9. Februar 2016

Warum Fußgänger keine Schilder sehen

Verkehrszeichen sind ursprünglich nur für Autofahrer gedacht. In unserer wuseligen Stadtgesellschaft müssen zunehmend auch Fußgänger/innen auf Verkehrszeichen achten. Und das fällt ihnen enorm schwer. 

Zumal die Schilder alle an der falschen Stelle hängen, nicht im Sichtfeld von Fußgängern.

Das Foto zeigt vom Karlsplatz her den Eingang in die Fahrradstraße Richtung Marktplatz. Jetzt ist die Einfahrt für Autos per Schranke gesperrt. Autos dürfen da aber sowieso nicht reinfahren, es sei denn, sie wollen was anliefern oder sind Linienbusse. Denn das ist die Fahrradstraße. Freilich steht das Schild auch für Autofahrer etwas weit rechts und das entscheidende Zeichen hängt auch ziemlich hoch.


Autofahrer sehen es vielleicht sogar, aber es spielt für sie keine große Rolle. Die meisten halten das für ein bedeutungsloses Schild.

Jetzt zu Weihnachten sieht man aber auch jede Menge Fußgänger den Weg über die Fahrbahn an der Schranke vorbei nehmen. Dabei bremsen sie Radler aus, die auf ihrer Fahrradstraße rein oder raus radeln. Und sie verstehen den Ärger und das Gebimmel nicht. Welcher Fußgänger legt schon den Kopf in den Hals und schaut an einer Straßenecke nach einem Verkehrszeichen? Keiner. Fußgänger gucken nicht nach Schildern. Deshalb sehen sie auch nicht, dass sie auf einem Radweg gehen. Will man, dass Fußgänger Radwege und Radstraßen erkennen, muss man die Fahrbahn bemalen. Geschieht auch. Denn Fußgänger gucken vor sich auf den Boden. Das blaue Radzeichen für "Fahrradstraße" ist aber hier hinter der Schranke im Zug von Bauarbeiten halb unter Asphalt verschwunden. Folglich sehen Fußgänger diese Straße - besonders jetzt in der Weihnachtszeit - als Fußgängerzone an.

Was tun? Die Fahrradstraße endlich woanders hin verlegen, nämlich entlang der Holzstraße, und zwar auf einem fahrbahnbreiten Weg zur Planie vor. (Die Bauarbeiten nehmen ja heute schon eine Autospur von der Holzstraße beim Breuninger weg, und dass macht überhaupt nicht. Man kann diese eine Spur also den Radfahrern geben.)

Und natürlich muss die Ampel an der Planie - so wie urspünglich gedacht - für Radfahrer eingestellt werden. Derzeit reihen sich die Grünphasen in drei Zügen für eine Fußgängergeschwindigkeit aneinander. Dabei hatte dies eigentlich mal eine Radlerampel werden sollen, wo Radfahrer/innen in einem Zug drüber kommen. Doch dann hatte jemand die Idee, dass auch Fußgänger den Überweg benutzen können sollen, und der Grünumlauf wurde für Fußgänger angepasst.

Diesen Weg würden mit Sicherheit viel mehr Radler in den Schlossgarten nehmen, wenn die Ampel nicht so radfeindlich geschaltet wäre. Drei mal bei Rot halten, das geht gar nicht.

Währenddessen brausen die Autos bei Dauergrün von Cannstatt her kommend hier rechts zum Tunnel unter der Planie. Hauptsache, die müssen nicht warten, gell.

Auch hier sehen Fußgänger natürlich nicht, wenn sie auf der Radspur stehen und laufen. Aber vielleicht lernen sie das, wenn hier mehr Radfahrer führen.

Kommentare:

  1. Als Fußgänger muss ich in der Regel nicht auf Schilder achten, alles was nach Fußweg ausschaut wird belaufen. Außerdem haben wir hier in Stuttgart die unglückliche Situation, dass fast alle Radwege auch Fußwege sind! Hier werden ja sogar freigegebene Gehwege als Radwege verkauft. Das schlimmste was es aus meiner Sicht gibt, sind kombinierte Geh- und Radwege!!! Wenn man dann wirklich mal getrennte Wege hat, hält sich keiner mehr dran. Der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier.

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  2. Stimme Dir und Christine zu. Die in Stuttgart so genannte Fahrradstraße ist ja faktisch eine erweiterte Fußgängerzone, garniert mit zusätzlichem Park- und Park-Suchverkehr für die schwächlichen und gebrechlichen Autofahrer, denen ein paar Meter Bewegung mit den eigenen Füßen in Citylage nicht zuzumuten ist. Ich finde den Vorschlag mit der Holzstraße sehr gut. Aber eigentlich - wenn wir solche Fragen diskutieren - wäre ich für einen Cityring für Radfahrer.

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  3. Auch ein echtes Ärgernis: Das ewige Warten an den Fußgängerampeln! Erst gestern erlebt, unterhalb des Milaneo an der Kreuzung Wolfram- mit der Nordbahnhofstraße. Ich hätte die Zeit mal mit stoppen sollen, das waren mehr als drei Minuten auf grün warten. Und dann kommt man selbst als flotter Radler nicht mit einem Mal rüber. Und das bei strömendem Regen! Herzlichen Dank an die Stuttgarter Verkehrsplaner!

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  4. Vielleicht sollten wir mal eine Aktion starten: Jeder stoppt auf seinen angestammten Wegen per Rad die nicht vermeidbaren Ampeln und beschreibt, wie lange man braucht, um etwa irgendwo über sechs Fußgängerampeln links abzubiegen, oder wie lange man wartet, um eine Straße zu überqueren.

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  5. Hallo,

    dürfen eigentlich Taxen vom Karlsplatz in die Fahrradstraße Richtung Marktplatz fahren?
    Vor nicht allzu langer Zeit bin ich mit dem Rad in die Gegenrichtung gefahren (Marktplatz Richtung Karlsplatz). Ein Taxifahrer kam mir entgegen, fuhr gezielt auf mich zu, hielt hinter mir um aus dem Taxi zu springen und wild zu gestikulieren(aggresiv)...

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    1. edit: wenn ich das richtig erkenne dürfen Taxen einfahren. Kann nur die Uhrzeit auf dem Foto nicht lesen :)

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    2. Ka, leider. Sie haben da einen Taxistand.

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    3. Sie dürfen. einfahren. Aber der Radverkehr hat trotzdem Vorrang. Draufhalten, und aggressives Verhalten wird sowieso nie erlaubt.

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