5. Mai 2016

Von der Schwierigkeit, den Radverkehr zu fördern - Degerloch

Degerloch hat es schwer mit der Reutlinger Straße. Die Radfahrer offenbar auch. Die Anwohner ebenfalls, besonders schwer aber hat es wohl die Politik. Das geht aus diesem Artikel der Stuttgarter Zeitung hervor. 

Tempo 40? Nö. Radstreifen? Nö. Tempo 30? Gott bewahre.

Da kann ich nur empfehlen: Liebe Radfahrer/innen, fahrt doch einfach auf der Fahrbahn. So schnell, wie ihr eben seid. Autos müssen hinter euch bleiben und zwischen 15 und 20 km/h fahren. Ich könnte mir vorstellen, dass die Idee, hier wenigstens bergauf einen Radstreifen einrichten, dann mehr Freunde findet.

Radstreifen sind sicher! Viel sicherer als das Radeln auf dem Gehweg oder Radwege (die sich auch auf dem Gehweg befinden). Und ungeübte Radfahrende fühlen sich auf Radstreifen auch sicherer. Und wir wollen doch den Radverkehr fördern, nicht den Autoverkehr. Geübte Radfahrer mögen diese Bodenmalerei für Räder sowieso nicht sonderlich. Sie fahren lieber mittig auf der Fahrbahn, vor allem mit Sicherheitsabstand zu geparkten Autos oder Grundstücksausfahren.

Auch Schutzstreifen sind noch sicherer, verglichen mit Gehwegradeln oder Radwegen: Weil sich Radfahrende dann auf der Fahrbahn bewegen und von Autofahrenden gesehen werden. (Auf Gehwegen werden sie nicht wahrgenommen und beim Abbiegen dann umgenietet.) Sie sind auch bei geübten Radlern eher akzeptiert, weil man sie als Radler ja auch verlassen kann, etwa, wenn die Fahrt an geparkten Autos entlang zu riskant ist.

Übrigens darf man auch gar keine Radspur (obligatorisch mit blauem Schild) einrichten, nur um den Radverkehr vom Autoverkehr so zu trennen, dass der Autoverkehr dann schneller vorankommt. Man darf ihn nur einrichten, wenn er mehr Sicherheit für Radfahrende schafft. Und da die Reutlinger Straße nach Auffassung der Lokalpolitiker offenbar sicher ist für Radfahrende, braucht man sie nicht. Wäre die Reutlinger Straße nämlich nicht sicher für Radfahrer, dann würden ja Politik und Polizei sofort alles dafür tun, um Gefahren zu entschärfen. (Falls hier jemand leichte Ironie heraushört, sie ist durchaus vorhanden. Es steckt aber auch ein Stück Ernst darin, denn:)

Radeln wir  halt auf der Fahrbahn. Das mache ich immer gerne in solchen Straßen. Autofahrer müssen dann halt langsam tun. Das tut allen gut. Auch den Anwohnern.

Kommentare:

  1. Zitat: "Radstreifen sind sicher" Beweis durch Fuß aufstampfen, liebe Christine?

    http://www.adfc-nrw.de/kreisverbaende/kv-bottrop/radverkehr/radwegsicherheit.html (da steht auch Interessantes zu den vielgelobten Radwegen in der Niederlande)
    http://www.rad-le.de/artikel/170-Radstreifen-die-besseren-Radwege.html
    http://www.adfc.de/verkehr--recht/radverkehr-gestalten/radverkehrsfuehrung/radweg-oder-strasse---bast-studie-zu-unfallrisiko-von-radfahrern

    Martin

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  2. Ich habe das Gefühl, das ich auf dem Radstreifen eher von Autofahrern respektiert werde, wie auf der "normalen" Fahrbahn.
    Außerdem finde ich, auf Gehwegen kann man gar nicht Rad fahren. Da kommt man schon aus Sicherheitsgründen so langsam vorran, da kann ich gleich gehen.

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  3. Erstmal sollte ein Radfahrstreifen breit genug sein und einen Sicherheitstrennstreifen zu parkenden Autos haben.
    -In Bezug auf den einbiegenden Verkehr sind Radfahrstreifen kein Problem, da Radstreifen und Fahrbahn direkt nebeneinander liegen und so mit einem Blick erfassbar sind.
    -Der entgegenkommende linksabbiegende Verkehr ist, soweit ich weiß, auch im Mischverkehr ein Problem. Auf einer Fahrbahn mit 2 Fahrstreifen pro Richtung ergibt sich dann auch die gleiche Konstellation, wie bei Radfahrstreifen.
    -Der rechtsabbiegende Verkehr an unsignalisierten Kreuzungen ist relativ unproblematisch, da dieser einen Radfahrer vorher auf dem Radstreifen überholt. Auf Fahrbahnniveau sind Radfahrer natürlich viel mehr sichtbar als auf Gehwegniveau, der vom Autofahrer eher ausgeblendet wird.
    -Der rechtsabbiegende Verkehr an signalisierten Knoten ist ein Problem, da Radfahrer am Ampelstau vorfahren und dann, wenn sie bei Grün eintreffen gefährdet sind, weil nicht geschaut wird. Hier kann man aber Veloweichen oder gemeinsame Fahrstreifen für Rechtsabbieger und Radfahrer anlegen, sodass sich Rechtsabbieger schon in der Kreuzungszufahrt mit den Radfahrern verflechten.

    https://www.google.de/maps/dir/52.5198672,13.2994035/Berlin+Brandenburger+Tor,+Berlin/@52.5263708,13.4153287,65m/data=!3m1!1e3!4m9!4m8!1m0!1m5!1m1!1s0x47a851c428a92a43:0x784cfd724198fb47!2m2!1d13.381815!2d52.516506!3e1

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  4. Erstmal sollte ein Radfahrstreifen breit genug sein und einen Sicherheitstrennstreifen zu parkenden Autos haben.
    -In Bezug auf den einbiegenden Verkehr sind Radfahrstreifen kein Problem, da Radstreifen und Fahrbahn direkt nebeneinander liegen und so mit einem Blick erfassbar sind.
    -Der entgegenkommende linksabbiegende Verkehr ist, soweit ich weiß, auch im Mischverkehr ein Problem. Auf einer Fahrbahn mit 2 Fahrstreifen pro Richtung ergibt sich dann auch die gleiche Konstellation, wie bei Radfahrstreifen.
    -Der rechtsabbiegende Verkehr an unsignalisierten Kreuzungen ist relativ unproblematisch, da dieser einen Radfahrer vorher auf dem Radstreifen überholt. Auf Fahrbahnniveau sind Radfahrer natürlich viel mehr sichtbar als auf Gehwegniveau, der vom Autofahrer eher ausgeblendet wird.
    -Der rechtsabbiegende Verkehr an signalisierten Knoten ist ein Problem, da Radfahrer am Ampelstau vorfahren und dann, wenn sie bei Grün eintreffen gefährdet sind, weil nicht geschaut wird. Hier kann man aber Veloweichen oder gemeinsame Fahrstreifen für Rechtsabbieger und Radfahrer anlegen, sodass sich Rechtsabbieger schon in der Kreuzungszufahrt mit den Radfahrern verflechten.

    https://www.google.de/maps/dir/52.5198672,13.2994035/Berlin+Brandenburger+Tor,+Berlin/@52.5263708,13.4153287,65m/data=!3m1!1e3!4m9!4m8!1m0!1m5!1m1!1s0x47a851c428a92a43:0x784cfd724198fb47!2m2!1d13.381815!2d52.516506!3e1

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  5. Selbst wenn Fahren auf der Fahrbahn mit KFZ die sicherste Variante der Radverkehrsführung darstellt, graut es mir bei der Vorstellung, dass Kinder von zehn Jahren, Senioren und unsichere Radelnde im Allgemeinen dort zwischen LKW, Bus, Lieferwagen und SUV fahren sollen. Das gilt aus meiner Sicht auch (etwas abgeschwächt) für Schutzstreifen und Radfahrstreifen. Hier sehe ich das Hauptproblem des Fahrbahnradelns, nicht bei der Sicherheit. Was bringt Sicherheit, wenn bestimmte Bevölkerungsgruppen dann eher weniger gern aufs Rad steigen?

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  6. Ich bin gegen Radschutzstreifen. In der Regel sind sie nicht breit genug. Autofahrer sehen sie als Radweg und halten keinen Abstand. Jeder der auf dem Schutzstreifen schon mal mit 20cm und weniger Abstand überholt wurde, hält von diesem Konstrukt wirklich nichts. Radwege und Schutzstreifen abschaffen, Radfahrer auf die Fahrbahn, dann ist gleich auch klar, welche Ampel gilt, und die "Maßregelei" durch enges Überholen, dass man doch gefälligst den Radweg benutze, hat endlich ein Ende.
    Viele Grüße
    Karin

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