20. Januar 2016

Alternative: Sturz - Eisbahnen für Radfahrer

heute
Feinstaubalarm Tag 3 und immer noch sind Autos unterwegs wie nicht gescheit. Und immer noch sind die Wege für Radfahrer nicht geräumt oder gestreut.

Da kann möchte man die Empfehlung aussprechen: Fahrt auf Fahrbahnen und, wo es nicht anders geht, auf dem Fußweg. Die sind nämlich geräumt.

Der Nachteil von Extrawegen für Radler, auch Radwege genannt, ist, dass viele Städte keine Maschinen haben, um sie von Schnee und Eis freizuhalten. Hinzu kommt, in Stuttgart gerade sehr deutlich sichtbar, dass gar kein Interesse besteht, die Wege für Radler freizumachen. Auch an den Tagen nicht, wo wir Menschen dazu bewegen wollen, nicht mit dem Auto zu fahren.



vor zwei Tagen
Die Radlerschleuse in der Tübinger Straße, Ecke Feinstraße ist seit Tagen vereist. Stadtwärts wurde sie von Radlern freigefahren, vielleicht scheint da auch mal die Sonne drauf. Stadtauswärts, Richtung Marienplatz gibt es heute eine schmale Reifenspur (Foto oben), gestern war das noch Schneematsch und Eis. Ein Frau stieg ab, weil ihr das zu riskant war.

Radfahrer haben nämlich nur zwei Räder. Rutscht das vordere auf Schneematsch oder einer Eisplatte weg, und die kann winzig sein, dann stürzen nur sehr geübte Radler nicht. Alle anderen ja.

Das ist saugefährlich, viel gefährlicher als für Autofahrer, die von Blech gepanzert auf vier Rädern durch die Stadt schlittern. Aber sie müssen gar nicht schlittern, denn die Fahrbahnen sind alle geräumt.

Und so sollte eine Radhauptroute 1 gar nicht aussehen. Die Fläche am Übergang der Möhringer Straße über die Karl-Kloß-Straße am Erwin-Schöttle-Platz war gestern Abend über viele Meter total vereist. Radfahrer können und dürfen nicht woanders fahren, Und das auf einer auch im Winter noch immer rege befahrenen Strecke!

Radhauptroute 1 durch den Schlossgarten: Die Kurve zur S21-Baustellen-Brücke besteht aus Eis. Radler müssen hier auf die Gegenfahrbahn für die Radler ausweiche, die um die Kurve entgegenkommen. Lässt sich machen, hier gibt es wenigstens eine Alternative.

Und noch mal: Es genügt, dass man mit dem Vorderrad auf Eis gerät, den Lenker zu stark bewegt, und schon stürzt man. Erfahrene Radler haben das oft durch schmerzhafte Erfahrung gelernt, unerfahrene sind hier gefährdet.

Und noch mal Radhauptroute 1, Cannstatt, heute. Der Abgang nach der König-Karls-Brücke zum Wasen ist nicht gestreut, nicht einmal Granulat ist erkennebar. Eine spiegelglatte Fläche von beträchtlicher Steigung.

Wer hier oben steht, kann  noch die Alternativroute über den Cannstatter Wilhelmsplatz wählen, wer vom Neckardamm von unten kommt, hat keine Alternative mehr. Schlitter, Rutsch, Sturz.


Übrigens eine Weiterfahrt mit Hindernissen. Die Radspur zum Wilhelmsplatz ist komplett zugeparkt.

Breiter Feinstaub-Spott der Autofahrer?


Auf der Silberburgstraße im Übergang zur Möhringer Straße Richtung Marienplatz sah vor zwei Tagen so aus (Foto unten). Die Radspur ist nicht sichtbar, weil vereist.  Radfahrer, die sich an die Regeln halten wollen, dürfen eigentlich nicht rüber auf die Fahrbahn, denn das sind dicke weiße Streifen, die das verbieten.

Bleibt nur: Der Sturz.



Silberburgstraße Radspur vorgestern
Ich finde: So geht das nicht. Schon gar nicht in diesen Tagen, da man Menschen aus dem warmen und sicheren Auto herausbringen will, weil die Feinstaubwerte Rekordhöhen erreichen.

Mein Vorschlag: Allemal bei Feinstaubalarm die Radwege, Radspuren und Radübergänge über Gehwege und in Sackgassen vorrangig räumen und zur Not auch streuen! 

Kommentare:

  1. Kein Problem mit Spikes. Die sollte jeder Fahrradfahrer im Winter drauf haben, auch wenn es keine Vorschrift ist. Weil man dann stets sicher lenken und bremsen kann.

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    1. Miestens braucht man keine Spikes, und mit denen rutscht man auch ziemlich auf Asphalt. Der Punkt ist aber auch der, Carsten: Wenn jetzt Leute ihr Rad rausholen, weil sie den Feinstaubalarm ernst nehmen und die kurze Strecke mit dem Rad fahren wollen, dann haben sie keine Spikes auf den Reifen. Und das kann's auch nicht sein: Für Autofahrer und Fußgänger alles frei, die werden gepampert, aber die Radler nicht. Das ist die falsche Perspektive in einer Stadt, die den Radleranteil erhöhen will. Die Radler dürfen nicht immer die letzten in der Hack(Streu)-Ordnung sein.

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    2. Spikes laufen super auf Asphalt, sie sind nur etwas laut.

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    3. Guten Abend, ich hatte mir auch überlegt Spikes drauf zu ziehen, hab´s dann aber bleiben lassen auf Raten meines Werkstattmenschen. Wäre vielleicht wirklich geschickter gewesen. Trotzdem muss ich Christine in dem Punkt Recht geben, dass es nicht sein kann, dass wir Radfahrer dermaßen benachteiligt werden.

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    4. Ich kann dir nur zu Spikes empfehlen. Am Besten nen billigen zweiten Laufradsatz kaufen und dort die Spikes montiert lassen. So musst du nur die Laufräder tauschen, was um einiges schneller geht.

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  2. Ich war gestern - wie so oft - aus Möhringen Stadt ein- und auswärts unterwegs und kann die dargestellten Missstände bestätigen. Radlerschleuse Tübingerstraße - vereist. Burgstallstraße - vereist. Alles kein großes Problem, wenn man Spikes hat. Trotz Spikes nahezu unbefahrbar war der obere Teil des Kaltentals, wo der Radweg durch einen Bordstein von der Fahrbahn getrennt ist. Dort lag abends so hoch Schneematsch, dass selbst Spikereifen weggerutscht oder durchgedreht haben. Die geräumte Fahrbahn kann/will man dort aber nicht befahren, da diese so schmal ist, dass Autos dann (eigentlich) nicht mehr überholen können bzw. dürften. Ebenfalls nicht geräumt war die Fußgänger und Radler-Brücke über die Kaltentaler-Abfahrt nach Möhringen.
    Alles in allem hatte ich den Eindruck, die Stadt tut nix, um den Leuten bei Feinstaubalarm den Umstieg aufs Rad schmackhaft zu machen.

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    1. Ich habe vorgestern jemanden aus Vaihingen befragt, die schilderte es weniger dramatisch, aber der Frost hat ja zugenommen. Danke für deinen Bericht.

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  3. Zwischen Heslach und Waldeck ist der Radweg auch durch einen Bordstein abgetrennt, aber geräumt und gut befahrbar. Eine geeignete Maschine gibt es offensichtlich. Aber das Stück zwischen der S-Kurve und der Haltestelle Viadukt ist nicht richtig befahrbar. Zahlreiche gefrorene Fussspuren(!) und keinerlei Winterdienst machen die Auffahrt nach Vaihingen heute morgen schwierig. Mal schauen was die Stadt auf meine Beschwerde antwortet. Schließlich empfiehlt sie dieser Tage das Radfahren nachdrücklich.

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    1. Danke für die Infos. Ich sehe das auch so: Gerade jetzt sollte man für Radler vorrangig räumen.

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  4. Ich wäre froh, meine Strecke wäre nur "nicht richtig befahrbar". Aus dem Osten hoch zum Fernsehturm wird es von Tag zu Tag übler. Von der Payerstraße bis Geroksruhe ist der Fußweg geräumt. Der ist zwar eng aber noch okay. Danach habe ich die Wahl zwischen Pest und Cholera: Durch den Wald bergauf - verspurt und vereist -, über den ungeräumten Fußweg bergauf - ungeräumt und vereist - oder auf der Straße bergauf, wo die Autos mit bis zu 80 km/h angeschossen kommen. Auch der "Geheimtipp" Buowaldstraße eignet sich eher zum Schlittschuhfahren als fürs Rad.
    Mir graust es, wenn es anfängt zu tauen und nachts wieder überfriert...

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    1. Oje, das kann ich mir gut vorstellen. Radwege durch Wälder sind halt eben wirklich nicht gut für den Winter. Zum Glück haben wir ja selten so ein bisschen Winter wie jetzt, aber dass es selbst bei dem bisschen für Radler überhaupt nicht funktioniert, dass macht mich selber richtig wütend.

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    2. Hast Du schonmal als Auffahrt im Bruckenschlegel/Nonnenwaldschraße versucht? Die wird gestreut und war vor zwei Tagen schnee-/eisfrei, und die Autos sind erträglich. Abfahrt kannst Du ja die großen, gestreuten Straßen nehmen.

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    3. Danke Steffen, aber genau bis zur Waldebene komme ich ja gut... Nichts desto trotz fahre ich da heute mal :-)
      Eva

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  5. Guten Abend zusammen, ich hab es heute dann trotz Warnung anderer doch gewagt von Vaihingen nach Stuttgart runter zu düsen (naja düsen war das ja nicht wirklich). Einige Abschnitte sind höllisch glatt und ich muss sagen, dass ich über die Autofahrer sehr gewundert habe. Waren alle sehr rücksichtsvoll (? Kenn ich so ja gar nicht), d.h. sind stehen geblieben oder zur Seite gefahren, als sie bemerkt haben, dass ich mich vorsichtig zur Seite aufs Glatteis bewege. Also, nicht alles schlecht die Tage.

    Trotz allem ist es absolut nicht verständlich, dass die Radwege nicht geräumt werden. Es gibt so kleine Maschinen dafür.

    Kopf hoch und ride you bike carefully these days :)

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    1. Tapfer. Ich bin heute längs durch ganz Stuttgart geradelt. Es ist gut, dass wir das tun. ich war saulangsam unterwegs. Ich habe zwar nicht festgestellt, dass die Autofahrer besonders respektvoll waren, manche haben gar nicht kapiert, dass ich jetzt nicht aus der einen Fahrspur rausfahre in den Schnee, damit sie weiterfahren können. Schön, dass du da auch nette Leute erlebt hast.

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  6. In Karlsruhe ist es meist etwas wärmer und daher weniger problematisch mit Schnee und Glatteis. Das Räumen und Streuen der Radwege funktioniert sicher nicht perfekt, aber es wird immerhin geräumt und gestreut. Dazu gibt es eine interaktive Karte, auf dem man nachschauen kann, welche Radwege im Winterdienst betreut werden!!! Habe da auch erst gestern von erfahren: http://www.radel-blog.de/mobilitaetsportal-karlsruhe/
    Ziemlich coole Sache. Schickt das mal an euer Rathaus!

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  7. http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.koenigstraessle-auf-der-waldau-bei-gegenverkehr-ist-vorsicht-geboten.e6cf04df-4e4c-4e07-8be1-f3ecdeac76d6.html
    So, es gibt also ein Straßengesetz, nach dem geräumt wird. Aber offensichtlich kennt die AWS nur Autoverkehr, nicht Radverkehr.

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    1. Es gibt eine sozusagen eine Räumordung. Und bei der sind leider (vom Gemeinderat mal so beschlossen) diejenigen Abschnitte von Radwegen nicht mit dabei, die nicht irgendwie Teil der Straße sind. Was für die Schleuse Tübinger Straße aber eigentlich nicht gilt. Radspuren, die ja Teil der Fahrbahn sind, sollten eigentlich auch geräumt werden. Bei Radwegen (die von der Fahrbahn getrennt sind), mag das etwas anders aussehen, da muss man mit Extramaschinen hin.

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    2. Das ist klar. Aber bei den Beispielen oben in deinem Beitrag trifft das nicht zu, die müssten geräumt werden. Ebenso die Landhausstraße oder die Nähterstraße (Hauptradroute 2). Es sind nämlich nicht nur Radstreifen betroffen, sondern auch ganz normale Straßen! Es ist aber halt politisch nicht gewollt. Nicht unter einem grünen OB, nicht von der großen grünen Fraktion im Gemeinderat, und schon gar nicht bei dieser Farce von Feinstaubalarm.

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    3. Es hängt nicht am OB, sondern am gesamten Gemeinderat. Der hat, wie ich jetzt erfahren habe, in den letzten Jahren immer dagegen gestimmt, dass der Räumdienst extra Geld für die Räumung der Radwege bekommt. Und im Gemeinderat haben die Grünen nicht die Mehrheit, sie sind nur 14 von 60. Ich schätze, das wird sich jetzt ändern, denn wenn Autofahrer ein Fahrverbot bei Feinstaub verhindern sollen, müssen sie zustimmen, dass Alternativen gefördert werden, und damit auch einer Streuung der Radwege und nur von Rädern befahrbaren Vebrindungsstücke über nicht von Autos befahrene Flächen. Der Feinstaubalarm zeigt deutlich, dass die Stadt noch gar nicht vorbereitet ist auf ein echtes Fahrverbot, weil die Alternativen noch gar nicht klappen. Für so was ist so eine Alarm halt eben auch gut.

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    5. Dann kann ich mir die Antwort der Stadt auf meine gelbe Karte schon denken. Ich habe heute morgen genauer geschaut: Die Räumung des beutzungspflichtigen Radweges von Kaltental nach Vaihingen hört genau am Ortsschild auf. Dann wird wohl aus Kostengründen auf Winterdienst verzichtet. Ich werde dann der Stadt vorschlagen, die Benutzungspflicht abzuschaffen, da es offensichtlich kein "Ganzjahresradweg" ist und die KFZ-Fahrbahn direkt daneben geräumt wird. Darf man Fahrbahn für KFZ und benutzungspflichtigen Weg überhaupt unterschiedlich behandeln? Jedenfalls war es Montag morgen schon Mitleid-erregend zu sehen, wie ein vielleicht 12-jähriger Schüler mit seinem Rad über das Eis gehoppelt ist, weil er sich nicht getraute auf der geräumten Fahrbahn zu fahren.

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  8. Das ist wirklich so ein Witz. Bei besten Fahrbahnbedingungen müssen benutzungspflichtige Krüppelradwege aus "Sicherheitsgründen" benutzt werden, bei Eisglätte und Schnee ist diese "Sicherheit" aber wohl nicht mehr so wichtig, denn dann muss man die Fahrbahn benutzen. Das wären für mich glasklare Gründe, die gegen eine rechtskonforme Anordnung der Benutzungspflicht sprechen. Und wenn man endlich vernünftige Radwege bauen würde (mehr als 2m breit, niveaugleich ohne abgesenkte Bordsteine, ohne Poller, Schilder, Laternen und sonstiges Gerümpel - ja, dann könnte man dort auch ordentlich räumen und vor allem streuen. SALZ streuen und nicht den miesen Rollsplit, der bei Schnee und Eis Zweiradfahrern nichts nutzt und im Frühjahr gerne zu unangenehm eiternden Schürfwunden führt.

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    1. Genau deshalb sind Radwege nicht geschickt, mehr Sicherheit bieten sie auch nicht. Das ist klar. Allerdings sind derzeit auch Stellen vereist, die Radlern einen Übergang ermöglichen, den Autofahrer nicht nutzen dürfen, also einen Vorteil in er Wegeführung. An einer Straße, wo 70 km/h und schneller gefahren wird, halte ich gesonderte Radwege für sinnvoll, in der Stadt nicht. Die Benutzungspflicht sollte aufgehoben werden, da sind wir uns einig.

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  9. "Der Nachteil von Extrawegen für Radler, auch Radwege genannt, ist, dass viele Städte keine Maschinen haben, um sie von Schnee und Eis freizuhalten." - Mit welchen Maschinen kann man denn einen Fußweg aber keinen Radweg von Schee und Eis befreien? Wenn der Radweg zu schmal für die Räummaschine ist, ist er auch zu schmal für die Radfahrer - einfaches Kriterium für Radwegbreite.

    Da wo ich wohne, wird auch immer nur ein schmaler Streifen geräumt (den können sich dann Fußgänger und Radfahrer teilen). Ich verstehe nicht, warum es so schwierig ist, den gleichen Weg nochmal zu fahren und noch eine Spur daneben zu räumen.

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    1. Es kostet Zeit und damit Geld. Ich sehe das schon so, dass eine Stadt wie Stuttgart lernen muss, seine Radler zu mögen und für sie den Verkehr bequem zu machen. Dieses Mögen der Radler diffundiert dann allmählich in die Räumdienste, die sehen lernen, dass man ein Eckchen für Radler noch schnell freiräumt, zu Not mit einer Handvoll Salz, die man selber hinwirft. Es ist eben auch sehr stark eine Frage des Stils, wie man mit dem Radverkehr umgeht. Wir lernen das noch.

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