11. Juni 2016

Hauptradroute 2 Ostheim-Wangen-Hedelfingen kann gebaut werden

Die Route stand im Gemeinderat, genauer dem zuständingen Ausschuss, noch einmal zur Disposition. 

Obgleich sich der Gemeinderat vor vielen Jahren einstimmig für den Ausbau des Hauptradroutennetzes ausgesprochen hatte, bekamen jetzt einige kalte Füße, als es an die konkrete Umsetzung ging. Was schreckte, war, dass wegen der Radfahrstreifen knapp 50 Parkplätze im Indusrtriegebiet und eine von zwei Linksabbiegespuren und eine Rechtsabbiegespur wegfallen. Dann doch lieber keine Radverkehrförderung.


Deshalb hatte der UTA (Ausschuss für Umwelt und Technik) am vergangen Dienstag über einen Antrag der Freien Wähler zu beraten, der forderte, doch die Nätherstraße als Hauptroute anzubieten. Auch die Bezirksbeiräte von Wangen und Hedlelfingen haben die Route abgelehnt, wegen der Parkplätze. Die allerdings sind nur zur Hälfte ausgelastet, werden von Gewerbetreibenden zweckentfremdet und berühren überhaupt niemanden, der dort wohnt, denn dort wohn niemand. Es ist ein reines Gewerbegebiet, wo viele Firmen eigene Parkplätze haben.

Die Stadtverwaltung hat auch genauestens geprüft, inwieweit die Radspuren den Autostau vergrößern. Der Effekt ist da, aber nicht groß und betrifft nur zwei Stunden am Tag, einmal morgens, einmal abends. Ohne kleine Einschränkungen für den Autoverkehr ist aber eine Zunahme des Radverkehrs nun mal nicht zu haben. Die Radler werden nicht mehr, wenn es bequemer bliebt, mit dem Auto zu fahren und - hier ganz wichtig! - wenn es unsicher und gefährlich erscheint, auf dieser Straße mit dem Rad zu fahren. Solange der Autoverkehr die Radler verdrängt oder auf Gehwege scheucht, wird das nichts, mit einer Entlastung des Autostaus in Stuttgart durch Radfahrende. Die Politik kann nicht im Prinzip eine Hauptradroutennetz beschließen und dann, wenn es an die Umsetzung geht, zurückschrecken, weil der Autoverkehr

Die meisten fuhren hier auf dem Gehweg. Mit dem Effekt, dass es im vergangenen Jahr zehn typische Unfälle gab: Auto fährt aus Einfahrt raus und sieht den Radler auf dem Gehweg nicht, der von rechts kommt, beim Einbiegen werden Radler umgefahren, die rechtens auf dem Gehweg kamen und Vorfahrt hatten und so weiter. Radspuren schaffen hier deutlich mehr Sicherheit, weil Autofahrer die Radler immer sehen.

Der Ausschuss hat Antrag, die Radspuren nicht zu bauen, mit knapper Mehrheit abgelehnt. Zum Glück.

Denn die Nätherstraße (auch von einigen Kommentatoren hier immer wieder ins Spiel gebracht), ist schmal, teilweise nicht beleuchtet (würde ich bei Dunkelheit nicht fahren) und ihr Belag ist schlecht. Diese Dinge könnte mann natürlich mit ordentlich Geld auch ändern. Was man nicht ändern kann, sind die beiden Steigungen, eine von 8,5 Prozent und die zweite von 14,5 Prozent (da müssen sogar Pedelecfahrer sportlich sein!). Für alle Radler, die nicht aus Ostheim kommen, sondern aus Cannstatt, also vom Neckar her, ist die Nätherstraße auch nicht der nächste Weg Richtung Hedelfingen oder durch Wangen und nur mithilfe guter Beschilderung zu finden.

Der Ausbau beginnt in der Ulmer Straße Richtung Wangener Marktplatz und Hedelfingen. Leider endet er aus Richtung Hedelfingen auch vor der Kreuzung, jedenfalls, so wie er momentan geplant ist.

An den Otto-Konz-Brücken, wo es zum Hafen geht, gibt es für die Radler, die dort hin wollen, leider nur eine indirekte Linksabbiegespur (die man nicht benutzen muss, man kann sich auch auf der Linksabbiegespur für Autos einreihen).
Wer aus Hedelfingen kommt und nach rechts zu den Brücken will, muss das ebenfalls auf der Autospur tun.
Die Radspur geht nur geradeaus. Für alle, die von den Otto-Konz-Brücken kommen gibt es allerdings eine direkte Linksabbiegespur Richtung Hedelfingen. Die Logik dahinter werden wir uns noch mal erklären lassen.

Nachtrag Jan. 2017: Das Projekt ist noch in der Warteschleife, weil im Ausschuss des Gemeinderats die konservativen Parteien zusammen mit dem Stadtisten Ralph Schertlen die Verwaltung, trotz des gültigen Beschlusses, doch noch mal dazu aufgefordert haben, die Route zu prüfen.

Kommentare:

  1. Das war knapp. Gut, das die Radroute am Ende nicht abgesägt wurde. Die freien Wähler sind bei der nächsten Kommunalwahl für mich gestorben.

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  2. Glückwunsch, dass es mit dem Ausbau weitergeht. Aber, ganz ehrlich, ich würde noch ungerner als sonst auf den hier vorgeschlagenen Radspuren fahren. Wenn ich an der einen Stelle z. B. geradeaus wollte, müsste ich möglicherweise schön zwischen zwei LKW durchfahren *schlotter* (ist doch ein Gewerbegebiet, oder?).

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  3. Au ja, klasse! Benutzungspflichtige Radstreifen, damit man noch dichter überholt wird! Spitzenidee!

    Wird wirklich mal Zeit daß die Stadt den §45 StVO näher kennenlernt. Und dieser unfähige Gemeinderat mit!

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  4. … und schon wieder wird das Projekt Hauptradroute 2 torpediert.

    Siehe StN vom 30.09.2016

    http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.hauptradroute-2-durch-hedelfingen-und-wangen-cdu-lehnt-geplante-radroute-weiter-ab.9c70858f-77c9-479c-9ac9-59fcbd2850a6.html

    Es ist mir ein Rätsel, wie sich die Vertreter der Bezirksbeiräte Hedelfingen / Wangen die Alternative zur Hauptradroute 2 vorstellen. Es wird immer wieder argumentiert, dass die auf der Alternativroute zu überwindenden Steigungen (8% und 14,5%) kein Problem darstellen und am besten das Ganze in einen Familienradweg ausgebaut werden soll. Hier wird wieder ersichtlich, dass die betroffenen Radler als „Hobby- und Freizeitradler“ betrachtet werden.
    Hat denn hier niemand verstanden, dass es darum geht, die Strecke für Berufspendler und z.B. Schüler auf dem Fahrrad attraktiver und ungefährlicher zu gestalten? Radler werden nach wie vor, als Verkehrsteilnehmer 2.Klasse betrachtet.
    Gebetsmühlenartig werden immer wieder die Parkplätze (im Industriegebiet) welche entfallen sollen und der Wegfall von Abbiegespuren als Argument aufgeführt.
    Die Möglichkeit durch die Stärkung des Radverkehrs, mehr Menschen fürs Rad zu begeistern und damit grundsätzlich der PKW-Verkehr zu reduzieren, wird komplett ausgeblendet.

    Ich hoffe inständig, dass die Vertreter der Stadt hier Stand halten und ihre Planung durchziehen. Darüber hinaus wäre doch, ganz im Sinne der Betroffenen, eine Befragung der Radler (in der Sommersaison) zielführend.



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    1. Danke. Die Radspuren sind beschlossen. Ich hoffe, sie werden auch gebaut. Die Nähterstraße ist wirklich keine Alternative, sie ist zwar wirklich gut zu beradeln, aber nicht auf ganzer Länge, und im Winter und bei Dunkelheit ist der unbeleuchtete Teil nicht akzeptable für Frauen. Auch wenn man ihn beleuchten würde, ist der so abgetrennt von der Straße, dass Hilferufe verhallen würden. Die soziale Sicherheit ist in keinem Fall gegeben. Nachts radle ich beispielsweise nur durch bewohntes Gebiet oder eben entlang der Hauptstraßen.

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  5. Ich höre hier immer wieder dass Parkplätze im Industriegebiet wegfallen, dass aber entlang der Hedelfinger Str. vom Marktplatz kommend Richtung Hedelfingen (noch vor Obi) Industriegebiet ist, ist mir neu. Auch möchte ich gerne Wissen wo die Nähterstr. eine Steigung von 8,5% und sogar 14,5% aufweist!

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  6. Der Landkreis Esslingen hat im Sommer eine Radverkehrskonzeption beschlossen mit einem Radschnellweg zwischen Plochingen und Hedelfingen auf der Neckarsüdseite. Es ist ganz logisch, dass eine "Fahrradautobahn" eine hochwertige Fortsetzung auf Stuttgarter Gemarkung braucht. Thomas Albrecht

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  7. ... tja, wenn man der Presse folgt, dann ist die Sache leider nicht in trockenen Tüchern!

    http://wilih.de/hauptradroute-2-doch-noch-alternative-pruefen#more-10996

    Nach wie vor wird durch CDU & Co massiv die Verlegung bzw. Umplanung der Hauptradroute 2 gefordert. Was ein Wahnsinn! Es scheint niemanden zu interessieren, dass die Route den PKW-Verkehr langfristig reduzieren soll und daher für Radler eine direkte und schnelle Anbindung an den Neckarradweg erforderlich ist!
    Jetzt heisst es sich für die bestehende Planung einzusetzten!

    Gruss Jahn

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    1. Ja, ich weiß. Aber das dürfte nur Aufschub bedeuteten, denn letztlich muss man ja einen Radweg/Radspuren anlegen, weil die Nätherstraße gerade dort, viel zu steil ist und außerdem weiter Richtung Wangen zudem noch unbeleuchtet und ziemlich einsam und fernab, also unsicher.

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    2. Hallo Christine,

      ... gibt es bzw. hast du einen neuen Stand hinsichtlich der Hauptradroute 2 und deren Umsetzung und Terminschiene?

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    3. Ja, gibt es, aber das läuft derzeit noch nicht öffentlich. Im zuständigen Ausschuss des Gemeinderats wurde ja mit der Stimme des Stadtisten eine zweite Prüfung erwirkt. Die ist noch im Gange. Es wird aber in ein paar Wochen eine Entscheidung geben, schätze ich. Ziel der Verwaltung ist, die Strecke zu bauen.

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