13. April 2016

Lob des Fahrrads

Das ist der Buchtitel des französischen Autors, Marc Augé. Radfahren ist die neue Kultur der Städter/innen.  Wer Rad fährt, fühlt die Stadt und sich in ihr. 

Er oder sie erfährt sich selbst und Luft und Düfte der Strecken. Radfahren ist Kindheitserinnerung an ein Gefühl von Freiheit, zugleich die Zukunft unserer Städte. So werden Radfahrende zu  Romantikern und Botschaftern der Zukunft. So ungefähr klingt dieses Buch.
Hier eine Leseprobe des E-Books von C.H.Beck.

"Man kann das Fahrrad nicht loben, ohne von sich zu sprechen. Das Fahrrad gehört zur Geschichte eines jeden von uns. Radfahren lernen, das verweist auf be­ sondere Augenblicke in der Kindheit und Jugend.
Durch das Rad entdeckt jeder ein wenig von seinem Körper, seinen körperlichen Fähigkeiten, und erlebt die damit verbundene Freiheit. Über das Fahrrad sprechen heißt daher für jemanden meiner Genera­ tion unvermeidlich auch, Erinnerungen heraufzube­ schwören. Diese Erinnerungen sind jedoch keineswegs nur persönlicher Natur; sie wurzeln in einer Zeit, einem Milieu, einer Geschichte, die wir mit Millio­ nen anderen Menschen teilen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gewann der äußerst populäre Radrennsport ... Außerdem kommt dem Fahrrad der Städtebau zu Hilfe. In dem Augenblick, da die Urbanisierung der Welt die Träume vom Landleben dazu verdammt, sich in Klischees geordneter Natur (Stadtparks) oder in Abbilder phantasierter Natur (Freizeitparks) zu flüchten, verwandelt das Wunder des Radfahrens die Stadt erneut in ein Land der Abenteuer oder zumin­dest des Reisens. Dieses Wunder macht seit Langem schon den Reiz von Städten wie Amsterdam oder Kopenhagen aus, aber plötzlich glauben nun auch französische Stadtplaner wieder an Wunder und ver­suchen, wenn auch mühsam und ungeschickt, solche Wunder in den beiden vom Autoverkehr am stärksten verstopften Städten Frankreichs zu verwirklichen ... "

Kommentare:

  1. Ich habe den Artikel zum Anlass genommen das Buch zu lesen. Die darin aufgebaute Utopie eines neuen Paris teile ich nicht. Der Autor hat nicht die Zukunft im Blick, sondern den Rückspiegel. Eine fahrradfreundliche Stadt von morgen wird andere Lösungen brauchen als die Vergangenheit. Wir werden Stück für Stück Räume erkämpfen und Lösung für Lösung ausprobieren müssen. Gute Lösungen können bleiben, schlechte nicht. Hier ein Beispiel: Dienstleister mit autonomen Automobile werden schon bald Mobilität auf Knopfdruck bereitstellen, das Carsharing Auto fährt vor und holt uns ab. Nur Nostalgiker werden vermutlich dann noch einen Wert in einem selbst gesteuerten Automobil, das sie selbst besitzen sehen. Parkhäuser am Stadtrand werden dann entgegen der Utopie im Buch nicht benötigt.

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    1. Manchmal denke ich, dass der Retro-Blick ein Umweg in die Zukunft ist. Wir müssen uns sozusagen abholen in unseren alten vertrauten Gefühlen aus einer "guten alten Zeit" um zu merken, dass ein Verhalten Zukunftswert hat. Radfahren als Lebensstil verwurzelt irgendwo im Früher führt immerhin dazu, dass man jetzt fährt und damit Verkehrsplaner zwingt, die Städte für den Radverkehr tauglich zu machen. Oder so. :-)

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  2. Gerade wir in Stuttgart wissen, das etwas anderes die Verkehrsplaner zum Umdenken zwingt: hohe Schadstoffbelastung und Dauerstau. Aber beschleunigen können wir es, indem wir Radfahrer Flagge zeigen und ein Beispiel geben.

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