21. Februar 2016

Das Projekt Brückenschlag

Warum die alte Rosensteinbrücke, über die heute noch Züge fahren, abreißen? Sie könnte zur Grünbrücke werden und zum Schnellradweg. 

Peter Mielert (Grüne Cannstatt, Ex-Stadtplaner) hat vor etlichen Jahren schon entdeckt, dass die alte und beeindruckende Bogenbrücke, die 1914 eine architektonische Meisterleistung war, nicht abgerissen werden muss, wenn wir, also die Stadt, mit der Bahn entsprechend verhandeln.

Man könnte die frei werdende Fläche von 16 Metern Breite für einen Brückenpark mit Radschnellweg und Fußgängerwegen verwenden.



Und den Eisenbahntunnel gleich mit, der gut 300 Meter Richtung Innenstadt führt. Tunnel und Brücke würden das ehemalige Bahngelände A1 und das Rosensteinquartier mit  Cannstatt bis hin zu den Veranstaltungsstätten im Neckarpark verbinden. (Das Foto zeigt nur eine erste Idee. Wir Radler würden uns hier einen geraden Radschnellweg wünschen, kein Geschlängel.)

Für einen Abgang für Radfahrende an der Schönestraße ist eine Spierale gedacht. Auf- und Abfahrt auf der Wilhelmaseite müssen noch überlegt werden. Ich plädiere für eine Rampe die vom Gelände am Anleger der Weißen Flotte mit mäßiger Steigung zur Rosensteinrbücke hochführt. Würde man hier keinen Auf- und Abgang schaffen, dann gelänge es nie, die Radler (vor allem die schnellen) vom Neckardamm auf die Stuttgarter Seite des Neckars zu bekommen, wo sie dann auf dem Radweg bis Münster und Hofen durchradeln könnten.

Dazu müsste die Stadt Stuttgart Tunnel und Brücke von der Bahn übernehmen.  Das müssen wir wollen. Die Denkmalschutzbehörde würde es auch freuen. Es lohnt sich, hier viele Planungs- und Ideenkraft reinzustecken. Das ist gut für Radfahrer. 

Quelle: Stadt Stuttgart
Parallel dazu ist unterhalb der neuen Eisenbahnbrücke gehängt eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer geplant. Das Foto stammt aus einer Animation der Stadt Stuttgart rund um den neuen Rosensteintunnel für Autos. Man sieht vorn die Fläche der Alten Rosensteinbrücke, die neue Rosensteinbrücke und schmal den ein- oder ausschwenkenden Rad- und Gehweg.

Nach meinem Dafürhalten ist das kein Entweder-Oder. Denn je mehr Rad- und Fußverbindungen es über den Neckar gibt, desto besser. Beispielsweise könnte man für alle Radler, die auf der Wilhelmaseite des Neckars weiterfahren wollen, auch hier die Brücke nach unten verzweigen.

Übrigens für den, der jetzt  meint: "Oje, Tunnel, finster, da radle ich nie!", habe ich hier ein Foto, das eine Kollegin von einem französischen Radlertunnel bei San Remo aufgenommen hat. Man kann Tunnel hell und interessant machen. Fürs Sicherheitsgefühl gibt es Licht und Überwachungskameras.

Hier noch mal die Animation der Stadt zum dem Bauwerken am Neckarknie mit allen Brücken und Tunneln.


Die alte Rosensteinbrücke von unten aus gesehen. Vor hundert Jahren ohne Spannbeton, sogar ganz ohne Eisen erbaut, im Krieg beschädigt, dann von deutschen Truppen gesprengt und wieder erreichtet. Sie hat offenbar keinerlei Baumängel und kann noch Jahrzehnte stehen.

Kommentare:

  1. Das finde ich einen sehr schönen Vorschlag. Und noch mit geringem Aufwand möglich. Wuppertal macht es vor. Sollte mit S21 vielleicht noch etwas alte gleisfläche zum radschnellweg werden, hätte man Ruck zuck ein großflächiges radnetz.
    Noch ein paar parkstreifen zum radweg umbauen, ein paar Bordsteine absenken und ein paar Ampeln anpassen und fertig ist die fahrrad Stadt ;-)

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  2. Wir sollten die städtebaulichen Möglichkeiten, die S21 eröffnet, nutzen, um unsere Stadt weg von der Autostadt hin zu einem Lebensraum zu entwickeln. Mit gefällt dieser Vorschlag dazu.

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  3. Wir sollten die städtebaulichen Möglichkeiten, die S21 eröffnet, nutzen, um unsere Stadt weg von der Autostadt hin zu einem Lebensraum zu entwickeln. Mit gefällt dieser Vorschlag dazu.

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  4. Ein interessanter Vorschlag. Schnelle Anbindung der City an Cannstatt für Radfahrer. Allerdings vor dem "...das müsen wir wollen.." hat der Gesetzgeber ein rechtliches Verfahren gesetzt. Man kann Bahnanlagen nicht einfach so anders nutzen. Sie müssen entwidmet werden. Sinnvoll ist es, dieses Verfahren zu führen bevor man baut um sicher zu sein, dass man das Gewünschte, hier Abriss der Gleisanlagen,auch darf. Ich verstehe nicht, warum die Stadt Stuttgart als Projektpartner hier nicht Klarheit schaffen will. Dann könnten wir wirklich in die Diskussion einsteigen und unser "Wollen" zum Ausdruck bringen.

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    1. Nach Informationen von Peter Mielert unterstützten die Denkmalschutzbehörden ausdrücklich die Überlegungen zum Erhalt und zur Umnutzung der Bahnbauwerke. Die Uni Stuttgart (Institut für Eisenbahn und Verkehrswesen) untersucht derzeit die Plausibilität und Wirtschaftlichkeit der Umnutzung der Brücke. Die Bahn sagt, die Brücke habe keine Baumängel. OB Fritz Kuhn unterstützt die Idee, die Stuttgarter Bürgerschaft hat die Idee im Bürgerhaushalt auf Platz 79 gewählt.

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  5. Tunnel für Radfahrer funktionieren sogar mit weniger Beleuchtung, wenn der Radweg vernünftig ist.
    Die Tunnel der Nordbahntrasse in Wuppertal sind deutlich weniger beleuchtet,als das Beispiel aus Frankreich und trotzdem gut frequentiert.
    Natürlich spricht das nicht gegen eine gute Beleuchtung, in Wuppertal ist die spärliche Beleuchtung dem Naturschutz geschuldet.

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    1. Dieser Vorschlag inklusive der Tunnelstrecke ist hervorragend und dringlich zu prüfen. Nicht nur aus Gründen des Radverkehrs, sondern auch aus Gründen der Stadtentwicklung. Ich habe bislang noch kein städtebauliches Entwicklungskonzept der Professoren und Architekten gesehen, das eine fehlende städtebauliche Verbindung zwischen Stuttgart und Cannstadt auch nur als Defizit erkennt, geschweige denn anstrebt, dieses Manko schrittweise zu beheben. Deshalb baue ich in dieser Frage auf unseren OB Kuhn, der nicht nur in der Lage ist, über den Tellerrand der schwäbischen Provinz zu blicken, sondern mit dem Leitbild der „Stadt am Fluss“ seinen Wahlkampf bestritten und schließlich auch gewonnen hat. Glück auf! Es lebe die Zukunft. Großartiger Vorschlag.

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  6. Sehr netter Vorschlag. Ich würde gerne mal Statistiken etc hören wie das umwidmen Wuppertal beeinflusst hat

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  7. Das ganze Projekt wäre wünschenswert. Die momentane Situation über König-Karls-Brücke und Leuze in die Innenstadt zu kommen ist ja jetzt schon fast nicht mehr tragbar, da an den Engstellen einfach für Fahrräder im Begegnungsverkehr zu wenig Platz ist. Wie wird das erst im Frühjahr/ Sommer wenn noch mehr unterwegs sind?
    Weiß eigentlich jemand wie die bisher vorgesehen Planung ist? Früher war es ja eigentlch verboten über die Holzbrücke, dann Elefantensteg und dann nach links abbiegen in den Rosensteinpark (wobei das ja viele gemacht haben) Wird das jetzt berücksichtigt / erlaubt?

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    1. Die Planung des Neckarknies, also dieser Gegend, wird regelmäßig im Radforum besprochen. Geplant ist ja die untergehängte Radler- und Fußgängerbrücke anstelle des Holzstegs. Der Zahntweg (der vom Rosenstein zur Wilhelma runterführt) darf man ja nicht beradeln, da wird es einen neuen, leider noch steileren Weg (er muss über den Tunnelmund hinweg), geben, den man auch mit dem Rad befahren darf. Es ist durchaus geplant, die Situation für Radler hier zu verbessern. Die Alte Rosensteinbrücke käme als wichtiger Weg hinzu.

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  8. Ich finde diese Idee einfach genial und in der Logik richtig. Warum soll man bewährte Sachen abreissen bzw. zerstören, wenn sie noch einen anderen Zweck verfolgen können. Die Bahn und wir Radfahrer/innen haben ein gleiches Interesse; wir lieben keine zu großen Steigungen.
    Neben den Erfahrungen mit Radtunnels in Wuppertal gibt es sicherlich noch Erfahrungen in Tübingen. Die Stadt Tübingen besitzt ebenso einen Radtunnel, der meines Wissens auch stark genutzt wird.
    Macht es Sinn hierzu auch Rad-Interessensverbände (wie z.B. den ADFC, VCD, ...) einzubinden ?

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    1. Der ADFC ist schon an der Sache dran und natürlich suchen wir dabei den Kontakt mit VCD, BUND, Naturfreunde etc. Man muss sich jedoch dabei bewusst sein, dass es hier durchaus unterschiedliche Interessenlagen gibt: ein ausgedehnter Park auf der Brücke und ein Café am Tunnelmund verträgt sich nur schwerlich mit einem Radschnellweg. Hier müssen wir auch "intern" noch Überzeugungsarbeit leisten.

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  9. Richtig gut! Wie geht es damit weiter? Ist diese Idee Teil des Bürgerdialogs?

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  10. DieStadt muss die Brücke kaufen. Die Bahn muss sie verkaufen. Es muss eineGenehmigung einer zuständigen Bundesbehörde geben, dass dieBrücke anders verwendt werden darf. Im nächsten Haushalt (2017) muss Geld eingestellt werden. Viele Unwägbarkeiten aber die Bürger müssen es auchverlangenwirbleiben dran.

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  11. Gibt es auch Bestrebungen die Bauten der Gäubahnstrecke am Nordbahnhof in ähnlicher Weise zu nutzen? Würde mich sehr interessieren.

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