11. April 2016

Radfahren in Leipzig

Das ist ein Traum, verglichen mit Radfahren in Stuttgart. Der ganze Cityring ist mit einer Radinfrastruktur versehen.

Entlang kilometerlanger Ausfallstraßen gibt es Radspuren und Radwege, die jeweils an den Kreuzungen so gestaltet sind, dass Autofahrer die Radler sehen. Vielfach gibt es direkte Linksabbiegespuren für Radfahrende.

Das Foto oben zeigt die Organisation einer Kreuzung auf dem Cityring. Wir sehen, es gibt eine Radlerampel. Man kann rechts abbiegen oder geradeaus weiterfahren. Wir sehen eine Spur für ein indirektes Linksabbiegen und eine Geradeausspur für querende Radler.

Meistens gibt es tatsächlich auch eine direkte Linksabbiegespur für Radfahrer.



In der Innenstadt hat man außerdem Autoparkplätze durch Radständer ersetzt.















Das schafft Ruhe rund um den Markt, denn der Parkplatzsuchverkehr findet hier nicht statt. Und es zieht tatsächlich viele Radfahrer/innen an. Dasselbe gilt für die Uni. Auch hier haben nicht Autoparkplätze Vorrang, sondern Radparkplätze.

Klar, die Straßen von Leipzig sind breit, denn die Stadt ist flach. Dennoch hat man auch hier hin und wieder den Autofahrern eine Spur weggenommen und eine Radspur hingelegt. (Stau gibt es hier nicht.)

Auch hier kommen Radler zuweilen den geparkten Autos sehr nahe, und nicht jeder Autofahrer beachtet die Radspur. Auch hier habe ich Radpsuren gesehen, die urplötzlich komplett von einer kleinen Baustelle versperrt werden, ohne Ausweg für Radfahrer. Aber im Großen und Ganzen kommen die vielen Radler hier gut voran.

Auch hier wird für Radler das Linksabbiegen gelegentlich über indirekte Linksabbiegespuren organisiert, so wie hier, an dieser Kreuzung. Allerdings mit genügend Raum. Und wir sehen an der Autoampel einen grünen Pfeil. Ob der auch für Radfahrende gilt, wenn ihre Radlerampel (parallel zur Autoampel) Rot zeigt, weiß ich nicht. Ich würde es aber als Radlerin so verstehen.

Radspuren begleiten die Ausfall- und Einfallstraßen über Kilometer. Sie werden oft auf Gehwege hochgeschwenkt, wo sie dann bis zur nächsten Kreuzung getrennt vom Autoverkehr verlaufen.

Sie werden aber immer vor der Kreuzung auf die Fahrbahn zurückgeführt, sodass gute Sichtbeziehungen entstehen, der abbiegende Autofahrer also den Radler sieht. Radler werden hier nicht mit dem Radweg an eine Fußgängerampel geleitet. Und wenn, so verläuft die Radspur parallel zum Fußgängerüberweg hinüber auf die andere Straßenseite und gelangt wieder auf die Fahrbahn.

Hier sehen wir auch, wie man Kreuzungen eigentlich organisieren muss, damit Radfahrer sicher abbiegen können. Die Radspur biegt, getrennt durch eine Bake auf einem Verkehrsteiler nach rechts ab. Was hier allerdings für mich nicht zu entscheiden war: Gilt das Rechtsabbiege-Grün für Autos eigentlich auch für mich als Radler? Klar ist, dass ich Radlerampelrot habe, wenn ich geradeaus will.

Klar läuft hier nicht alles optimal. So gibt beim Rathaus auch eine Fahrradstraße. Die aber ist für Kraftfahrzeuge frei, wie das Schild darunter zeigt. Also sinnlos. Man sieht, sie ist sozusagen die einzige Rettung für Autofahrer, die unbedingt am Straßenrand parken möchten und nicht ins Parkhaus fahren.

Und auch hier merkt nicht jeder Autofahrer, dass er jetzt gerade auf einer Radspur steht und den Radverkehr blockiert.

Oder es parkt dann eben doch ein Auto stundenlang an der Radabstellanlage, einfach, weil der Fahrer hier eine freie Fläche gesehen hat.


Kommentare:

  1. Traumhafte Verhältnisse, das genügend Verkehrsraum zur Verfügung steht. Bei uns in Stuttgart muss er umverteilt werden, was zwangsläufig mehr Konflikte zur Folge hat.

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    1. Vollkommen korrekt (bezügl. Verkehrsraumumverteilung).

      Und man sollte auch immer und zu jeder Zeit im Hinterkopf behalten, dass unsere Gesellschaft stetig älter wird. Gerade deshalb benötigen wir in einer derart "engen" Stadt, welche Stuttgart nun einmal bedingt durch die Topografie ist, ein besonders leistungsstarkes Strassennetz, da:

      - die Einsätze der Sozialdienste/Pflegedienste deutlich steigen werden
      - die Einsätze der Rettungsdienste aller Art ebenso steigen werden
      - die Fahrten der diversen Brief-/Paketzustelldienste, auch bedingt durch das
      Einkaufsverhalten der Leute (Onlinehandel), ebenfalls weiter steigen werden
      (Aufstellung selbstredend unvollständig)

      Der öffentliche Nahverkehr in Stuttgart würde, besonders was Busse anbelangt, durch ein noch weiter eingeschränktes Strassennetz unattraktiver und Leistungsschwächer werden.

      In Zukunft werden zudem in stark steigender Zahl Elektro-PKWs/LKWs verkauft werden, nur wo sollen diese dann noch fahren (dürfen) wenn es so weiter geht mit der grünen "Verkehrsverhinderungspolitik"?

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    2. Wenn man wenig Platz hat, gibt man den am besten dem Verkehrsmittel, das am sparsamsten damit umgeht.

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    3. Ist doch kein Problem, nennt sich Citymaut und wird erfolgreich angewand, halt nur niemals in Stuttgart

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  2. Machen wir uns nichts vor, nahezu jede Stadt hat eine bessere Radinfrastruktur als Stuttgart - und jede noch so kleine Veränderung wird als Meilenstein gefeiert - traurig. Wann traut sich Stuttgart mal was?
    Lyon hat 1989 (!!!), also bereits vor 25 Jahren begonnen das Auto aus der Stadt zu verbannen und den öffentlichen Raum den Fußgängern und Radfahrern zurückzugeben.
    Barcelona kam kurz danach und hat Großteile der Stadt in Einbahnstrassen verwandelt - die frei gewordenen Spuren sind jetzt Fahrradwege und Platz für Bäume.
    Bozen? Bozen nennt sich Fahrradstadt und ist auch eine, mit absolut vorbildhafter, getrennter Infrastruktur.
    Die Liste könnte man endlos fortsetzen, ganz am Ende würde traurigerweise immer Stuttgart stehen.
    Die Stadt müsste eben ein mal ganz mutig richtig viel Geld in die Hand nehmen und die Stadt wieder seinen Einwohnern zurückgeben.
    Das geht aber sicher erst, wenn im Gemeinderat kein Schwarz mehr mitbestimmt - noch trauriger.

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    1. Um nur ein Beispiel zu nennen, und das ist weder in Europa noch in einem 1. Welt Land: Bogota in Kolumbien. Die Fahrradinfrastruktur dort hat mehrere Schnellwege die durch die gesamte Stadt führen. Stuttgart ist zu so etwas einfach nicht fähig.

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  3. Fairerweise muss man aber auch erwähnen, dass Leipzig noch nie eine reine Autostadt war und auch sonst einige sehr günstige Vorraussetzungen hat. Nachfolgend einige Beispiele:

    1. keine Steigungen
    2. Aufgrund der Geografie gab es schon immer viele Ausweichstrecken, also die Wahl zwischen ruhigen Nebenstraßen und "stark" befahrenen Hauptstraßen
    2. zu DDR-Zeiten gab es kaum Autos, da man im Schnitt 12 Jahre auf ein eigenes Auto warten musste
    3. nach der Wende gab es zwar wesentlich mehr Autos, aber viele (insbesondere Frauen der mittleren und älteren Generationen) sind auch weiterhin mit dem Fahrrad und ÖPNV gefahren, da sie keinen Führerschein hatten/haben
    4. Schon in der Fahrschule wurde man auf die Bedürfnisse und Rechte der Radfahrer sensibilisiert (war zumindest 2003 bei mir so)
    5. Fahrrad bei Strecken von bis zu 10 km sind meist das schnellste Verkehrsmittel (von Tür zu Tür, inkl. parken), insbesondere viele Studenten entdecken dies sehr schnell und steigen auf das Fahrrad um (ich hatte selbst viele Kommilitonen, die gern mit dem Auto kamen, aber immer als letzte in der Vorlesung erschienen und daher irgendwann umstiegen, selbst der ÖPNV ist auf einigen Strecken schneller als das Auto)

    Auf Grund dieser und vieler anderer Bedingungen fing die Stadt schon sehr zeitig an den Radverkehr zu fördern und hatte daher schon viele Jahre Zeit zum experimentieren.
    Auch heute gibt es insbesondere in den äußeren Stadtteilen noch suboptimale Radwege aus den 90er Jahren, die aber nach und nach an die neuen Anforderungen angepasst werden.
    Und auch in Leipzig kommt es immer mal wieder zu Konflikten und Unfällen.
    Es gibt auch genug Verkehrsteilnehmer die schimpfen, aber meiner Meinung nach ist das meckern auf hohem Niveau und meist handelt es sich um Menschen, die häufig nur die gleichen Strecken fahren und keine/kaum Erfahrungen mit der Infrastruktur anderer Städte haben.

    Es wäre natürlich sehr schön, wenn die Stuttgarter Stadtplaner, in der Planungsphase neuer Straßenbauprojekte mal die Lösungen anderer Städte betrachten würden, und so nicht die Fehler machen, die zu vermeiden sind, denn so kann man die schätzungsweise 20-30 Jahre Rückstand schneller aufholen :-)

    PS: Grünpfeile gelten auch immer für Radfahrer.

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    1. Gelten die Grünpfeile auch dann, wenn nebenan eine Radierampel steht, die rot zeigt? Denn eigentlich sagt die StVO ja, dass für Radler zuerst Radierampeln gelten, ist keine da, dann Autoampeln, und fährt er auf einem Radweg, der an einer Fußgängerampel endet, dann die.

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    2. Es ist schon eine Weile her, dass ich in Leipzig war. Aber ich erinnere mich auch an Straßen die mit grobem Kopfsteinpflster und Schienen und am Rand parkenden Autos nicht so einladend zum Radfahren waren. Auf den Bildern oben sind relativ neue Straßen zu sehen, ist das mittlerweile alles erneuert? Ich denke auch in Leipzig gibt es noch viele weniger Optimal gestaltete Straßen.
      Allerdings kenne ich in Stuttgart fast nur solche (weniger optimale) Straßen. Im übrigen halte ich das für kein Stuttgarter sondern ein Regions-Problem.

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    3. Das gibt es immer noch, aber die Stadt berücksichtigt bei neuen Projekten auch immer die Bedürfnisse der Radfahrer. Leider können aber nicht alle Probleme auf einmal behoben werden.
      Der Vorteil von Leipzig ist allerdings, dass es viele Möglichkeiten der Streckenplanung gibt, da es flach ist.
      Das heißt, wenn mir eine Straße nicht gefällt, modifiziere ich einfach meine Strecke ein wenig ohne dabei einen km-langen Umweg in Kauf nehmen zu müssen.

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  4. Ich fahre gerne Rad, auch in Stuttgart!
    Ich bin schon in Hamburg, Berlin und Paris gefahren. Und hatte hier leider auch den Eindruck:
    Die machen es irgendwie besser als Stuttgart.
    Dabei wäre es eigentlich sehr einfach, aus meiner Sicht, mit Kleinigkeiten schon Wesentliches zu verbessern:

    Lasst uns auf der Straße fahren! Diese viel zu engen Bürgersteig-Radwege zusammen mit den Fußgängern, sind eine echte Zumutung!
    (auch für die Fußgänger)

    Damit die Autofahrer kapieren, dass ich sehr wohl hier fahren darf malt meinetwegen Schutzstreifen auf die Straße. Aber bitte breit genug und weg von den parkenden Autos. Besser fände ich aber Radstreifen an den Hauptverkehrsstraßen mit eigener Ampelschaltung für Radler. Wenn die Stadt nämlich will, dass mehr mit dem Rad fahren, lasst uns nicht mit den Autos im Stau stehen!

    Sorgt dafür, dass unsere Wege frei sind!

    Und liebe Mitradler, haltet Euch an die Regeln! Ich möchte als Radfahrer ernst genommen werden! Das wird aber kein Autofahrer tun, solange er denkt wir Radfahrer halten uns an keine Regeln und er hat das Recht mich "erziehen".

    Das ist meine ganz persönliche Sicht. Ich weiß das es nicht für alle das Richtige ist. Aber ich musste es mir jetzt mal von der Seele
    schreiben :-)

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  5. Und wie hat sich die Infrastruktur auf den Radverkehrsanteil ausgewirkt? Ich lese von 14% Radverkehrsanteil in 2010. Immerhin mehr als in Stuttgart.

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    1. Laut Radverkehrsentwicklungsplan der Stadt Leipzig hat sich der Anteil von 5,8 % (1994) auf 14,4 % (2008) gesteigert. Neuere Zahlen habe ich leider nicht gefunden.
      http://dasfahrradblog.blogspot.de/2016/04/radfahren-in-leipzig.html

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    2. Danke für den Hinweis, liebe Ex-Leipzigerin. Stuttgart ist halt spät dran, und so richtig noch nicht in die Gänge gekommen. Nicht der ganze Gemeinderat hat schon verstanden, dass ein üppiger Radverkehr der Autostadt auch gut täte, weil es dann nicht so viel Stau gäbe.

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  6. Zum ersten Foto: Das ist mitnichten der Cityring. Das ist der Westplatz, der mit dem Cityring zwar durch zwei Hauptverkehrsadern verbunden ist, aber nicht dazu gehört. Der Westplatz ist für mich auch ein ziemlich gutes Beispiel, wie man Radverkehr effektiv ausbremst und gefährdet. Vor sieben Jahren ist dort eine Radfahrerin getötet worden, die auf dem Radstreifen unterwegs war (der allerdings nicht auf dem obigen Foto zu sehen ist). Das indirekte Linksabbiegen ist ein Witz, die Wartezeiten sind exorbitant und auf einer Relation ist/war (zumindest noch vor anderthalb) eine Bettelampel zu bedienen. Wenn das ein Beispiel für gute Radinfrastruktur sein soll, muss es in Stuttgart noch finsterer aussehen, als ich bisher befürchtet habe.

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  7. Ich wohne derzeit in Leipzig und bin sehr viel mit dem Rad unterwegs. Die Situation hinsichtlich Radstreifen und Radwegen würde ich als befriedigend bezeichnen. Sehr ärgerlich ist, dass der Ring Radfahrer massiv ausbremst, weil man auf Fahrradstraßen und teilweise kombinierte Rad-Fußwege ausweichen muss. Ganz gut ist immerhin die bauliche Trennung zwischen Rad- und Fußweg nach der Umgestaltung des Brühl.

    Was Leipzig zu einer Radfahrerstadt macht ist das Vorhandensein eines grünen Bandes aus Auwald und Parks, das sich von Süden nach Nordwesten durch die gesamte Stadt zieht. Das Band ist zwischen 200m und 1km breit und kann mit dem PKW nur an vier Stellen gequert werden, ist aber für den Radverkehr eine echte Schnellverbindung vor allem in Nord-Südrichtung.

    Hinzu kommt, dass man als ortskundiger Fahrer die Nebenstrecken kennt, die für den PKW-Verkehr unattraktiv sind, beispielsweise wenn man eine Straßenbahnlinie nur zu Fuß oder mit dem Rad queren kann (ab und zu versucht das mal ein Paketdienstfahrer...). Das eröffnet Radlern viele Strecken, die kaum von PKW benutzt werden, wo man ohne Angst vor riskanten Überholmanövern und bei recht geringer Abgasbelastung da fahren kann, wo Radfahrer hingehören: Mit einem Meter Abstand rechts auf die Straße.

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  8. Ich finde Leipzig besser als Stuttgart. Klar, die Radstreifen, die immer wieder auch zu Radwegen werden, wirken schmal und nicht sonderlich gut gepflegt. Aber es gibt schön viele Radabstellanlagen rund um die Innenstadt. Es sind mehr Radfahrer unterwegs als bei uns. Leipzig wäre eigentlich jetzt reif für breite Radschnellwege und eine noch dominantere Radinfrastruktur, so als Vorzeige-Radstadt nach niederländischem Vorbild.

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