, dass es im Mühlrain nicht legale Parkplätze gäbe, die Autofahrer scheinen nur nur zu faul 50 oder gar 100 Meter zu laufen.

So mag es zur Not ja noch gehen, auch wenn es für den Rollstuhlfahrer schon schwierig wird. Und der Bordstein ist hier noch höher, ein Runter oder Zurück gibt es für einen Rollifahrer, der allein unterwegs ist, nicht.

Hier geht aber nichts mehr. Nicht mal ein Kind passt noch durch, so dicht stehen die Fahrzeuge am Zaun. Übrigens diesmal zur Mittagszeit, wenn mehr Leute zu Fuß unterwegs sind.

Beliebt ist neuerdings auch, das Zweitauto (oder das Auto des Gastes)  direkt vor der Garage abzustellen. Leider blockiert es so ebenfalls komplett den Gehweg. Für Rollatoren-Senioren und Rollstuhlfahrer ein Hindernis, und Kinder wollen wir doch eigentlich auch nicht auf die Fahrbahnen schicken.  

Auch hier gilt: Fängt einer damit an, machen es ihm sofort alle anderen nach.

Ein Stück weiter unten endet das Parkraummanagement für den Süden. Das führt dazu, dass die Leute dort ihren Drittwagen oder ihr Wohnmobil etwas weiter hoch in den Mühlrain stellen. Allerdings nicht in dieser großen Zahl wie hier neuerdings auf dem Gehweg geparkt wird. Die Autofahrer haben sich einfach entschlossen, es mit den Regeln nicht mehr so genau zu nehmen und das Fahrzeug auf den Gehweg vors Haus zu stellen, wenn es gegenüber am Straßenrand gerade keinen freien Parkplatz gibt.

Wahrscheinlich wird die Stadt das Parkraummanagement noch ein Stück höher ausweiten, weil die Anwohner im Mühlrain anfangen, sich zu beschweren, etwa, wenn sie mit ihrem Auto nicht mehr aus der Garage rauskommen, weil die Falschparker ihnen keinen Platz dafür lassen. So setzt sich die Autogesellschaft systematisch ins Unrecht und blockiert sich auch noch gegenseitig. Sie provoziert übrigens auch ein verstärktes Nachdenken über eine Erhöhung der Falschparkerbußgelder.

Falschparken ist offensichtlich auch zu billig. In Europa kassieren wir am wenigsten. 

  • Gehwegparken kostet in Schweden 114 Euro, in den Niederlanden 90 und bei uns nur 20 Euro. 
  • Für das Parken auf einem Behindertenparkplatz kassiert man in Holland 360 Euro, bei uns nur 35 Euro. 
  • Radwegparken kostet  in Schweden 114 Euro, in den Niederlanden 80 und bei uns 20 Euro. 





Kommentare:

  1. An dem Tag an dem Stuttgart Stadtsherriff Posten auf Provisionsbasis ausschreibt, werfe ich meinen Ingenieursjob hin ...

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    1. ...auf der Basis unserer Bußgelder würde ich mir das aber nochmal überlegen.

      Beinahe täglich werde ich von solchen Helden als Radfahrer, Fußgänger oder aber als Autofahrer behindert. Darauf angesprochen ist Einsicht in eigenes Fehlverhalten noch nie aufgetreten. Wenn mir keine Aggressivität entgegnet wird, ist das schon viel Wert. Der "Terror" auf unseren Straßen ist wohl im Alltag deutlich gefährlicher für die Gesundheit, als das, was man für gewöhnlich damit in Verbindung bringt.

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  2. Für Falschparken gibt's eine Verwarnung. Dafür kann keine Bearbeitungsgebühr erhoben werden.

    Zum Vergleich: Für ein Bußgeld wird eine Bearbeitungsgebühr von mind. 23,50 € erhoben. Ob damit der Verwaltungsaufwand gedeckt ist, das weiß ich nicht.

    Die Ahndung von Falschparken scheint damit ein finanzieller Aufwand zu sein, den die Kommunen (durchschnittlicher Verschuldungsanstieg 2015: 4,5%) sich erst einmal leisten können müssen(Vielleicht doch lieber stattdessen ein kaputtes Schulklo reparieren?).

    Ich glaube nicht, dass den Verwaltungsfachleuten in der Lobbyhöhle Bundesverkehrsministerium der Zusammenhang zwischen Finanzierungslücke und Untätigkeit in der Sache unbekannt ist.

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  3. Mühlrain, Zweitwagen, Drittwagen... klingt für mich nach einer Gegend, wo sich die Anwohner ohnehin einen Dreck um Fußgänger, Kinder und Leuten im Rollstuhl scheren und offen die Ellenbogenmentalität leben.

    Warum nicht einfach Poller installieren? Bekommt man fast geschenkt, die sind langlebig und effektiv.

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  4. Ist es wirklich das Zweitauto, das da direkt vor der Garage steht ?
    Es ist doch unzumutmar mit 2m+ breiten Autos in eine Garage rein zu fahren, die für wesentlich schmalere Auto gebaut worden ist. Und ausserdem läßt sich so eine Garage gut als Lagerschuppen nutzen.

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  5. Bleibt die Frage, ob die Fläche vor den Garagen überhaupt ein Gehweg ist oder doch Privatgrund. Üblicherweise sind Garagen ohne 5m "Parkfläche" davor nämlich unzulässig.

    Gruß
    Timovic

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    1. Na ja, das ist ein Fußweg, der selbst, wenn er Privatgrund ist, ja öffentlich begehbar sein muss. Kinder, Mütter mit Kinderwagen, Rollstuhlfahrer und Senioren mit Rollatoren auf die Fahrbahn schicken, damit das Auto geparkt ist, das geht gar nicht.

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