29. Januar 2016

Radfahrer halten den Autoverkehr am Laufen

Räder brauchen weniger Platz, verbrauchen keine fossile Energie, produzieren weniger CO2 und keine Stickoxide, machen weniger Lärm, sind weniger gefährlich als Autos und halten ihre Fahrer/innen gesünder. Und sie helfen den Stau zu bekämpfen. 

Gerade in Stuttgart ist nicht die Frage, ob wir den Fahrradverkehr fördern sollen oder nicht, sondern, wie wir es hinkriegen, dass tatsächlich mehr Leute das Auto stehen lassen und mit dem Rad in die Stadt oder zur Arbeit fahren. Nur ein lebhafter Radverkehr kann den Stau entlasten. Deshalb sind Radfahrer nicht die Bösen, die die Autos für ein paar Minuten an einer Steilstrecke aufhalten, und die man darum unermüdlich bekämpfen muss.

Radler sind Verbündete aller Autofahrer/innen, die auf ihr Auto angewiesen sind und nicht im Stau stehen wollen.


Keine Radspur mehr und trotzdem Stau.
Wilhelmsplatz Cannstatt. Foto: Bloglseser Sebastian.
Das gilt übrigens auch für die immer wieder von Autofahrern so heftig kritisierte Radspur auf der Straße zwischen Wilhelmsplatz in Cannstatt und dem Augsburger Platz. Ja, Autos stehen dort zur Hauptverkehrszeit im Stau, so wie vorher auch, als hier noch zwei Spuren für Autos waren. Nur jetzt hat man ein Radspur, auf die man das schieben kann. Eine Förderung des Radverkehrs, der den Autofahrern keinen Platz wegnimmt, gibt es aber nicht. Denn das hieße: Alle Radler auf Gehwege verbannen oder in den Wald zu schicken. Es ginge also zulasten des Fußverkehrs. Schon jetzt fahren mehr Menschen mit dem Rad zur Arbeit als vor ein paar Jahren. Es werden noch mehr werden. Und dann spüren auch Autofahrer deutlich die Entlastung für sie.

Nur ein starker Radverkehr kann Stuttgart noch helfen, den Stau zu verkürzen und Feinstaub und Stickoxide so zu verringern, dass wir keine keine EU-Strafen zahlen müssen. Die Millionen wären besser angelegt in einer Radinfrastruktur. Die kostet im Jahr derzeit nur 1,8 Millionen Euro. verschwindend wenig also, verglichen mit so vielen anderen Ausgaben. Investitionen in den Radverkehr geben der Gesellschaft sogar Geld zurück, sie spart mehr an Gesundheitsausgaben, als sie in den Radverkehr investiert.

Neben den hohen Mieten ist für Stuttgarter/innen der viele Verkehr erklärtermaßen das größte Problem in der Stadt. Das Rad ist auf Strecken unter 6 km das schnellste und pünktlichste Verkehrsmittel. Es ist zudem gesund, sich regelmäßig draußen zu bewegen. Radfahrer brauchen viel weniger Platz in der Stadt, sie sind leise und fahren nahezu emmissionsfrei. Und Radfahren ist viel weniger gefährlich, als gemeinhin gedacht. Nur ein Prozent aller Kopfverletzungen gehen auf Radunfälle zurück, ein Prozent auf Fußgängerunfälle, aber 48 Prozent der Kopfverletzungen sind das Ergebnis von Autounfällen.

Gerade für regelmäßige tägliche Wege  zur Schule oder zur Arbeit ist das Fahrrad gut geeignet. Die Bewegung an frischer Luft baut Stresshormone ab, das Herz-Kreislauf-System wird trainiert und die Muskulatur gestärkt. Radelnde Kinder sind besser in Mathe. Erwachsene werden im Alter fünf bis zehn Jahre später zu Pflegefällen als Menschen, die sich nur wenig bewegt haben. Wer regelmäßig radelt erradelt einen realen volkswirtschaftlichen Gewinn von zwei- bis viertausend Euro im Jahr.



Kommentare:

  1. @Christine: bezüglich des Wilhelmsplatz-Fotos. Hatten wir nicht vereinbart, dass ich einer Weiterverwendung hier im Blog generell zustimme, so fern ich als Urheber genannt werde? Beste Grüße Sebastian.

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    1. Lieber Sebastian,
      tut mir leid, das Foto war in meine Sammlung gerutscht. Ich habe es ergänzt.

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    2. Strenger Sebastian! :)

      Gruß, Gerhard

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  2. Das Thema versuche ich auch schon immer den Autofahrern klar zu machen. Bei unserer besch.... Bahnverbindung bleibt mir eigentlich nur Rad oder Auto .....
    Wenn mich die Autofahrer also auf dem Rad sehen, ist ihr Stau 5m kürzer :-)

    FLorian

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  3. Sparsam ohne Auto29. Januar 2016 um 22:44

    Nicht nur der volkswirtschaftliche Gewinn ist hier zu erwähnen. Viel interessanter für den Einzelnen sind doch die persönlichen Ersparnisse. Ich habe noch nie ein Auto besessen, habe aber eine große Palette von Fortbewegungsmitteln zur Auswahl: Füße, Rad, ÖPNV, Zug, Fernbus, Mietauto...
    Seit 5 Jahren führe ich Statistik über meine Ausgaben. Und bei einer Strecke von durchschnittlich 20000 km je Jahr spare ich jährlich einen vierstelligen Betrag.

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