27. Mai 2016

Gefährliche Übergänge zwischen Gehweg und Fahrbahn - Unfallberichte


Ein Blick auf die Polizeimeldungen zu Unfällen zeigt, dass Radfahrer auf Gehwegen und beim Übergang von Gehwegen auf Fahrbahnen das größte Risiko haben, einen Unfall zu erleiden. 

Kopfverletzungen sind dabei eine große Gefahr, übrigens auch, wenn man einen Helm trägt. Es könnte sein, dass der Helm dann aber das Leben des Radlers gerettet hat. 

Ich beschreibe hier kurz die Radlerunfälle der letzten fünf Monate in Stuttgart, die ich gefunden habe.

Auf dem Gehweg mit Handy am Ohr. Verboten.
Wenn wir uns mit den Dingen, die passieren können, auseinandersetzen, haben wir eine Chance, uns besser zu verhalten. Dabei heißt für uns auch, sehr vorausschauend zu fahren. Beim Übergang über Fahrbahnen oder Stadtbahnschienen muss man langsam tun. Denn Autofahrer sind auf das Erscheinen und das Tempo von Fußgängern eingestellt, nicht aber darauf, die viel schnelleren Radler rechtzeitig zu erkennen. Autofahrer werden von uns überrascht. Fehler passieren auf beiden Seiten. Eine häufige Unfallursache ist Hetze und das allgemeine Bedürfnis, schnell noch irgendwo durchzurutschen oder zu überholen.

Für Autofahrer gilt: Ein Radfahrer muss nicht unbedingt so schnell wie möglich überholt werden. Schon gar nicht kurz vor Engstellen. So eilig haben wir es nie. Und selbst wenn, treffen wir den Radfahrer an der nächsten Ampel wieder. Auch ein Auto, das langsam hinter einem Radfahrer herfährt, muss nicht überholt werden. In der Liste ist ein Unfall, wo das zu einer Katastrophe für den Radler geführt hat. Auch weil einer der Autofahrer erst 23 war und ihm die Erfahrung fehlte.

Hier die Unfälle im Einzelnen:

Am 1.2. radelte ein 66-Jähriger in Stuttgart-Süd die Böblinger Straße entlang Richtung Erwin-Schöttle-Platz. An der Stadtbahnhaltestelle bog er über die Fußgängerfurt nach links über die Gleise ab, sah dabei aber die Stadtbahn nicht und wurde von ihr erfasst und zu Boden geschleudert. (Der Radler fuhr wohl bei Autogrün und Fußgängerot. Stadtbahnen werden außerdem häufig übersehen, sie sind ganz gefährlich für Radler und übrigens auch Fußgänger.) Am 22.2. stieß ein 74-Jähriger an der Einmündung Bachhalde/Mönchfeldstraße in Mühlhausen mit einem Auto zusammen und verletze sich schwer. Die Polizei ermittelte, dass der Radler eine Stoppstelle missachtete und von einem von links kommenden Auto erfasst wurde. Er trug einen Helm, zog sich aber dennoch Kopfverletzungen zu.

Am 23.2. fuhr ein 27-Jähriger mit seinem Rennrad in Sillenbuch die Hedelfinger Straße Richtung Heumaden auf der rechten Spur der Fahrbahn. Kurz vor dem Ortseingang überholte ein Autofahrer das Auto, das hinter dem Rennradler fuhr, einen BMW. Offenbar hatte der BMW-Fahrer auch gerade überholen wollen, brach aber ab. Er war dabei so schnell unterwegs, dass er nicht mehr bremsen konnte und mit großem Tempo in den Rennradler hineinfuhr. Der Radfahrer wurde über Motorhaube und Windschutzscheibe geschleudert und trotz Helm schwer verletzt. (Abstand halten von Radfahrern und Tempo anpassen! Eigentlich hat man es nie so eilig, dass man unbedingt noch überholen muss.)

Am 3.3. fuhr ein 58-jähriger Pedelecfahrer die Korntaler Straße entlang. Zeugen sagen, dass er kurz vor dem Marco-Polo-Weg bei Rot über eine Bedarfsampel gefahren sei. Ein Autofahrer, der von links aus der Burtenbachstraße kam, erwischte den Radfahrer und verletzte ihn schwer.

Am 2.4. war ein 25-jähriger Radfahrer auf der Ludwigstraße im Stuttgarter Westen unterwegs. An der Kreuzung Johannesstaße hat ihm ein Autofahrer die Vorfahrt genommen. Der Radler vollführte eine Vollbremsung, konnte aber den Zusammenstoß nicht ganz vermeiden, stürzte und wurde leicht verletzt. Er musste ins Krankenhaus.

Am 12.4. fuhr ein Radler in Feuerbach die Heidestraße entlang, als ein Schäferhund ihn unvermutet anfiel und mehrfach in Arme, Beine und Kopf biss. Der Hund fiel dann auch seinen Besitzer an. Der Radfahrer wurde schwer verletzt. (Ein Unfall, den er vermutlich nicht hätte vermeiden können. Achtung vor dem Hund! Aber so etwas passiert eher selten.)

Am 14.4. hat ein Radfahrer offenbar an der Hegelstraße einen vierjährigen Jungen angefahren und leicht verletzt. Der Radler fuhr wohl auf der Straße, die eine Mutter mit zwei Kindern überqueren wollte. Sie sah dabei den Radfahrer nicht. Der stürzte, blieb aber unverletzt. (Radfahrende werden oft von Fußgängern übersehen. Sie sind schmal und leise. Auch wenn der Radfahrer im Recht sein mag, tut er oder sie gut daran, vor allem bei Kindern mit allem zu rechnen.)

Am, 19.4. war ein 22-jähirger Radler auf dem Geh-/Radweg Heilbronner Straße stadteinwärts unterwegs. Ein Autofahrer Richtung Pragsattel stadtauswärts wollte auf Höhe von Hausnummer 88 nach rechts in die Tiefgarage einbiegen. Er sah den Fußgänger noch, aber nicht den Radfahrer, der erlaubterweise von links kam, erwischte ihn und verletzte ihn schwer. (Sehr gefährlich, diese Geh-/Radwege, wenn sie in Gegenrichtung zum Autoverkehr befahren werden müssen/dürfen. Im Grunde müssen Radfahrende auch hier immer auch den Autoverkehr im Auge behalten, vor allem bei Ein- und Ausfahrten. Die Sicherheit solcher Rad-/Gehwege ist nur sehr scheinbar.) 

Am 5.5. fuhr ein 68-jähriger Radfahrer in Cannstatt den Gehweg (Radfahren verboten) am Rosensteinschloss zur Wilhelma hinunter. Dabei touchierte er offenbar einen Fußgänger, der ebenfalls abwärts ging, und kam zu Fall. Er zog sich schwere Kopfverletzungen zu (kein Helm). Der Notarzt musste kommen. (Wenn man schon regelwidrig durch Fußgänger fährt, muss man Schrittgeschwindigkeit fahren. So eilig haben wir es nie, dass wir unbedingt an Fußgängern vorbeimüssen, wo es eigentlich zu eng ist.)

Am 7.5. fuhr ein elf Jahre alter Junge in Feuerbach auf der Wernerstraße mit dem Fahrrad vom Gehweg auf die Fußgängerfurt an der Siegelbergtraße. Ein Autofahrer wollte dem Jungen wohl ausweichen, machte außerdem eine Vollbremsung, konnte den Zusammenstoß aber nicht verhindern. Der Junge wurde schwer verletzt. (Gehwegradeln ist gerade für Kinder sehr gefährlich, wenn es ans überqueren von Straßen geht. Kinder haben den Überblick nicht. Eine Lösung für das Problem fällt mir nicht ein. Gerade Schulwege gehen oft über Gehwege und Fußgängerfurten. Natürlich müssen sich vor allem Kinder an die Regeln halten, also bei Rot warten. Allerdings sehen sie, dass wir erwachsenen Radfahrer/innen das oft auch nicht tun.)

Am 9.5. radelte ein 37-jähriger Radfahrer auf dem Gehweg gegen die Autofahrtrichtung die Wangener Straße entlang (Gehweg nicht freigegeben). Ein Autofahrer wollte aus einer Hofeinfahrt auf die Fahrbahn einbiegen und sah den Radfahrer nicht. Der Radfahrer wurde schwer verletzt. (Ganz furchtbar gefährlich, das Gehwegradeln auf der linken Seite entgegen der Fahrtrichtung der Autos. Autofahrer sind auf Fußgängertempo geeicht und gucken beim Rausfahren aus Einfahrten zudem vor allem nach links auf den Autoverkehr. Den Radler von rechts haben sie nicht auf dem Schirm. Hier fehlen Radstreifen auf der Fahrbahn, was Radler verleitet, den Gehweg zu nehmen, um die Konfrontation mit Autos zu vermeiden. Die Sicherheit auf dem Gehweg ist nur sehr scheinbar.) 

Am 17.12 fuhr eine 54-Jährige Radfahrerin in Feuerbach vom Gehweg an der Kärntner Straße zwischen zwei geparkten Autos hindurch auf die Fahrbahn. Dabei sah sie einen anderen Radler nicht, der auf der Fahrbahn unterwegs war. Die Radlerin stürzte und zog sich schwere Verletzungen zu. Sie trug keinen Helm.

Nach wir vor gilt, knapp die Hälfte aller Unfälle, die Radfahrer/innen erleiden, geschehen ohne Beteiligung eines Autos oder Fußgängers. Und die meisten davon dürften keinen Eingang in die Polizeimeldungen finden, weil die Polizei gar nicht geholt wird. Gefährlich sind hier zu enge Kurven, Lenkfehler und Bordsteine, vor allem auch diese 3-cm-Bordsteine, die wir in Stuttgart so lieben. Fährt man sie im spitzen Winkel an, haut es einem das Vorderrad weg und man stürzt. Der Blick auf den Untergrund, auf dem wir fahren, ist für Radfahrer sehr wichtig. Das ist auch ein Grund, warum der Blick zuweilen nicht nach oben auf Schilder oder Ampeln geht. Eigentlich müsste sich die Radinfrastruktur danach richten, dass Radfahrende runter schauen, während Autofahrer zurückgelehnt sitzen und ihr Blick eher nach schräg oben geht. Für Autofahrer sind Schlaglöcher und 3-cm-Bordsteine auch keine Gefahr.

Das wichtigste auch für Radfahrende: Langsam tun! Erst gucken, dann sich durchschlängeln. Es kommt immer das eine Mal, wo es nicht mehr gut geht.






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Kommentare:

  1. Beim Unfall am 07.05 fällt mir schon was ein: Tempo 30 in den Innenstädten und kinder nicht auf den Bürgersteigen lernen lassen. so wieso ein Unding.
    Wieviele Leute ich auf dem Rad auf Bürgersteigen sehe, ist nicht normal....
    Wahrscheinlich einmal konditioniert, fahren die meisten ab und zu Radler eben auf dem Bürgersteig...

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  2. Was soll diese dauernde Erwähnung ob mit Helm oder ohne? Man könnte auch schreiben das er keine Reflektoren hatte oder was auch immer. Der Helm ist keine Pflicht. sollte er Pflicht werden wars das für mich mit dem Radfahren

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  3. Michael, es zeigt sich eher, dass der Helm nix nützt. Kürzlich ist ein Radfahrer gestürzt, trug Helm und starb trotzdem an seine Kopfverletzungen. Nicht in Stuttgart und ohne Beteiligung anderer.

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    1. Meiner Meinung nach nutzt ein Helm etwas. Ich bin schon mit Helm gestürzt und war froh, dass ich einen an hatte.

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    2. Warum müssen immer die Schwachen etwas tun? Warum gibt es innerstädtisch keine Diskussion darum den Verkehr zu verlangsamen? In Stuttgart hat man den Eindruck das die Schilder nur Anhaltspunkte für den Autoverkehr sind, also man fährt eh immer 20 zuviel. Wenn man auf der B27 mit dem Auto 50 fährt wird man angehupt. Und ein Helm soll dort etwas nützen? Es gibt Studien die sagen das die Autofahrer sich gegenüber Helmträgern noch weniger rücksichtsvoll verhalten, warum sollte ich dann einen Helm tragen? Wenn die Helmpflicht kommt verkaufe ich mein Rad, dann ist es endgültig unattraktiv.

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