17. Januar 2016

Autochaos in der Fahrradstraße - es hört nicht auf

So sieht in Stuttgart die Fahrradstraße aus. Sie hat vier Zebrastreifen und neben rund einem halben Dutzend Behindertenparkplätzen und E-Auto-Tankplätzen auch ein paar Parkbuchten. 

Zumindest gehen Autofahrer davon aus, dass sie hier einen Parkplatz finden. Oben auf dem Foto sieht man einen silbrigen Wagen (auf dem Foto links) auf der Fahrspur halten. Alle anderen Autos, und es sind viele, müssen links an ihm vorbei.

Hier hat kein Radfahrer mehr Platz für gar nichts.



Der Silbrige wartete dort übrigens, um einzuparken. Rückwärts. Er hat sich dann auf dem Behindertenparkplatz abgestellt. Vermutlich, ohne es zu checken. Einen Tag davor habe ich zwei junge Männer gesehen, wie sie aufwendig in ein Parkpucht einkurbelten, ohne zu sehen, dass es sich um einen Behindertenparkplatz handelte. Als ich auf das Schild deutete, fuhren sie weg. Übrigens ziemlich erstaunt, dass tatsächlich jeder Parkplatz, den sie ansteuerten, das Behindertenschild trägt.

An der Ecke, wo das alles passiert stehen drei uniformierte Polizisten beieinander und unterhalten sich lange angeregt miteinander. Dann gehen sie in auseinander. Wobei man übrigens sagen muss, es wurde zumindest vor Weihnachten schon reichlich kontrolliert und aufgeschrieben in der Innenstadt, auch hier in der Eberhardstraße, unserer einzigen Fahrradstraße.

Kommentare:

  1. Sollte auf Fahrradstraßen per Definition nicht hauptsächlich Fahrradverkehr fahren, und motorisiert maximal Lieferverkehr?

    Abgesehen davon finde ich das Konzept Eberhardstraße = Fahrradstraße per se sinnfrei, da, selbst wenn man Autos verbannen würde, es durch den Einkaufscharakter immer noch genug unaufmerksame Fußgänger gebe, die den Sinn einer Fahrradstraße, nämlich bevorrechtigt schnell von A nach B zu kommen ad absurdum führen.

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    1. Auf einer Fahrradstraße dürfen überhaupt keine Autos fahren (auch keine Mopeds oder so), es sei denn man gibt sie, so wie hier für Anlieger frei. Leider fällt es uns zumindest in süddeutschen Städten unheimlich schwer, eine Fahrradstraße tatsächlich nur für Fahrräder bereitzustellen. Man hat immer den Eindruck, den Autos dürfe nichts weggenommen werden, und die Autofahrer haben meist das Gefühl, sie könnten da jetzt so fahren wie sonst auch und vor allem dazu noch, nach Herzenslust in zweiter Reihe parken, weil es ja nur eine Fahrradstraße ist.

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  2. ist in Karlsruhe am Zirkel auch nicht besser. Zusätzlich kommt da, die Fußgänger die querlauten, sowie Radler, die mit wenigen Zentimetern-Abstand hinter meiner Fahrrad (wahlweise auch mit Radanhänger herfahren)
    Grüße Stefan

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    1. Stimmt, darüber habe ich auch schon mal geschrieben. Schade, dass man auch in Karlsruhe dann doch nicht den Mut hat, eine Radstraße wirklich nur für Radfahrer vorzuhalten und nicht auch noch für Anlieger freizugeben. Allerdings wohnen da halt auch Leute, so wie ich das gesehen habe, und die wollen halt ihr Auto vor der Tür haben. Das muss nicht notwendigerweise so sein, aber wir in Deutschland ticken noch so, dass wir glauben, wir müssten die Straßenränder unbedingt für das kostenlose Parken von Anwohnern freihalten. Wird sich sicher mal ändern.

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  3. Wobei man schon sagen muss, dass sich seit ein paar Tagen mit den beginnenden Neubauarbeiten [=> Sperrung] am "Rathaus-Parkhaus" der Charakter wirklich zum besseren geändert hat: es sind relativ wenige Autos (speziell oberer Teil bis Kreuzung Nadlerstraße) in der Ebershardtsstraße unterwegs, mal abgesehen vom allgemeinen Parkplatzsuchverkehr.
    Dieses Problem haben die beiden repräsentativen Fahrradstraßen in der Region nicht (Fellbach, sowie Esslingen), da hier Routen gewählt wurden, die nicht direkt in der Einkaufstraße, sondern eine Parallele daneben liegen und somit gibt es dann auch keine gegenseitige Beeinträchtigung.

    Ändert aber nichts daran, dass in Stuttgart der Zugang zur Fahrradstraße von Süden mit der Ampel am Tagblattrum unter aller Sau ist: hier wartet man ewig, daher fahre ich oft über die sinnvoller liegende Route der Stein- und Eichstraße direkt zum Rathaus und dann weiter - damit habe ich mir zugleich auch das im Artikel beschriebene Chaos und Gefährdungspotenzial gespart.

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